Hoher Atlas und die Cathedrale des Roches

MichaelAllgemein, Marokko, Offroad, Reisen13 Comments

Atlasgebirge in Marokko

Endlich darf Herman sich austoben – abseits von geteerten Straßen! Der Hohe Atlas und die erste Piste um die Cathedrale des Roches warten schon auf uns!


Um ganz viel Spaß zu haben, muss man nicht das Rad neu erfinden. Für unsere ersten Pistenabenteuer in Marokko orientieren wir uns an Reisenden, die die Gegend hier wie ihre Westentasche kennen und die Schwierigkeiten bestimmter Routen für solche Newbies wie uns, sehr viel besser einschätzen können. Wir sind mit dem Offroad-Reiseführer Marokko* der „Pistenkuh“ unterwegs. Die beiden haben hier ein tolles Werk zustande gebracht, dass es erlaubt, sich auf den Pisten sehr gut zurecht zu finden, abschätzen zu können, ob die ausgewählte Strecke zu den eigenen Fahrfähigkeiten passt und was man landschaftlich davon erwarten darf.


HOHER ATLAS,
WIR KOMMEN!


Als erste Strecke haben wir uns etwas einfaches ausgesucht: Klar, wir sind ja auch Anfänger, was das Offroadfahren angeht. Die Piste „Cathedrale des Roches“ hört sich an, wie für uns gemacht und über den Hohen Atlas wollen wir eh! Es geht also los:

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Video-Link: https://youtube.com/watch?v=cdaE8sCkwo0
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Auf der Fahrt von Casablanca aus Richtung Berge können wir uns noch gar nicht vorstellen, dass wir bald in einem Gebirge mit zum Teil über 4000 Metern Höhe sein sollen. Alles ist flach, Holland ist dagegen ein Kindergarten! Und dann zeichnet sich am Hoizont so eine komische Linie ab. Ok, da kommen sie, die Berge. Aber bis dahin ist nichtmal ein Hügelchen zu bewältigen – schon komisch, irgendwie, das Gebirge kommt uns vor wie einfach in die Landschaft hineingeworfen. Wir schlafen noch einmal auf der letzten Raststätte der Autobahn Richtung Beni Mellal und schließen Freundschaft mit einem unglaublich süßen Trupp Straßenhunde, der aus Mutter und zwei Welpen besteht.



Doch so flach die Landschaft bisher auch war – als wir da sind, geht es bergauf …. STEIL bergauf! Mit 10 km/h schrauben wir uns Meter für Meter nach oben. Herman ist nicht der Schnellste, aber der Zuverlässigste! Ohne Murren und mit einem Motorgeräusch wie dem eines Uhrwerks läuft und läuft er seit seiner Motorrevision über jede Strecke, die wir ihm vorsetzen. Und dann geht’s endlich auf unbefestigten Untergrund!


DAS ATLASGEBIRGE.
EINFACH ÜBERWÄLTIGEND


Landschaftlich reizvoll“ und „immer wieder schöne Ausblicke“ – die Beschreibung von Burkhard in seinem Offroad Führer sind für das, was folgt wohl ganz leicht untertrieben, wie wir finden! Der Blick auf die Piste, die vor einem liegt, von einem Steilhang aus, rüber auf den nächsten … das ist einfach nur überwältigend schön!



Die ganze Zeit noch müssen wir ein Auge auf Fenja haben, weil es ziemlich warm im Herman ist (wie geil, denn wir haben immerhin Mitte November) und dann liegt da plötzlich Schnee! Und rings um uns ist einfach nichts. Das heißt, immer mal wieder begegnen uns Menschen mit ihren Packeseln, von denen man nicht weiß, wie lange sie jetzt wohl von ihrem Hof zum nächsten Dorf unterwegs sein mögen. Wir fangen an, unheimlichen Respekt vor diesen Menschen zu bekommen. Ältere Frauen etwa sind hier zu Fuß unterwegs, auf einer Strecke, die für ältere Damen bei uns zuhause unzumutbar sein würde, sprichwörtlich über Stock und Stein geht es für sie … und sie laufen hier um Wasser zu holen einen halben Tag zum Brunnen und zurück! WOW! Wir wünschen uns zwar etwas mehr Komfort aber nicht minder, in diesem Alter noch so gut zu Fuß zu sein!

