Mercedes 911 – Der Sympathienfänger auf jeder Reise

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Der Mercedes 911 kann mit einigen Vorteilen punkten, wenn es um die Wahl eines Reisefahrzeuges geht. Unter anderem hat er etwas zu bieten, das kaum ein zweiter Allrad LKW hinbekommt: Der Rundhauber blubbert sich direkt in die Herzen der Menschen und öffnet durch reine Sympathie so manches mal Tür und Tor für seine Besitzer.


1959 begann die Ära der fast schon legendär gewordenen Mercedes Kurzhauber, zu denen unter anderem der Mercedes 911 gehört. Sie sind leicht zu erkennen: Im Gegensatz zu den früheren Langhaubern ist die Front rundlich und kompakt – was ihnen auch den Begriff Rundhauber einbrachte.

Die Kurzhauber entwickeln sich zum Erfolgsschlager und sie werden in Variationen zwischen 7,4 bis hinauf zu 18 Tonnen für die unterschiedlichsten Einsatzzwecke, mit und ohne Allrad angeboten. Sie verbreiteten sich auf der ganzen Welt.

Das Lustige dabei: Eigentlich sind die Kurzhauber nur als Kompromisslösung entwickelt worden. Die Frontlenker, bei denen der Motor unter dem Fahrerhaus sitzt und die Motorhaube entfallen lässt, sind bereits vorgestellt – doch Mercedes befürchtet, dass die neue Form vom konventionellen Kunden nicht ausreichend angenommen werden könnte. Auf der anderen Seite machen Maximallängen der Straßenverkehrsordnung den altbekannten Langhaubern das Leben schwer.

Damals hätte wohl niemand gedacht, dass die Kurzhauber sogar bis heute bei öffentlichen Einrichtungen im Einsatz sind. Ihre Robustheit und Zuverlässigkeit machen sie natürlich auch für Reisende zu idealen Begleitern.

Den beliebten Mercedes 911 stellt uns heute unser Experte Tobias Teichmann von 4wheel24 (selbst begeisterter 911er Besitzer) vor und wir dürfen wie immer mal eine kleine Proberunde drehen. Viel Spaß beim mitfahren in diesem Video:

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Video-Link: https://youtube.com/watch?v=okdhVBqPtVY

Kurze Info, weil bei neu vorgestellten Fahrzeugen immer wieder danach gefragt wird:
Dieses Fahrzeug ist im Moment noch zu verkaufen!

Motor und Getriebe

Fahrzeuge bis Frühjahr 1962 wurden noch mit dem Vorkammermotor OM 312 ausgetattet, der bereits zwischen 1938 und 1941 entwickelt wurde. Ein weiterer Motor dieser Bauart, der OM 321, kam bis 1964 zum Einsatz doch dann löste die Direkteinspritzung im OM 352 endgültig die Zeit der Vorkammer-Aggregate ab. Somit lag der Hubraum am Ende bei 5,7 Litern mit einer Leistung, die in der Regel auf 110 PS gedrosselt wurde. Ohne Drosselung erreicht der Reihen 6 Zylinder eine Leistung von 130 PS.

Das hört sich zwar nicht nach besonders viel an und der Mercedes 911 ist auch bestimmt kein richtiger Schnellläufer. Doch der Kurzhauber lässt sich nicht lumpen und zeigt sich bei unserer Probefahrt spritzig und laufwillig.

Der OM 352 hat sich bis heute bestens bewährt. Er ist nicht nur in anderen LKW‘s von Mercedes Benz, wie etwa im 1017 der Neuen Generation oder teilweise im UNIMOG zu finden. Zahlreiche Lizenznehmer haben diesen Motor ebenfalls hergestellt und damit ist der nicht aufgeladene Direkteinspritzer eines der weltweit verbreitetsten Aggregate im Nutzfahrzeugbereich überhaupt.

Das Getriebe des Mercedes 911 ist voll synchronisiert und mit 5 Gängen ausgestattet, die sich wirklich sehr gut schalten lassen.

