Der Steyr 12M18 ist im Moment das beliebteste Fahrgestell für Offroader und Overlander in der LKW Klasse. Warum der Österreicher einen solchen Hype erfährt, ob er wirklich so gut ist und welche Nachteile das Fahrzeug vielleicht auch hat, das beleuchten wir in diesem Artikel.
Die außer Dienst gestellten Mannschaftstransporter des österreichischen Bundesheeres, sind eines der begehrtesten Spielzeuge bei Overlandern und Offroadern. Und das nicht zu Unrecht. Leider hat diese Beliebtheit auch inzwischen zu entsprechenden Preisen auf dem Markt geführt.
Wir besprechen Vor- und Nachteile bei einer kleinen Proberunde:
Steyr 12M18 im Überblick
Motorisierung
Das Herz des Steyr 12M18 ist ein wassergekühlter Reihen-Sechszylinder mit Direkteinspritzung und 6,6 L Hubraum.
Standardmäßig ist der Motor mit einem Turbolader ausgestattet, der ab 1500 Touren seine Leistung entfaltet. Zudem kann ein Ladeluftkühler verbaut werden, ohne den Motor damit zu überfordern.
Im Original macht der 12M18 eine Leistung von 177 PS.
Der Motor kommt ohne elektronische Steuerung zurecht, was die Störanfälligkeit unterwegs auf sehr angenehme Weise reduziert.
Für Wartungsarbeiten (was auch das manuelle Überprüfen des Ölstandes betrifft), ist das Fahrerhaus kippbar ausgeführt. Zur ständigen Kontrolle wird der Ölstand natürlich per Anzeige ins Cockpit übertragen.
Geländegängigkeit
Der Steyr 12M18 hat wirklich ganz hervorragende Eigenschaften zum Geländefahren zu bieten. Die Doppel-H Schaltung verfügt über 8 Gänge (plus einem als Crawler) und Geländeuntersetzung. Einer mit der genau der passenden Drehzahl ist folglich in jeder Situation zu finden.
Raffinierte, smarte Technik verzeiht natürlich grobe Behandlung meist nicht ganz so gut, wie einfachste, robuste Mechanik. Daher sollte man darauf achten, mit dem druckluftunterstützten Getriebe aus dem Hause ZF bewusst umzugehen.
Angetrieben werden alle 4 Räder permanent und in Punkto Sperren lässt der Steyr 12M18 nichts aus: Vorder- und Hinterachse sind ausgestattet mit 100% Sperren. Weiterhin darf natürlich auch die in Längsrichtung nicht fehlen.
Der österreichische Offroader ist bei einem Radstand von 3,50 m mit einem auffällig kleinen Wendekreis ausgestattet. Er kann deswegen auch auf geschlungenen Gebirgsstraßen eine hervorragende Figur machen.
Die vorne etwas breitere Spurweite, die unter anderem den kleinen Wendekreis ermöglicht, gegenüber einer etwas schmaleren Spurweite an der Hinterachse, sorgt im Gelände für einen stabilen Nachlauf des Fahrzeughecks. Wo dieses bei unebenem Gelände leicht weg zu rutschen droht, können die Hinterräder länger in der vorgefertigten Spur der Vorderräder laufen und das Fahrzeug liegt insgesamt etwas sicherer auf unbefestigtem Untergrund.
Zahlreiche Erfahrungsberichte begeisterter Steyrfahrer sind sich einig: Im Gelände kommt man mit diesem Fahrzeug überall hin.

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Fahrkomfort
Die Maße der Kabine machen platztechnisch jeden Luxus möglich. Zwei zusätzliche Kindersitze oder ein Platz für einen erwachsenen Mitfahrer (etwa als Guide) sind problemlos unterzubringen.
Aber natürlich findet je nach Bedarf auch jede Menge Equipment, eine große Kühlbox oder weitere Dinge die man bei sich haben möchte, vorne mit Platz.
Ein großes Plus in Punkto Fahrkomfort ist die sehr geringe Geräuschkulisse im Verhältnis zu manch anderem Fahrzeug aus diesem Bereich. Radio hören und in normaler Art und Weise ein Gespräch miteinander führen, ist beim Steyr 12M18 ohne Weiteres möglich.
Es scheinen sich beim österreichischen Bundesheer außerdem zahlreiche Fahrer über die Bestuhlung des Vorgängermodells beschwert zu haben. Die original Sitze des Steyr 680 sind wirklich sehr minimalistisch gehalten und von Sitzkomfort darf man hier nicht wirklich sprechen. Als der 12M18 den 680 nach und nach ablöste, spendierte das Heer sowohl auf Fahrer als auch auf Beifahrerseite tatsächlich luftgefederte Sitze. Eine Wohltat natürlich.
Die Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs liegt bei 98 km/h.
Wie Du nervende Fahrgeräusche in den Griff bekommst?
Wir zeigen es Dir hier Schicht für Schicht!



