Wartung Steyr 680 – Einspritzpumpe unterwegs von Diesel befreien

MichaelWerkstatt

Steyr 680 Einspritzpumpe / Wartung

Seit 5 Tagen stehen wir auf dem kostenlosen Wohnmobilstellplatz unweit der Bardenas Reales. Langsam wird es Zeit weiterzuziehen. Unser nächstes Ziel ist ein als Hippiestrand bekannter Freistehplatz, der uns empfohlen wurde. Wir sind gespannt.

Doch wie alle 2000 – 3000 km: Statt nur zu fahren muss man dem Reisemobil auch mal wieder ein kleines Pflegeprogramm zukommen lassen.

Diesmal steht auf dem Plan:

  • Abschmieren (wie bei allen alten Fahrzeugen in regelmäßigen Abständen)
  • Diesel aus der Einspritzpumpe ablassen (spezifisch notwendig beim Steyr 680)
  • Federringe an der Mitnehmerplatte der Steckachsen austauschen (siehe unser chaotisches Video: Mit 40 lockeren Schrauben durch Frankreich)

Diesmal geht es bei mir nicht weniger chaotisch zu. Unsere Staukästen sind vollgestopft mit viel zu viel Zeug und das viel zu unsortiert.

Zum Glück ist es aber völlig egal wie chaotisch es aussieht, so lange man die Wartungsarbeiten ordnungsgemäß ausführt.

Einspritzpumpe von Diesel befreien

Was das mit dieser Wartung der Dieselpumpe auf sich hat, sind wir schon von vielen Fahrern anderer Fahrzeuge gefragt worden, die uns deswegen regelmäßig mit großen Augen ansehen. Und auch als Neu-Steyr 680 Besitzer, muss man sich damit erst einmal vertraut machen, da man diese Arbeit eben nicht standardmäßig von anderen Fahrzeugen kennt.

Für alle, die sich dafür interessieren, möchten wir unseren Kenntnisstand hier einmal weitergeben:

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Warum man die Einspritzpumpe des Steyr 680 pflegen sollte

Beim Steyr 680 muss aller spätestens nach 5000 Kilometern die Einspritzpumpe von durchgedrücktem Diesel befreit werden. Das hört sich komisch an – ist auch komisch.

Aus irgendeinem Grund hat Steyr es nicht hinbekommen, dass sich kein Kraftstoff in den Schmiersumpf der Einspritzpumpe drückt. Lässt man ihn nicht regelmäßig ab, wird der Kolben der Einspritzpumpe nicht mehr geschmiert. Der Schaden kann die Pumpe komplett ruinieren.

Heutzutage kosten diese Einspritzpumpen ein kleines Vermögen. 1200,- für eine Ersatzpumpe sind da schon mal fällig. Außerdem weiß man von dieser Pumpe nicht wie gut sie ist. Es handelt sich dabei immer um Ersatzteile aus Schlachtfahrzeugen. Und solche Ersatzteile überhaupt erst mal aufzutreiben, steht dabei noch einmal auf einem ganz anderen Blatt.

Auf die Einspritzpumpe achten wir also sehr genau, zumal man nicht will, dass sie irgendwo auf dem Land in Spanien oder Marokko den Geist aufgibt. Das macht die Ersatzteilbeschaffung auch nicht wirklich leichter.

Wir haben übrigens festgestellt, dass es dem Fahrzeug ganz offensichtlich sehr gut tut, wenn man das Intervall dieser Wartung verkürzt. Das Ansprechverhalten verbessert sich nach dem Auffüllen des Schmiersumpfes der Einspritzpumpe merklich!

Was zu tun ist – Anleitung

Die Wartung der Einspritzpumpe ist einfach und schnell erledigt. Jedoch muss man sagen, dass von Seiten der Konstrukteure auch hier noch ganz viel Luft nach oben gewesen wäre.

Die einzelnen Schritte lauten wie folgt:

  • Den kompletten Boden unter dem vorderen Fahrzeugbereich flüssigkeitsdicht abdecken. Leider ist es unmöglich, den Diesel aus der Pumpe abzulassen, ohne dass er unkontrolliert an irgendwelchen Bauteilen des Motors herunterläuft. Wie gesagt: Konstruktiv wäre da noch Luft nach oben gewesen.
  • Einen Eimer oder sonstiges Gefäß unterhalb der Füllstandschraube platzieren, um den Diesel aufzufangen.
  • Einfüll- und Entlüftungsverschluss (Nr 5, roter Plastikschraubverschluss) aufdrehen.
  • Die Füllstandschraube (Nr 9) öffnen.
Steyr 680 Einspritzpumpe / Wartung
  • Der überschüssige Diesel läuft nun aus der Füllstandschraube heraus. Warte ein bisschen, bis der Strahl schwächer wird.
  • Fülle etwas Öl (das Gleiche, das Du auch für den Motor verwendest) durch den Einfüllstutzen (Nr.5, roter Schraubverschluss) nach.
  • Wiederhole den Vorgang so lange, bis kein Diesel, sondern frisches Öl aus der Füllstandschraube fließt. Der Übergang ist schleichend und am besten an dem veränderten Fließverhalten feststellbar. Probiere beim zerreiben zwischen den Fingern, ob sich die Flüssigkeit mehr nach Diesel oder nach Öl anfühlt.
  • Schließe die Füllstandschraube gewissenhaft aber nicht zu fest.
  • Drehe den roten Schraubdeckel wieder auf.

Noch ein guter Tipp: Mach diese Arbeit auf keinen Fall bei Wind! Die Sauerei ist eh schon nicht zu vermeiden, aber bei Wind ist das unkontrollierte Ablaufen des Diesels eine Katastrophe.

Weiter zum Hippiestrand

Nach getaner Arbeit erreichen wir La Higuerica, einen Strand an der Grenze nach Andalusien.

Angepriesen wurde er uns als „toller Freistehplatz mit Hippiefeeling“. Hört sich ja gar nicht so schlecht an.

Warum unser Video-Tagebucheintrag mit einem Blick aus der Ferne abschließt, ohne über den Platz ansonsten ein Wort zu verlieren? Es hat uns bei der Besichtigung des Platzes und Drehen des Videos sprichwörtlich die Sprache verschlagen.

Ob es dort immer so ist, vermögen wir nicht zu beurteilen … aber als wir den Platz besuchen, handelt es sich um einen verwahrlosten Strandabschnitt, in dem Menschen in Wohnmobilen zwischen ihrem ganzen Müll herumsitzen. Auch die Entleerung der Kassettentoiletten scheint standardmäßig in den umliegenden Büschen zu erfolgen.

Wir können nicht fassen, dass sich jemand hier wohlfühlen kann. Als wir ankommen, sind wir schon einigermaßen geschafft vom Tag und es ist auch schon relativ spät. Wir beschließen deswegen eine Nacht auszuhalten und am Morgen direkt weiter zu fahren.

Es geht dann weiter über Mini Hollywood bis Tarifa, wo wir die Fähre nach Marokko nehmen wollen. Dass auf diesem Weg ein Pizzaabend mit Freunden von der Polizei beendet werden würde, wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht …

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