Ein Rundgang in der Medina von Fes

MichaelAllgemein, Marokko, Reisen17 Comments

Medina von Fes - Die Färberei

Fes – die älteste der vier Königsstädte gilt als die am besten erhaltene Stadt der islamischen Welt. Wir besuchen heute die Medina.

 
 
 

Die Medina Fes el-Bali, also die Altstadt von Fes, wird in unserem Reiseführer als „die ultimative Medina“ beschrieben und wurde 1981 zum Weltkulturerbe erklärt. Eine „orientalisch-arabische Stadt par excellence“ mit über 9.000 Gassen, die teilweise nur gut 50 cm breit sind und gefüllt mit Handwerksvierteln und Händlern. Klar: Das mussten wir uns gleich zum Einstieg in unsere Marokkoreise einmal ansehen! Kommt mit uns, Hettani unserem Guide und einem britischen Ehepaar mit dem wir uns Tags zuvor vor einem Supermarkt angefreundet hatten, mit auf eine Reise in eine andere Zeit.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: https://youtube.com/watch?v=JiDZL22rOaE

Anzeige:

DIE MEDINA FES EL-BALI

Tatsächlich fühlten wir uns bei unserem Aufenthalt in Fes el-Bali ein bisschen, als wären wir durch einen Riss in der Zeit gefallen. Gerade als wir die Gassen betreten wollen, empfängt uns ein intensiver, dumpfer Geruch nach Verwesung, der sich schwer über das gute Magengefühl so manches empfindlichen Menschen legen könnte. Automatisch scannten die Blicke sofort die Umgebung nach der Urasache ab und da wo die vielen Fliegen herkamen, da blieb kein Zweifel, sie gefunden zu haben. Zu großen Haufen getürmt, warteten abgezogene Häute von Ziegen und Schafen darauf, in der Gerberei zu Leder verarbeitet zu werden.


Zwischen Schafsköpfen
und Kräutern

Wir starteten unseren Rundgang in der Medina bei den Schlachtern und Fischhändlern. Ein gelungener Einstieg um gleich mal abzuhärten. Die abgetrennten Köpfe der Schafe, deren Haut draußen auf der Straße in der Sonne lag, warteten hier auf einer Pappunterlage auf Käufer, während es sich eine Katze mit triefenden Augen daneben gemütlich machte.

Der Blick schweift unwillkürlich zum Stand gegenüber, weil eine Kundin lautstark mit einem Fischhändler diskutiert. Es geht offensichtlich um die Qualität der Sardinen, in einem kleinen Plastikkörbchen. Laut schwadronierend nimmt die Kundin eine der Sardinen in die Hand und wedelt damit dem Händler vor der Nase herum, fängt an noch lauter zu schimpfen, während die Sardine in die andere Hand wechselt und kritisch begutachtet wird. Sie werden sich nicht einig, zumindest im Moment noch nicht. Die Kundin wirft den kleinen Fisch mit einem Lachen in das Plastikkörbchen zurück und zieht ihres Weges … wahrscheinlich normale Verhandlungen vor dem Einkauf wenig später.


FRISCH AUF DEN TISCH

Wir müssen lachen, als wir an unsere Lebensmittelhygienevorschriften zu Hause denken. Während an unseren Frischetheken nicht mal Mehrwegbehälter befüllt werden dürfen, weil sie die Ablagefläche im Thekenbereich verseuchen würden, hat sich hier seit dem Mittelalter offenbar nicht viel verändert. Wo der Fisch auf eine frischeverlängernde Kühlung durch Eis oder Abdeckung vor Fliegen verzichten muss, ist dafür das Fleisch eines Hühnchens, das man kaufen möchte um so frischer. Der Metzger nimmt nämlich nicht ein Stück Fleisch aus der Theke sondern eines der noch lebenden Tiere aus den Regalen hinter sich, klemmt das schreiende Hühnchen unter den Arm und schneidet ihm mit einer Haushaltsschere den Kopf ab – so schnell geht schlachten, hier bitte schön! … und sorry für den O-Ton des Hühnchens im Video.


HIER BLOSS
NICHT VERLOREN GEHEN!

