Allrad LKW als Low Budget Camper? Iveco 75-14 Roomtour

SabineRoomtour

Ohne viel Geld vom Feuerwehr LKW zum Wohnmobil. Vorstellung des Iveco 75-14 Allrad Campers „Brandy“. Inklusive Video-Roomtour.


So einen Allrad LKW hätte ich auch gerne als Camper. Aber bei dem Geld, das allein der Umbau kostet, werd‘ ich mir das niemals leisten können.

Du kannst Dir nicht vorstellen, wie oft wir Aussagen wie diese hören. Meist argumentieren wir dann, dass der Umbau solcher Fahrzeuge höchst individuell ist und man deswegen über die Kosten pauschal gar nichts sagen kann. Die Vielzahl der Möglichkeiten, einen LKW auf Deine persönlichen Anforderungen anzupassen, ist fast unerschöpflich. Demzufolge sind auch die Kosten unterschiedlich. Auch auf den Anteil Deiner Eigenleistung kommt es natürlich an.

Art des Umbaus und Eigenleistung entscheiden, ob Du für einen LKW 15.000,- , oder 1,5 Millionen Euro investierst.

Wir sind mit Fahrzeugen beider Kategorien schon gefahren (natürlich gehörten die nicht alle uns) und wir müssen sagen: Spaß machen sie auf ihre Art alle. Jetzt entscheiden allein Dein Budget und Deine Ansprüche, WELCHE Umbauten es werden.

Dass mit wenig Geld nichts zu machen ist, widerlegen hier Petra und Martin.

Wir hatten das Glück, diese beiden tollen Menschen bei unserer Tour durch Marokko kennenzulernen. Gemeinsam mit ihnen, Jo und Anika im G90 und dem Altmetall Rally Team im Iveco 90-16 als Initiator für unser Kennenlernen, haben wir ein paar aufregende Pistenabenteuer erlebt.

Video Rundgang am Fahrzeug (gefilmt von Kai im grauen Iveco) am Ende des Artikels!

Allrad LKW Wagenburg in Marokko

Idee und Intention

Viel Platz für’s Geld

Warum ein LKW“ fragt Kai. Mit hartnäckiger, aber liebenswerter Überredungskunst hat er Petra dazu bekommen, für eine Video-Roomtour vor seine Kamera zu treten. „…Schließlich hättet ihr auch einen Bulli oder ein klassisches Wohnmobil kaufen können“.

Petras Antwort darauf kommt so spontan wie überraschend: Er war günstig.

Klar, eine gewisse Art von Verrücktheit und Liebe zu solchen Fahrzeugen gehört auf jeden Fall dazu, wenn man sich eine ausgemusterte Feuerwehr als Reisemobil kauft. Und diese ist bei den beiden auf jeden Fall vorhanden. Vorerst zumindest auf Martins Seite. Er ist begeistert von der Idee und von den Reisen, die für das abenteuerlustige Paar damit möglich sein würden.

Im Folgenden kann er Petra mit dem großzügigen Platzangebot des LKW überzeugen. Und ausgerechnet mit dem Totschlagargument, das für viele in genau umgekehrter Form gilt: Mit dem Preis.

Er findet einen Iveco 75-14, der einfach unschlagbar günstig angeboten wird. Da ist nichts verloren, wenn die beiden nach einer Tour feststellen sollten, dass die ganze Sache eigentlich gar nichts für sie ist. Das Fahrzeug würden sie jederzeit ohne finanziellen Verlust wieder losbekommen.

Aus alt mach neu

Ziel ist es, den LKW auf ihre persönlichen Camperbedürfnisse anzupassen und dabei so wenig Geld wie möglich auszugeben. Schließlich sind die beiden sowieso große Fans vom Recyclen und gebraucht kaufen. Nicht nur was den LKW betrifft.

Möglichst alles soll benutzt und wieder verwendet werden. Während die beiden viel Wert auf Funktionalität legen, ist ihnen die Optik, die durch‘s Recyclen entsteht, relativ egal. Trotz dieser Aussage finden wir, dass das entstandene Fahrzeug mehr als ansehnlich geworden ist. Auch wenn nicht viel Geld reingesteckt worden ist – an Leidenschaft für die Umsetzung des Projektes wurde nicht gespart und auch das sieht man „Brandy“ einfach an, oder nicht!?

Schlussendlich schaffen sie etwas Einzigartiges. Und zwar mit dem Einsatz von Köpfchen und beherztem Bastlermut, aber ohne viel Geld: An ihrem Fahrzeug finden sich „Ausstattungsoptionen der Luxusklasse“ aus dem Expeditionsmobilbau. Zum Beispiel ein komplett öffnendes Dach über dem Schlafzimmer. Für kuschelige Nächte, direkt unter dem Sternenzelt der Wüste.