Wir waren von den Fahreigenschaften äußerst positiv überrascht.

Fahrkomfort

Die Geräuschkulisse im Mercedes 911 ist die eines echten Oldtimer LKW. Dementsprechend ist es im Fahrerhaus etwas lauter und der Eindruck wird durch die große Doppelkabine natürlich noch etwas verstärkt. Auch durch die wunderschönen Armaturen aus Blech, die bei den späteren Baujahren stets in Wagenfarbe lackiert wurden, dienen als Resonanzkörper.

Mercedes 1113 Cockpit

Schicke Oldie-Armaturen aus Blech statt Plaste.
Oben: In Hammerschlag Gold oder Silber bei den älteren Baujahren.
Unten: In Wagenfarbei bei den jüngeren Modellen

Mercedes 911 Armaturen
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Ältere Modelle lassen neben dem Blubbern des 6-Zylinders auch noch ein interessantes Geräusch aus Richtung Getriebe vernehmen. Das typische Surren eines Rückwärtsganges kommt bei ihnen auch während dem Vorwärtsfahren zu Stande. Die Gänge sind noch gerade und nicht schräg verzahnt, was das prägnante Geräusch hervorbringt.

In jedem Fall ist man gut beraten, geeignete Maßnahmen zur Schalldämmung zu ergreifen, damit auf Dauer ein angenehmes Fahren gewährleistet ist.

Steht man vor der Fahrzeugwahl und interessiert sich für einen echten Oldtimer, wie eben den Mercedes 911 oder auch einen Steyr 680, sollte man den Punkt Geräuschkulisse auf keinen Fall unterschätzen. Will man viel Zeit im LKW verbringen, kann dies ein wirklicher Stressfaktor sein.

Ruhe im Oldtimer?

Wir zeigen Dir hier „Schicht für Schicht“, wie Du eine wirklungsvolle Geräuschdämmung in Deinem Reisefahrzeug aufbaust!

ZUR KFZ GERÄUSCHDÄMMUNG!

Bei der Auswahl eines Mercedes 911 sollte man vielleicht auch beachten, ein Modell mit vorhandener Servolenkung auszuwählen. Enges Rangieren wird ohne Lenkunterstützung zu einem kleinen Kraftakt.

Die Höchstgeschwindigkeit eines Mercedes 911 in der Variante 130 PS liegt bei 85 km/h. Anpeilen sollte man allerdings eine Reisegeschwindigkeit von nicht wirklich mehr als 75 km/h.

Insgesamt vermittelt der Kurzhauber ein gemütliches, angenehmes Fahrgefühl und nicht umsonst hat sich eine so große Anhängerschaft gebildet, die ihn einfach liebt.

ERSATZTEILVERSORGUNG

Wie wir bereits an der großen Verbreitung des Motors erahnen können, wird man unterwegs keine Schwierigkeiten haben, immer ein passendes Teil für eine Reparatur zu bekommen.

Die Versorgung mit Ersatzteilen bei Mercedes Benz ist jedoch generell unübertroffen. So sind beim 911 trotz des höheren Alters der Baureihe alle Teile in der Regel problemlos zu besorgen.

Fast unverändert werden diese Fahrzeuge noch heute in Entwicklungsländern hergestellt und auch in Deutschland wurde der 911 noch bis gut Mitte der 80er Jahre gebaut, für den Export sogar noch länger.

Die Kurzhauber haben sich erfolgreich auf der ganzen Welt verbreitet und so hat man als Reisender mit dieser Fahrzeugwahl bereits einen der größten Vorteile für sich zu verbuchen.

Ein weiterer Vorteil ist die Wartungsfreundlichkeit des Fahrzeugs. Alle Bauteile sind gut zu erreichen und die Technik ist nicht nur robust sondern auch so einfach gehalten, dass selbst ein „Nicht-Schrauber“ mit ein bisschen gutem Willen unterwegs die Karre wieder flott bekommt.

