LiFePo Akku im Wohnmobil – Gespräch mit dem Fachmann

SabineSelbstausbau, Strom

Strom im Wohnmobil - die Solartechnik

Der Preis für einen LiFePo Akku übersteiget die Anschaffungskosten für eine normale Innenraumbatterie für’s Wohnmobil bei Weitem. Wir erklären hier, warum wir uns trotzdem dafür entschieden haben und wie unsere Erfahrungen damit sind.


Auch für uns war ganz und gar nicht klar, dass wir so viel Geld in einen Akku investieren wollen. Bei näherer Betrachtung sprechen aber einfach zu viele Vorteile dafür und der anfänglich höhere Preis relativiert sich von Anfang an. Im Verlauf eines LiFePo Akkulebens kommt man sogar auf eine erstaunliche Ersparnis.

LiFePo Akku im Wohnmobil – Gespräch über die Vorteile


Andre, Du hast uns den LiFePo4 Akku empfohlen. Was macht ihn so viel besser, als andere Batterien?

Da ihr dauerhaft im Wohnmobil lebt und auch darin arbeitet, muss der Strom zuverlässig fließen. Außerdem steht ihr viel frei und nutzt nur ganz selten Camping- oder Stellplätze. Das heißt, ihr müsst mit Eurer Solaranlage möglichst völlig unabhängig vom Landstrom sein.

Im Sommer ist das mit ausreichend groß bemessenen Solarmodulen kein großes Problem aber im Winter wird es dann problematisch. Durch die tiefstehende Sonne kommt nicht mehr so viel Solarleistung vom Dach, dazu steigt der Strombedarf durch die längere Dunkelphase auch noch an. Also zwei Werte die gegeneinander wirken. Normale Blei-Batterien brauchen allerdings ein paar Stunden für die Absorbtionsladung um nicht vorzeitig zu sulfatieren.

Kurz gesagt, um die Batterien richtig laden zu können bräuchtet ihr im Winter irre viel Solarpower, damit die Batterien zur Mittagszeit voll genug sind, um den Nachmittag für die Absorbtionsladung zur Verfügung zu haben. Das ist in der Praxis nur schwer möglich, weshalb viele Batterien schon sehr früh ihren Dienst aufgeben. Dazu habt ihr dann im Sommer so viel Strom übrig, dass ihr schon gar nicht mehr wisst wohin damit.

Und das ist mit einem LiFePo Akku anders?

Genau. Da ihr auch sehr viele Lade Zyklen habt, seid ihr prädestiniert für den Einsatz eines neuen LiFePo Akku – also einer Batterie aus Lithium Eisenphoshat (LiFePo4)

Lithium Batterien sind ein bis zu 100% nutzbarer Engeriespeicher, wobei Bleibatterien gerade mal die Hälfte ihrer Kapazität im zyklischen Betrieb, ohne übermäßigen Verschleiß, abgeben können.

Darum reicht es im Umkehrschluss auch, bei den Lithiumbatterien nur die halbe Kapazität verbauen, was die Kosten deutlich senkt! Ein absolut entscheidender Vorteil ist auch: Die LiFePo4 Akkus müssen nicht voll geladen werden, weil es zu keiner Sulfation kommt. Die Batterien funktionieren wie ein Wassertank, wo beliebig Strom eingefüllt und entnommen werden kann.

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Man kann die Solaranlage also kleiner auslegen, weil sie den ganzen Tag mit voller Leistung arbeiten kann, und es nichts ausmacht, wenn die Lithium Batterie erst am Abend, oder auch gar nicht voll wird.

Auch die Ladung mit einem Generator bei schlechtem Wetter ist einfacher, weil immer nur so viel Strom nachgeladen werden muss, wie man am Tag braucht. Somit kann der Generator unter Last effektiv laufen und die zeitraubende und spritfressende Absorbtionsladung während der Fahrt mit nur wenigen Ampere Ladestrom fällt weg.

Ihr braucht mit dem LiFePo Akku nur dann eine Steckdose anfahren oder mit dem Generator nachladen, wenn euer Tagesbedarf nicht durch Solar gedeckt wird. Da die Solaranlage so ausgelegt ist, dass selbst im Winter in Spanien die Tagesleistung locker euren Strombedarf deckt, werdet ihr also nur sehr selten eine Steckdose benötigen.

Wie viel Batteriekapazität und Solarpower hätten wir ohne den LiFePo Akkku verbauen müssen?

Da ihr euer Fahrzeug komplett neu aufgebaut habt, konnten wir verschiedene Möglichkeiten durchrechnen.

Version 1
420 Ah in Exide Blei GEL (ca 130 kg Gewicht, doppelter Platzbedarf, mit gut 400 Euro pro Stück auch kein Schnäppchen)
mit 800 WP Solar (Mehrkosten für mindestens 1 Solarpanel und einen teureren Solarladeregler)

Version 2
200 Ah LiFePo4 Batterie (nur 42 kg, wenig Platzbedarf)
mit 500 WP Solar

Beide Anlagen werden mit MPPT Solarladereglern und 80A 24V->12V Ladeboostern ausgestattet.

Du sprichst auch von Gewicht und Platz. Man hat dabei also weitere Vorteile beim LiFePo 4 Akuu?

Genau. Bei eurem Wohnmobil, das möglichst unter 7,5 Tonnen bleiben soll, ist (wie bei den meisten anderen Wohnmobilen), natürlich das Gewicht ein Problem.

