Foum Zguid – warum nicht einfach hierbleiben!

MichaelAllgemein, Marokko, Reisen, VLOG6 Comments

 
 

Die Beschreibungen der kleinen Oasenstadt Foum Zguid lesen sich wirklich nicht grade spektakulär, bevor wir uns dahin auf den Weg machen. „Hier gibt es nichts zu sehen“ lautet die einhellige Meinung. Für uns tritt Foum Zguid hiermit mal wieder den Beweis an, dass weniger oft mehr ist!

Holprige Anfahrt

Der Fahrer des Geländewagens schaut ungläubig unter seinem weißen Turban hervor, als er uns entgegen kommt. Auf dem Rücksitz befinden sich Touristen, die zu ihrem gebuchten Wüstenausflug in den Erg Chegaga gebracht werden. Von den freundlichen Fahrern dieser Touren ernten wir stets ein offenes Lächeln und ausladendes Winken. In diesem Falle zieht Hermans Front allerdings scheinbar alle Aufmerksamkeit auf sich. Kurz bevor unsere Autos auf gleicher Höhe sind, erbebt sich das kunstvoll umwickelte Haupt und blickt zu uns herauf. Eine schnelle Handbewegung deutet nach unten und soll uns wohl zu verstehen geben, dass irgend etwas nicht stimmt.

Wir beschließen nachzusehen. Als Herman zum Stehen kommt, macht sich ein Gefühl der Erschöpfung und gleichzeitig der Befreiung breit. WOW, das hier ist keine Piste, das ist LKW-Folter … die sich bei den Insassen fortsetzt, wenn die Sitzplätze im Fahrerhaus so wenig Komfort zu bieten haben, wie die eines Steyr 680! Bereits (zu) viele Kilometer geht es in Schrittgeschwindigkeit über Geröll. Jede Wette: Hier bekommt man allein durch fahren schneller Sahne in Butter verwandelt als mit einem Hochleistungsrührgerät!

Die Beine wackeln automatisch weiter, als wir aussteigen und die zwei Schritte zur Front von Herman gehen … Ach du SCHEISSE!!! Unglaublich! Wie kann es sein, dass wir DAS nicht gemerkt haben??? Wir wollen ja nicht übertreiben, aber ein gefühlter Festmeter Lagerfeuerholz war vor kurzer Zeit noch auf der Stoßstange des LKW zu finden – die aktuellen Holzbestände liegen jetzt jedoch bei nichtmal dem kleinsten Stückchen Rinde! Sprachlos realisieren wir, dass die Steinpiste das Brennholz Stück für Stück aus seiner Befestigung gerüttelt hat. Mit jeder Sekunde die wir länger darüber nachdenken, werden wir glücklicher, dass wir uns beim Überfahren der großen Teile keinen Schaden am LKW zugezogen haben! Die Piste nach Foum Zguid ist ein derartiger Plombenzieher, dass das Überfahren großer Holzteile nicht das geringste bisschen aufgefallen ist. Arbeitslos hängen unsere Spanngurte zu allen Richtungen an der Stoßstange herunter, was wohl der Anlass für die erstaunten Blicke und Handzeichen des entgegenkommenden Fahrers gewesen ist.

Foum Zguid

So atemberaubend schön die Fahrt durch die größte Sandwüste Marokkos, dem Erg Chegaga gewesen ist. Genau so bescheiden gestalteten sich nun also die letzten Kilometer vom Lac Iriki bis nach Foum Zguid. Aber da sind wir nun. Die letzten Meter vor dem freistehenden Stadttor, führen uns von der Piste auf die frische Teerstraße, die die ca 9000 Einwohner mit der Provinzstadt Tata verbindet. Auch die Strecke nach Zagora ist inzwischen befestigt.

Teer! Es fühlt sich an, als würden wir über dem Erdboden dahinschweben!

Foum Zguid empfängt uns mit einer unglaublichen Ruhe und Gelassenheit. Gerade waren wir noch in Zagora, wo der Kampf um uns, als möglichen Kunden, zwischen Mitarbeitern verschiedener KFZ-Werkstätten tatsächlich fast in einer handfesten Auseinandersetzung geendet hätte – dabei wollten wir gar keine Werkstatt besuchen! Aus solchen Städten sind wir inzwischen gewohnt, dass die Konkurrenz unter den Geschäftsleuten groß ist und jeder einfallsreich versuchen muss, die Touristen irgendwie für sich und sein Angebot zu begeistern. Das ist generell ja auch nichts Schlimmes – doch Foum Zguid scheint irgendwie „mit sich im Reinen“ zu sein.

Nach unserer Tour durch die Wüste haben wir nichts mehr an Bord. Wir benötigen Lebensmittel, Wasser, Diesel… Beim Bummel durch die Marktstraße blicken uns lauter freundlich lächelnde Gesichter an. „Salam“ heißt es, mit der zum Herzen geführten, rechten Hand und einer leichten Verneigung.