Geländefähigkeit

Der Mercedes 911 ist mit zuschaltbarem Allrad und Geländereduktion ausgestattet. Zusätzlich zur Mitteldifferenzialsperre beim Allradbetrieb, hat er eine Sperre der Hinterachse zu bieten.

So einige Weltreisefahrzeuge und vor allem auch die täglichen Einsatzbedingungen der heute noch in Verwendung stehenden Nutzfahrzeuge zeigen, dass der Kurzhauber ganz und gar kein Oldtimer ist, der nur für Schönwetterfahrten auf befestigten Straßen taugt.

Schaltung im Mercedes 911

Der Schalthebel wirkt beim Kurzhauber ohne Umwege aufs 5 Gang Getriebe. Allrad, Untersetzung, Längs- und Hinterachsdifferenzial sind zuschaltbar.


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Sonder-Pluspunkt

Mit einem Mercedes Kurzhauber hat man die Sympathien direkt auf seiner Seite.

Niemals war dieses Fahrzeug für Militärische Zwecke im Einsatz und lässt unschöne Eindrücke bei der Bevölkerung kriesengeschüttelter Bevölkerungen entstehen. Im Gegenteil. Mit einem Kurzhauber kann man sich identifizieren. Als Reisender zeigt man sich ein Stückchen weit zugehörig und die Menschen reagieren freundlich und aufgeschlossen. So öffnen sich mit einem solchen Sympathieträger zahlreiche Türen, die einem mit einem Fahrzeug anderen Erscheinungsbildes mitunter völlig verborgen bleiben.

Mögliche Aufbauten

Der Mercedes 911 ist mit Radständen von 3,20 m bis 4,83 m zu haben. Mit dem geringen Leergewicht, je nach Ausführung ab 3.450 kg, fühlt sich der Kurzhauber mit familiengeeigneten Aufbauten wohl. Eine optimale Länge der Wohnkabine liegt, bei dem von uns gezeigtem Modell, bei 4,5 m.

Die oft angestrebte Zulassung bis zu 7,5 Tonnen ist mit dem 9 Tonner ohne besondere Leichtbaumaßnahmen möglich.

Für wen es doch noch ein bisschen mehr sein darf, eignet sich der größere Bruder, der Mercedes 1113 als Basis. Mit einem kaum höheren Leergewicht (je nach Ausführung ab 3.600 kg) ist ein Reisefahrzeug mit 7,5 Tonnen Gesamtgewicht immer noch möglich. Für diese Zulassungsart ist wie beim Mercedes 911 ein Aufbau von 4,5 m optimal. Möchte man die Gesamttonnage von 10,5 Tonnen ausnutzen, können Wohnträume bis zu 6 m Länge verwirklicht werden.

Preis-Leistung

Die Preise für einen Mercedes 911 können stark variieren und orientieren sich natürlich am Gesamtzustand.

Modelle die noch einiges an Restaurationsarbeiten mit sich bringen, sind ab ca. 9.000 Euro zu haben. Selbstverständlich sollte man die Arbeiten und den Zeitaufwand, die damit auf einen zukommen nicht unterschätzen.

Für schön erhaltene Exemplare sollte man ein Budget von bis zu 16.000 Euro einplanen.


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MERCEDES 911 – FAZIT

Wer sich für einen Mercedes Kurzhauber wie den 911 oder auch 1113 als Basis entscheidet, nimmt viele Vorzüge mit auf die Reise. Er bietet selbst kinderreichen Familien Platz, ist robust, reparaturfreundlich und die Ersatzteilbeschaffung macht keine Probleme.

Nicht zu unterschätzen ist seine Eigenschaft als absoluter Sympathieträger, der es leicht macht, mit den Menschen der bereisten Länder in Kontakt zu kommen und einzigartige Erfahrungen unterwegs zu machen.

Wer in dem Kurzhauber den wundervollen Oldtimer sieht, der er ist und ihm die etwas geringere Reisegeschwindigkeit und das dafür etwas höhere Fahrgeräusch nicht übel nimmt, der wird in einem Mercedes 911 einen zuverlässigen Reisepartner finden.

