Gas oder Diesel zum Heizen im Wohnmobil? Der große Vergleich

SabineSelbstausbau0 Comments

Gerade für Selbstausbauer und Optimierer ist es ein großes Thema: Heizen im Wohnmobil soll nicht nur gemütlich warm machen. Es muss praktisch sein, bezahlbar, zuverlässig und überall funktionieren. Was ist also die bessere Lösung: Gas- oder Diesel

 

Werksseitig werden in den aller meisten Wohnmobilen immer noch Heizungen zum Betrieb über Gasflaschen verbaut. Doch was spricht wirklich für diese Lösung? Ist heizen mit Gas tatsächlich praktisch für Dich und Deine Art unterwegs zu sein?

Wir kennen beide Szenarien. Unsere früheren Wohnmobile wurden konventionell über Gas beheizt. Ein Holzofen im Wohnmobil übernahm dann zwei Jahre lang die Aufgabe, als einzige Wärmequelle unser rollendes Zuhause zu beheizen. Inzwischen bereichert eine Planar 44D Dieselstandheizung von Tigerexped unseren Alltag. Warum die Kombination mit dem Hofen nun der reinste Luxus für uns ist, erfährst Du unter:


DER VERGLEICH


PLATZ UND GEWICHT

Eine mittelgroße Flasche mit 11 Kilo Gas hat ein stolzes Gesamtgewicht von 22 Kilogramm und ist ein echt sperriges Ding. Da man den Füllstand der Flaschen nicht immer sofort im Auge haben kann, ist es absolut sinnvoll eine zweite dabei zu haben, sonst steht man direkt ohne da, wenn die Flasche leer gelaufen ist. Wären wir schon bei 44 Kilo und einem großen Staukasten nur für den Brennstoff.

Fährst Du nun etwa ein Wohnmobil mit einer Zulassung bis zu 3,5 Tonnen, hast Du nach dem Ausbau sowieso oft gerade mal noch 200 oder 300 Kilo an Zuladung … und da sitzen noch keine Personen drin! Für die verbleibenden paar Kilo erscheint es leichthin sinnvoller, Deine Klamotten einzupacken als ausgerechnet Gasflaschen.

Mit einer Heizung in Deinem Wohnmobil, die ihren Brennstoff direkt aus dem Kraftstofftank des Fahrzeugs bezieht, hast Du im Gegensatz dazu überhaupt kein zusätzliches Gewicht an Bord. Der Tank ist bereits sowieso vorhanden, verbraucht also nicht mal zusätzlichen Stauraum und ist mit dem Gewicht seines Volumens im regulären Leergewicht des Fahrzeugs auch schon mit eingerechnet.

REICHWEITE / HEIZDAUER

Wenn es bei tiefen Temperaturen drinnen gemütlich warm sein soll, dann ist so eine Gasflasche innerhalb von wenigen Tagen leer. Unserer Erfahrung nach mögen es die Gasflaschen übrigens am liebsten mitten in der Nacht leer zu werden. Bei vielen Wohnmobilen muss man dann in der Kälte nach draußen und die hoffentlich volle, zweite Flasche anklemmen. Sonst bleibt erst mal nicht nur die Bude kalt, sondern auch noch die Küche. Und ja, es gibt sie, die automatisch umswitchenden Absperrventile, die bei Leerlauf einer Flasche voll automatisch auf die andere schalten. Aber sie haben ihre Tücken. Gar nicht mal in der in ihrer Funktion sondern indem sie uns nachlässig machen. Achtest Du nicht ständig darauf, ist das Gas dann nämlich in beiden Pullen leer und es bleibt Nachts tatsächlich erst mal kalt.

Speist man die Heizung dagegen aus dem Kraftstofftank, kommt man zeitlich wesentlich weiter, ohne Gefahr zu laufen, gleich den Tank leer zu haben.

