Mit dem Wohnmobil in die Wüste

MichaelAllgemein, Marokko, Offroad, Reisen8 Comments

Herman in der Sahara

Jetzt wird’s für uns spannend. Wir wollen testen, ob Herman mit Tiefsand in den Dünen klar kommt oder ob wir uns sofort bis Unterkante Küchenfenster eingraben. Bei der nächsten Tour heißt es also: Mit dem Wohnmobil in die Wüste!


Eigentlich hatten wir uns, wie zuvor die „Cathedrale des Roches, nochmal eine Tour aus dem Offroad-Reiseführer der Pistenkuh ausgesucht. Doch die momentan verstärkte Sicherung des Grenzgebietes zu Algerien machte uns einen kleinen Strich durch die Rechnung …

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Video-Link: https://youtube.com/watch?v=9VKZJvfTx6k

Start in Zagora
Camping Oasis Palmier

Fast fällt es schwer, sich hier in Zagora los zu reißen, denn einen so schönen Platz hat man nicht jeden Tag – ja, und das aus unserem Munde, wo wir eigentlich so gar nicht auf Campingplätze stehen! Camping Oasis Palmier ist ein unglaublich netter Platz, der über und über mit wunderschönen, großen Dattelpalmen bestanden ist. Mehrere, toll unter den Palmen anzusehende Berberzelte sind aufgebaut und eine Rezeption könnten wir uns nicht gemütlicher und netter vorstellen. Die Berber, die den Platz betreiben sind unheimlich aufmerksam aber nicht aufdringlich. Zur Begrüßung bekamen wir erst einmal ein Kännchen des traditionellen, süßen Minztees an unserem Platz serviert, nachdem vor Herman ein Teppich mit Tisch und Stühlchen ihren Platz gefunden hatten. Alles ist sehr gepflegt und hübsch angelegt, inklusive der geräumigen Duschen – und das zu einem Preis von umgerechnet ca. 7 Euro für zwei Personen und ein Wohnmobil.


Die Herausforderung ruft

Doch wir wollen es jetzt wissen! Einige erfahrene Offroader haben uns gewarnt, dass unsere Reifen im Verhältnis zum Gewicht des LKW’s zu schmal sein würden, um auf tiefem, losen Sand zu fahren. Auch können wir nicht so viel Luft aus den Reifen lassen, wie zum Tiefsandfahren eigentlich erforderlich – Hermans Trilexfelgen werden nämlich erst vom hohen Luftdruck so richtig zusammengehalten. Bliebe nun nur noch zu erwähnen, dass wir auch genau NULL Erfahrung mit solchen Fahrsituationen haben. Wir wissen, dass man mit Schwung reinfahren, auf’m Gas bleiben und möglichst nicht zu stark einlenken soll – hört sich ja eigentlich simpel an, auf geht’s!


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Planänderung im Sperrgebiet


Die ausgewählte Strecke solle uns von Zagora bis dicht an die geschlossene algerische Grenze heranführen und über lange Pistenabschnitte daran entlang. Schwierigkeitsstufe 2 laut Offroad-Führer, nur an einer Stelle Schwierigkeit 3 durch eine Tiefsandpassage. Das hört sich doch perfekt zum Ausprobieren an!

Nach einigen Kilometern Anfahrt über eine geteerte Nationalstraße nähern wir uns ihr auch schon – der Grenze und den dort stationierten Posten, von denen wir wissen, dass jeder alle Daten von Personen und Fahrzeug aufnehmen wird. Natürlich haben wir vorgesorgt und sogenannte „Fiches“ ausgedruckt; das sind Datenblätter, die bereits fertig ausgefüllt alle Informationen enthalten, die von den Grenzposten erfragt werden würden. Mit diesen Vordrucken lässt sich die Aufenthaltsdauer dort wohl erheblich verkürzen.

Nicht so gut vorbereitet sind wir allerdings auf den unübersehbaren Hinweis , der plötzlich kurz vor dem ersten Posten auf der Piste prangt: Zone Militaire steht darauf – so weit so schön, wir wussten ja beim losfahren schon, dass wir auf dem Weg in Militärgebiet sind. Doch das Verkehrszeichen für „Durchfahrt verboten“ sieht genau aus, wie wir das aus Deutschland gewohnt sind … und verboten heißt ja eben verboten … oder nicht!?! Wild blättern wir nochmal hin und her aber davon steht nichts in Burkhards Reiseführer. Sollte man das echt einfach ignorieren oder ist das Schild vielleicht neu? Auf dem Boden sieht man ein paar Reifenspuren, die am Schild vorbeiführen und noch mehr Reifenspuren, die vor dem Schild einen Kreis beschreiben und wieder davon wegführen… Nach kurzer Diskussion entscheiden wir uns für’s ignorieren. Der erste Grenzposten ist angeblich nur zwei Kilometer entfernt und sie werden uns schon nicht direkt verhaften oder erschießen. Wir rollen also auf den Wachposten zu und sind gespannt, was passiert.