Iveco 75-14 – Das Basisfahrzeug

Der Iveco 75-14 ist eine kleinere Variante des bekannteren 90-16 wie wir selbst oder Kai ihn fahren.

Mit 7,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht und 140 PS, darf man den LKW mit dem alten 3er Führerschein fahren, ohne ihn abzulasten.

Dieses Kriterium ist den beiden sehr wichtig. Sie haben keine Lust, extra den LKW Führerschein zu machen.

Das Fahrzeug kommt aus Beständen der Feuerwehr. Es ist mit einer Mannschaftskabine, sowie dem typischem Kofferaufbau für Geräte ausgestattet.

Umbau von Schalt- und Verteilergetriebe

Martin unterzieht das Fahrgestell einer Operation und tauscht Schalt- und Verteilergetriebe aus. Die Feuerwehr hat nun keine 5 Gänge mehr, sondern 6 und die Achsübersetzung wird länger. Und wer sich das jetzt fragt: Martin ist kein ausgebildeter Schrauber, der solche Dinge am LKW ja aus dem FF macht. Vielmehr ist er ein wissbegierigers, helles Köpfchen mit Spaß am Recherchieren, Ausprobieren… und in dem Vertrauen das hinzukriegen.

Nach unseren Erfahrungen ist genau dieser Spaß am Thema die wichtigste Voraussetzung, um mit der ganzen LKW-Nummer glücklich zu werden. Wenn man selbst vor der großen Fahrzeugfrage steht und sich dabei ertappt, gar keine Lust zu haben, sich mit dem Fahrzeug als solches zu beschäftigen, sondern „einfach Reisen“ will, dann ist man höchstwahrscheinlich mit einem gängigen Wohnmobil wesentlich besser beraten.

Bereifung

Während viele anderen Allrad-LKW-Wohnmobil Fahrer eine Wissenschaft aus diversen Stollenprofilen machen (wir natürlich eingeschlossen), tauschen sie das original Baustellenprofil ihrer Feuerwehr gegen ein Straßenprofil aus. Das ist leiser und spritsparender.

Mit diesen beiden Punkten haben die zwei natürlich völlig Recht. Aber wie weit man damit wohl auf Marokkos Sandpisten kommt? Das haben wir uns auch alle gefragt – Petra und Martin mit eingeschlossen. Micha und ich hatten die große Freude, mit dieser grandiosen Reisegruppe auf die ersten Tiefsandpassagen des 75-14 gehen zu dürfen. Und was soll man sagen: Die „kleine Feuerwehr“ bügelt über die Pisten von Erg Chebi oder Oued Rheris, als wenn es kein Halten gäbe!

Man muss natürlich erwähnen: Die Performance des Fahrzeuges wird dabei selbstverständlich der quasi nicht vorhandenen Zuladung geschuldet. Wenngleich die beiden in einem LKW unterwegs sind, könnte das Gewicht des mitgeführten Gepäcks wahrscheinlich auch einem größeren PKW ohne Probleme zugemutet werden. Zudem ersetzt eine gesunde Portion Wahnsinn am Steuer eventuell fehlende Pferdestärken oder Drehmomente.

Tankvolumen

Gerade mal 80 Liter fasste der originale Tank der Feuerwehr. Weil ein dreitägiges Pistenabenteuer damit in einem langen Fußmarsch enden könnte, hat Martin das Tankvolumen auf 200 Liter erhöht.

Der Kofferaufbau

Verschmälerung

Den Feuerwehraufbau komplett zu ersetzen stand nicht zur Diskussion. Nutzen, was da ist, heißt schließlich die Devise.

Während man auf den ersten Blick die Veränderung eigentlich gar nicht sieht, wurde auch eine große OP am Aufbau vorgenommen. Rechts und links wurde je eine 10 cm dicke „Scheibe“ des Koffers abgeschnitten. Die äußere Struktur mit den original verbauten Rolläden wurde danach einfach wieder angesetzt.

Auf diese Art und Weise gibt der Blick in den Rückspiegel nun die hintere Partie des LKW bis zu den Reifen frei. Vor allem Petra hat so das Gefühl, den LKW im Verkehr besser einschätzen zu können.

Panoramafenster

Der Einbau eines riesigen Panorama Echtglasfensters (natürlich ein Selbstbau von Martin), verwöhnt im Schlafzimmer mit grandiosen Aussichten auf die zu bereisenden Landschaften. Das Fenster ist mit Gasdruckdämpfern aufstellbar.