Die Eindrücke prasseln auf uns ein, wie die Hektik in den Gassen selbst. Einige der dunklen Sträßchen, sind so eng, dass schwer zwei Leute nebeneinander passen, doch irgendwie müssen die Lastesel an einem vorbei, die in der Medina das einzig zugelassene Transportmittel sind! Schwer bepackt mit Häuten, Teppichen oder Holz werden sie durch die Sträßchen getrieben und man fühlt sich ein bisschen wie ein Fremdkörper in einem wild und schnell wuselnden Ameisenhaufen. Es wäre wohl völlig unmöglich uns wieder zu finden, sollten wir uns hier aus den Augen verlieren. Wir waren unterwegs mit einem älteren Ehepaar aus England. Mit Helen und Graham haben wir uns tags zuvor auf dem Parkplatz eines Supermarktes angefreundet, als wir völlig hilflos erkannten, dass wir hier in Fes, zum ersten mal, seit wir im Auto leben, absolut keine Möglichkeit sahen, irgendwo „frei“ übernachten zu können. Graham hatte einen wunderbar zurückhaltenden aber doch väterlichen Beschützerinstinkt und blieb ganz unauffällig immer hinter mir zurück um aufzupassen, dass ich nicht verloren gehen konnte.


Anzeige:

EINE ANDERE WELT

Wir zogen so durch die verschiedenen Viertel der Handwerksbetriebe. Tischler, Gerber, Messingschmiede, Wollfärber – in der Medina gruppieren sich die Gewerke nach ihrer Art an bestimmten Plätzen oder Gassen. Nicht nur die Arten der Arbeit, auch die Arbeitsbedingungen erstaunten uns mit jedem neuen Bild, das sich uns bot. Wir aus West-Europa fühlen uns verzaubert und fasziniert, die romantisch verklärten Beschreibungen der Reiseführer wähnen uns in einer Welt aus 1001 Nacht. Doch sollte man sich auch vor Augen halten, dass das Leben der Menschen hier nicht in den Hochglanzfotos bei Marco Polo wiedergespiegelt wird. Die Medina ist schlicht und ergreifend arm. Kinderarbeit ist selbstverständlich und die hygienischen Bedingungen sind nicht etwa nur beim Fischkauf katastrophal. Aber außerhalb der Stadt, auf den Feldern im Rifgebirge, die wir auf dem Weg nach Fes durchfahren haben, da leben die Menschen unter sogar noch sehr viel bescheideneren Bedingungen. Wir sind in Begleitung eines Einheimischen und so dürfen wir, wie so oft an diesem Tag, einen Innenhof betreten, in den wir als unbegleitete Touristen nie gewagt hätten einen Fuß zu setzen, geschweige denn noch Fotos zu machen. Der Hof enthielt Anbindeplätze für einige Packesel, in einer Kammer am Eingang saß jemand, der Gurte zusammenflickte und über den Tieren gab es kleine Kammern – Übernachtungsmöglichkeiten für die Menschen, die mit ihren Packeseln aus den Bergen in die Stadt zogen um ihre Waren zum Kauf anzunbieten. Ein altes, immer noch genutztes Karawanenhotel, wie uns unser Guide erklärte.

Wir lassen für dich die Hosen runter und zeigen Dir  unsere genauen Reisekosten für 90 Tage Marokko mit dem Allrad Wohnmobil!

Marokko Reisekosten

DIE BACKSTUBE
WIRD BELIEFERT

Sogar ein Besuch beim Bäcker eröffnet mit unserem einheimischen Begleiter eine andere Welt. Ich verstand erst gar nicht was er meinte, als er sagte wir besuchen jetzt mal meinen Freund den Bäcker, zu ihm bringen alle Frauen hier ihr Brot. Wie, die Frauen bringen Brot zum Bäcker – ich dachte immer man HOLT sich Brot beim Bäcker!?! Naja, wenn der Bäcker aber der einzige ist, der einen Ofen zum Backen hat … Hier ist es üblich, dass die Frauen zu Hause die Brote zu Hause selber machen. Dann werden die Fladen zum Backen gebracht und später wieder abgeholt. In dem kleinen Raum mit gemauertem Ofen, vor dem der Bäcker den ganzen Tag in einer kleinen Grube steht, türmten sich Brotlaibe in einem Regal. Wir erkannten keinen Anhaltspunkt wie das möglich sein sollte, aber unser erzählfreudiger Guide betonte wie wichtig es sei, dass jede Familie genau die von ihnen abgelieferten Brote wieder erhält – schließlich hat jeder ein bisschen ein anderes Rezept! Wir erlangten Ehrfurcht vor dem Bäcker, bevor wir uns von ihm verabschiedeten.

