Wie viel kW für meine Dieselheizung im Wohnmobil?

SabineHeizen, Selbstausbau0 Comments

wie viel kW für meine Standheizung

Fast jeder, der eine Dieselstandheizung in Wohnmobil oder Camper einbauen möchte, steht vor der entscheidenden Frage: Wie viel kW sollte die Heizung haben? Soll ich die kleine oder die große Variante nehmen? Oder vielleicht sogar etwas ganz Bescheuertes machen und zwei Kleine verbauen?

Warum das gar nicht so Bescheuert ist, wie es sich zuerst anhört und ob Du eher zu 2 oder 4 kW Heizleistung greifen solltest – das versuchen wir hier gemeinsam mit Dir heraus zu finden.


In diesem Artikel geht es um Erfahrungen mit den bekannten Planar Standheizungen*. Wie wir unsere eigene Planar eingebaut haben, siehst Du in diesem Video!


Inhalt:


Mehr kW zum gleichen Preis – Ist doch gut, oder?

Ist man sich nicht sicher, wie viel kW Leistung man braucht, gibt ein Blick auf die Preisunterschiede oft den ersten Anhaltspunkt. Und siehe da: 4 kW kosten fast nicht mehr als 2. Wieso sollte man dann freiwillig auf die Hälfte der Leistung verzichten?

Das mussten wir uns auch erst einmal erklären lassen. Tatsächlich sind 4 kW in den wenigsten Fällen wirklich sinnvoll. Im Gegenteil. Ist die Heizung unterfordert, können eine schlechte Temperaturregulierung und eine verkürzte Lebensdauer können die Folge sein.

Wie viel kW sollen es sein – Stelle Dir diese Fragen zur Entscheidung

Wie groß ist der Raum, den Du heizen willst?

In einem kleinen Fahrzeug (mit einem Wohnraum unter etwa 16m³) brauchst Du an eine 4 kW Heizung keinen Gedanken zu verschwenden. Ist Dein Camper größer, kommt es auf seinen Wandaufbau und Dein Reiseverhalten an.

Wie gut ist das Fahrzeug isoliert?

In welchen Temperaturen bist Du damit unterwegs?

Nicht so stark isoliertes Fahrzeug:

Hast Du einen Kastenwagen, der nur mit einer dünnen Lage Armaflex isoliert ist? Keine Frage, Armaflex* ist ein geniales Zeug, das wir für diesen Zweck absolut empfehlen würden. Allerdings sind die verklebten Lagen meist nicht besonders dick. Unter 2 cm. Manchmal liegen Holme oder andere, blöde Stellen sogar noch komplett frei. Dazu kommen die großen Glasflächen der Front und Seitenscheiben, die immer Kälte durchlassen. Auch wenn Du sie mit Blidimax oder sonstige Matten zum Schutz abdeckst.

Nehmen wir an, Du fährst mit diesem Camper in Sommerurlaub. Du magst Strand und Sonnenschein. Vielleicht hast Du das Fahrzeug im Winter sogar abgemeldet!? Ganz egal, wie viel Kälte Deine Scheiben durchlassen oder ob Du nur 12 mm Armaflex verbaut hast: 2 kW Heizleistung reichen Dir völlig.

Ganz anders sieht die Sache aus, wenn Du mit dem gleichen Fahrzeug gerne zum Skifahren möchtest. Oder zum Klettern in die Berge. Da wird’s mit 2 kW dann richtig schön schuppig. Stellt sich aber die Frage: Machst Du das tatsächlich öfter oder bist Du abgesehen von dem einen Wochenende sonst in „gemäßigten“ Gefilden unterwegs. Und wie empfindest Du persönlich die Übergangszeit? Machst Du eher schon bei 15 Grad die Heizung an oder erst, wenn Du am See die Schlittschuhe schnürst?

Bedenke aber:
Selbst wenn man selber eine totale Winterpflanze ist, sollte man seinem Fahrzeug trotzdem Wärme gönnen. Gerade wenn es Stellen hat, die nicht so gut isoliert sind. Die sich absetzende Luftfeuchtigkeit muss die Möglichkeit bekommen, sich wieder aus Oberflächen und Interieur zu lösen und durch Stoßlüften nach draußen transportiert zu werden. Richtiges Heizen und Lüften ist wichtig für ein gesundes Raumklima im Wohnmobil und verhindert vor allem Schimmelbildung.