Ersatzteilversorgung
Der Fahrzeughersteller Steyr wurde 1989 von MAN übernommen und ist nun für die Versorgung mit Ersatzteilen zuständig. Leider funktioniert das nicht in überragendem Maße und einige Teile sollen bereits gar nicht mehr erhältlich sein.
Aufgrund der sehr hohen Beliebtheit des 12M18 existiert allerdings eine überaus aktive Community, die ihren Mitgliedern immer gerne weiterhilft. Möchte man sich ein solches Fahrzeug anschaffen, sollte man sich so früh wie möglich das dazu passende Netzwerk aufbauen. Der Kontakt zu Menschen mit der gleichen Leidenschaft und den gleichen Problemen macht nicht nur unheimlich Spaß, sondern wird sich bei der Beschaffung von Teilen als unersetzlich erweisen!
Du findest Gleichgesinnte im Steyr-Forum für alle Steyr-Fahrer!
Preis-Leistung
Es ist wie immer: Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis.
Im Falle des 12M18 heißt das leider – ein sehr kleines Angebot trifft auf eine außerordentlich hohe Nachfrage.
Inzwischen ist es so, dass kaum mehr Fahrzeuge auf dem freien Markt verfügbar sind. Im Zuge der Ausmusterung beim Heer, werden diese meist sofort von einschlägigen Händlern aufgekauft. Der Bekannteste davon ist die Firma Excap und sie hat sich auf ausschließlich dieses Modell spezialisiert. Im Anschluss bereitet Excap die Fahrzeuge aufwendig auf, so dass sie sogar als Alternative zu einem Neufahrzeug gehandelt werden. Diese Prozedur will natürlich bezahlt werden und so sprechen wir bei der Anschaffung eines solchen Stückes natürlich über eine komplett andere Preisliga.
Falls Du ein Fahrzeug ergattern kannst, wird es mit inzwischen etwa 20.000 bis 25.000 Euro zu Buche schlagen. Bereits in diesem Preisrahmen könnte man nun abwägen, ob nicht ein Allrad-LKW mit ähnlichen Eigenschaften und vielleicht noch besserer Ersatzteilversorgung eine mögliche Alternative für das zukünftige Expeditionsmobil sein könnte. Selbstverständlich entscheidet hier die damit verknüpfte Emotion auch immer mit.
Eine Sache gibt es noch, die man dem Steyr 12M18 preislich ein bisschen zu Gute halten muss. Gegenüber vielen anderen Fahrzeugen aus Militärbeständen, kann man sich hier eine aufwendige und teure Umbereifung sparen. Der Österreicher kommt von Hause auf mit Einzelbereifung auf der Hinterachse angerollt.

Mögliche Aufbauten
Mit einem Radstand von 3,50 m fühlt sich der Steyr 12M18 mit einem Aufbau von 4,50 m am wohlsten. Kabinen bis zu 5,0 m Länge sind aber ohne Probleme möglich.
Bei einem Leergewicht von 5,2 Tonnen, wird ein realistisch reisefertiges Fahrzeug unter der 7,5 t Grenze nur sehr schwer möglich. Natürlich kann man den Steyr ablasten und so eintragen lassen. Und wahrscheinlich ist es auch möglich mit einem Leichtbau das Gewicht einigermaßen einzuhalten. Doch hat man dann bestimmt noch keine Vorräte wie Frischwasser für einige Zeit und die Beladung für eine längere Reise oder Sonstiges an Bord. Wirklich zielführend ist es eigentlich nur, das Fahrzeug auf seinen möglichen 11,5 Tonnen Gesamtgewicht zu belassen und zuzusehen, dass man davon dennoch möglichst wenig ausschöpft, um alle Teile während der Reise vor vorzeitigem Verschleiß zu schützen.

Das Fazit
Der Steyr 12M18 ist mit Sicherheit eines der besten Offroadfahrzeuge in seiner Klasse und macht dem Fahrer gerade bei harten Geländepassagen richtig Spaß. Zum Gelände hin kommt man mit hohem Fahrkomfort und auch an Wohnluxus braucht das Projekt „12M18 als Expeditionsmobil“ nicht zu scheitern.
Die größten Schwäche des Offroadspezialisten sind die etwas schwierigere Ersatzteilversorgung, für die man sich rechtzeitig ein persönliches Netzwerk schaffen sollte. Zudem lassen die inzwischen enorm gestiegenen Anschaffungskosten über Alternativen nachdenken.
*Vielen Dank an Pistenkuh für die Bereitstellung von Videomaterial im Video zu diesem Beitrag!
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