KFZ Geräuschdämmung – Schicht für Schicht zur Ruhe im Camper

SabineSelbstausbau4 Comments

Wenn eine KFZ Geräuschdämmung im Fahrerhaus eines Steyr 680 etwas bringt – dann macht sie jeden anderen Camper wohl zum absoluten Flüstermobil. Hier bekommst Du die „Schicht für Schicht“ Anleitung gegen zu laute Fahr- und Motorgeräusche!


„Ach … SO laut ist das jetzt auch wieder nicht.“ Das war in den Anfängen unserer Zeit als Steyrbesitzer eine häufig zu hörende Aussage von uns. Viele zukünftige Selbstausbauer sind an so einem 680er als Basisfahrzeug interessiert. Doch die Lautstärke in diesem alten LKW ist so enorm, dass er häufig schon allein aus diesem Grund wieder aus der engeren Wahl genommen wird.

Inzwischen unterschätzen wir diesen Nachteil auch nicht mehr so sehr. Nach vielen Kilometern und hunderten von Stunden im Fahrerhaus wissen wir: 250 zurückgelegte Kilometer (was bei Hermans Geschwindigkeit etwa gut vier Stunden entspricht) sind die absolute Kopfschmerzgrenze. Nach dieser Zeit fühlst Du Dich wie gerädert und alles dröhnt weiter, wenn Du den LKW ausmachst. Unterhalten konnten wir uns in der Zwischenzeit nur durch Zuschreien von Stichwörtern. An diesem Zustand musste sich was ändern!

Das Fahrerhaus wurde komplett gedämmt und die Motorabdeckung mit speziellen, hitzebeständigem Material ausgekleidet. Das Resultat hat uns überzeugt!

In wenigen Schritten zu mehr Ruhe

Vorarbeiten

Um eine wirkungsvolle KFZ Geräuschdämmung in Deinem Wohnmobil anzubringen, müssen Teppiche und andere Auslegeware entfernt werden. Das blanke Blech stellt Deine Arbeitsgrundlage.

Wichtig sind dabei nicht nur große Flächen wie Fußräume oder Spritzwand. Bei älteren Campern und Wohnmobilen befinden sich zum Beispiel in den Türen noch keine Hightech-Verdrahtungen mit zig Kilometern an Kabeln. Hier dröhnen die Bleche großer Hohlräume, die schon fast als hochwertiger Resonanzkörper funktionieren. Also ab mit den Türverkleidungen und ran, an die Arbeit.

Bestehen auch Dein Armaturenbrett und Handschuhfach noch aus Blech, müssen hier wohl keine Teppiche entfernt aber wie überall sonst, sollte der Untergrund nun frei von Verschmutzungen und von Rost gemacht werden.

Behandelst Du aufblühende Stellen, verwende einen guten Rostumwandler wie Fertan. Alles, was es beim Beseitigen von Rost zu beachten gibt, erfährst Du übrigens ausführlich in diesem Beitrag.

Gleich wird geklebt – als Abschluss der Vorarbeiten heißt es nun also noch entfetten. Silikonentferner ist hier bestens geeignet.

Die gleichen Arbeitsschritte gelten übrigens auch für Radhäuser und sonstige Bleche im Innenraum Deines Wohnmobils, wenn Du das nackte Fahrzeug vor Dir hast und mit dem Selbstausbau anfangen möchtest.

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Die Schwerschicht

Grundlage der KFZ Geräuschdämmung ist eine Lage möglichst schweres Material, das fest mit dem Blech verbunden wird. Denn der größte Anteil der Lautstärke kommt nicht daher, dass tatsächlich der Motor so laut ist. Die übermäßige Geräuschentwicklung ergibt sich durch das Material der Karosserie, die durch die Vibration des Motors in Schwingung versetzt wird. Die Bleche vibrieren, fangen an zu dröhnen. Die Schwerschicht macht die Bleche nun tatsächlich einfach „dicker und schwerer“, wodurch sie wesentlich schwerer in Vibration geraten. Diese Schwerschicht wird deswegen auch als Entdröhnung bezeichnet.

Als Material bietet sich ganz besonders eines an: Alubutyl*.

Wichtig!
Spar nicht am falschen Ende und kauf Dir Platten, die billig mit Erdöl verschnitten sind. Diese stinken spätestens, wenn es im Auto mal sehr warm wird und das blöde ist: Der Gestank ist gesundheitsschädlich, da dabei unter anderem in hoher Konzentration Naphthalin freigesetzt wird, das als vermutlich krebserzeugend eingestuft wird.

