UNIMOG – Was taugt der Super-Offroader als Reisemobil

SabineAllrad LKW Basisfahrzeuge2 Comments

Ein Unimog ist oft DAS Objekt der Begierde, wenn es darum geht, den lang gehegten Traum von einem geländetauglichen Reisemobil wahr zu machen. Welche Vorzüge der Unimog tatsächlich hat aber auch, welche Nachteile es zu bedenken gibt, das erörtern wir heute mit Tobias von 4wheel24.

 

Der Unimog ist nach dem konzipiert wie er heißt: Ein Universal-Motor-Gerät, für den landwirtschaftlichen Einsatz. Mit Nebenantrieben und Anbaumöglichkeiten für Landgeräte auf allen Seiten, Schleppeinrichtung und Fläche zum Laden. Die Konstruktion war damals, 1945, völlig neu und nach ausschließlich praktischen Gesichtspunkten ausgelegt. Die Spurweite von 1270 Millimetern etwa, entsprach der Breite von zwei Reihen auf dem Kartoffelacker.


Die Idee macht deutlich, warum ausgerechnet ein Bullenkopf, dessen Hörner das U formen, das Ur-Logo des Unimog ziert. Ein einfacher, weiterer Trecker sollte der Unimog allerdings niemals sein und damit wurden vor allem der Allradantrieb und seine Kraftübertragung auf vier gleich große Räder ein charakteristisches Merkmal für den Unimog.


Inzwischen gibt es wahrhaft unzählige Varianten des Unimog, der sich, wie wir alle wissen, ein Betätigungsfeld weit über den Kartoffelacker hinaus erschlossen hat. Doch die für ihn typischsten Eigenschaften haben sich bis heute nicht verändert.

DER UNIMOG ALS REISEMOBIL


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Video-Link: https://youtube.com/watch?v=rcVjcBZ3jpQ

Der Unimog weckt den Spieltrieb von unzähligen Männern. Wenn es daran geht ein Reisefahrzeug auszusuchen, das auch „etwas können“ soll (sprich: mit dem man mal ordentlich im Schlamm buddeln kann) dann ist der Unimog oft Wunschobjekt schlechthin. Was spricht nun auch faktisch für ihn:


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GELÄNDEGÄNGIGKEIT

Sein Ruf, keinen Weg NICHT befahren zu können, eilt dem Unimog voraus. Und es ist wahr. Die Geländegängigkeit des Unimog IST legendär. Ausgestattet mit permanentem oder zuschaltbarem Allradantrieb, allen Sperren, die man sich wünschen kann und Portalachsen für Bodenfreiheit, die ihres Gleichen sucht, ist das Universal Motor Gerät allen Anforderungen an ein Expeditionsmobil mehr als gewachsen.

Mit einer Steigfähigkeit von 110% klettert er auch zu beinahe jedem gewünschten Aussichtspunkt und bei einer Watttiefe von 1,20 m hält einen auch so schnell kein Wasser davon ab.

Der Wendekreis ist beim Unimog extrem klein, was für viele Gelegenheiten natürlich ebenfalls ein echter Vorteil ist. Auch insgesamt ist das Fahrzeug sehr kompakt und daher ausgezeichnet zu manövrieren.

Ein weiterer Vorteil liegt in der großen Verbreitung begründet. Die Ersatzteilversorgung ist weltweit als gut zu bezeichnen.

Der Unimog gilt als robust und könnte für einen möglichen Wiederverkauf schon fast als „Wertanlage“ bezeichnet werden.

Wunderschön aufgebauter U1300L mit langem Radstand auf dem Fernreisemobiltreffen in Enkirch, 2016


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AUFBAUGRÖSSE

Es gibt Unimog Modelle mit Radständen von bis zu (einer selteneren Variante) von 3,85 m. Grundsätzlich ist die Basis Unimog für große Wohnkoffer aber eher ungeeignet.

Mit dem Radstand erhöhen sich automatisch Gewicht und Wendekreis, was alleine schon einige Vorteile des Unimog zunichte macht.

Mit jedem cm über die optimale Aufbaulänge hinaus, büßt der geniale Offroader ein Stückchen seiner Performance bis hin zur Untauglichkeit ein. Zur Erhaltung der Fahreigenschaften sollte auch der Verteilung des Gewichtes auf Vorder- und Hinterachse besonderes Augenmerk gewidmet werden. Leichtbau ist angesagt!

Natürlich sollte nicht unerwähnt bleiben, das ein „zu viel“ an Gewicht nicht nur die Fahreigenschaften negativ beeinflusst, sondern auch die Störanfälligkeit deutlich erhöht.