4 Kommentare zu “Mercedes 911 – Der Sympathienfänger auf jeder Reise”

  1. Der Beitrag war wie immer sehr gut. Den Hype um die Kurzhauber teile ich persönlich nicht, hab die Kurzhauber ungern gefahren, zu schlechte Sicht, riesiger Wendekreis, laut, wird schon langsam wenn er einen Berg sieht und noch ein paar Dinge. Gute Zugänglichkeit hin oder her, das Arbeiten im Motorraum fand ich immer anstrengend, weil man über dem Kühler gebeugt sehr unbequem da drin hängt. Das geht ins Kreuz.
    Das die Kurzhauber irgendwo auf der Welt noch gebaut werden glaube ich nicht. Selbst Tata, die lange u.a. die LP Modelle gebaut haben bauen moderne Lkw. Teile würde ich auch lieber über Daimler beziehen, bzw. gebrauchte Originalteile verwenden, als irgendwelche Nachbauten.
    Die Idee von Tobias einen OM 366 plus Anhang zu verbauen finde ich dann schon wieder spannend. Der wird dann bestimmt nicht den Ärger der Berufstrucker während seiner Entschleunigungsfahrt auf sich ziehen.

    1. Hi Manfred.
      Danke für Dein Lob an den Beitrag. Ja, mit ein bisschen mehr Performance ist das Fahrzeug bestimmt nochmal ne Ecke attraktiver 😀 Was die Zugänglichkeit der Teile betrifft, habe ich persönlich halt noch kein Auto erlebt, bei dem man nicht irgendwo ins Fluchen gerät. Wenn wir den gepimpten von Tobias mal fahren dürfen, werden wir Bericht erstatten! 😀
      Aller beste Grüße aus dem Herman,
      Sabine und Micha

  2. Hallo Sabine, hallo Micha
    ich bin auf den Namen Andreas getauft und möchte euch ein RIESEN Dankeschön für eure Super Videos aussprechen. Mittlerweile bin ich schon fast täglich auf eurer Seite ob es nicht was neues zu sehen oder hören gibt. Wenn ich mich recht erinnere hab ihr in einem eurer letzten Videos gesagt daß ihr auf die Allrad in Bad Kissingen kommen möchtet. Wenn dies immer noch so ist, würde ich mich freuen euch kurz kennenlernen zu dürfen um euch noch einmal pers. für eure Infos zu danken.
    Leider habe ich noch ein Anliegen. Da ich mich seit einem halben Jahr ganz konkret mit dem gedanken befasse mir einen alten LKW von THW oder Feuerwehr zu kaufen und mit neuem Kasten zu einem Wohnmobil umzubauen habe ich gestern mit dem TÜV gesprochen der mir eine negative Antwort auf eine H_Zulassung gegeben hat. Ihr habt an eurem Fahrzeug eine H-Zul. wie habt ihr das zustande gebracht?
    Viele pannenfreie KM und viele Grüße aus dem sehr durchwachsenen Deutschland
    Andreas

    1. Hallo Andreas!
      Wow, vielen lieben Dank für Dein großes Lob, das ist ja echt toll zu lesen! :))

      Ja, wir kommen zur Abenteuer Allrad. Wir würden uns freuen, Dich kennen zu lernen!

      Was das H Kennzeichen angeht – das wird leider immer schwieriger. Gerade die Zulassung als Wohnmobil kann man inzwischen getrost abschreiben, außer natürlich das Fahrzeug war vor 30 Jahren auch schon ein Wohnmobil.
      Als Herman das H bekommen hat, war das noch ein bisschen einfacher aber würden wir ihn als Wohnmobil zulassen, wäre es auch bei uns mit dem H vorbei. Herman ist nach Definition ein LKW – alles was sich auf der Pritsche befindet ist einfach nur Ladung! Probiere das bei Deinem Fahrzeug aus, als Wohnmobil sehe ich fast keine Chance.

      Erst einmal aller beste Grüße und bis Bad Kissingen,
      Sabine

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