FRIEDLICHES MITEINANDER

So manchem Handwerker durften wir netter Weise an diesem Tag über die Schulter schauen und seine Arbeit fotografieren. Wir haben so manchen Geruch wahrgenommen, den wir nie zuvor gerochen hatten, Blicke in prachtvoll verzierte, jahrhunderte alte Universitäten mit winzigen Studentenkammern werfen dürfen – für die schlechten Schüler, wie uns unser Guide verriet; die guten Schüler schliefen alle zusammen im selben Raum, in dem auch gelehrt und gebetet wurde. Diese Eindrücke werden wir wohl niemals vergessen. Wir standen vor den sieben goldenen Toren des Königspalastes und haben gelernt, dass das jüdische Viertel mit zwei Synagogen genau gegenüber und einige christlichen Gemeinden mit Kirche unweit davon zu finden sind … da soll Zuhause nochmal jemand erzählen, „DIE“ dürfen bei uns ihre Moschen bauen, aber wehe, wir würden das bei „DENEN“ eine Kirche hinstellen wollen… So zeigte uns dieser Tag recht anschaulich, dass man sich selbst und möglichst vor Ort ein Bild von der Welt machen sollte – und sich dies nicht abnehmen lassen von Meinungsmachern und RTL.

MIT DEM WOHNMOBIL NACH MAROKKO

Hier findest Du alle wichtigen Reisetipps im Überblick!

MIT DEM WOHNMOBIL NACH MAROKKO –

Hier findest Du alle wichtigen Reisetipps zu:

Fähre, Einreise und Visa, Fahrzeugeinfuhr, Verkehr, Währung, Telefon/Internet, Sprache, Einkaufen, Tanken, Campen, Reiseimpfungen, Ärztliche Versorgung, Marokko mit Hund, Marokko-Knigge, Drogen, Reisekosten, Sicherheit und vieles mehr!

HIER GEHT'S ZU DEN INFOS!

ZWISCHEN TRAUM
UND REALITÄT

Wir hatten einiges zu verdauen. Zurück im Herman sprudelte es dann auch nur so aus uns heraus und wir sprachen in der Nacht noch lange darüber, wie wir diesen Besuch erlebt haben. Es war … anders. Anders, als in unseren Reiseführern beschrieben und anders als die farbenfrohen Fotos, die die google Bildersuche liefert. „Ein Feuerwerk der Düfte und Farben“ „Ein Märchen wie aus 1001 Nacht!“ Nein, es duftet nicht traumhaft nach Gewürzen und die im Reiseführer gezeigten, typischen losen Waren laden auch nicht gerade alle zum Kauf ein.


Anzeige:

Als Tourist brauchst Du auch verdammt gute Nerven, weil Du in den Augen der Einheimischen einen Goldesel darstellst. Schon wenn Du durch die Stadt fährst, verfolgen dich wild hupende Mopedfahrer um dich gegen Geld auf den besten Parkplatz zu lotsen und die Kette der Aufdringlichkeiten nimmt einfch kein Ende. Jeder will etwas von Dir und ist dabei unglaublich hatnäckig. Es gilt wohl die Touristen mürbe zu machen – und ist man das hier nicht gewohnt, fühlt man sich auch bald schon. Unser Besuch in Fes war dahingehend aber ok, weil wir bereits in Begleitung eines Einheimischen gewesen sind. Einen Besuch der Medina in Tetouan hatten wir dagegen frühzeitig abgebrochen, weil wir es nichtmal bis zum Eingang schafften, ohne bereits gefühlt 150 Diskussionen zu führen – das machte wirlich keinen Spaß!


