IVECO 90-16 – Luftgekühlter Alleskönner

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Der IVECO 90-16 ist ein geradezu optimaler Allrad LKW als Basis für ein Expeditionsmobil. Gerade dann, wenn Du noch im Bereich der 7,5t bleiben möchtest. Wir lassen uns das Fahrgestell vom Experten Tobias Teichmann, Chef bei 4wheel24 erklären und machen eine Probefahrt!

 

Ein richtiger IVECO ist der 90-16 im Herzen nicht wirklich. Außer dem Emblem das die Front ziert, stammt der luftgekühlte Reihen 6-Zylinder aus dem Hause Magirus-Deutz aus Ulm.

Für den ehemals zweitgrößten Deutschen Nutzfahrzeugehersteller wurde der Absatz seiner Qualitätsprodukte in den späten 60er Jahren, bis hinein in die 70er zunehmend schwieriger. Nach dem Ende des Wirtschaftswunders herrschte eine Überkapazität auf dem Markt. Zudem konnten Konkurrenten wie Mercedes Benz, ihre Nutzfahrzeuge durch eine gut laufende PKW Sparte zu billigeren Preisen anbieten. Auch Marken wie Hanomag-Henschel und Krupp waren diesem Druck nicht gewachsen und mussten ihre Nutzfahrzeugeproduktion einstellen. Magirus-Deutz steckt das alles noch gelassen weg. Doch durch hohe Investitionen in anderen Punkten, war man auf eines nicht vorbereitet: Mitbewerber hatten in der Zwischenzeit die bisherigen Probleme der wassergekühlten Motoren gelöst. In der Folge kam der altbewährte Luftgekühlte zunehmend außer Mode – zu laut und zu abgasstark hieß es vor allem. Die Ölkriese mit ihrer Nachfrageflaute und internationale Konkurrenz, die auf den Deutschen Mark drängte, führten unter anderem schließlich zur Eingliederung des Konzerns zu IVECO.

ABER: Den Motorenhersteller Deutz aus Köln und andere Zulieferer gibt es natürlich nach wie vor. Deutz hatte den Fahrzeugbauer Magirus ursprünglich übernommen und hält erst seit Neuestem sogar wieder ein ganz besonderes Schmankerl für Fernreisende parat, die sich aus einem IVECO 90-16 ein Expeditionsmobil aufbauen wollen.


IVECO 90-16 ALS REISEMOBIL


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Video-Link: https://youtube.com/watch?v=hHwqHR58cEw
ANTRIEB

Was in frühen 70er Jahren außer Mode geriet, ist heute für ein Expeditionsmobil wieder gar keine schlechte Sache: Die Luftkühlung des Motors. Denn wo kein Wasser ist, kann weder welches einfrieren noch auslaufen. Auch kocht der Motor bei starker Hitze nicht über.

Natürlich steht die Kühlung in diesem Fall in direkter Verbindung mit den Außentemperaturen. Doch sollte man sich nicht zu der Annahme verleiten lassen, ein Luftgekühlter Reise-LKW sei deswegen nicht für die Wüste geeignet – im Gegenteil! Lies dazu einmal Beispielsweise die sehr interessanten Erfahrungen von Jutta und Gerd. Die beiden sind mit ihrem MAN KAT 1 auf Weltreise und gerade in den Vereinigten Arabischen Emiraten unterwegs. Der Motor ihres Weltreisemobils ist ein luftgekühlter V8 von Magirus Deutz. Außer im KAT 1 findest Du diesen auch in der größeren Variante des IVECO 90-16, dem IVECO 12-25.

Der turboaufgeladene Reihen 6-Zylinder des IVECO 90-16 bringt standardmäßig eine Leistung von 160 PS. Falls Dir das etwas zu wenig erscheint, solltest Du bedenken, dass das Fahrgestell mit kurzer Kabine ganz deutlich unter 4000 kg wiegt. Dadurch hat der 90-16 bei weitem nicht so viel Last zu schleppen wie so manch andere Basis. Mit geringen Mitteln sind außerdem ohne Probleme 200 PS herauszuholen. Bis zu 220 PS sind möglich.