Eine Busfahrt dagegen sieht hier standardmäßig so aus:


Normales Straßenbild. Hier ist bei WEITEM noch nicht die Maximalbeladung eines solchen Fahrzeugs erreicht!


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ALLTAG
EINMAL ANDERS

Auch mehrere Dörfer liegen natürlich auf unserer Strecke und wir befinden uns quasi in einer Welt, die wir noch nicht kannten.

Wenn es das Normalste der Welt zu sein scheint, auf den Dächern der wenigen Autos Ziegen, Schafe und fast 20 Personen zu transportieren, wenn es zum gewöhnlichen Dorfbild gehört, dass die Frauen gemeinsam am Fluss ein Feuer machen um in großen Kübeln heiß ihre Wäsche zu waschen und diese mit langen Holzlatten auszuklopfen – wenn der Packesel das normale Transportmittel ist, um nach einem langen Marsch im Dorf auf dem Markt einzukaufen und die anderen Familienmitglieder den Tag beim Viehhüten verbringen … dann fühlt man sich schon ein bisschen wie in einer anderen Welt. Und man fragt sich ganz schnell in welchem Luxus und überflüssigen Konsumwahn wir so leben.

Die Teppiche und außerordentlich farbenfrohen Kleidungsstücke, die die Frauen im Fluss gewaschen haben, begegnen einem noch Kilometer vom Dorf entfernt. Hier wird die Wäsche nicht über Wäscheleinen gehängt, geschweige denn, dass sich die Dorfbewohnerinnen den puren Luxus eines Wäschetrockners erträumen könnten… Nein, hier tut ein kahler Baum oder eine Mauer am Fluss die Pflicht des Trocknens. Das ist praktisch, denn die familieneigene Kuh weidet schließlich gleich daneben …


Alltag im Dorf. Die Frauen halten ihren Waschtag am Fluss


So durchfahren wir Berge und Täler auf unserem Weg durch den Hohen Atlas. Die Dorfbewohner sind extrem höflich und grüßen uns sehr nett, während die Kinder schon von weitem die Chance des Tages sehen, etwas Geld oder sonst etwas abzustauben. Hören sie den LKW, kommen sie von weitem angerannt, winken und geben uns Zeichen zum Anhalten. Einige male enden ihre Versuche etwas zu bekommen auch in Wut, wenn wir nicht angehalten haben. Böse kann man da schwerlich sein – wir möchten uns gar nicht vorstellen, wie reich wir in den Augen dieser Kinder hier wirken müssen …

Aus dem Offroad-Reiseführer der Pistenkuh wissen wir, dass es das sogenannte „Tal der Glücklichen“ ist, das wir durchfahren, als die Piste sich dem Ende zuneigt. So soll es genannt werden, wegen seiner blühenden Landwirtschaft und tatsächlich ahnt man schon von weit oben auf dem Berg, dass der Name berechtigt sein muss, wenn man ins Tal hinab sieht. Seit Tagen haben wir nicht so grüne Felder gesehen, so zahlreiche Flussläufe und Häuser, die im Gegensatz zu den Höfen im Gebirge sogar richtige Fenster und Türen haben!

Das Tal der Glücklichen. Wer hier wohnt, darf sich über blühende Felder und reiche Landwirtschaft freuen


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SO „KLEIN“ IST MAROKKO


Das Tal der Glücklichen makiert das Ende der Tour um die Kathedrale des Roches. Bis zu der kleinen Stadt Demnate geht es noch etliche Kilometer durch die Landschaft des Hohen Atlas.

Dort sehen wir nach 4 Tagen auch die erste Tankstelle – zum Glück. Unser kleiner Tank fasst viel zu wenig Reserven und alles, was uns über die Pistenetappen rettet, führen wir in 20L-Kanistern mit. Einer ist aber sogar noch übrig.

