Funkgeräte im Wohnmobil – Mach nicht unseren Fehler beim Kauf

SabineAllgemein, ausruestung5 Comments

Auf unserer Reise durch Tunesien haben wir zum ersten Mal Funkgeräte im Wohnmobil benutzt. Seit dem ist für uns klar: Wir wollen darauf in Zukunft nicht mehr verzichten. Allerdings hätten wir uns vor der Anschaffung besser informieren sollen. Ein paar fachkundige Amateurfunker haben uns nach dem Anschauen unserer Youtube Videos aus Tunesien darauf hingewiesen.

Thomas und Nanni sind seit 30 Jahren verheiratet – und haben sich tatsächlich über Funk kennengelernt. Seit dem funken die beiden gemeinsam durch die Welt. Auch von ihrem Wohnmobil aus.

Mit ihrer Hilfe haben wir für Dich nun einmal das Thema Funkgeräte im Wohnmobil angepackt, denn so genial Handfunkgeräte für unterwegs sind: Beim Kauf gilt es ein paar ganz wichtige Dinge zu beachten.


Inhalt:


Funkgeräte im Wohnmobil – Wofür überhaupt?

Schon lange war uns der Gedanke gekommen, dass es von Vorteil sein könnte, Funkgeräte mit dabei zu haben.

Erstens kann es vorkommen, dass man unterwegs nette Menschen kennenlernt, mit denen man ein Stück zusammen fahren will. Sich mit ihnen von Fahrzeug zu Fahrzeug verständigen zu können, ist Gold wert.

Zweitens gestaltet es sich manchmal als etwas stressig, wenn der Beifahrer den Fahrer von draußen irgendwo einweisen will. Durch das Laufen des Motors hört man sich aus ein paar Metern Entfernung nicht mehr richtig. Dazu kommen Umgebungsgeräusche und die Hektik in einer Stadt, zum Beispiel wenn man sich in kleine Parklücken einweisen will. Muss man sich dabei anschreien, verursacht das Stress, der ganz einfach vermeidbar wäre.

Bisher hatten wir uns allerdings immer vor der Anschaffung gedrückt – wollten kein Geld ausgeben für etwas von dem wir nicht wussten, wie häufig wir es tatsächlich benutzen würden.

Und dann stand unsere Tunesien Reise bevor. Mit Freunden, verteilt auf fünf Fahrzeuge, wollten wir los ziehen und die Wüste erkunden. Dabei war einem von uns völlig klar, dass Funkgeräte kein herausgeworfenes Geld sein würden. Er hat dafür gesorgt, dass wir uns alle von Fahrzeug zu Fahrzeug verständigen können – es stellte sich als beste Idee überhaupt heraus.

Man kann wirklich behaupten, dass wir uns die kleinen Dinger, für das Gelingen der Reise mit so vielen Leuten, nicht hätten weg denken wollen!

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In welchen Situationen haben sich die Funkgeräte bei uns bewährt?

  • Pinkel-, Essens-, und sonstige Pausen während der Fahrt einleiten.
  • Der Vorausfahrende sieht ein Hindernis oder man hat das Gelände unterschätzt und kann die anderen warnen.
  • Man will unterwegs spontan die Strecke ändern und kann sich kurz besprechen.
  • Jemand kann voraus laufen und seinen Mitfahrer oder die anderen über Geländehindernisse lotsen.
Funkgeräte im Wohnmobil - Einweisen im Gelände
Bei unserer „Dünenfahrschule“ erwiesen sich die Funkgeräte als Glanzstücke menschlicher Erfindung. (Szene aus unserem Video Oasen hoppen und Kamele shoppen)
  • Man kann sich mit mehreren Fahrzeugen bei der Parkplatzsuche in der Stadt abstimmen.
  • Der Beifahrer kann den Fahrer einweisen.
  • Jemand hat sich festgefahren und kann den anderen Bescheid sagen, dass sie warten sollen.
  • Wenn sich jemand von der Gruppe entfernt (z.B. um mit dem Hund zu gehen oder Feuerholz zu sammeln), kann man einfach in Kontakt bleiben. Auch ohne Handyempfang kann man einfach mal kurz fragen, ob alles OK ist, wenn es länger dauert, als erwartet.