Gut isoliertes Fahrzeug

Bei einem kältebrückenfreien Wandaufbau von 5 oder 6 cm mit Dämmstoff eines hohen Wirkungsgrades (X-Trem Isolator*, PUR Schaum o.ä.), wirst Du sehr wenig Wärme verlieren. Der Wohnraum heizt sich auf und die Wärme bleibt durch die gute Isolierung da, wo sie ist. Auch große Fahrzeuge lassen sich so bei erträglich kalten Außentemperaturen noch wunderbar mit 2 kW heizen. Überwintern in Marokko – kein Problem. Führt Dich Dein Reiseziel aber in zweistellige Minusgrade, tun 4 kW jedoch trotz dickem Wandaufbau schon mal gut.


Übrigens: Du willst mehr über Materialien zur Isolierung gegen Hitze und Kälte wissen? Dann schau Dir hier unser Video zum Thema Dämmstoffe an!!


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Erfahrung mit Herman 2

In Herman 2 haben wir eine 4 kW Heizung verbaut. Mit seinem dicken Wandaufbau wird es drinnen sehr schnell muckelig. Trotz einer Kabinengröße von ca. 5,50 m x 2,10 m x 1,90 m innen.

Die Zeiten, in denen wir die 4 kW wirklich genutzt haben, kann man glaube ich an einer Hand abzählen. Dazu muss man noch sagen, dass wir echte Hitzefanatiker sind. Während Holzofenzeiten haben wir das Innenraumthermometer einmal bei 48 Grad fotografiert – wir fanden es angenehm. Es hätte also vermutlich kein normaler Mensch gefroren, als wir höher gedreht haben. Der Holzofen in diesem Wohnmobil hat übrigens eine Nennleistung von 5kw.

Unsere Reiseziele lagen dabei jedoch stets im Süden. Diesen Winter (wir haben jetzt Februar 2019), verbrachten wir in Deutschland, nicht weit von Frankfurt. Sogar bei hiesigen Winterttemperaturen hätten 2 kW ausgereicht.

Selbstverständlich ist der Deutsche Winter aber nun nicht gerade der Strengste. Bei unseren geplanten Reisezielen, bei denen auch längerfristig tiefere Temperaturen herrschen werden, würden wir auf die Möglichkeit 4 kW zur Verfügung zu haben, auf keinen Fall nicht verzichten wollen.

planar heizung mit schalldämpfer
4 kW Planar mit Schalldämpfer
Planar Standheiung eingebaut
… hier nun eingebaut unter unserem Wohnzimmertisch in Herman 2

Heizung zu groß gewählt – Was sind die Folgen

Wenn Du fast immer in relativ angenehmen Umgebungstemperaturen reist, Dein Wohnmobil im Winter vielleicht sogar abgemeldet hast, dann kannst Du mit einer 4 kW Heizung direkt einen Aufguss drinnen ansetzen. Selbst wenn der zu heizende Wohnraum ziemlich groß ist oder nicht ganz so stark isoliert – die 4 kW machen ganz schön Wumms. Selbst auf kleinster Stufe hast Du ganz schnell die Fenster offen. In dem Fall heizt Du Deinen Diesel zum Fenster raus.

Allerdings ist dies nicht das einzige Übel, wenn die Leistung Deiner Standheizung im Wohnmobil zu hoch ausgelegt ist. Hinzu kommt, dass die Verbrennung des Diesels auf kleinster Stufe nicht so sauber ist, als wenn die Heizung richtig bollern darf. Du kennst den Effekt vom Dieselmotor im Auto: Fährst Du ihn immer, schön schonend und spritsparend, im unteren Drehzahlbereich, ist das für seine Lebensdauer ganz und gar nicht gut. Ab und zu musst Du dem Auto mal über eine längere Strecke richtig Zunder geben um die Verrußungen los zu werden. Langfristen entstehen ansonsten Schäden, die nicht ohne sind. Genau so ist das mit einer Heizung, die Diesel verbrennt. Immer nur auf kleinster Drehzahl fahren zu dürfen, mag die genau so wenig.

Du solltest in diesem Fall also daran denken, Deine Heizung regelmäßig mal auf hoher Stufe laufen zu lassen – auch wenn es damit eigentlich viel zu warm wird und Du die Fenster noch weiter aufmachen musst.

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Die Alternative zur Entscheidung zwischen 2 kW und 4 kW

Du bist hin und her gerissen, wie viel kW Du nun tatsächlich brauchst? Auf der einen Seite bist Du hauptsächlich in gemäßigten Klimazonen unterwegs, möchtest aber auch nicht frieren, wenn Du doch mal im Winter ans Nordkapp willst? Du möchtest auch nicht mal nur kurz in Urlaub fahren, sondern für längere Zeit unterwegs sein.

Dafür hat sich Martin von Tigerexped eine super Lösung einfallen lassen, die wir derzeit gerade in Herman 3 einbauen. Wie diese Alternative aussieht, erklären wir Dir auf dieser Seite:

Die zwei-Heizungslösung – für alle Klimazonen und perfekte Redundanz

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