Einkaufen in Foum Zguid

Heute ist kein Markt, deswegen holen wir in den typischen kleinen Läden hier den Reis, gegenüber das Gemüse, ein paar Meter weiter wieder etwas anderes. Es verschlägt uns auch in das winzige Geschäft einer Frau, die uns im drei Sprachen Mix unseren Wunsch nach Streichkäse und Limonade erfüllt. Neben der kleinen Theke sitzt ein weites Mädchen, das in ein farbenfrohes Gewand gekleidet ist. Das glänzend blaue Kopftuch betont ihr hübsches Gesicht, sie ist vielleicht 16 – 17 Jahre alt. Das Mädchen und eine weitere Feundin sind die personifizierte gute Laune! Das Gelächter bei der gegenseitigen Übersetzung der Preise und Mengen in Arabisch, Berber, Französisch, Englisch und Deutsch ist bestimmt noch ein paar Hundert Meter weiter die Einkaufsstraße hinunter vernehmbar. Wir haben viel Spaß beim Einkauf. Als alles im Herman verstaut ist, fällt uns ein, dass wir nebenan noch nach einem grünen Tuch Ausschau halten wollten, dort sitzt eine Frau hinter Bergen von Stoffen an einer Nähmaschine. Kaum am Laden angekommen, vernehmen wir das fröhliche Lachen den hübschen Mädchens. Sie übernimmt augenblicklich die Regie im Stoffladen. Anschließend verabschiedet sie sich zusammen mit uns von der Frau an der Nähmaschine, wünscht uns noch einen tollen Tag und begrüßt mit einem lauten Freudenruf den Inhaber das nächsten Geschäftchens, wo sie auf einem Hocker Platz nimmt. Wir ziehen weiter, jetzt brauchen wir nur noch Mehl – doch warum will der Mann hinter der Theke es uns nicht verkaufen??? Wir müssen aufpassen, dass wir nicht lachen müssen, als er seine Nase etwas zu tief in die Schaufel steckt, auf der er uns das weiße Pulver präsentiert.

Wir verstehen nichts von dem, was er sagt, aber er scheint zu schimpfen – wir rätseln, was er hat. Schlussendlich schickt er einen Kunden, der gerade bei ihm eine Aufladekarte für Maroc Telekom gekauft hat mit dem Moped los.

Dies ist bessere Qualität, gibt er uns zu verstehen, als er kurze Zeit später mit einem großen Sack Mehl unter dem Arm zurück kommt!

Camp vor den Toren der Stadt

Wow! Foum Zguid und seine Menschen begeistern uns, genau wie die Umgebung der kleinen Stadt an den Ausläuften des Anti Atlas Gebirges. Ca. 10 Kilometer vor den Toren der Stadt suchen wir uns ein Plätzchen auf einer kleinen Sanddüne, mitten im Nichts. Hier kann man es echt aushalten – vor allem da dieses Nichts auch noch Internetempfang in LTE Geschwindigkeit zu bieten hat. Keine Frage: Hier bleiben wir erst mal eine Weile, denn es stehen jetzt erst sowiso einmal einige Tage Arbeiten auf dem Programm. Besser hätten wir es nicht treffen können. Mittwochs fahren wir zum Markt in die Stadt, versorgen uns mit leckeren, frischen Sachen und erleben jedes mal wieder nette Begegnungen. Den Rest der Woche verbringen wir auf unserer kleinen Düne, auf der wir uns bald richtig heimisch fühlen und Arbeiten an den Seiten von Herman unterwegs. Die schönste Belohnung für diese Arbeit? Natürlich wenn jemand im Internet auf unsere Berichte stößt und Spaß beim Lesen hat. Die gute Internetverbindung im Oued Zguid macht dafür sogar ein Live-Webinar mit Suchmaschinen-Experte Sebastian Vogt ausfall- und ruckelfrei möglich! Danke für dieses tolle, informative Seminar, lieber Sebastian!

Mit Unterbrechungen verbringen wir so fast drei Wochen in dem wunderschönen Tal. Unglaublich: An unserer Minidüne kommt in dieser ganzen Zeit kein einziger Mensch vorbei! Unter diesen Umständen schaffen wir es, Einiges zu erledigen – selbst der Druckregler unserer Bremsanlage tut hinterher wieder seinen Dienst, wie vorgesehen.

Als wir endlich aufbrechen, locken die vor uns liegenden Pisten mit neuen Abenteuern, doch Foum Zguid werden wir vermissen, das seht fest. Selten haben wir uns in einem Ort so schnell so wohl gefühlt.


Falls dich Deine Abenteuer ebenfalls in den Süden Marokkos führen, möchten wir Dir einen Besuch dieses Städtchens dringend ans Herz legen – aber nimm Dir Zeit. Foum Zguid glänzt nicht mit Sehenswürdigkeiten, kulturellen oder historischen Höhepunkten. Aber mit Menschen, die Dich herzlichst willkommen heißen, mit Dir lachen und Dir Ruhe und Gelassenheit vermitteln. Ist das nicht viel mehr wert in unserer hektischen Zeit als irgend eine Sehenswürdigkeit???