Nimm aus diesem Grund auch bitte keine Bitumenplatten, wie man es öfter mal in Foren liest. Klar, die Platten sind schwer und erfüllen den Zweck der Entdröhung aber man muss ja nicht den Teufel mit dem Belzebub austreiben.

Alubutylplatten bestehen aus synthetischem Kautschuk und enthalten kein Bitumen. Das Butyl ist dabei eine weiche Masse, die aufliegende Alufolie hat einfach nur die Aufgabe es zu stabilisieren.

Verarbeitung

Wie wir schon festgestellt haben, kommt die Wirksamkeit der Entdröhnschicht einer KFZ Geräuschdämmung mit dem Gewicht – im Extremfall können zwei Schichten übereinander geklebt werden. Die Verarbeitung ist dabei echt kinderleicht.

Das Alubutyl ist sehr flexibel und lässt sich in jede Biegung und Form bringen. Es klebt von alleine bombenfest und auch auf Dauer (wenn man den Untergrund anständig vorbereitet hat).

Die zurechtgeschnittenen Stücke musst Du mit recht viel Druck auf das Blech aufbringen. Am Besten nimmst Du Dir dafür einfach eine Lackierroller zur Hand, mit dem Du die Platten Stück für Stück auf den Untergrund aufrollen kannst. Die plüschartigen Farbwalzen halten dieser Belastung besser Stand als Schaumstoff Lackwalzen.

Beklebe jedes freiliegende Blech, die Enden der einzelnen Stücke dürfen ruhig großzügig überlappen. An Kanten oder Rundungen soll kein Hohlraum entstehen. Kommst Du mit der Walze nicht anständig in eine Ecke, nimm ruhig einen anderen festen Gegenstand, den Du über das Alu ziehen kannst, ohne die Schicht dabei zu beschädigen.

Hinweis
Auch wenn Du kein Freund vom Arbeiten mit Handschuhen bist: Trage feste Arbeitshandschuhe, wenn Du anfängst das Alubutyl zu verarbeiten. Die Schnittkanten der Aluschicht sind messerscharf und Du hast ruck zuck alle Fingerkuppen kaputt! Bei Micha haben sich selbst die Handschuhe nach einiger Zeit in Wohlgefallen aufgelöst!

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Dämmvlies

Das Entdröhnen mit einer Schwerschicht ist unverzichtbar für eine gute KFZ Geräuschdämmung. Doch es kann nur das Blech daran hindern, zusätzliche Geräusche zu verursachen, es kann keine vorhandenen Geräusche minimieren.

Für diesen Zweck empfehlen wir nach unseren sehr guten Erfahrungen einen dicken Dämmvlies.

Wir bezogen ihn von einem Oldtimerspezialisten, der leider keinen Internetshop besitzt. Ein ähnliches, sicher empfehlenswertes Produkt erhältst Du aber bei Automobile Dämmstoffe. Der Vorteil bei diesem ist, dass es im Gegensatz zu unserem Vlies mit einer selbstklebenden Seite versehen ist und Du Dir den Schritt der Verklebung ersparen kannst. Du findest das Vlies in 20 mm Stärke hier.

Diese Schicht „schluckt“ Geräusche und den Hall, zwischen den Blechteilen.

Die Verarbeitung ist super einfach, wenn Du ein wirklich scharfes Messer (bei uns ging ein Brotmesser sehr gut, Cuttermesser kommen nicht durch die Filzschicht) hast um die Platten in die gewünschten Stücke zu zerlegen. Das Vlies legt sich sehr gut in alle Formen und muss nach dem Zuschnitt nur angedrückt werden.

Die abschließende Schicht bildet nun schon Dein Autoteppich, der mit dem Vlies verklebt werden kann, wenn nötig.

Motordämmung

Die zuvor beschriebene Methode ist die wichtigste und beste Maßnahme um den Körperhall im Innenraum des Fahrerhauses oder Campers zu reduzieren.

Bei vielen Bauarten ist es auch sinnvoll, die Motorabdeckung mit einer Dämmschicht zu versehen. In unserem LKW befindet sich der Motor zum Beispiel direkt zwischen Fahrer- und Beifahrersitz und zusätzlich zu Alubutyl und Vlies auf der Oberseite bekam diese eine Dämmschicht von unten.