Der junge Mann in Uniform, den wir schon von weitem sehen hat die Seelenruhe weg. Ruhigen Schrittes kommt er uns entgegen und fängt uns an einer Vorhängekette ab. Tatsächlich: Hier gibt es auf keinen Fall ein Durchkommen, das ganze Grenzgebiet ist strikt gesperrt. In sehr freundlichem Tonfall fordert er uns auf, sofort umzudrehen und das ausgewiesene Gebiet zu verlassen. Geduldig bejaht er aber noch unsere Frage ob das denn eine neue Regelung sei.


Erlebnisangebote VS Einsamkeit

So ein Mist. Irgendwie ruiniert das unseren ganzen, schönen Plan, denn auch die anderen Strecken, die wir in dieser Gegend fahren wollten, führen ins Sperrgebiet. Ohne wirkliches Ziel machen wir uns auf den Weg, landen in M’hamid und finden es da … nun ja … nicht gerade so toll. Kaum im Ort angekommen, wird dein Wohnmobil von etlichen Mopeds umringt, die Dich alle lautstark zum besten, tollsten und günstigsten der zahlreich vorhandenen Campingplatz lotsen wollen. M’hamid ist nun wirklich nicht grade einer der schönsten Orte, den wir bei unserer Reise durch Marokko bisher durchfahren haben, wer allerdings Kamel- oder Jeepsafaris in die Sahara machen möchte, der ist in dem kleinen Städtchen bestens aufgehoben; so gut wie jeder Einwohner scheint hier von solchen Angeboten zu leben.

M’hamid entspricht somit nicht unbedingt dem, was wir persönlich gerade suchen. Stille und ein bisschen Einsamkeit – hier Fehlanzeige. Doch wir finden unser bisschen Freiheit – gar nicht weit von M’hamid entfernt.

Eigentlich mehr durch Zufall landen wir nur ca eine halbe Stunde später im Erg Lihoudi, einem kleineren Sanddünengebiet. Noch vor einigen Jahren soll die sogenannte „Judendüne“ der Geheimtipp überhaupt gewesen sein. In der Zwischenzeit gibt es hier zwar Camps, in die Touristen mit Jeeps gekarrt werden um eine Nacht in einem echt aussehnden Berberzelt zu verbringen und mit Kamelen in die Wüste geführt zu werden. Aber ehrlich gesagt merken wir von den Camps nicht wirklich was. Als wir durchfahren, wirken sie eher etwas ausgestorben und wo wir zwischen den Dünen unser eigenes Lager aufschlagen, hört und sieht man sowieso nichts davon. Und so begegnen wir über die Zeit von zwei Nächten, die wir uns in dem Gebiet aufhalten, gerade mal einem einzigen Menschen – grandios!!!


Wüstenfeeling pur

So haben wir uns das vorgestellt! Endlich sind wir mit unserem Wohnmobil so richtig in der Wüste angekommen. Die Sahara heißt uns willkommen. Zwischen Sanddünen finden wir ein Plätzchen, an dem wir ewig bleiben könnten. Der Anblick der goldgelben Sanddünen und das Gefühl dieses unglaublich feinen Sandes zwischen den Fingern. Die Stille der Umgebung – kein Straßenlärm, keine Geräusche aus der Stadt, nichtmal Flugzeuge am Himmel oder auch nur das Flüsten von Bäumen, wenn der Wind durch ihre Blätter streicht. Einfach Ruhe. Was für ein Gefühl! Kein Stern wird hier in der Nacht wie sonst üblich, vom Licht einer Stadt verschluckt. Es ist kaum zu glauben, wie viele man unter diesen Voraussetzungen mit bloßem Auge sehen kann! Der Nachthimmel in der Wüste soll etwas ganz besonderes sein, wird gesagt – und JA! Er ist es tatsächlich!


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Mit dem eigenen Wohnmobil
in die Wüste?

Einbuddeln oder nicht, das ist hier wohl die Frage! Trotz Hermans schmalen Reifen und seinen Pfunden auf den Rippen schaffen wir es bei unseren ersten Spielen im Sandkasten nicht ihn einzubuddeln. Klar, im Vergleich zur Überquerung von großen Dünenfeldern, wie das erfahrene Offroadfahrer manchmal tun, haben wir uns hier natürlich für das Kinderplanschbecken schlechthin entschieden – aber man soll ja auch nicht gleich alles auf einmal wollen und wie wir gerade merken, birgt das Überfahren schon von kleinen Sandverwehungen so seine Tücken. Anstatt also mutwillig einen Schaden durch Anfängerfehler an unserem Zuhause zu provozieren, mehmen wir das als schöne Übung zum Einstieg … die Schaufel werden wir dennoch bestimmt nicht umsonst mitgeschleppt haben, wenn wir uns von Marokko verabschieden, die Reise dauert ja noch „ein wenig“ an!