Open Roof

Nachdem nun schon ein Landschaftspanoramablick geschaffen wurde, musste nur noch unbeschränkte Sicht auf den Sternenhimmel gewährleistet werden. Eine mit einfachen Ösen befestigte Abdeckung bildet das Dach des Schlafzimmers.

Wir beneiden die beiden um dieses geniale Open Roof. Das Bett ohne Umbau dessen direkt unter den Sternen stehen haben zu können ist fantastisch. Sollten wir in Zukunft mal wieder Lust auf eine Bauphase kriegen, fällt uns für die Solarpanels vielleicht eine andere Anordnung ein [zwinker].

Raumaufteilung

Anders als fast 100% der übrigen Reise-LKW, ist Brandy ganz auf‘s draußen sein ausgelegt.

Die Nutzung der Küche erinnert an kleine Geländefahrzeuge, bei denen die geöffnete Heckklappe als erweiterter Wohnraum am Fahrzeug genutzt wird. Demgegenüber ist in Brandys Küche natürlich ein bisschen mehr Stauraum vorhanden. Sie befindet sich hinter dem Feuerwehrrollladen auf der rechten Seite des Fahrzeuges.

Die Wasserversorgung bilden zwei einfache Kanister mit je 20 Litern Inhalt. Von dort aus wird Wasser zu Trinkwasser aufbereitet, indem die beiden es durch einen kleinen Filter pressen. Neben der Küche befindet sich die Halterung für eine schnell anzubringende Arbeitsfläche.

Einfach jedes Wasser trinken

In eine Trinkflasche mit eingebautem Filter kannst Du Wasser aus Brunnen, Seen oder Bächen einfüllen. Bakterien und andere Schadstoffe werden beim Trinken herausgefiltert.

Auffüllen der Filter Trinkflasche an einem Brunnen

Gekocht wird in Brandys Außenküche auf Gaskartuschenkocher oder mit Vorliebe im Dutchoven* am Feuer.

Im vorderen Bereich des Feuerwehraufbaus befindet sich das Schlafzimmer mit bereits angesprochenen Open Roof. In kalten Nächten wird es durch eine 2 kW Diesel Standheizung* erwärmt.

Auch die Doppelkabine wird selbstverständlich genutzt. Sie dient als gemütlicher Loungebereich. Mit annähernd Rundumblick durch die Scheiben eine super gemütliche Angelegenheit. Die Kompressorkühlbox für kühle Getränke findet sich hier am richtigen Ort.

Die Kästen der original Sitzbankreihen, dienen als Stauraum für Kleidung und benötigten Kleinkram.

Weiterer Stauraum findet sich im hinteren Teil des Feuerwehraufbaus. Die ursprüngliche Unterteilung des Koffers wurde genutzt, um hier im Heck große Sachen unterbringen zu können. Unter anderem finden die Pump-Außendusche*, ein Tisch und ein großer Sitzsack hier ihren Platz.

Ebenso dient der Platz hinter dem fahrerseitig hinteren Rolladen als Stauraum. Er ist mit Euroboxen für eine praktische Sortierung bestückt.

Video-Rundgang

Kai vom Altmetall Rally Team hat auf Wunsch seiner Zuschauer bei Youtube das Video zum Fahrzeug gedreht. Viel Spaß beim Anschauen und vergiss nicht, den Altmetall-Rally-Kanal zu abonnieren, wenn’s Dir gefällt!

Unser Fazit

In unserer kleinen Reisegruppe aus unter anderem drei fast gleichen Basisfahrzeugen, wird sehr schön die ganze Bandbreite der Möglichkeiten klar. Wenn man Herman, Egon und Brandy direkt vergleicht wird klar, dass keines der Fahrzeuge besser oder schlechter ist, als das andere. Sie sind für unterschiedliche Besitzer mit unterschiedlichen Bedürfnissen gebaut.

Petra und Martin haben sich ein absolut grandioses Reisefahrzeug geschaffen. Ganz ohne dafür Geld wie für ein Einfamilienhaus zu investieren und für ihre Art der Nutzung: Einfach perfekt!

Mehr Fahrzeugvorstellungen und Infos zum Selbstausbau?

Mehr Inspiration durch Fahrzeugvorstellungen

Wir stellen Dir hier verschiedenste Fahrzeuge in ausführlichen Videos vor, damit Du Dir Inspiration für Deinen eigenen Ausbau holen kannst! Na, welches möchtest Du als nächstes besichtigen?

1001 Tipp zum Selbstausbau

Finde Tipps und Infos für Deinen Wohnmobil Selbstausbau. Strom, Heizen, Wasserinstallation … oder besuche die Werkstatt.

Hat Dir der Artikel zum 75-14 gefallen? Dann teile ihn gerne mit Freunden und Gleichgesinnten, oder merke ihn Dir für später!