Wir hatten sogar einmal den Fall, dass einer von uns plötzlich einen Tunesischen Steinbrucharbeiter im Gepäck hatte. Und das ging so schnell, dass die anderen über Funk erfahren mussten, warum er plötzlich anders fährt als erwartet. *lach*

Situationen, in denen die Handfunkgeräte sich als äußerst hilfreich erwiesen haben, hatten wir jeden Tag zahlreich!

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Warum ist das besser als anrufen?

Klarer Vorteil: Funkgeräte funktionieren auch da, wo man kein Netz hat!

Außerdem kann es sein, dass man noch keine SIM gekauft hat oder die Handynutzung in dem entsprechenden Land schweineteuer ist. Genauso ist es von Vorteil, dass alle Beteiligten gleichzeitig am Gespräch teilhaben können. Wenn wir jeden hätten anrufen wollen, um eine Pinkelpause oder Rast zum Essen einzulegen, wäre entweder die Blase geplatzt oder man ist verhungert.

Auch beim Einweisen in einen engen Parkplatz ruft der Beifahrer von draußen eher nicht beim Fahrer an. Das geht mit Handfunkgeräten einfach schneller und besser. Man spricht, wenn es nötig ist. Ansonsten hat man kein Telefonat.

Freisprecheinrichtungen machen die Handynutzung dabei natürlich auch beim Reisen praktisch. Dennoch können sie so einem simplen, kleinen Funkgerät nach unseren jetzigen Erfahrungen aber nicht das Wasser reichen. Manchmal ist weniger einfach mehr.

Die Funkgeräte sind robuster als ein Handy. Das kann gerade beim Einsatz draußen auch mal eine Bruchlandung machen. So ist nicht gleich ein teures Telefon hinüber, das dann während der Reise auch nicht mehr für andere, wichtige Dinge zur Verfügung steht.

Und zu guter Letzt: Es macht echt total Spaß!

Achtung Stolperfalle! Kauf legal, Anwendung illegal

Kommen wir zu den Dingen, die man vielleicht noch nicht weiß, wenn man sich entscheidet, Handfunkgeräte haben zu wollen. Die Auswahl der angebotenen Modelle ist riesig und für einen Laien fast unüberschaubar. Und was tut man dann: Man richtet sich nach Sternchenbewertungen bei Amazon und dem Preis.

Hier kommen nun Tom und Nanni zum Einsatz. Die beiden haben für uns einmal verständlich aufgedröselt, welche Geräte und Frequenzen es gibt – und was man bei der Auswahl unbedingt beachten muss.

Zuerst gilt es dabei, einen Blick auf die verschiedenen Funk-Technologien zu werfen. Grundsätzlich muss man zwischen zwei Anwendungsbereichen unterscheiden. Wählt man unbewusst das falsche Gerät beim Kauf, macht man sich bei der Nutzung nämlich strafbar.

Amateurfunk

Diese Frequenzen, darf man nur nach einem Lehrgang mit geschlossener Prüfung und erworbener Lizenz benutzen.

Jedermanns-Funk

Hierzu zählt man folgende Möglichkeiten, die für die Bevölkerung (in Deutschland) frei benutzbar sind.

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Jedermanns-Funk – Deine Möglichkeiten

CB (Citizen Band Radio) Funk

CB Funk kennst Du wahrscheinlich aus LKW‘s.

Tom und Nanni: „In den späten 70ger, bis in die 90ger Jahre, war diese Art der Funkanwendung sehr verbreitet. Es ist die einzig bezahlbare Möglichkeit gewesen, für jedermann drahtlos zu kommunizieren. Auch heute ist Kanal 9 in der Modulationsart AM nicht aus den LKW‘s wegzudenken.

Man unterhält sich, warnt vor Staus oder Verkehrsstörungen. Das Gefühl nicht alleine unterwegs zu sein, ist vor allem bei langen Nachtetappen nicht zu unterschätzen. Die Strassenmeistereien auf deutschen Autobahnen warnen auf dieser Frequenz die Fahrer vor Baustellen und Gefahren auf der Autobahn.“

Wie die beiden uns erklären, ist es für eine gute Reichweite am Besten, eine fest installierte CB Funk Anlage im Auto zu verbauen. Bei auf dem Dach montierten Antennen von 1,50 Metern Länge, kann man bis zu 10 km von Fahrzeug zu Fahrzeug überbrücken.