In der Nähe der Stadt übernachten wir am Wegesrand, dann geht es quer durchs Gebirge nach Ouzarzazate. Und so plötzlich wie das Gebirge begann, endet es auch wieder. Runter vom Berg mit Serpentinen und Gefälle von bestimmt 25% beginnt die Straße, die immer nur gerade aus zu gehen scheint. Flach, ohne jegliche Kurven und Hügel.

So erreichen wir die Stadt, die sehr modern und quirlig wirkt. Das erste, das uns hier in Empfang nimmt, ist ein Schild auf dem steht „Camping“. Wir lassen uns diesen Luxus nicht entgehen, denn nach 5 Tagen gibt es hier bestimmt endlich mal wieder Internetempfang, um uns bei unserer Familie zu melden, was heute besonders wichtig ist, denn unser (Schwieger)papa hat Geburtstag! Außerdem müssen wir Arbeiten und den Herman vor der nächsten Piste checken. 50 Dirham am Tag, also ungefähr 5 Euro, das ist uns die Erholung nach immer noch nicht ganz überstandener Grippe und den Tagen auf der Piste allemal wert.

Doch kaum auf den Platz gefahren, sehnen wir uns schon wieder nach Ruhe und freiem stehen in schöner Landschaft. Den Aufenthalt hier verschönern uns allerdings Helen und Graham, die wir bereits in Fes kennen gelernt hatten und mit denen wir die Besichtigung in der Medina machten. Wir hatten mit den beiden und noch zwei anderen Briten hier einen wundervollen Abend beim Lunch, nachdem wir zum Mittag schon totaaal tollen Besuch von anderen Overlandern mit ihrem 12M18 hatten, die ihr vielleicht von „Landy2go“ kennt.

Was für tolle Bekanntschaften man unterwegs doch machen kann! Egal ob erfahrenere Offroadreisende, wie Dorothe und Marc, von denen wir mega gute Tipps für die nächsten Strecken bekommen haben und die mit der Pistenkuh gerade anspruchsvollere Strecken aus dem Offroad-Reiesführer gefahren sind. oder „Weisswarefahrer“, wie Helen und Graham, die zwar „nur auf der Straße“ unterwegs sind, aber einfach jedes Abenteuerangebot mitnehmen, das man buchen kann – Menschen unterwegs zu treffen ist etwas ganz besonderes und einfach großartig.

In den nächsten Tagen geht es für uns Richtung Kamele und Sanddünen. Wir hoffen, die beiden 12M 18 Fahrer unterwegs noch einmal zu treffen, denn unsere erste Begegnung war einfach nur wahnsinnig sympathisch und nett!

Ob wir und Herman uns durch die bevorstehenden Sandpassagen schaufeln können … das erfahrt ihr dann im nächsten Vlog, versprochen!


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13 Kommentare zu “Hoher Atlas und die Cathedrale des Roches”

  1. Hi, ein toller Artikel. In Marokko war ich noch nie :-(. Wie sieht es dort mit der Sicherheit aus? Gib es irgendwelche Gefahren oder Orte die man meiden sollte? Viele Grüße, Eugen

    1. Hi Eugen und vielen lieben Dank!
      Also Marokko ist echt ein politisch stabiles und ruhiges Fleckchen in Afrika. Nahe an der algerischen Grenze musst Du mit einigen Militärposten rechnen, die Deine Daten aufnehmen wollen und Dich vielleicht auf eine andere Piste schicken … aber das ist nichts Schlimmes und Du musst hier auch mit nichts Schlimmem rechnen!
      Alles Liebe und die besten Grüße,
      Sabine und Micha

  2. Tolles Video, begleite Euch gerne per Video.
    Ich bin etwas neidisch ,-) tolle Tour und schönes Wetter.
    Meine besten Wünsche begleiten Euch .
    LG
    Jörg

    1. Jörg, das ist totaaal lieb! Unsere aller, aller besten Wünsche kommen zu Dir zurück! Toll, dass Du dabei bist, bei den Videos, denn so macht das ja erst Spaß für uns, alles zu dokumentieren. Manchmal fährt man sich echt nen Wolf um die passende Internetverbindung zu kriegen, damit man ein Video hochladen kann, aber mit so lieben Rückmeldungen ist das natürlich voll schön! 🙂