Gas wird in diesem Fall nur zum Kochen genutzt und reicht im Gegensatz zum Heizbetrieb dann eine halbe Ewigkeit. Nun kannst Du Dich entscheiden, ob Du mit mehr Gasvorräten zum Kochen länger autark sein möchtest oder sie zugunsten von mehr Zuladung sogar verkleinerst. Aus diesen und einigen anderen Gründen, zu denen wir noch kommen werden, kannst Du Dich natürlich auch entscheiden, Dein Wohnmobil komplett Gasfrei zu machen. Kochen kannst Du zum Beispiel auch mit einem solchen ORIGO Spiritus Kocher* , wie ihn etwa Rene in seinem T3 Syncro nutzt.

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Spirituskocher Origo

Eine Möglichkeit, die Heizdauer mit Gas stark zu verlängern, wäre der Anbau eines, außen an Deinem Wohnmobil fest installierten Gastanks. Dies ist jedoch mit hohen Anschaffungskosten und wieder hoher Zuladung verbunden. Getankt wird dabei an Tankstellen mit Autogas, was denkbar einfach und praktisch ist. Bedenke jedoch dass es Länder gibt, in denen kein Autogas an den Tankstellen angeboten wird.

NUTZERFREUNDLICHKEIT

Gasflaschen tauschen ist nicht schwierig. Nervig jedoch auf jeden Fall, weil die schweren Pullen hin und her gewuchtet werden müssen – was vielleicht auch nicht für jeden Rücken etwas ist.

Die Zuführung von Brennstoff für eine Diesel Heizung wird dagegen ein mal fest installiert und fertig. Hier muss nichts mehr getauscht, geschraubt oder schwer getragen werden. Du betankst einfach nur ganz normal Dein Wohnmobil. Diesel ist an jeder Ecke verfügbar und tanken funktioniert auch überall auf der Welt gleich.

Gasflaschen machen da „ein bisschen“ mehr Probleme. Besorge Dir auf jeden Fall ein Adapterset*, da die Anschlüsse von Land zu Land unterschiedlich sind. Sonst bis Du im Urlaub erst mal auf der Suche nach einem Campingladen, wenn das mitgeführte Gas nicht reicht. Es gibt Sets, mit denen Deine deutsche Flasche wiederbefüllt werden kann (dies ist in vielen Ländern jedoch verboten) und Sets, die es Dir erlauben eine „fremde“ Gasflasche an Dein System im Wohnmobil anzuschließen.

Die Handhabung und Vorschriften der einzelnen Länder was das Ausleihen und Tauschen von Gasflaschen angeht, ist dabei stark unterschiedlich, was zu weiteren Unannehmlichkeiten führt.

Eine sehr gute Übersicht hierzu erhältst Du in diesem Dokument des ADAC.

Wenn Du im Ausland eine Flasche ausleihst: Bedenke auch, dass unter Umständen die fremden Flaschen andere Maße haben und nicht in Deinen Gaskasten oder die Halterungen darin passen.

Beim ADAC darf man sich übrigens offiziell an die einheitliche Notrufnummer +4989222222 und damit eine Auslandsnotrufstation wenden, wenn man im Ausland unterwegs ist und keine Möglichkeit findet, an Gas zu kommen. Dies macht das Ausmaß des Ärgers, den man im Auslandsurlaub mit Gasflaschen haben kann, wohl mehr als deutlich.

Angesichts solcher Probleme überkommt den Besitzer einer Diesel Heizung natürlich höchstens ein müdes Lächeln.

AUFFÜLLEN

Möchtest Du vermeiden, dass im Urlaub die Gasvorräte zur neige gehen, solltest Du nur mit voll gefüllten Flaschen losfahren. Gasflaschen werden hier zu Lande allerdings meist nur getauscht – leer gegen voll. Deine halb gefüllte Flasche wird zwar angenommen aber das, was sich noch darin befand, kannst Du schon mal getrost unter „Verlust“ verbuchen.

