Pistensuche in Marokko – Ein Offroad-Abenteuer

MichaelMarokko, Offroad2 Comments


Erlebe in diesem Marokko Videotagebuch ein Offroad Abenteuer der speziellen Art. Eine Pistensuche die Opfer fordert und eine Landschaft zum Träumen!

Auf dem Hügel stehend verfolgen wir den kleinen Punkt am Himmel, der sich immer weiter entfernt. Aus der Nähe hörte man noch das typische Geräusch, das klingt, wie ein riesiger Schwarm Bienen. Doch nun ist der Punkt zu weit weg, das Geräusch mehr wahrnehmbar. Unsere Augen haben Mühe der Bewegung des weißen Tupfens weiter zu folgen. Doch! Da ist er! Wo er auch zu erwarten war, in ungefähr 150 Metern Höhe über einem trockenen Flussbett. Schon der nächste Moment trifft uns allerdings mehr als unerwartet und lässt uns für Bruchteile von Sekunden erstarren. Mit offen stehenden Mündern sehen wir uns an und Micha rennt los. Ja, wir hatten uns nicht getäuscht – der weiße Punkt ist einfach wie ein Stein vom Himmel gefallen, unsere Drohne ist abgestürzt. Den Aufprall aus dieser Höhe wird sie wohl nicht überlebt haben.

Na das hat uns jetzt noch gefehlt! Da stehen wir nun: Vor uns eine bestimmt 30 Meter hohe Steilklippe, hinter uns ein Geröllfeld, durch das wir Herman zuliebe mehr als nur ungern wieder zurück fahren möchten. Ob rechts oder links irgendwo die Zivilisation in Form einer Piste auf uns wartet, das sollte uns der Blick aus Sicht der Drohne verraten …


TREFFEN MIT STERNCHEN UND ELLIE

Dabei hatte alles so locker flockig angefangen. Eine Verabredung zum kennen lernen, mal eben schnell irgendwo in Marokko – ist doch kein Problem, das Land ist ja klein!

Gesagt, getan. Mit Edith und Ulrich Dolde, die in ihrem Mercedes Benz „Sternchen“ unterwegs sind und ihren Freunden Brigitte und Wolfgang im Mercedes LKW „Ellie“, verstehen wir uns auf Anhieb. Schnell ist beschlossen, die nächste Pistentour gemeinsam zu fahren und dafür nehmen wir sogar eine Übernachtung auf dem Campingplatz „in Kauf“. In der Umgebung des Städtchens Tata ist ein schöner Freistehplatz mit guter Internetverbindung zum Arbeiten nicht so leicht zu finden und deswegen haben sich die anderen bereits auf dem Camping Hayat einquartiert. Im Nachhinein hat es sich als gute Idee herausgestellt, den Abend dort gemeinsam zu verbringen. Der Platz liegt traumhaft an einem kleinen Flüsschen und hat einen wunderschönen Blick darüber hinweg auf eine verlassene, im Sonnenuntergang herrlich erstrahlende Kashbah zu bieten. Vor der Abfahrt können wir hier noch einmal unsere Vorräte mit Wasser auffüllen und Herman bekommt vor der nächsten Piste in aller Ruhe ein Wohlfühlprogramm für die Gelenke in Form von gutem Hochleistungsfett.

Camping Hayat findest Du hier: (N 29.73892,  W 7.97763  N 29°44’20“,  W 7°58’39“) Der Platz liegt stadtnah doch ruhig. Naja fast ruhig, wenn man bedenkt, dass morgens um viertel nach vier der erste Muezzin in gefühlten 10 Metern Abstand vom Wohnmobil zum Gebet bittet. Muezzin Nummer zwei folgt mit einem Zeitversatz von wenigen Minuten und die dritte Moschee der Stadt ist nochmal ein viertel Stündchen später dran. Als gläubiger Moslem darf man wohl kein Langschläfer sein. Besucht bei Eurem Marokkoaufenthalt die Stadt Tata unbedingt, sie ist eine echte Perle!