Wenn Du nur in Europa reisen willst, ist das OK. Jedoch gibt es viele Reiseländer, in denen Funk (egal welcher Art) strikt verboten ist. Dementsprechend können fest verbaute Anlagen mit großen Antennen auf dem Dach zu Problemen führen.

Mobile Geräte haben außerdem den klaren Vorteil, dass sie mobil sind. Man kann sie in allen möglichen Situationen draußen nutzen, kann sie mit auf Wanderungen nehmen usw. Auch der schon mehrfach genannte Vorteil, dass der Beifahrer aussteigen und aus einiger Entfernung mit dem Fahrer kommunizieren kann, ist nur mit mobilem Funkgerät gegeben.

Tom sagt dazu: „Es werden auch Handfunkgeräte angeboten, die durchaus sehr gut ausgestattet sind. Leider ist die Reichweite durch die sehr verkürzten Antennen dementsprechend gering. Von Fahrzeug zu Fahrzeug ist bei spätestens 2 Kilometern Entfernung Schluss.

Bei gut ausgestatteten Handfunkgeräten besteht die Möglichkeit externe Mikrofone und Antennen anzuschließen, auch kann man sie mit dem Bordnetz verbinden. Dieser „fliegende“ Aufbau steht dann funktechnisch einer fest installierten Mobilstation in nichts nach.“

Wir gehen davon aus, dass der CB Funk am ehesten etwas für Hobbyfunker und Trucker sein dürfte.

Im Angebot!

PMR 446

Das sagen Tom und Nanni zum PMR (Private Mobile Radio)

Eine der neueren und wohl die am verbreitetste Jedermanns-Funkanwendung ist PMR446, kurz PMR.
Diese 1999 in Deutschland eingeführte Möglichkeit miteinander zu kommunizieren, ist bei Fernreisenden die oft mit mehreren Fahrzeugen unterwegs sind, sehr beliebt.

Hier handelt es sich um Handfunkgeräte, die im 70cm Band (446 MHz) mit maximal 500mW Strahlungsleistung senden.
Mit den kleinen handlichen Teilen, die inklusive Antenne nicht größer als eine Handfläche sind, lassen sich bei Sichtverbindung (z.B. Bergspitze zu Bergspitze) Entfernungen bis zu 10 Kilometern überbrücken.

Warum hier das Wort „Sichtverbindung“ hervorgehoben werden muss, hat leider einen Grund. Denn wenn nur ein paar Häuser zwischen den Funkgeräten stehen, bebautes Gebiet, Berge oder Wälder, dann schrumpft die Reichweite enorm. Schuld daran ist der hohe Frequenzbereich. In diesem Bereich werden die Funkwellen eher reflektiert, als dass sie das Hindernis durchdringen. Die Reichweite kann zwischen hohen Hauswänden schnell auf 500 Meter schrumpfen.

An diese Geräte kann man bauartbedingt keine Außenantenne anschließen. Von Fahrzeug zu Fahrzeug sind Überland 3-4 Kilometer Reichweite realistisch. In der Stadt, eng bebaut, kann es auch mal nur 1 Kilometer sein.

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Freenet

Tom und Nanni: Seit 1996 gibt es die Freenet Funkgeräte.
Diese Anwendung ist ähnlich wie PMR 446. Hier wird das 2m Band (149 MHz) genutzt. Die Geräte sind ähnlich klein gehalten.

Es gibt einen entscheidenden Vorteil:
Man kann bei diesen Geräten Außenantennen anschließen. Dadurch wird die Reichweite enorm gesteigert. Zudem ist wegen der niedrigeren Frequenz mit weniger Dämpfung in bebautem Gebiet zu rechnen.

Leider gibt es auch einen großen Nachteil:
Diese Funkanwendung ist ausschließlich in Deutschland zugelassen. Und hier nicht mal überall. Im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Alb über 600 Metern Höhe, darf auf diesen Frequenzen nicht gesendet werden.

Weitere

Es gibt noch weitere Funkanwendungen. Wegen ihrer zu geringen Reichweite eignen sie sich allerdings nicht für die Nutzung unterwegs von Fahrzeug zu Fahrzeug.

Ungewusst illegal

Wie weiter oben bereits erwähnt, ist die Nutzung der Amateurfunk Frequenzen linzenzierten Teilnehmern im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen vorbehalten.

Erwerben darf diese Geräte aber jeder. Weder wird man beim Kauf nach einer Lizenz gefragt, noch wird man darauf hingewiesen, dass man eine solche benötigt. Das heißt: Der Erwerb ist legal – Die Nutzung illegal.