Im Gegensatz dazu tankst Du jederzeit völlig unproblematisch einfach eine beliebige Menge Diesel nach.

SICHERHEIT

Der Transport von Gasflaschen im Wohnmobil ist als ungefährlich anzusehen. Sie würden selbst bei einem Unfall oder Feuer im Wohnmobil nicht explodieren, sondern den Inhalt durch ein spezielles Ventil kontrolliert abbrennen lassen.

Ein gewisses Risiko besteht jedoch, das durch eine Undichtigkeit Gas unbemerkt in den Innenraum strömt. In diesem Fall herrscht im Wohnmobil akute Lebensgefahr durch Ohnmacht und Ersticken.
Technische Defekte, zu lange Wartungsintervalle (poröse Schläuche) oder Bedienfehler können Gas unverbrannt austreten lassen. Alle Geräte, die über Gas arbeiten, selbst ein Absorberkühlschrank, arbeiten immer mit einer offenen Flamme, die durch das ausströmende Gas gespeist wird. Laut dem TÜV Hessen sind defekte Thermoventile am Herd eine der häufigsten Fehler- und Gefahrenquellen im System.

Bemerkt man den Gasaustritt rechtzeitig ist umsichtiges Handeln gefragt, denn das Gas ist hoch entzündlich und schon durch das Betätigen eines Lichtschalters kann eine Explosion ausgelöst werden. Die Installation eines Gaswarners ist ratsam.

Die Leitungen einer Heizung mit Diesel sind fest verlegt. Sie werden nicht geöffnet um neuen Kraftstoff zu tanken, wie beim Wechsel einer Gasflasche, was die Gefahr von Leckagen erheblich mindert. Doch selbst im Falle des Austritts von Dieselkraftstoff ist dieser bei weitem nicht so entzündlich oder gar unbemerkt erstickend wie Gas.

Auch dieser Punkt geht somit an Diesel, wobei man natürlich ganz klar sagen muss, dass man Gas auch nicht zum Kochen verwenden darf um dieses Risiko auszuschließen.

Du willst Dein Wohnmobil „gasfrei“ machen?

In diesem Artikel verraten wir Dir, welche Batterien Dir sogar den Einsatz eines Cerankochfeldes ermöglichen.

Hier gehts zu
Strom im Wohnmobil

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ÖKONOMISCH UND ÖKOLOGISCH

In den laufenden Betriebskosten nehmen sich die Anlagen nicht all zu viel. Auch in Punkto Ökobilanz haben die Dieselheizungen zum Gas, das allgemein als umweltfreundlichere Energiequelle gilt, aufgeholt. Inzwischen gibt es für sie effektive Abgasreinigungsanlagen und in Punkto Energieausbeute und Leistung stehen sie dem klassischen Wohnmobilsystem in nichts nach.

GERUCHSBELÄSTIGUNG

Dieselheizungen haben auch heute noch den Ruf zu stinken. Wir selber waren beim nachträgleichen Einbau unserer Planar 44D* sehr gespannt, was unsere Nasen (und die unserer Nachbarn) dazu sagen würden. Ganz ehrlich: Wir können Dir hier nicht von einer Geruchsbelästigung berichten. Lediglich wenn man die Heizung doofer Weise hat leer laufen lassen (der Kraftstoff kommt bei uns aus einem extra Zusatztank statt aus dem des LKW), dann kann man beim Ausgehen der Heizung und beim Neustart einen kleinen Schwall „Tankstellenaroma“ schnuppern. Der Austritt dieses Geruchs hört aber dann sofort wieder auf, wie wir festgestellt haben.

LAUTSTÄRKE

Gasheizungen arbeiten wirklich sehr, sehr leise. Das Gefühl einem Raketenstart beizuwohnen, wenn die Dieselheizung angeworfen wird, haben wir dagegen bei den Fahrzeugen von Freunden bereits auch schon kennen gelernt. Einige ältere Modelle entwickeln nicht einen Geräusch- sondern eher einen Lärmpegel.