Über das im Video vorgestellte Fahrzeug hinaus, durften wir noch einen weiteren IVECO 90-16 bei einer größeren Runde in der Umgebung testen. Danach waren wir von der Leistung des auf 190 PS gesteigerten Modells vollends überzeugt. Einen langen, sehr steilen Anstieg erklomm der 90-16 als wenn wir den Wagen durchs Flachland gefahren hätten und nahm bei 70 km / h noch weiter Gas an.

IVECO 90-16 Probefahrt

Probefahrt des IVECO 90-16





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FAHRKOMFORT

Der 90-16 überrascht uns bei der Probefahrt mit einer völlig unverhofften Laufruhe. Obwohl immer schnell der Begriff „Lärmgekühlt“ in Verbindung mit luftgekühlten Dieselmotoren fällt – ohne übertreiben zu wollen, herrscht im Fahrerhaus unseres Steyr 680 bestimmt die dreifache Lautstärke. Trotz Wasserkühlung! Die Reise- und Alltagstauglichkeit dieser Basis wird durch einen vermeintlich hohen Geräuschpegel also in keinster Weise eingeschränkt.

Überdies lässt der LKW keine Wünsche an den Fahrkomfort offen. Das, für die Baujahre 1985 bis 1992 bereits modern ausgestattete Cockpit, ist geräumig und hat alles zu bieten, was man sich auf Reisen wünscht.

IVECO 90-16 Cockpit

IVECO 90-16 – Das Cockpit


Fahrerhausvarianten sind die bekannte und meist beim 90-16 verwendete Doppelkabine. Weiterhin gibt es ihn jedoch auch mit einem Einzelfahrerhaus, der sogenannten Vierer-Club-Kabine.  Sie erhielt ihren Namen durch die gemeinschaftliche Entwicklung von Magirus-Deutz mit Saviem, Volvo und DAF.

Da uns der Reisemobilbauer 4wheel24 freundlicher Weise die Möglichkeit gibt, die verschiedensten LKW aus dieser Artikelserie vorzustellen, sei hier am Rande noch erwähnt, dass eines der Steckenpferde von 4wheel24, die Kürzung der üblichen IVECO Doppelkabine ist. Es entsteht quasi eine gute Mischung aus Einzel- und Doppelkabine auf Fernfahrerniveau. Diese Kabinengröße wird am häufigsten den Bedürfnissen von Fernreisenden gerecht, ist aber oft sehr teuer in der Anschaffung. Ein gutes Beispiel dafür ist der hier vorgestellte Mercedes 917. Die Kürzung wird beim IVECO 90-16 am häufigsten vorgenommen, funktioniert aber auch bei Doppelkabinen anderer Hersteller.


IVECO 90-16 Feuerwehr, Doppelkabine

IVECO 90-16, original Feuerwehr mit Doppelkabine

IVECO 90-16 Feuerwehr, Vierer Club Kabine

Vierer-Club-Cabine

IVECO 90-16 Expeditionsmobil

Gekürzte Doppelkabine von 4wheel24





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Das 5-Gang Getriebe des IVECO 90-16 hat eine gute Übersetzung. Trotz weniger Gänge vermisst man so nichts und ein Mitschwimmen im fließenden LKW Verkehr ist problemlos.

Mit einer Reifengröße von 395 / 85 R20 und der Zulassung als Wohnmobil kann man auf eine eingetragene Höchstgeschwindigkeit von 114 km/h kommen.

Zu Unrecht wird übrigens vermutet, dass die luftgekühlten Motoren den Innenraum nicht richtig heizen. Durch das fehlende Kühlwasser läuft die Heizung über das Motoröl. Da dies etwas langsamer heiß wird, braucht auch die Heizung ein bisschen länger, bis warme Luft aus dem Gebläse kommt. Dann macht sie aber genauso warm.