In diesen Fettnapf sind auch wir getappt. Mit dem Retevis RT5* haben wir kurz vor unserer Reise einfach zu einem günstigen Walkie Talky mit einer guten Sternchenbewertung gegriffen. Mit dessen Nutzung wir uns als Nicht zugelassene Funker strafbar machen.

Wie uns Tom und Nanni erklären, hat dies auch einen guten Grund. Die Amateur Handfunkgeräte haben eine sehr hohe Frequenzabdeckung. Aus Versehen kann man nicht nur dem Funk von Straßenmeistereien, dem Taxi- oder Veranstaltungsfunk in die Quere kommen. Auch der Polizei-, Rettungs-, Feuerwehr- oder sogar Flugfunk kann dadurch gestört werden.

Klar, ein Flugzeug stürzt deswegen nicht gleich ab. Aber man muss es ja auch nicht herausfordern. Genau so wenig wie die Strafe für die illegale Nutzung, wenn man schon direkt im Funkgerät der Polizei landen kann. *lach*

Funkgeräte für Jedermanns-Funk sind nicht fähig auf diesen heiklen Frequenzen zu senden.

Schade, das Retevis RT5 hat uns von Sprachqualität, Reichweite und Akkulaufzeit wirklich überzeugt! Das einzige, was wir noch als Pluspunkt sehen würden, wäre eine Auflademöglichkeit via USB.

Im Angebot!

Jedermanns-Funk im Ausland

Europa

CB-Funk und PMR 446 ist in ganz Europa bis auf sehr wenige Ausnahmen lizenzfrei möglich.

Hier findest Du eine Liste erlaubter Länder für CB-Funk

Und hier die Liste erlaubter Länder für PMR 446

Wie oben erwähnt ist Freenet nur für Deutschland zugelassen.

Außerhalb Europas

In sehr vielen Ländern außerhalb Europas sind Funkgeräte generell verboten. Egal welcher Art. Bitte informiere Dich vor Deiner Reise über die Bestimmungen in den betreffenden Ländern, ob Du ein Handfunkgerät einführen darfst!

Vielen Dank Tom und Nanni für Eure Hilfe und vielen Informationen, damit dieser Artikel entstehen konnte!

Weitere, wertvolle Dinge für unterwegs

Zum Beispiel

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5 Kommentare zu “Funkgeräte im Wohnmobil – Mach nicht unseren Fehler beim Kauf”

  1. der Beitrag ist gut ; für mich sehr informativ ; jetzt weiß ich wenigstens was ich da zu Hause habe ; PMR bis 10 km halte ich zwar für sehr stark übertrieben (auch in der Wüste ) ; aber egal ; jetzt kenne ich die Unterschiede ; Daumen hoch für den Beitrag

    Gruß Norbert

    1. Danke Dir, Norbert 🙂
      Ich denke auch 10 km gehen wohl unter Laborbedingungen gut 😀 Das Gute ist aber ja, dass man sich zum Beispiel in so einem Wohnmobil Konvoi gar nicht so weit voneinander entfernt 🙂
      Hab einen super schönen Sonntag und die besten Grüße aus dem Herman,
      Sabine

  2. Hallo ihr Zwei,

    welches könnt ihr empfehlen für Europa inkl 🇲🇦. Der riesige Markt überfordert doch vor dem Erstkauf. Dürft mir auch gerne einen Affi-Link schicken.

    Gruß
    Martin

    1. Hallo Martin!
      Wir haben bisher jetzt selbst nur Erfahrung mit den Funkgeräten von Retevis gemacht. Aber uns hat jemand eine Empfehlung bei FB hinterlassen, die wir einfach mal zitieren wollen: „Ich habe 2x T82 inkl. Akku und Ladegerät gekauft. Funktionieren top und das für 70,-Euro. Mehr brauchen zumindest wir nicht“ Bei dem T82 handelt es sich um dieses Gerät hier: https://amzn.to/2S8SCWY
      Allerdings muss ich dazu sagen, dass es für Tunesien egal ist, welche Geräte du kaufst – die sind dort leider alle verboten. Du solltest sie bei der Einreise also nicht unbedingt für jeden sofort sichtlich rumliegen haben. 😉
      Ganz liebe Grüße, Sabine 🙂

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