Kurz nach dem Einbau unserer Planar 44D haben unsere Nachbarn, die mit ihrem Düdo Wohnmobil direkt neben uns parken, allerdings sogar nachgefragt, ob wir denn die Heizung bei den gerade herrschenden Temperaturen schon laufen haben – wir hatten. Und sie haben es nicht gehört!

Auch drinnen ist die neue Wärmequelle, die gleichzeitig auch unser warmes Wasser bereitet, auf kleiner Stufe, sogar ruhiger als der Kompressor des Kühlschrankes. Ein zusätzlich verbauter Schalldämpfer (im Lieferumfang der Planar 44D bei Tigerexped* bereits enthalten) wirkt hier Wunder. Lediglich auf hoher Stufe eingestellt und für einige Sekunden beim Starten, während die Verbrennung stabilisiert wird, ist der Geräuschpegel natürlich höher.

Die App Dezibel Messer misst in unserem Wohnraum bei auf kleinster Stufe laufender Standheizung gerade mal 15 db – was dem Blätterrascheln eines Baumes nahe kommt. Legt sie auf hoher Heizstufe richtig los, erreicht unsere Messung 37 db.

HEIZEN BEIM FAHREN

Der Betrieb von Dieselheizungen während der Fahrt ist weltweit erlaubt.

Heizen mit Gasanlagen die älter sind als Baujahr 2007, ist ebenfalls problemlos möglich. Bei Systemen ab 2007 müssen mit Crash-Sensor, Schlauchbruchsicherung und Druckregler ausgerüstet sein um während der Fahrt betrieben werden zu dürfen.

HEIZEN IN HÖHENLAGEN

Unter großen Höhen leiden nicht nur Menschen, die den geringeren Sauerstoffgehalt der Luft nicht gewöhnt sind. Auch Dieselmotoren und Heizungen sind für dieses Problem anfällig.
Doch spezielle Höhen Kits* passen die Verbrennung der veränderten Sauerstoffzufuhr an.

EINBAU

Gerade wenn Du selbst ausbaust oder optimierst, sind Dieselheizungen mit wesentlich weniger Aufwand verbunden. Die Installation gestaltet sich einfacher und ist mit weniger der bereits besprochenen Sicherheitsrisiken behaftet.
Dank eines e-Prüfzeichens und einfacher Technik, kannst Du eine Planar Standheizung, wie wir selbst sie verwenden, sogar selbst einbauen. Sie muss weder eingetragen oder abgenommen werden und es geht Dir dadurch nicht mal die Garantie verloren.
Eine Gasanlage muss wegen der Sicherheitsrisiken alle zwei Jahre einer Gasprüfung unterzogen werden und nach Einbau vom TÜV abgenommen.

Wir haben den Einbau unserer Diesel Standheizung für Dich dokumentiert. Einen Tag lang wurde im Lager vom Overlander-Ausstatter Tigerexped gebastelt, gebohrt und geschraubt und schon am Abend konnten wir heizen und eine warme Dusche genießen. Hier kommst Du direkt zum Video!

Warme Dusche genießen mit Planar Standheizungen
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Fazit

Moderne Dieselheizungen können in allen Bereichen mit deutlichen Vorteilen Punkten. Die Nutzerfreundlichkeit ist gerade bei Fahrten ins Ausland und in Sachen Sicherheit der Gasheizung haushoch überlegen. Der Pluspunkt viel Platz und Gewicht einzusparen kommt bei einer Dieselheizung vor allem in kompakten Wohnmobilen stark zum tragen.


Du hast weitere Fragen und interessierst Dich für eine Planar, wie wir sie verbaut haben? Wir haben Martin Henning von Tigerexped alle wichtigen Fragen gestellt und er hat ausführlich geantwortet.

Lass Dich hier im Interview beraten!

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