Vom Furkapass zum Rhonegletscher

MichaelAllgemein, Kurztrip, Reisen0 Comments

Nach einer schönen Wanderung sitzen wir in der ersten Reihe mit Blick auf den Rhonegletscher.

Der Rhonegletscher. Beeindruckende Aussichten auf einen langsam verschwindenden Zeugen der Eiszeit warten auf Besucher, die vom Furkapass zum Rhonegletscher wandern.


Einstmals war der Rhonegletscher mit einer bis zu 2000 Meter dicken Eisdecke die grösste Eismasse aller Alpengletscher. Fast unvorstellbar, dass er sich einmal bis ins weit entfernt liegende, französische Lyon erstreckte.

Bis heute ist seine Größe auf rund 8 km Länge und zwei Kilometer Breite geschrumpft. Um den Anblick der wilden Schönheit eines solchen Zeitzeugen noch genießen zu können, muss man sich leider immer mehr beeilen, denn das Schrumpfen geht weiter. Schätzungen zu Folge könnte der Quellgletscher der Rhone bis zum Jahr 2100 vollständig verschwunden sein.


Auf den Spuren
von James Bond

Wir haben uns heute aufgemacht, den Rhonegletscher zu besuchen.
Aufgrund schlechter Wetterverhältnisse der Tage zuvor, wählten wir einen Weg für eine sehr einfache, kleine Wanderung, die auch bei schlechter Witterung machbar gewesen wäre. Belohnt wurden wir für diese Entscheidung zunächst einmal mit einem wundervollen Schlafplatz, direkt auf der Furkapasshöhe. Vor allem in den Nebensaisons, wird das Übernachten auf Passhöhen in der Schweiz meist wohlwollend geduldet und man findet traumhafte Stille und bezaubernde Blicke bei Sonnenaufgang vor – so wie Micha, den bereits um halb vier in der Früh nichts mehr in den Federn hielt, um diese Momente hier einzufangen.

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Video-Link: https://youtube.com/watch?v=V6b8_2BcTbo

Aber nicht nur bei Sonnenaufgang ist der Furcapass eine befahrenswerte Route. Sie schlängelt sich bis auf 2.436 Meter Höhe und bietet fantastische Blicke. Selbst Sean Connery befuhr den Furkapass bereits 1964, als Szenen für den James Bond Klassiker Goldfinger gedreht wurden. Für die Fans von James Bond gibt es in diesem Video eine tolle Gegenüberstellung der Drehorte von damals mit einem Besuch 2011. Irgendwie scheint am Furcapass die Zeit ein wenig stehen zu bleiben…


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Passend zu dem tollen Ort empfing uns der Tag hier oben mit bestem Sonnenschein und wir machten uns auf den Weg vom Furcapass zum Rhonegletscher.

Der kleine Wanderweg, der an der Höhentafel des Furkapasses beginnt, verläuft schnurstracks in Richtung grandioser Aussichtspunkte, die sich oberhalb des Gletschers befinden. Steigt man ein wenig über kleine Trampelpfade ab, stößt man auf einen weiteren Wanderweg, der dem Rhonegletscher bergaufwärts folgt. Aber Achtung: Dies ist kein Rundweg. Nach einiger Zeit führt die Strecke auf den Gletscher ab und durch einige Kilometer Schnee und Eis über den Rhone- und den Triftgletscher zu einer der abgelegensten Hütten der Berner Alpen: Der Trifthütte. Wer kein erfahrener Routengänger für alpines Gelände ist oder nicht in einer solchen Begleitung, sollte nach ausgiebigem Genuss der tollen Blicke auf die Eiszunge lieber bergabwärts laufen.

Wir selbst verbrachten eine ganze Weile da oben, wo der Weg vom Furkapass den Blick auf den Gletscher freigibt. Teilweise saßen wir einfach nur da und konnten nicht fassen, dass dieser wundervolle Teil der Natur, wie so viele andere Gletscher auch, schon bald nicht mehr da sein sollen.
Messungen zu Folge hat der Rhonegletscher seit 1874 jedes Jahr 8,5 Meter seiner Länge eingebüßt und 25 cm seiner Stärke. Die Felsen zu beiden Seiten, auf denen man hier Rast einlegt, tragen die Spuren ihres jahrtausendelangen Begleiters – hier zu sitzen bringt einen unweigerlich zum staunen und nachdenken.

Ins Innere
des Rhonegletscher

Talabwärts erreicht man das Hotel Belvedere, ein allein stehendes Gästehaus aus den 1880er Jahren. Hier parken die meißten Touristen, die den Rhonegletscher besuchen wollen. Von hier aus gibt es einen gebührenpflichtigen Fußweg zur Gletscherzunge und in den Gletscher hinein – nein, nicht auf die Oberfläche, sondern ins Innere des Eises.

Schon seit 1870 wird ein 100 Meter langer Tunnel jedes Jahr aufs Neue in den Gletscher hinein geschlagen. Hier erlebt man das krasse Gegenteil zu den verzaubernden Augenblicken da oben, in den Felsen, mit dem Blick aufs Eis, einer wunderbaren Stille und nur einigen Murmeltieren, die meißt viel zu schnell sind, für unsere Kamera.


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An der Eishöhle findet eine Touristenattraktion ihre Vermarktung. An keinen anderen Gletscher in Europa kann man so nah mit dem Auto heranfahren wie an diesen und so sehen wir bei unserem Abstieg Richtung Hotel schon von weitem den Trubel. Der Parkplatz ist belegt, Reisebusse von weit her warten auf ihre Fahrgäste, die Schlange stehen, um den Eistunnel zu betreten. Besonders toll sieht der Eingang von hier oben nicht aus, denn das Eis muss gerade neu gesichert werden. Im Verlaufe eines Sommers schmelzen von den 100 Metern, die der Tunnel misst, 30 Meter ab und die Bewegung des kompletten Gletschers von ca 10 cm pro Tag macht den Betreibern allerhand Arbeit.

Nach all den schönen Eindrücken hat das touristische Highlight am Rhonegletscher für uns keinen Reiz.

Die kleine Wanderung vom Furkapass zum Rhonegletscher solltet ihr euch allerdings auf keinen Fall entgehen lassen.
Wer Spaß an größeren Touren hat, für den ist der 81km lange „Vier-Quellen-Weg“, der irgendwann einmal auch noch auf unserer eigenen Wunschliste steht, wohl ein echter Traum. Die Tour mit 5 Etappen führt durch das Gotthardmassiv nacheinander zu den Quellen von Rhein, Reuss, Tichino und der Rhone.

Wenn ihr ebenfalls Touren zu Gletschern empfehlen könnt, würden wir uns freuen, wenn ihr sie in den Kommentaren mit uns und mit den anderen Lesern hier teilt. Das Besuchen dieser Naturgewalten ist nicht immer so einfach, wie beim Rhonegletscher, aber ein Erlebnis, dass man einfach nicht mehr vergisst.


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