MAN 18.225 als Reise LKW mit Automatikgetriebe

SabineAllrad LKW Basisfahrzeuge0 Comments

Ein „kleiner Exot“ im Mäntelchen einer der derzeit beliebtesten Allrad LKW’s für Overlander? Das ist der MAN 18.225. Warum er so selten ist, einem aber doch so bekannt vorkommt und was ihn noch besonders macht: Das erklärt uns wie immer in dieser Serie Tobias, Chef bei 4wheel24.

 

Der MAN 18.225 macht fast schon einen altbekannten Eindruck, wenn man sich in der Szene der Allrad LKW Fernreisemobile umsieht. Diese leicht konvenxe Front begegnet einem irgendwie öfter. Damit liegt man richtig und falsch zugleich.

Der 18.225 gehört zur Baureihe M2000, der mittelschweren LKW Klasse von MAN, die ab 1996 die Vorgängerbaureihe mit der Bezeichnung M90 ablöste. Ab dem Jahr 2000 als ME (Evolution) auf dem Markt, standen bei den mittelschweren LKW‘s auch die Fahrerhäuser der leichten Klasse (L2000) als mögliche Variante zur Auswahl.

Gefertigt wurde die Baureihe ME2000 bis zum Ende ihrer Produktion im Jahr 2007 im MAN Werk in – Steyr. Und genau von hier kommt auch dieser altbekannte Eindruck, beim Anblick des MAN 18.225. MAN kaufte die österreichische Steyr Nutzfahrzeuge AG im Jahr 2000 auf und übernahm die Fahrerhäuser, die zuvor dem heute bei Fernreisenden so beliebten, Steyr 12M18 gehörten.

AUTOMATIKGETRIEBE

Der MAN 18.225 stellt eine der wenigen Gelegenheiten dar, einen Allrad LKW mit Automatikgetriebe zu bekommen. Für einige Reisende mit körperlichen Beschwerden (aber natürlich auch für Leute, die einfach gerne Automatik fahren) sicher eine interessante Sache.

VORTEILE IM GELÄNDE

Offroad kann ein Automatikgetriebe sogar mit einigen Vorzügen punkten. So verlierst Du etwa bei Sand oder Schlammfahrten nicht an Durchzugskraft, wenn Du in einen kleineren Gang wechseln musst. Wo das Kuppeln beim Schaltgetriebe in solchem Gelände oft mit einem starken Verlust an Geschwindigkeit und „Schwung“, bis zum drohenden Stillstand verbunden ist, zieht die Automatik fast ohne Zugkraftunterbrechung in den kleineren Gang durch.

Wird es im Gelände dagegen zum Beispiel extrem steinig und „kriechen“ ist angesagt, um das Fahrzeug heil über die Piste zu bringen, ermöglicht der Drehmomentwandler es, diese geringe Geschwindigkeit mit höherer Drehzahl zu fahren. Dies wiederum bringt mehr Drehmoment auf den Boden.

Vor Hindernissen kannst Du mit einem Automatikgetriebe die Geschwindigkeit fast bis zum Stillstand verringern. Das Fahrzeug kann nun durch vermehrtes Gas geben am Hindernis „angehoben“ werden, nur durch Nutzung des Gaspedals und ohne Zugkraftunterbrechung durch das Schalten.

Ein weiterer großer Vorteil ist die fast verschleißfreie Arbeitsweise der Wandlerautomatik. Über eine schleifende Kupplung mit abrauchendem Reibbelag, kann ein Automatikgetriebe nur lachen.


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NACHTEILE


Auf der anderen Seite: Eine Kupplung kann man unterwegs einigermaßen gut reparieren. Sollte beim Wandler ein Defekt auftreten, ist bei den meisten Reisenden die Grenze des selbst machbaren absolut erreicht.

Auch sollte man bei einem mit Automatik angetriebenem Reisefahrzeug die Temperatur der Flüssigkeiten genau im Auge behalten. Das Öl des Wandlers wird unter solchen Belastungen extrem heiß. Heruntergekühlt wird dieses durch einen zusätzlichen Ölkühler, der wiederum in den Kühlwasserkreislauf des Motoröls integriert ist. In der Folge können zunächst das Kühlwasser und damit dann der Motor mit in einen überhöhten Temperaturbereich gebracht werden. Zu Bedenken ist dies vor allem, wenn das Fahrzeug auch noch bei hohen Außentemperaturen im Gelände bewegt werden soll.

Beim Probefahren des MAN 18.225 fällt uns weiterhin auf, dass die Schaltvorgänge im Gegensatz zu einem modernen PKW wesentlich ruppiger ausfallen und das Schalten mit einer sehr deutlichen Bewegung zu spüren ist. Zum einen lag dies in der speziellen Situation aber natürlich mit am kalten Öl des Getriebes. Zum anderen aber auch der simpleren Konstuktion des Getriebes, das auf aufwendige Elektronik verzichtet, was wiederum beim Reisen ja nicht als Nachteil gesehen werden kann.

Wahlhebel für das 4-Gang Allison Automatik Getriebe im MAN 18.225

FAHRKOMFORT

Das Automatikgetriebe trägt natürlich nicht unwesentlich zu einem entspannten Reisen bei. Auf langen Strecken kann es sehr angenehm sein, nicht schalten zu müssen, wobei das ganz sicher auch Geschmackssache ist.

Für entspanntes Fahren auf langen Strecken ist der MAN 18.225 mit einem Tempomat ausgestattet.