EINZIGARTIGE EINBLICKE

Für einen Besuch in Fes würden wir Dir allein schon deshalb ebenfalls zu einem Guide raten. Klar sind wir durch ihn auch in zwei, drei Verkaufsräumen gelandet, aber wenn man klarstellte, dass man keine Kaufabsicht hatte, war auch alles gut. Toll daran war trotzdem, dass man immer duch die wirklich sehenswerte Produktion der Waren geführt und einem alles erklärt wurde. Zum größten Teil konnten wir durch unsern Führer, der irgendwie alle 82.000 Menschen der Medina zu kennen schien, aber auch Einblicke in das Leben der Menschen hier halten. Wir besuchten Gassen und Höfe, in die wir als Touristen allein unterwegs keinen Fuß gesetzt hätten. Die Menschen, die hier leben und arbeiten kannten Hettani. Er brachte uns hinein und hielt ein kleines Schwätzchen. Wir durften uns in der Zeit einfach umsehen und staunen …


UNSER FAZIT ZU FES

Die Reiseführer haben Recht, die Medina ist tatsächlich mehr als sehenswert. Doch die Schneise zwischen Arm und Reich in der Stadt lässt einen innehalten, genau wie das Nachdenken darüber, wie Fördergelder eingesetzt werden, um ein solches Weltkulturerbe zu erhalten. Die zur Schau gestellten Teile einer bekannten, großen Gerberei etwa werden renoviert und mit einem hübschen Aussichtsbalkon versehen. Doch die Erhaltungswürdigkeit liegt eben darin, dass die Arbeiter viele, viele Stunden am Tag mit teils nackten Füßen in einem Bottich aus Kalk und Taubenscheiße oder einer Farbmischung stehen. Für die weiteren Produktionsräume, wo die Schneider, Sattler und Schumacher arbeiten gibt es wohl keine Förderung, die Arbeitsbedingungen der Angestellten dort dürfen nicht besichtigt werden… Der durch die Stadt fließende Fluss Oued Fes wird hier auch zum auswaschen verwendet und die Bezeichung „stinkende Kloake“ trifft seinen Zustand wohl eher. Ohne nun tatsächlich zu wissen, was mit solchen Fördergeldern wirklich alles passiert: Ist man vor Ort kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, die Unesco würde lieber ein Abwassersystem bauen, um die allgemeinen Hygienischen Zustände in der Stadt zu verbessern. Wir werden mal versuchen nachzuhaken, würden aber nicht versprechen, dass uns hierzu Auskünfte erteilt werden, die wir nachliefern können.


STELLPLATZ–TIPP

In Fès standen wir auf dem Campingplatz des Hotels Diamant Vert, das neben einer sehr gepflegten Anlage auch heisse Duschen, Ver- und Entsorgung, sowie schnelles WLan bietet. Für zwei Personen und Wohnmobil haben wir 100 Dh/Nacht bezahlt. Strom kostet 20 Dh/Tag extra, brauchten wir aber auf unserem sonnigen Plätzchen nicht.


Natürlich sind solche Eindrücke immer sehr subjektiv und wir berichten Dir so von unseren Erlebnissen, wie sie sich für uns persönlich dargestellt haben. Wenn Du auch schon einmal in der Medina in Fes gewesen bist, würde uns interessieren, wie sich unsere Eindrücke decken oder unterscheiden. Schreib uns doch einfach in die Kommentare, wenn Du magst – gerne natürlich auch wenn Du noch nie in Fes gewesen bist!

17 Kommentare zu “Ein Rundgang in der Medina von Fes”

  1. tolle Bilder, klasse Berichte, sehr schön gemacht !
    Und da ist sie wieder, die Frage nach dem Internet, wie gelingt euch dort der Zugang ins Netz, gibt es auch offene Wlan ?
    Liebe Grüße aus Bayern
    der Tom

    1. Hi Tom! Danke für Dein Lob an unseren Bericht! 🙂

      Also mit dem Internet sieht es bisher gar nicht so schlecht aus hier. Die Medina war allerdings somit unser zweiter, richtiger Tag im Land, wir hatten noch kein eigenes Internet und von hier aus sind wir Richtung Atlantik gefahren, wo wir seit dem mit Fieber, Husten und Schnupfen im Bett liegen. Der Campingplatz den wir aus gesundheitlichen Gründen angesteuert haben, hat wlan. Deine Frage wirklich zu beantworten wäre deswegen noch ein „kleines bisschen“ verfrüht. 😉 Wir sind jetzt fast schon wieder gesund und werden zügig weiterfahren … in einigen Tagen können wir mehr zum Internetempfang hier berichten.