VON TATA NACH TISSINT

10 Uhr am Morgen – es geht los. Nach 60 km Teerstraße und einem traditionellen „Berber-Whiskey“ (also einem Glas voller Zucker mit ein wenig Pfefferminztee) in Tissint, biegen wir bald endlich rechts auf die Piste ab. Was für eine staubige Angelegenheit! Das vorausfahrende Fahrzeug verschwindet hinter einer dichten Wand aus aufgewirbeltem Wüstenboden. Rotbraun steigt die undurchdringlich dicht scheinende Wolke hinter den LKW’s auf, es wirkt, als würden die Fahrzeuge brennen und in voller Fahrt ihre Qualmwolken hinter sich herziehen. Die Fahrer müssen höllisch aufpassen, nicht in den Staub der anderen hineinzufahren, denn damit ist wohl auch der beste Luftfilter überfordert und der Dreck frisst bald Riefen in den Brennräumen des Motors. Klarer Fall: DAS macht Spaß!!! Wir haben Glück und der Boden ist hier über etliche Kilometer eine recht ebene Fläche ohne große Löcher oder Gestein. Dementsprechend geben wir Gas und freuen uns wie kleine Kinder über den aufgewirbelten Dreck. Bis zu der Stelle mit dem Schild „Access interdit. Zone Miliär!“ So ein Mist. Kaum auf der Piste, schon stehen wir vor Sperrgebiet. Diese Erfahrung mussten wir auf unserer Tour nun schon ein paar mal machen und auch Freunde, die wir unterwegs treffen, erzählen uns immer wieder, dass sie sich umorientieren oder gar umkehren mussten, weil der Sperrstreifen zu Algerien erweitert wird.

Pistensuche in Marokko - Offroad Total
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Pistensuche in Marokko
entlang der Militärzone

Nach kurzer Überlegung beschließen wir, uns offroad zu einer parallel verlaufenden Piste durchzuschlagen. Kein Problem, unsere Fahrt geht vorbei an traumhaft schönen Wüstenlandschaften und wir queren das Oued Tissint, das im Moment ein bisschen Wasser führt. Die Strecke macht Spaß, doch wir brauchen nun länger als geplant. Vor allem als die Piste immer schwerer zu erkennen wird und wir auf der falschen Seite in ein Tiefsandfeld fahren. Nein, keine Chance, hier müssen wir umkehren. Also rein, mit dem Rückwärtsgang, die Stelle zum Wenden falsch ausgesucht, ein kleiner Fahrfehler dazu – und Herman steckt erst mal fest. Kein Wunder, wir haben ja auch nichtmal Luft aus den Reifen abgelassen. Dass er mit 7 Bar überhaupt bis hier hin gekommen ist, macht uns stolz. Der Einfachheit halber beschließen wir, Herman zum Anschleppen an den Mercedes von Edith und Ulrich zu hängen, so kann es schnell weiter gehen. Nun ja – Herman wäre auch ohne das diese Aktion wieder aus seiner Minisenke gekommen, zum weiterfahren war es nun aber trotzdem zu spät. Folglich wurde das Lager einfach direkt an Ort und Stelle aufgeschlagen.


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Ohne Pisten, Offroad weiter

Eine Ziegenherde ist es, die uns morgens mit ihrem Gemecker weckt. Neugierig kommt der junge Ziegenhirte zum bestaunen der drei LKW’s. Wir erfahren, dass er den Sommer über in der Hauptstadt arbeitet und im Winter die Ziegen seiner Familie hütet. Stolz schenkt er eine Kostprobe der frischen Ziegenmilch in unsere Tasse und freut sich, dass sie uns schmeckt. Sehr praktisch, einen netten Einheimischen fragen zu können, wo denn nun die Piste verläuft, die wir eigentlich suchen. Nach ein paar einzelnen Brocken Französisch und wild gestikulierten Handzeichen ist alles klar und wir kennen den Weg.

Wieso genau wir uns nicht an die Wegbeschreibung des netten Hirten gehalten haben, ist im Nachhinein nicht mehr genau zu klären. Fest steht, wir biegen schon nach einigen hundert Metern wissentlich in die falsche Richtung ab. Wieso sollte man jemandem der ein Gebiet wie seine Westentasche kennt, weil er es tagtäglich zu Fuß durchquert auch mehr vertrauen, als einer Karte auf dem Garmin Handgerät? Dies war der Zeitpunkt an dem die Tour erst wirklich spannend werden sollte.