ERSATZTEILE UND BESCHAFFUNG

Die Ersatzteilversorgung für den 90-16 ist gesichert. IVECO liefert Teile weltweit. Getriebe und Lenkung kommen von ZF, einem deutschen Markenhersteller mit Standorten in 20 Ländern. ZF zählt zu den weltweit führenden Unternehmen im Bereich Fahrwerks- und Antriebstechnik.

Zudem stell Motorenentwickler Deutz seit Kurzem ein Serviceportal zur Verfügung, in dem alle Teile unter der Originalnummer nachbestellt werden können. Deutz verspricht auf seiner Seite eine umfassende Unterstützung aller Produkte während der gesamten Lebensdauer. Hier kommst Du direkt zum Serviceportal.


GELÄNDEGÄNGIGKEIT

Geringes Gewicht in Kombination mit ausreichend Leistung schaffen gute Voraussetzungen. Der LKW verfügt über permanenten Allradantrieb. Dazu kommen eine Längs- und eine Hecksperre, genügend Bodenfreiheit und ausreichend dimensionierte Radhäuser und Fahrwerkskomponenten, um „Schlappen“ mit einer großen Boden-Auflagefläche aufzunehmen.

Trotz des Radstandes von 3,50 m waren wir unglaublich überrascht und beeindruckt, welch kleinen Wendekreis der 90-16 zustande kriegt. Das Fahrzeug ist also definitiv immer noch wendig genug.

MÖGLICHE AUFBAUTEN

Mit einem Radstand von 3,50 m lassen sich Wohnkabinenträume bis zu 5 Metern verwirklichen. Die optimale Aufbaulänge liegt bei 4,50 m.

Durch das geringe Eigengewicht des Fahrzeugs kann man selbst mit einer solchen Kabine noch gut unter der 7,5 t Grenze bleiben. Ein großer Vorteil hierbei: Das Fahrzeug ist damit noch lange nicht an seiner maximalen Kapazität von insgesamt 9 Tonnen. Folglich werden, gerade beim Geländefahren, alle Teile für eine lange Lebensdauer optimal geschont.






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Preis – Leistung

Gut erhaltene Fahrzeuge bekommt man bereits für um die 6000,- Euro.


IVECO 90-16 – UNSER FAZIT

Der 90-16 ist ein kleiner Allrounder. Er vereint viele Vorzüge, die man sich für ein Reisefahrzeug wünscht. Geringes Gewicht, womit man weit unter der maximalen Zuladung bleiben kann, um die Lebensspanne aller Teile zu verlängern, Wendigkeit, Fahrkomfort, Ersatzteileversorgung. Für uns: Ein Herzensbrecher.





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9 Kommentare zu “IVECO 90-16 – Luftgekühlter Alleskönner”

  1. Hallo Ihr zwei,

    wieder einmal ein gelungener Bericht, der mir den Sonntag versüßt hat.
    Der IVECO scheint eine echte Alternative zu sein, die ich bislang noch gar nicht auf dem Schirm hatte.
    Zwar ist der MB 917 immer noch mein Favorit, aber man weiß ja nie.
    Bezüglich dem Platz müsste auch bei eingekürzter DoKa beim IVECO noch ein BW FM II Shelter (ca. 425cm lang) locker auf die Ladefläche passen oder?

    Ich hoffe Ihr seit mit der Reparatur eures Herman gut voran gekommen und könnt bald wieder weiterfahren … Die Daumen bleiben gedrückt …

    Viele Grüße vom Basti aus Krefeld

    1. Hallo Bastian!

      Vielen Dank für diese liebe Rückmeldung, es freut uns natürlich total zu hören, dass wir Dir mit dem Laster den Sonntag versüßen konnten! 😀

      Also genau so ein Fahrzeug hatte Tobias sogar für sich selber gebaut! Das passt hervorragend, hat sehr schöne Proportionen bekommen. Es ist das Fahrzeug aus dem Titelbild dieses Beitrages, leider sieht man den Shelter nicht, weil er sich hinter der Feuerwehr versteckt. Aber gehen tut das auf jeden Fall wunderbar! 🙂

      Vielen, lieben Dank für Dein Daumen drücken, mit der Reparatur und erst mal noch aus Lagos die besten Grüße,
      Sabine und Micha