      Liebe Grüße erst mal nach Bayern,
      Sabine

  2. Hallo Ihr Beiden
    Vielen Dank für Eure eindrucksvollen Impressionen aus der Medina!
    Wir waren in diesem Jahr auch in Marokko und auch in der Medina in Fes. Eure toll beschriebenen Eindrücke decken sich mit denen, die wir gemacht haben.
    Auch Eure Erkenntnisse über das Miteinander der Religionen dort (und nicht nur dort) würden wir gern, na sagen wir einmal „bildungsfernen“ Bevölkerungsschichten hier in Deutschland nahe bringen. Vielleicht wird dann das unerträgliche Skandieren von Hetzparolen hier weniger.

    Ihr seid ja noch jung und ihr schafft es bestimmt in Eurem Leben noch einmal nach Ägypten. Dort solltet ihr das Katharinenkloster auf dem Sinai besichtigen. Auch ein Lehrstück in Sachen Religionen.

    Ich wünsche Euch noch viel Spaß bei Euren weiteren Unternehmungen und warte mit viel Spannung auf Eure nächsten Reportagen.

    Liebe Grüße

    Martin

    1. Ich verstehe nicht ganz, warum du Ägypten und das Katharinenkloster als Beispiele eines guten Miteinanders aufführst. Die Kopten sind in Ägypten seit jeher eine unterdrückte Minderheit, die sich nicht umsonst in Klöstern verschanzt haben. Siehe auch Wadi Natrun.

    2. Danke für Deine anerkennenden Worte, lieber Martin! 🙂

      Nach Ägypten möchten wir unbedingt noch einmal – schon allein wegen der Artenvielfalt im roten Meer! Mal gespannt, wann wir das schaffen, es warten noch so viele Wunsch-Reiseziele … 🙂 Danke für Deinen Reisetipp!

      Erst mal ganz liebe Grüße aus dem Herman,
      Sabine, Micha und Fenja

  3. Moin ihr netten Menschen,

    mein letzter Besuch in Fes ist nun 35 Jahre her und damals hatte man, bis auf wenige Reiseführer, keine so guten Vorab-Infos wie heute.
    Eure Eindrücke kann ich im Ganzen bestätigen! Auch ich dachte damals ins Mittelalter zurück katapultiert worden zu sein. Obwohl ich nie ein begeisteter „Alte Steine-Begucker“ war, war ich damals von den Moscheen begeistert und natürlich von der freundlichen Gelassenheit der Bevölkerung. In den vielen kleinen Gassen hatte ich damals ohne Führer manchmal ein recht mulmiges Gefühl und fühlte mich auf dem Land erheblich sicherer!
    Wer kann, sollte schon in jungen Jahren andere Kulturen besuchen, es prägt für das ganze Leben!

    Besonders gefallen, hat mir dein folgender Satz: „da soll Zuhause nochmal jemand erzählen, „DIE“ dürfen bei uns ihre Moschen bauen, aber wehe, wir würden das bei „DENEN“ eine Kirche hinstellen wollen…!“
    Genauso ist das!
    Ich hatte derartige Eindrücke zwar schon oft in den Jahren zuvor in Tunesien und eigentlich generell ab 1973 bei meinem ersten weiten Trip Richtung Iran (damals noch Persien), aber in Marokko wurden diese erneut bestätigt.
    Macht weiter so, reist mit offenen Augen und Ohren durchs Land, bleibt schön gesund und lasst uns teilhaben!

    Ich freue mich auf weitere Berichte!