6 Kommentare zu “Foum Zguid – warum nicht einfach hierbleiben!”

  1. Hey Ihr Da,

    kurz und knapp, ich fand das Video total toll, einfach mal so ein bisschen Alltag von euch zu sehen.
    Natürlich hat mir auch der Beitrag gefallen und wie immer freue ich mich über die tollen Fotos !

    Gruß Florian

    1. Hey Florian! 🙂
      Dankeschön, das ist toll zu hören, dass das Video auch ohne Pistenabenteuer nicht langweilig gewesen ist. Es kann ja nicht immer etwas „passieren“ und wir dachten, wir zeigen einfach auch davon mal ein paar Eindrücke.
      Es freut uns immer total, Dich dabei zu haben, echt! :))
      Ganz liebe Grüße aus dem Herman von uns beiden, Fenja und dem grünen Dicken! 😀

  2. Hallo ihr Lieben, eine tolle Seite, dessen Kanal ich gerne abonniert habe. Ein bisschen nachdenklich wurde ich, als die Nomaden, die euch auf dem Weg von Erg L’houdi in die Berge kurzer Hand das Beil nahmen und einige Büsche zu Sandblechen wurden… Ich schreibe euch aber, weil ich euch berichten möchte, dass wenn ich mit meinem Smartphone ein Video direkt aus einem Bericht heraus ansehe, die üblichen Möglichkeiten wie Daumen hoch pp. nicht erscheinen und ihr vielleicht einige Daumen nicht bekommt, obwohl sie gerne gegeben worden wären.
    Selbst war ich auch schon mit einem Kastenwagen in Südmarokko und bin begeistert von den Menschen und dem Land.
    Toll wie ihr lebt! Eine gute Zeit!
    Liebe Grüße
    Frank

    1. Hallo Frank!

      Ja, ganz ehrlich: Das mit den Büschen hat uns auch traurig gemacht! Unsere Versuche den Nomaden zu erklären, dass wir doch alle Zeit der Welt haben und es auch mit Sandblechen, ohne Büsche, schaffen uns auszugraben, waren allerdings genau so aussichtslos, als wenn wir ihnen hätten erklären wollen, dass wir gar keine Hilfe brauchen, sondern das Schaufeln uns Spaß macht … Anfänglich haben sie die Bleche sogar wieder unter den Reifen rausgeholt um Äste drunter zu packen, das war schon ein Kampf, die überhaupt zu benutzen. Die Leute kennen das hier leider nicht anders und unsere Bemühungen, mit Händen und Füßen wedelnd „No, No“ vor den Büschen zu rufen, stoßen auf ziemliches Stirnrunzeln, während sie anfangen Äste zu schlagen 🙁
      Bei der nächsten Tour werden wir nicht mehr ohne zwei weitere Bleche losfahren (aus Kostengründen hatten wir nur zwei Stück angeschafft), dann sind solche Diskussionen hoffentlich eher hinfällig, wenn für jeden Reifen ein Blech da ist und nicht nur für zwei. Aber eins müssen wir noch sagen: Es ist echt schön, dass DIR die Büsche nicht egal sind!!! 🙂

      Ganz dickes Dankeschön auch für Deinen Hinweis mit den Funktionen für die Videos. So weit wir bis jetzt wissen, können wir da bei eingebetteten Videos nix dran ändern und man müsste das Video in Youtube aufrufen um die Funktionen nutzen zu können. Wenn Du Seiten kennst, bei denen das funktioniert, müssten wir nochmal nachschauen, ob wir da doch noch Einstellungen zu finden – wäre natürlich toll, wenn das ginge!

      Nochmal ein ganz liebes Dankeschön und die besten Grüße aus dem Herman,
      Sabine und Micha

  3. Hallo Herman-unterwegs.de – ich liebe euren Blog! Und könnt ihr euch an mich erinnern? Ich war das Mädchen mit den zwei marokkanischen Jungs auf den Rädern, so 15 Kilometer von Tafraoute… es war toll, mal kurz zu quatschen. Liebe Grüße!

    1. Hallooooo Livia!

      DAS ist ja schön, dass Du Dich meldest, ich freu mich!!! Leider hatte ich ja keine Hose an und saß im LKW irgendwie „fest“ 😀 … hätte gerne sonst länger mit Euch gequatscht! Tja und Micha hat ja geschlafen – schwierige Umstände zum Kennenlernen, deswegen um so schöner, dass Du jetzt schreibst! :))
      Ich wünsch Dir noch eine totaaaaal schöne Zeit in Marokko und auch liebe Grüße an die zwei netten Jungs! 🙂

      Alles Liebe erst mal aus dem Herman – würde mich freuen, wenn man sich wieder hört!

      Sabine, Micha … und Fenja

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