  2. Schöner Bericht, schönes und zuverlässiges Auto. Nicht umsonst waren die 90-16 bei den Feuerwehren so weit und über lange Zeit verbreitet. Die Ersatzteilversorgung ist allerdings so ein Sache. Nicht jede Iveco Werkstatt weiß etwas mit den alten Fahrzeugen anzufangen, will mit dem alten Zeug nichts zu tun haben oder hat keine Microfiche….. Teile gibt es durchaus, die muss man sich aber oft genug zusammen suchen. Wer das nicht kann oder will, oder keinen findigen Schrauber zur Seite hat, wird mit dem Iveco nicht glücklich.

    1. Hallo Manfred!

      Danke für Deine Erfahrungen, wir müssen Dir da auf ganzer Linie Recht geben. Allerdings treffen die Probleme, die Du hier beschreibst ja leider auf jedes Fahrzeug in dieser Liga zu. Man muss ganz klar sagen, dass man generell nicht glücklich wird, mit einem alten LKW, wenn man diesen Aufwand scheut. In dem Fall wäre man tatsächlich besser beraten, sich ein modernes Wohnmobil zu kaufen. Für viele, wie für uns selbst, überwiegen natürlich dennoch die Vorteile der ganz alten Technik doch es ist keineswegs immer ein Kinderspiel damit, das wollen wir gar nicht überspielen. Beim 90-16 ist das Problem mit Sicherheit sogar noch im grünen Bereich, im Vergleich mit anderen.

      Danke für Dein Lob an den Artikel, das freut uns natürlich sehr! Wir schicken Dir die aller besten Grüße aus Portugal,
      Sabine und Micha

  3. lieber Micha und Sabine,

    Entschuldigung fur nicht so gute Deutsche sprache weil ich dein hollandischer nachbar bin 🙂

    Jedes Mal genießen wir vor Ihre Reiseberichte, auch die Reihe „Basisfahrzeuge “ ist supertoll.

    Ich suche auch ein Farhgestell fur umbau nach 4×4 LKW-Womo., ich möchte frage:

    gibt es auch ein MB 1222 auf der Basisfarhzeug-speisekarte??

    mit freundliche gruss

    Maarten und Wendy

    1. Hallo nach Holland! 🙂

      Es freut uns, dass Ihr gerne mit uns unterwegs seid und Euch unsere Berichte gefallen :)) … Und ich darf Euch hiermit ein Leckerchen auf der Speisekarte versprechen, der MB 1222 kommt noch! 😉

      Ganz liebe Grüße aus Portugal,
      Sabine und Micha

      1. Supertoll! Der 90-16 ist ein supergute wahl aber der 1222 ist mein #1 LieblingsLaster.

        Viele sichere Kilometer gewünscht und viel glück met der „Achswellenwahnsin“

        Wir frohen uns auf dein weitere abenteuer auf youtube!

  4. Hallo,

    „Mit einem Radstand von 3,50 m lassen sich Wohnkabinenträume bis zu 5 Metern verwirklichen. Die optimale Aufbaulänge liegt bei 4,50 m.“ Damit ist aber sicher gemeint, dass die Doka gekürzt ist. Wenn die Wohnkabine 4.70m ist, um wieviel müsste man da von der Doka „wegschneiden“? Meint ihr, es reicht dann noch für eine zweite Sitzreihe vorne?

    1. Da hast Du Recht, das ist mit gekürzter Kabine – ich werde das im Text mal noch ein bisschen deutlicher machen!
      4,70 m geht grad noch so, mit der zweiten Sitzreihe (bedenke aber, dass diese hinteren Sitze keine normale Beinfreiheit haben, weil der Sitz dort im Prinzip direkt auf dem Boden der Kabine steht!) Eventuell muss der Rahmen um ein Stückchen verlängert werden, was aber kein Problem ist. Es beeinflusst natürlich aber Deine Geländegängigkeit wegen des flacheren Böschungswinkels.
      Beste Grüße, Sabine und Micha

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