      Danke für’s begleiten und die aller liebsten Grüße aus Zagora,
      Sabine und Micha

    1. Martin, das Gute ist, dass Micha die Abstände nach Rechts und Links ziemlich gut einschätzen kann, wenn es eng wird. Viel von uns und dem Herman verlangen wird die Tour wahrscheinlich erst so richtig, wenn wir mit viel zu schmalen Reifen und viel zu viel Gewicht das wir mitschleppen, ab morgen auf Strecken mit Tiefsand unterwegs sein werden. Bitte drück uns die Daumen, dass wir uns nicht für alle Ewigkeit im Wüsensand eingraben, so unerfahren, wie wir mit solchen Fahrsituationen sind!
      Freuen uns total, wenn Du wieder mit dabei bist, sobald wir erfahren, wie Herman sich schlägt in den Dünen!
      Die aller liebsten Grüße aus Zagora,
      Sabine und Micha

  3. Hallo, ihr Lieben,

    verfolge eure Berichte mit Begeisterung und finde sie einfach toll geschrieben und gefilmt.Mir gefällt euer lockerer Stil und eure tolerante, positive Einstellung.

    Eine Bitte habe ich aber an euch: gelegentliche Zeitrafferaufnahmen aus der Landschaft sind herrlich, aber wenn Menschen oder Tiere in der Nähe sind, fühlt sich das für mich unbehaglich an… obwohl die Geschwindigkeit ja reine Illusion ist und ich weiß, dass nix passieren kann, habe ich dabei ein ungutes Gefühl. Also bitte, setzt den Zeitraffer nur noch dann ein, wenn keine Menschen oder Tiere da sind.

    Herzliche Grüße

    Roland

    1. Hallo lieber Roland!

      Vielen lieben Dank für Dein Lob an unsere Berichte und Videos!

      Wahrscheinlich meinst Du bezüglich Deiner Bitte die Szene, in denen die drei Esel vor uns her gallopiert sind!?!
      Also wir können Dir versprechen: Wir haben nicht vor Videos zu veröffentlichen, in dem Mensch oder Tier zu schaden kommen. Selbst wenn wir die Geschwindigkeit im Video erhöhen, kannst Du es Dir in aller Ruhe betrachten, weil es uns dann nur darum ging, dass wir Euch die Szene nicht vorenthalten wollten, sie aber einfach sonst zu lange gedauert hätte!

      Ich hoffe, Du siehst unsere Videos trotzdem gerne weiter, auch wenn wir nicht für alle Zukunft versprechen können, dass nicht mal eine „vorgespulte“ Sequenz dabei ist, die auch Menschen oder Tiere beinhaltet.

      Herzliche Grüße zurück,
      Sabine

  4. Hallo ihr beiden!

    Wir verfolgen gerade immer ganz fleißig eure tollen Beiträge zu Marokko (okay ja, dieser ist schon etwas älter, aber wir haben ihn gerade erst entdeckt 😉 )

    Wir wollten mal wieder nach der Bezeichnung eurer Route im Offroad-Reiseführer fragen (ist es die HCR?)
    Schaut echt toll aus und euer Bericht ist wieder super!! Da bekommen wir immer mehr Lust auf Marokko 🙂

    Liebe Grüße,
    Annika und Flo

    1. Hallo ihr zwei Lieben!

      Ganz Recht, das ist die HCR. Informiert Euch aber vorher auf jeden Fall über das Wetter, bevor Ihr diese Strecke in Angriff nehmt. Im Moment werden es Nachts schon um die -8 Grad und wir haben uns von erfahrenen Overlandern sagen lassen, dass die Strecke bei schlechtem Wetter teils unpassierbar wird! … ist halt ein Hochgebirge …
      Bitte passt auf Euch auf und und habt ganz viel Spaß, wo immer ihr lang fahrt!!! 🙂

      Aller liebste Grüße, Sabine und Micha

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