Wünscht man sich ein großzügiges Wohnfeeling mit Badezimmer und festem Bett, sollte man sich fragen, ob nicht ein anderes Fahrzeug besser zu den eigenen Vorstellungen auf einer möglicherweise langen Reise passen würde.

Eine optimale Aufbaugröße liegt bei der kleinen Kabine bei ca 3,70 m, bei der Doppelkabine ist alles über 3,00 bereits ein Zugeständnis.

Offroad-Shirts

Der U1300 aus unserer kleinen Testfahrt bei 4wheel24

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LAUTSTÄRKE UND FAHRKOMFORT

Die Anordnung des Motors vorne, trägt das Geräusch mit der Bewegung so zu sagen in die Fahrerkabine hinein. Der Unimog ist somit ein Reisefahrzeug mit einer hohen Geräuschkulisse beim Fahren, von der wir selber sagen können, dass man dies am Anfang noch nicht als großes Problem empfinden mag. Je nachdem wie weit oder wie lange man mit dem Fahrzeug unterwegs sein will, kann sich dies jedoch als sehr unangenehm erweisen.

Das Fahrerhaus wirklich effektiv zu dämmen ist mit einigen Kosten und Mühen verbunden.

ZU LAUT IM FAHRERHAUS?

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KFZ-GERÄUSCHDÄMMUNG
KFZ Geräuschdämmung gegen schreien müssen im Fahrzeug

Gerade die kleineren Kabinen des Unimog laden nicht unbedingt dazu ein, sich bei langer Fahrt gemütlich in den Sitz zu flezen. Zweckmäßigkeit geht auch hier über großzügige Platzverhältnisse und Komfort. Wer es gerne etwas geräumiger hätte, kann auf die größere Kabine, wie die Doka des von uns im Video vorgestellten U1250 ausweichen – mit entsprechenden „Verlusten“ für die mögliche Aufbaulänge, natürlich.


HÖCHSTGESCHWINDIGKEIT

Mit einer Höchstgeschwindigkeit von etwa 90 km/h sollte man bei dieser Basis die schönen Seiten des etwas langsameren Reisens zu schätzen wissen.


ERSATZTEILVERSORGUNG

Ersatzteile wird man für ein Reisefahrzeug auf Unimog Basis weltweit finden. Die Händlerdichte ist gut und das Fahrzeug gehört natürlich zur Mercedes Familie. Leichte Mercedes LKW‘s laufen wahrscheinlich in jedem Land dieser Erde und der Unimog teilt so einige Bauteile mit anderen, beliebten Fahrzeugen aus dieser Familie.

Auch Motorbauteile, gerade des klassischen OM 352, findet man „an jeder Ecke“. Der Reihen Sechszylinder mit Direkteinspritzung ist beispielsweise auch in einem anderen Verkaufsschlager von Mercedes Benz, dem 1017 A, der sich ebenfalls ganz hervorragend als Reisefahrzeug eignet, verbaut. Des weiteren wurden diese Motoren von Lizenznehmern gefertigt – unter dem Aspekt der Ersatzteilversorgung sind die Fahrzeuge von Mercedes Benz generell mit die beste Wahl, wenn man reisen möchte.

Zu erwähnen bliebe, dass die Ersatzteile für den Unimog wahrlich keine Schnäppchen sind. Hier muss man etwas tiefer in die Tasche greifen als bei anderen Marken ABER man bekommt die Teile wenigstens. Die kurze Laufzeit so manchen Visums kann einen durch eine langwierige Ersatzteilsuche ansonsten schon mal in die Bredouille bringen.

Ein weiterer, toller Reiseunimog als Teilnehmer beim Willy Janssen Fernreisemobiltreffen 2016


PREIS

Die Anschaffungskosten sind im Vergleich zu vielen anderen, als Fernreisefahrzeug geeigneten LKW Modellen, etwas höher anzusiedeln.

Für den im Video vorgestellten U1300 sind 10.000,- Euro für ein gut erhaltenes Modell fällig. Die Doka schlägt mit Preisen ab 15.000,- Euro zu Buche


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FAZIT

Der Unimog ist definitiv ein Fahrzeug, das Emotionen weckt und mit dem man dem Offroadspieltrieb freien Lauf lassen kann. Kein schöner Stellplatz bleibt unerreicht, WENN man ihn fachkundig aufbaut. Einschränkungen im Fahrkomfort sowie höhere Anschaffungs- und Teilekosten sind dafür in Kauf zu nehmen.