Wir haben nicht viel Strecke gemacht, seit wir von der empfohlenen Route abgebogen sind. Doch dafür stehen wir schon bald ganz schön weit im Nichts. Die Piste, der wir folgen, hat uns in eine grandiose Landschaft geführt – und uns dort, unerwarteter Weise, einfach verlassen. Egal. Der neue Plan lautet, so gut es geht Luftlinie auf unseren nächsten Nachtplatz zu zu halten und irgendwo werden wir dann schon wieder auf andere Fahrspuren stoßen! Das dies ein guter Plan war, daran glauben wir noch heute – wir konnten ja noch nicht wissen, dass diese Luftlinie so häufig von Klippen, LKW vernichtenden Geröllfeldern und Oueddurchfahrten mit tiefem Schlamm und Wasser gekreuzt wird! Wir arbeiten uns also nach vorne. Immer ein kleines Stückchen weiter, denn wie heißt es: mühsam nährt sich das Eichhörnchen, doch irgendwann ist es fett, denken wir. Mal brauchen wir mehrere Anläufe um uns unbeschadet einen Weg über dickes Gestein zu bahnen, mal bleibt der „Vorreiter“ im Schlamm stecken, mal müssen wir unser Weiterkommen an einer ganz anderen Stelle ausprobieren… Auf diese Weise manövrieren wir uns immer weiter in den Schlamassel hinein bis wir mal wieder an einer Klippe zum Oued hinab zum stehen kommen. Nein. Hier geht es nicht weiter, so viel steht schon mal fest. Ob es hier besser nach Rechts oder nach Links weitergeht? Diese Frage soll nun die Drohne anhand einer Luftaufnahme klären …


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Rückzug

Mit unserem „Schwebestativ“ ist auch unsere Lust weitere Risiken einzugehen eindeutig dahin. Was für ein Scheiß. Nicht nur, dass uns ein paar hundert Euro auf dem Boden des Oued zerdeppert sind – viel schlimmer ist, dass wir von den schönen Landschaften, die wir in Marokko noch besuchen wollen, keine Erinnerungen in Form von Luftaufnahmen mit nach Hause nehmen können. Diese transportieren einfach am besten das Gefühl von Weite und Freiheit, das man hier erleben kann. Warum die Drohne abgestürzt ist? Keine Ahnung! Der Akku ist geladen, das GPS kallibriert, der Flug in Reichweite des Signals, als die Motoren sich abschalten und die letzten Sekunden im Leben der Riesenbiene einläuten….

Unsere zuvor selbst gelegte Fährte durch die Schlamm und Geröllfelder, lässt uns in relativ kurzer Zeit wieder da angekommen, wo wir am Morgen nicht auf den netten, jungen Ziegenhirten gehört haben. Jetzt einmal links abbiegen, wie empfohlen. Die Fahrt zum Nachtplatz im Palmenhain ist nun zwar wesentlich weniger abenteuerlich, doch die Landschaft wäre hier mindestens genau so schön gewesen. Durch die gute Piste schaffen wir es, noch vor Sonnenuntergang unser Lager einzurichten.

Klar: Der Verlust der Drohne hat uns schon etwas traurig gemacht. Doch würden wir uns entscheiden können, die letzten Tage noch einmal exakt genau so zu machen, wir würden es jederzeit tun. So liebe Menschen kennen zu lernen und gemeinsam aufregende Abenteuer zu erleben – das ist einfach die Essenz dessen, warum wir ein Leben „on the Road“ gewählt haben! Die neu entstandenen Freundschaften bedeuten uns eine Menge und unser Leben ist wieder ein Stückchen reicher geworden!

Danke für die schöne Zeit mit Euch, Edith, Brigitte, Wolfgang und Ulrich!

2 Kommentare zu “Pistensuche in Marokko – Ein Offroad-Abenteuer”

  1. Hallo liebe Herrman’s!
    Immer wieder schön euere spannenden Berichte, wie dieser oder das Wadiwasser! Schön ist für uns, dass wir nicht selbst durchgeschüttelt werden…unserem Wohnmobil reicht schon der kleinste Drempel, dass alles rappelt, von unseren 60 J alten Bandscheiben ganz zu schweigen…
    Allerdings kommen sogar wir in brenzliche Situationen, wenn wir ein spezielles Ziel ansteuern, wie letztes Jahr endlang dem Canal de Midi, wo plötzlich auch regelrechte‘ Pisten‘ auftauchen, sodass wir schon dachten unser Sperrdifferenzial einzuschalten, als es nass wurde! Und vor garnicht langer Zeit (2015) schwamm unser schöne neue Wohnwagen in Südfrankreich weg. Leben jetzt auf Boot, kann nix mehr passieren?
    Man muss also nicht unbedingt nach Afrika!
    Weiter viel Glück und interessante Reisen!

    1. Hallo ihr zwei Lieben! 🙂
      Oh nein, Euch ist der Wohnwagen bei dem Unwetter weggeschwommen!?! Das war ja echt der Hammer da 2015, aber Hauptsache EUCH ist nix passiert! :))
      Wir freuen uns schon auf das geplante Kennenlernen!
      Ganz dickes Dankeschön für das Lob an unsere Pistenberichte und bis schon bald,
      Sabine und Micha

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