Auch platzmäßig kann der MAN Punkten. Das Fahrerhaus ist geräumig und bietet durch den zusätzlichen Raum hinter den Sitzen die Möglichkeit für den Einbau einer Kühlbox oder anderer Staufächer.

Nicht zuletzt durch Features eines recht modernen LKW und bereits allerhand elektronischem „Schnickschnack“ wird aus dem ehemaligen Militärfahrzeug ein sehr angenehm zu fahrendes Reisemobil.

MAN 18.225 Blick ins Cockpit

Blick ins moderne Cockpit des MAN 18.225

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ERSATZTEILBESCHAFFUNG

Mit einem Nutzfahrzeug von MAN wählt man generell ein sehr hochwertiges Produkt. Die Versorgung mit Ersatzteilen über den Konzern kann, aus Erfahrung eines langjährigen Expeditionsmobilerbauers wie Tobias von 4wheel24, allerdings nicht mit der von Mercedes Benz mithalten, die hier unangefochten an der Spitze stehen.

Dennoch ist die Beschaffbarkeit bei weitem nicht als problematisch anzusehen, wie es bei einigen exotischen Herstellern der Fall ist. Dies stellt für den Einsatz als Fernreisemobil dann ein echtes Handicap dar.

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Im Rahmen der Ersatzteilbeschaffung sollte nicht unerwähnt bleiben, dass bei diesem LKW nicht nur die Wandlerautomatik verschleißfrei arbeitet. Auch eine Erneuerung Bremsen wird unterwegs ganz bestimmt so schnell nicht nötig. Ein Retarder sorgt in vielen Fahrsituationen für Bremskraft ganz ohne mechanischen Verschleiß.

GELÄNDEGÄNGIGKEIT

Der MAN 18.225 kommt bereits als Standardausführung mit einer Einzelbereifung der Größe 14.00 daher, somit hat man in diesem Bereich schon einmal die besten Voraussetzungen.

Ausgestattet mit drei Sperren und viel Bodenfreiheit scheut der LKW so schnell kein Gelände.

Ein Fahrzeug mit kürzerem Radstand wird in einigen Situationen jedoch ganz klar im Vorteil sein. Stattliche 4,50 m prädestinieren den MAN jetzt nicht gerade für knifflige Geländesituationen, in denen auch ein gewisses Maß an Wendigkeit gefragt ist.

Ähnliche Fahrzeuge finden sich allerdings in leichteren Baureihen von MAN, die mit einem Radstand von etwa 3,10 sogar noch ein reisefertiges Fahrzeug unter 7,5 Tonnen möglich machen.

MAN 18.225 mit Steyr 12M18 im Hintergrund

MAN 18.225 zum Aufbau als Reisefahrzeug. Im Hintergrund ein Steyr 12M18 mit der maßgeblichen Kabine der Steyr Nutzfahrzeuge AG, die von MAN übernommen wurde.


NACHTEILE BEIM MAN 18.225

So gut es sich im MAN 18.225 für lange Fahrten aushalten lässt – die Übersetzung von Getriebe und Achsen ist nicht für Autobahngeschwindigkeiten gemacht. Die Militärfahrzeuge fahren im Verbund grade mal mit 60 km/h durch die Lande und das merkt man dem ursprünglichen Verwendungszweck leider an. Bei 90 km/h befinden sich die Drehzahlen im roten Bereich.

Für das im Video vorgestellte Fahrzeug steht aus diesem Grund vermutlich eine Veränderung in diesem Bereich an. Für einen versierter Partner, wie 4wheel24, ist es möglich über Anpassungen der Getriebe- oder Achsübersetzung, dieses Problem zu lösen und so alle Komponenten im Langzeiteinsatz effektiv zu schonen.

Keine Option ist die ansonsten gerne gewählte Möglichkeit, größere Reifen aufzuziehen und damit nicht nur die Performance bei so manchem Geländeeinsatz zu verbessern, sondern auch die Geschwindigkeit zu erhöhen, bzw die Drehzahl zu senken. Da die Standardvariante bereits mit richtig großen 14.00er Reifen ausgestattet ist, ist auch gleichzeitig die Grenze nach oben schon erreicht.


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GRÖSSE, GEWICHT, MÖGLICHER AUFBAU

Der Radstand von 4,50 ermöglicht natürlich auch eine dementsprechend große Wohnkabine. Mit einem Aufbau von 5,50 fühlt sich der MAN 18.225 richtig so richtig wohl. Dabei hat er auch bis zu vollen 6 Metern keine Probleme.

Unter der 7,5 Tonnen Grenze zu bleiben ist mit einem Fahrzeug, das leer schon ab 6.550 kg wiegt natürlich nur in schönen Reisefahrzeugträumen möglich. Dafür bekommt man so schnell keine Probleme mit der Zuladung. Bei einem maximalen Gesamtgewicht von 18 Tonnen kann man auf seiner Reise ganz schön was dabei haben und das ein oder andere Andenken von unterwegs hat auch noch Platz.


FAZIT


Der MAN 18.225 ist für spezielle Wünsche an das zukünftige Reisemobil bestimmt eine Nadel im Heuhaufen. Das große Fahrerhaus, zusammen mit einer sehr großen Wohnkabine und viel Komfort beim Fahren machen ihn zu einem prädestinierten Familienmobil.
Für Wendigkeit und raffinierte Offroadpassagen sollte man eine Basis mit kürzerem Radstand wählen, wobei der 18.225 mit allen Sperren, die man sich wünschen kann, auch ganz bestimmt nicht vor Geländepassagen zurückschreckt.

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