    Lieben Gruß aus dem arg herbstlichen (grau in grau und Dauerregen) Tal der Wupper

    Ralf

    1. Hey Ralf, was für ein suuuuper lieber Kommentar ist DAS denn!!! 🙂
      Danke für Deine Erfahrungen, die Du mit uns teilst! Wir können grade genau verstehen, wie Du das meinst, mit dem „alte Steine gucken“! 😀 Normalerweise berührt uns sowas irgendwie nicht die Bohne, aber diese alten Moscheen und Universitäten in der Medina, in der jeder Quadratzentimeter ein handwerkliches Kunststück ist … wow, das begeisterte dann doch sogar uns, genau wie das selbstverständliche Miteinander verschiedenster Glaubensrichtungen!

      Ja, ich denke, wir werden noch lange berichten von unterwegs, denn wir fangen gerade an, es schätzen zu lernen, dass wir uns unser eigenes Bild von der Welt machen dürfen! Und wir freuen uns unglaublich, wenn so liebe Menschen uns dabei begleiten!

      Wir hoffen, wir hören uns schon bald wieder und schicken ganz, ganz liebe Grüße aus dem Herman,
      Sabine und Micha 🙂

    1. Vielen lieben Dank Jörg! Voll schön, wenns Dir gefallen hat mitzukommen! 🙂
      Freuen uns sehr über die nette Rückmeldung von Dir!
      Aller beste Grüße aus dem Herman,
      Sabine 🙂

  4. Ihr Lieben

    Vielen Dank für den schönen Bericht. Die Medina hat euch erst mal tief beeindruckt.

    Lasst es euch nicht nehmen, auch alleine durch diese oder eine andere Medina zu streifen. Ihr werdet Übung darin bekommen und eine Haltung entwickeln, die euch hilft, dass euch nicht mehr jeder Händler anquatscht. Ihr werdet auch schnell erkennen, wie ihr die „Nepp-Ecken“ vom Rest unterscheiden könnt.

    Macht euch den Spaß, auch alleine in die hinteren Reihen der Medina zu gehen. Dort könnt ihr die Produktionsketten rückwärts verfolgen: Vorne die Händler (oft mit ein wenig „Show“-Produktion), dahinter die Reihen mit den eigentlichen Werkstätten und dahinter die Lieferanten für die Grundstoffe und die Werkzeuge der Werkstätten. Die Medina ist wie ein Organismus. Gerade in der zweiten und dritten Reihe hatte ich mich am wohlsten gefühlt: Als willkommener und interessierter Besucher und nicht als zahlungskräftiger Kunde.

    Ich hatte mein Navi bei diesen Streifzügen dabei. Es hat mich immer wieder sicher am „richtigen Ende“ aus der Medina gebracht. Spannende Werkstätten, Imbisse und Gebäude habe ich als Waypoint gespeichert und später noch einmal besucht.

    Lasst Euch Zeit – die Einheimischen werden das merken und Euch geduldig und gelassen behandeln. Die anfängliche Unsicherheit nimmt schnell ab – besonders, wenn ihr damit beginnt, Euch selbst in der Medina mit Nahrungsmitteln, Kleidung oder anderen Alltagsdingen zu versorgen. Ihr werdet überrascht sein, wie schnell ihr Euch einleben werdet.

    Nehmt Euch Zeit und habt Spaß – und stellt Euch darauf ein, dass ihr nach Eurer Rückkehr einen veränderten Blick für unsere effiziente Leistungsgesellschaft und ihre Wirkung auf unser Zusammenleben entwickelt haben werdet …

    Ich wünsche Euch eine tolle Reise und viele gute Erfahrungen, Peter

    1. Lieber Peter, das hört sich nach sehr wertvollen Erfahrungswerten für Neulinge wie uns in dieser Kultur an. Ja, ich glaube, wir müssen erst einmal noch lernen, uns hier wirklich zurecht zu finden. Es ist schon sehr ungewohnt und man weiß gar nicht so recht, wo man anfangen soll. Deine Tipps sich einfach Zeit zu nehmen und weiter zu erkunden werden wir aber sehr, sehr gerne annehmen. Schließlich wollen wir auch noch eine Weile hier bleiben und so wird es wohl die Zeit einfach mit sich bringen, immer vertrauter mit dieser anderen Art des Alltags zu werden.