NOCH EIN KLEINER TIPP:

Du stehst vor der großen Frage:
„Welche Reifen soll ich bloß nehmen?“
Dann frag mal Ramin! Der Chef von
Corint Reifen ist ein super cooler Typ und kennt sich SOWAS von aus, wenn’s um das schwarze Gummi für Offroad LKW’s geht! Wir waren auch bei ihm und haben mal ein paar Eindrücke festgehalten …


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2 Kommentare zu “UNIMOG – Was taugt der Super-Offroader als Reisemobil”

  1. Moin ihr Zwei,
    die Beschreibung passt zum Unimog. Wir fahren auch einen 1300l mit om 366 Motor. Hellgeth hat dem 366er 220PS gegeben, das 3/40er Getriebe hält es auch ohne Sorgen laut Hellgeth aus. Klar drückt mehr Drehmoment auf den kompletten Antriebsstrang, nur es hängt ja kein Kat1 hinten dran der bremst, dass der Antriebsstrang auch das komplette Drehmoment verkraften muss. Die Getriebe sind zum ackern gebaut, die Belastung kommt im normalen Betrieb als Reisemobil fast nie vor!?! Leichtbau ist Plicht, der Unimog fährt sozusagen mit der Vorderachse, jedes Kilo hinten macht ihn unruhig. Kabine für 2 ok, bei uns wohnt nocht noch ein old english bulldog in der Mitte, kuschelig eng ist es dann aber;-)
    Kosten und Wartung sind höher als bei normalen LKW, dass sollte aber dem Käufer klar sein. Wir wollten auch eher 917 oder 12m18, der erste zu teuer der Zweite ein Auslaufmodell. Laut Fabian Heidtmann wird die Ersatzteiversorgung schlecht werden. Excab usw. Krallen sich die Fahrzeuge und bestimmen die Preise. Ansonsten geiler Lkw von Größe und Leistung. Zurück zum Unimog, als Reisefahrzeug für Autobahn abartig, nur mit viel Geld bekommt man ihn so, dass man entspanntes Reisen dazu sagen kann. Splitgetriebe, Sitze, Stossdämpfer, Federn usw. Wir haben das Fahrehaus gedämmt, leise ist aber trotzdem was anderes, ansonsten bis auf mehr PS nichts gemacht. Ich mag es nicht ald Hindernis auf der Straße rumzugurken. Man muss es lieben Unimog zu fahren. 3,70m Aufbau insgesamt 3,40 hoch, nur 5,5t Leergewicht. Reisefertig ca.6t. Alles Selbstbau nur so gehts ohne dabei arm zu werden. Wir wünschen euch noch viel Spass, gebt uns weiterhin tolle Videos und Berichte. Uns findet ihr zu Hause in Deutschlands Mitte bei der Arbeit oder aud kleiner Fahrt am Wochenende. Wenn es euch mal im Sommer nach Skandinavien verschlägt ca 5 Wochen bummeln wir dort rum.
    Gruß Andrea und Michael mit Odin

  2. Ein Unimog ist halt ein Unimog….
    Leider können die U435 der Bundeswehr bis auf wenige Ausnahmen alle nur vorwärts und rückwärts fahren und haben keine Untersetzungsgetriebe oder Hydraulikkreise etc. pp.
    Momentan finden sich neben denen auch recht viele U1300L aus Feuerwehrbeständen, da diese nun alle die 30 Jahre voll haben und Mitte der 80er in großen Stückzahlen beschafft wurden.
    Die hätten meist noch eine Seilwinde mit dabei – hilft beim Selbst- oder Fremdbergen, kostet aber wieder Gewicht und auch recht viel Bodenfreiheit. Und eine vernünftige Bremsanlage ist eigentlich „nachrüstpflichtig“, weil damit sind zumindest die Rüstwagen nicht gesegnet.
    Für die Autobahn bieten sich eigentlich die größeren Feuerwehrfahrzeuge an, die hatten i.d.R. „schnelle Achsen“ verbaut, d.h. die kommen in Richtung 100 km/h. Ob das im Unimog so erstrebenswert ist…. Man ist zumindest kein Hinderniss mehr – Ich versuche mit meinem Mog die Autobahn zu vermeiden. Das gibt immer traumatische Erlebnisse, wenn die vollbeladenen Sattelzüge an einem vorbei ziehen 🙂

    Eine Sache noch zu den Reifengrößen:
    Ich fahre auf einem U424 (U1000) 405/70R20, die gehen schon auch für die kleinen Baureihen, stehen allerdings über die Kotflügel heraus – Einzelgenehmigung notwendig. Aber vom Bodendruck her deutlich besser als die 12,5R20.

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