Durch die kleinere Solaranlage konnten wir über 20 Kilo einsparen und bei den Batterien ist der Unterschied noch viel größer. Statt der 130 Kilo für Bleibatterien wiegt der 200Ah LiFePo Akku gerade mal 42 Kilo! Und dabei ist dieser vom Platzbedarf sogar kleiner als eine einzelne normale 210Ah Bleibatterie.

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Warum hast Du uns empfohlen, das System von Victron Energy zu kaufen?

Inzwischen gibt es viele verschiedene Anbieter für LiFePo Akkus. Große und kleine Firmen tummeln sich auf dem Markt aber die Preise nehmen sich wenig, die meisten sind sogar teurer.

Ich setzte auf Victron Energy weil ich hier ein weltweit agierendes Unternehmen habe, das im Notfall auf jedem Kontinent schnell Ersatzteile liefern kann. Vor allem ist es aber ein Unternehmen, dass mit seinem Namen und der langjährigen Erfahrung in autarker Energieversorgung im Katastrophenschutz, Marine und auch Expiditions-/Reisemobil Bereich einen sehr guten Namen hat.

Victron hat ein externes BMS (Batteriemanagement System), das bietet den Vorteil, dass man die Überwachungstechnik nur einmal bezahlen muss und nicht pro Akku, das spart auch Geld! Spätestens wenn der Akku mal getauscht werden muss, fallen keine neuen Kosten für das BMS an.

Kann man bei einer bestehenden Solaranlage einfach die alten Batterien durch LiFePo Batterien ersetzen?

Eine Lithium Eisenphosphat Batterie hat eine gleiche Ladeschlussspannung und Entladeschlussspannung wie Bleibatterien. Somit ist der Austausch 1:1 ohne Wechsel der Ladetechnik möglich.

Der Ladestrom ist im Gegensatz zu Bleibatterien nicht wichtig, solange der Lade-Strom 50% der Kapazität nicht übersteigt ist der Akku glücklich.

Bei den meisten Wohnmobilen, die unter dem Beifahrersitz ein oder zwei 90 Ah Akkus haben, passt genau der 90 Ah Victron LiFePo4 rein, incl. aller Anbauteile wie Batteriecomputer und BMS. So ist der Umbau in kurzer Zeit erledigt und man hat genau soviel nutzbare Kapazität wie vorher mit den oben genannten Vorteilen, bei einem Gewicht von nur noch 16 Kilo statt 60 Kilo in Blei.

Zum Preis. Die teurere Anschaffung soll sich ja amortisieren. In welcher Form?

In eurem Fall konnten wir schon bei der Anschaffung einige Kosten einsparen, weil wir weniger Solarmodule benötigten und darum auch einen kleineren, günstigeren Solarladeregler einbauen konnten. Auch beim Batterieladegerät konnten wir Geld sparen, weil wir keine spezielle Kennlinie für Exide Gel Batterien benötigen. Somit war eure Anlage nur 200 Euro teurer als die vergleichbare Version in Blei!

Ein entscheidender Vorteil ist jedoch, die Lebensdauer der LiFePo Akkus. Wo Bleibatterien einen 50% Zyklus gerade mal 700 mal mitmachen, hält eine LiFePo4 Batterie das 5000 mal aus.

Würden die Batterien nur doppelt so lange halten wie Blei-Akkus, hätten sie sich schon amortisiert, von den ganzen anderen Vorteilen ganz zu schweigen!


Dieses Gespräch führten wir mit Andre Bonsch beim Bau unseres ersten Reisefahrzeuges Herman 2.

UPDATE für Selbstausbauer!

Du willst einen Camper ausbauen, aber dir ist so eine Elekrische Anlage auch ein Buch mit sieben Siegeln?

Was brauche ich für Komponenten? Wann braucht man für welche Batteriekapazität welchen Solarladeregler. Welche Sicherungen müssen da rein und wie schließe ich das eigentlich alles an?

Genau so ging es uns auch, deswegen mussten wir die Anlage, um die es in diesem Artikel ging, auch noch einbauen lassen. Doch dann kam Martin von Tigerexped auf eine super Idee. Wir haben beim Bau unseres neuen LKW für ihn Versuchskaninchen gespielt und seine sich selbst konfigurierenden Strommodule getestet. Du wählst nur aus, was Deine Anlage können muss … zusammenstellen tut sie sich selbst! Dazu gibt’s eine eindeutige Einbauanleitung.

Du willst mehr darüber wissen? Dann schau mal hier:

Stromanlage für Selbstausbauer

– Genau auf Deinen Bedarf abgestimmt

– Sinnvoll und sicher konfiguriert

– Mit detaillierter Einbauanleitung

Und ja, das hier fällt unter „Werbung“ für Tigerexped. Und warum machen wir das: Weil wir das Angebot sau geil finden!

LiFePo 4 Akkus – Unsere Erfahrungen

Wir leben und arbeiten 365 Tage im Jahr in unserem Wohnmobil. Darin betreiben wir auch ein komplettes Büro mit vielen Verbrauchern.

An Landstrom haben wir uns bisher tatsächlich nur anschließen müssen, wenn wir mit „schwerem Gerät“ an Herman bauen wollten. Selbst im Deutschen Winter kamen wir nie wirklich in die Verlegenheit, nicht arbeiten zu können oder im Dunkeln sitzen zu müssen, Wir würden die LiFePo Akkus auf jeden Fall dringend weiterempfehlen!!!

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Wie viel Batteriekapazität brauchst Du

So rechnest Du ganz einfach selber aus, wie groß Deine Battierien im Wohnmobil sein müssen. Mit Checkliste zum Download!

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