      Vielen lieben Dank für Deine Ratschläge und Erfahrungen! Wir schicken Dir die aller besten Grüße aus dem Herman,
      Sabine und Micha

  5. Hallo ihr Drei (oderVier?),

    wir hoffen es geht euch derweilen etwas besser!
    Der Anfang von eurem Bericht liest sich wirklich wie 1001 Nacht und macht echt Bock auf einen Besuch.Fast wären wir losgefahren 😉

    KOMMA ABER… „gegen Geld auf den besten Parkplatz zu lotsen und die Kette der Aufdringlichkeiten nimmt einfch kein Ende.“

    Das ist der Grund warum wir touristische Ziele mittlerweile meiden. Es ist völlig egal ob es „Tourist-Guide’s“ in Rom, „Kober-Kellner“ auf Rhodos, „Coco-Loco’s“ an der Costa Brava, „Cheap Sunglasses“ am Anlantik oder „Same same but diffrent’s“ in Thailand sind… Sie gehen uns alle unglaublich auf den Sack!

    Daher werden wir unseren Besuch in Fes & Medina wohl auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. Es heißt ja mit den Jahren wird man ruhiger emotional ausgeglichener 🙂

    Grüße aus dem kalten und stürmischen Hannover

    Gabi & Vasco

    1. Hallo Gabi und Vasco! 🙂

      Danke Euch, inzwischen ist die Gesundheit einigermaßen wieder hergestellt – und sorry für die späte Antwort jetzt!
      Ja, also wir müssen sagen: Es war schon sehr anstrengend in Fes und den Orten im Norden allgemein. Es heißt ja immer, dass den Marokkanern das Handeln im Blut liegt und Leidenschaftlich betrieben wird. Wir haben einfach den Eindruck gewonnen, dass es bei dieser Leidenschaft ganz allgemein ums Geld machen geht, nicht nur beim Handel mit Ware. Die Menschen hier sind außerordentlich einfallsreich, wenn es darum geht, einem Touristen auch nur einen einzigen Dirham aus der Tasche zu leiern – mit teils abenteuerlichen Geschichten und sehr, sehr ausdauernd und forsch. Aber man muss wahrscheinlich auch einfach bedenken, dass dies bei vielen einfach aus einer großen Armut heraus passiert, was dann irgendwie wieder verständlich erscheint. Im Verhältnis zu vielen hier sind wir einfach super reich… Ja, es war anstrengend und eigentlich sind Städte per se schon nicht unser Ding. Aber wir wollen die Eindrücke, die wir hier gewonnen haben nicht missen! Das Durchhalten hat sich gelohnt, denn man darf wirklich einen Blick in eine ganz andere Welt werfen. Wenn ihr in der Nähe seid und überlegt, ob ihr die Medina besuchen wollt oder nicht: Macht es! Wir werden diesen Tag wirklich so schnell nicht wieder vergessen, auch wenn wir sowas natürlich nicht am laufenden Band brauchen …

      Aller beste Grüße aus dem heute etwas windigen Ouarzazate,
      Sabine und Micha

  6. Habe eine Rundreise gemacht und auch die Medina in Fes besucht.Es war so wie ihr es beschrieben habt.Habe bei der Rundreise sehr viel gesehen und erlebt.Land und Leute kennen gelernt. Hatten auch erstklassige deutschsprachige Reiseleitung.

    1. Hallo Liane!
      Danke für Deine Erfahrungen 🙂
      Ja, in Marokko kann man wirklich innerhalb kürzester Zeit ganz unglaublich viele, ungewohnte Eindrücke sammeln. Wir wünschen Dir auch weiterhin viele tolle Reiseerlebnisse und schicken ganz liebe Grüße,
      Sabine und Micha

  7. Ein wirklich sehr guter und authentischer Reisebericht. Wir haben vor im Mai nach Fes zu Reisen. Marakesch haben wir 2017 gesehen und ich war ebenso zurückversetzt wir ihr beiden das Medina Lebens beschrieben habt. Bin mal gespannt ob Fes und seine Medina auch solche Eindrücke hinterlässt. Eure Tipps nehme ich dankend mit. Schakrun.

    1. Vielen Dank Andreas! 🙂
      Wir wünschen Euch eine wunderbare Reise mit vielen unvergesslichen Eindrücken in Fes und schicken Euch ganz liebe Grüße,
      Sabine und Micha

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.