Ob dieses tolle Plätzchen auch für Wohnmobile ohne Allrad erreichbar wäre vermögen wir nur schwer zu beurteilen. Wir haben den Allradantrieb interessehalber auch mal ausgeschaltet aber auch direkt gemerkt, wie krass sich das Fahrverhalten verschlechtert. Ist das Fahrzeug klein und leicht, ein T3, vielleicht sogar noch ein Wohnmobil auf Basis von Jumper oder Ducato, würden wir es gerne mal probieren. Bei letzteren ist auf der steinigen Strecke, die zwischen Dünen und Straße liegt aber mit Schäden am Unterboden zu rechnen! Mit einem ausgewachsenen Wohnmobil, das rein für die Straße gemacht ist, würden wir Dir ganz dringend empfehlen, den Erg mit einer Jeeptour von M’hamid aus zu besuchen!


Wir haben den Offroad-Virus!

Keine Frage: spätestens seit dieser Tour wissen wir, dass wir dem Offroad-Virus zum Opfer gefallen sind. Das Gefühl wenn sich die Piste verliert nur noch nach Richtung zu navigieren war eine grandiose Erfahrung und die Herausforderung verschiedene Böden und Gelände zu befahren einfach unglaublich spannend. Wir sind im Moment zurück auf Camping Oasis Palmier und planen die nächsten Routen – nächste Schwierigkeitsstufe, wir kommen!

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8 Kommentare zu “Mit dem Wohnmobil in die Wüste”

  1. Oh man… die deutsche Grenze noch nicht passiert, hier und da unterhalten wir uns immer mal mit dem und der über Marokko, die einen kennen es nicht, die anderen kennen es und die, die es kennen mögen es oder eben nicht 😉 Ich kann nur sagen, ich freue mich und bin sehr gespannt, was ich bzw wir erleben dürfen – Alex war ja schon mal da – ich noch nicht… vielleicht trifft man sich da sogar noch!? 🙂 allerdings hat Alex direkt meine Fragen „kann unser „Oedddlmobil“ da auch reinfahren?“ verneint…schade, aber vielleicht irgendwo abgelegen oder wir mieten uns dann doch mal einen Jeep, um dieses Gefühl zu erleben !
    Danke für die Eindrücke – die bei mir durchweg positiv ankommen und Lust auf mehr machen und vor allem neugierig 😀 !!
    Endlich habe ich auch mal Zeit mir Blogbeiträge im Ganzen durchzulesen und nicht nur so nebenbei… und ach ja – ‚wir ignorieren das Schild einfach‘ kommt mir irgendwie bekannt vor 😉
    Ganz liebe Grüße
    Stephi

    1. Hi ihr zwei Lieben! 🙂
      Oh, das wär super, wenn wir uns in Marokko endlich mal treffen würden, wo wir es schon in der Heimat nicht geschafft haben! 😀
      Wir sind auch schon gespannt Eure Berichte zu lesen und wie es Euch hier gefällt!
      Wir halten uns ja auf dem Laufenden, wo wir so rumkurven – lasst uns das mit dem über den Weg rollen auf jeden Fall im Auge behalten! 🙂
      Aller beste Grüße aus heute Abend Erfoud,
      Sabine und Micha

  2. Hallo ihr beiden,
    Wir haben auch den Offroad-Reiseführer von der Pistenkuh. Könnt ihr uns sagen, welche der Strecken (mit Bezeichnung?) in Marokko gesperrt ist? Damit wir die schon mal streichen können…
    Habt vielen Dank und noch eine schöne Reise,
    Annika und Flo

    1. Hallo ihr zwei! 🙂
      Das ist die Strecke SZO Zagora – Oumjrane, die (zumindest derzeit) so nicht fahrbar ist. Wir sind jetzt aber schon zahlreiche andere Strecken aus dem Buch gefahren und die sind WIRKLICH sehens- und fahrenswert! Ihr habt Euch da nach unserer Ansicht den besten Reiseführer überhaupt geholt! 🙂
      Habt eine wunderschöne, unvergessliche Reise und viel Spaß auf den Pisten!
      Sabine und Micha

    1. Vieeelen lieben Dank, ihr beiden, das tun wir! :*
      Wir wünschen Euch auch eine total wundervolle Weihnachtszeit und alles, alles Liebe aus dem Herman,
      Sabine und Micha … auf dass Eure nächste Reise im Handumdrehen vor der Tür steht! 🙂

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