Achte bei der Auswahl der dafür verwendeten Materialien unbedingt darauf, dass sie sehr hohen Temperaturen ausgesetzt werden und ihnen standhalten müssen. Im schlimmsten Fall ist natürlich nicht nur Deine Dämmung kaputt oder der Motor verklebt, sondern es bricht ein Brand in Deinem Camper aus! Eine besonders hitzefeste Dämmschicht und ein darüber angebrachtes Hitzeschild sind deswegen unbedingt nötig.

Beides bekommst Du zum Beispiel auch bei Automobile Dämmstoffe. Die Materialien, die wir von dort bezogen haben machen einen super hochwertigen Eindruck und ließen sich sehr, sehr gut verarbeiten.

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Lohnt der Aufwand?

Von der überdurchschnittlichen Lautstärke in einem Oldtimer LKW einmal ganz abgesehen, haben wir nun bereits mit vielen Wohnmobilbesitzern über ihre Erfahrungen mit der Geräuschdämmung gesprochen. Sie alle haben das Empfinden, nach diesen Maßnahmen wesentlich entspannter ans Ziel zu kommen. Bei uns gibt es keine Kopfschmerzen mehr und wir können uns beim Fahren sogar unterhalten – vielleicht bekommt Herman sogar jetzt noch ein Radio, wo die Möglichkeit besteht, es hören zu können. Wenn Du Dir noch unsicher bist, ob für Dich der Aufwand der Geräuschdämmung lohnt: Wir würden dazu raten.


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4 Kommentare zu “KFZ Geräuschdämmung – Schicht für Schicht zur Ruhe im Camper”

  1. Wie immer ein sehr informatives Video dass einem mit Euren Spaß und Eurer Freude alleine beim Zuschauen ansteckt. Euer ganzer Auftritt ist Klasse. Da kriegt man glatt wieder Lust zu Reisen, trotz Kälte, Hunger, sich ewig hinziehenden Graden und elendigen Rüttelpisten.
    Wir freuen uns auf mehr von Euch 🙂
    Heut Abend trinken wir einen auf die alten Wege, Gefährten, Erlebnisse – und auf die Neuen die da kommen. Salud! und Liebe Grüße

    1. Dickes DANKESCHÖN für Deine super liebe Rückmeldung zu dem Video, lieber Dominic!

      Wir schließen uns an und sagen Prost und Salud – auf alte Gefährten und neue Wege und Bekanntschaften!

  2. Hallo ihr beiden,

    Wieder ein superinteressantes Video. Mal ganz abgesehen von der Schalldaemmung hatte ich in meinem Steyr Pinzgauer, in dem an vielen Stellen dieselben Teile verbaut sind wie in eurem 680, dieselben „superbequemen“ Sitze. Diese originalen Gartenstuehlchen habe ich durch Sitze aus dem SMART ersetzt. Vorteil ist die geringe Bauhoehe (ich bin sehr gross und meine Beine wuerden sonst nicht unters Steuer passen) und die Sitzschienen sind auch meistens schon dran. Allerdings ist das mit diesen Steyrn ein totaler Stilbruch, aber gutes sitzen war mir wichtiger. Wenn Ihr an soetwas interessiert seit bitte Kontakt aufnehmen, denn ich habe noch Teile bei Euch in der Naehe stehen.
    Ein anders Teil, das diese Autos gemeinsam haben ist diese spassige Wasserpumpe fuer die Scheibenwischfluessigkeit. Bis damit die Scheibe mal echt sauber ist…. Ich habe bei Conrad elect. einen Schalter gekauft, der in die Bohrung fuer diese Gummipumpe am Amaturenbrett past und eine 24V Wasserpumpe iregendwo vom e-bay. Das funktioniert doch wesentlich besser.
    Weiter so und Gruss aus NL, Reiner

    1. Hallo Reiner!

      Oh, ein Pinzgauer wäre auch noch so ein kleiner Traum von uns! <3
      Ja, der hat mit unserem Herman die ein oder andere Gemeinksamkeit – vor allem den Fahrkomfort. Aber sie sind eben einfach liebenswert, oder!?! 🙂
      An Smartsitze haben wir auch schon gedacht, die haben Bekannte auch in ihrem 680er verbaut, weil die da super passen. Im Moment gab es aber leider sooo viele andere Baustellen, dass wir das mit den Sitzen erst nochmal verschieben … es wird grade schon so kalt hier, dass wir jetzt erst mal in den Süden fahren müssen 😉
      Natürlich werden wir dennoch immer weiter am Herman bauen und verbessern, hab vielen Dank für Deine Tipps und Dein Teileangebot! 🙂
      Aller beste Grüße von uns beiden zurück nach NL,
      Sabine und Micha

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