Tafraoute – Blaue Felsen im Antiatlas

MichaelMarokko, Reisen

Tafraoute, in den Bergen des Antiatlas Gebirges in Marokko, ist von einer faszinierenden Landschaft umgeben. Berühmt wurden die Gesteinsformationen aber erst, als ein Künstler blaue Felsen schöner fand als rote.


Die selbstversorgerische Landwirtschaft, die die Bewohner des Berber-Städtchens einmal ernährte, ist völlig verschwunden. Das liegt auch an den seit vielen Jahren immer öfter ausbleibenden Regenfällen.

An Stelle der Landwirtschaft trat der Tourismus. Die Landschaft aus rundgeschliffenen, bizarr aufgehäuften Granitfelsen ist ein faszinierender Anblick, für den Leute von weitem anreisen … vor allem, seit Jean Vérame sie mit blauer Farbe bemalt hat.

Iveco Daily 4x4 Camper in Marokko
Der Iveco Daily unseres Freundes Elmar vor einem Teil der den blauen Felsen in Tafraoute

Blaue Felsen im Antiatlas

Es ist 1985. Ein in Frankreich lebender Belgier frönt seiner Vorliebe für Blau. Und Steine angemalt hat Jean Vérame sowieso schon immer gerne. An der Côte d’Azur hat er es schon getan und in den Cevennen. Ebenso in Texas, auf Korsika, im Tschad und in Ägypten. Blaue Felsen sind seine Passion und so erhalten auch die Granitblöcke bei Tafraoute einen Anstrich.

Seit dem sind sie ein beliebtes Ausflugsziel geworden – wobei wir ganz ehrlich gestehen müssen, dass uns die naturbelassenen Felsen bei unserem Besuch besser gefallen haben. Obwohl das vielen so geht, mit denen wir über die künstlerische Landschaftsgestaltung reden: Irgendwie kommt man natürlich doch wegen der blauen Steine hier hin.

Dementsprechend gepflegt wird Tafraoutes Besuchermagnet. Die Farbe, die Jeans Jérams Team 1984 aufgetragen hat, wäre natürlich schon lange nicht mehr zu sehen, wenn man in dem Städtchen nicht darauf achten würde, dass der Touristenzauber nicht verfliegt. Und so zieht in unbekannten Zeitabständen ein Trupp mit Farbeimern durch die Felsen und macht alles schön auf’s neue Blau.

Update 2020: Offenbar wurde in Tafraoute jetzt mal was Neues ausprobiert. Die Steine sehen jetzt aus wie Ostereier. Es gibt sie jetzt auch in rot, gelb und orange.

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Beliebter Freistehplatz

In Marokko haben wir mit unserem Wohnmobil schon so einige Plätze in absoluter Stille und Einsamkeit bezogen. Im Gegensatz dazu kommt bei der Anfahrt zu den blauen Felsen fast schon so etwas wie Jahrmarktstimmung auf.

Wer sich mit seinem Wohnmobil in die Landschaft traut und auf Stellplätze mit Strom, Wasser und Abends zur Tür gelieferter Tajine verzichten kann, der findet sich mit oft sehr individuell gebastelten Fahrzeugen am Fuße der Felsen wieder. Phasenweise ist richtig Trubel angesagt. Wer Lust hat, kann hier an einem lauschigen Samstag Abend auch mal gerne einer Technoparty beiwohnen – natürlich stilecht mit meterhohen Boxentürmen. Die „Technomaden“ Szene hat sich darauf spezialisiert, auf öffentlich zugänglichen Flächen spontane Festivals mit Verabredung im Internet abzuhalten. Tafraoute ist in diesen Kreisen zur Kultlokation geworden.

Annika und Flo konnten sich von der Qualität des unregelmäßig stattfindenden Festivals überzeugen. Als wir selbst bei unserer Ankunft an einem Freitag den Boxenaufbau bestaunen durften, waren wir gespannt, das Spektakel für Euch auf Video zu bannen. Doch diesmal ging die Pary offensichtlich in die Hose. Die Szene für kurzfristige Wald-und-Wiesen-Technopartys, lebt von spontanen Verabredungen – und zu dieser Verabredung ist offensichtlich einfach niemand gekommen. Am Samstag Abend, als wir mit Fenja mal eine Kontrollrunde drehten, weil von Party noch immer nichts zu hören war, saß der junge Brite immer noch alleine in der Tür seines Wohnmobils zwischen den draußen gestapelten Boxen.

Wandern in Tafraoute

Bekannter als für Technopartys ist Tafraoute bei der Allgemeinheit als Wanderparadies. Kaum einen Blick auf die Landschaft geworfen, spürt man sprichwörtlich das vollautomatische Einsetzen eines starken Erkundungstriebs. Man KANN gar nicht anders, als zwischen den Felsen herum zu laufen und die bizarren Formen von allen Seiten zu bestaunen.

Besonders gut gefällt uns der Kontrast zwischen den rund geschliffenen Felsen und einer davor liegenden großen Ebene, die mit Gräsern, vereinzelten Bäumen und vielen blühenden Pflanzen bewachsenen ist.

Seit wir in Marokko unterwegs sind beschlich uns das Gefühl wie Alice im Wunderland gelandet zu sein. Diesmal mitten auf dem Spielfeld einer Naturstein Murmelpartie.

So parken wir unser Zuhause für ein paar Tage zwischen den in Haufen herumliegenden Spielkugeln und können uns bis zur Abreise nicht an ihnen satt sehen. Einen Streifzug durch die tollen Granitfelsen möchten wir Dir unbedingt ans Herz legen.

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Touren zum Download

Hier haben wir beispielhaft drei Wanderrouten für Dich, auf denen Du Dich nach Herzenslust von der Landschaft verzaubern und inspirieren lassen kannst.

Tafraoute Rundweg

17 km – 172 Höhenmeter

Der Rundweg führt Dich vom belebten Ortskern in Tafraoute über schöne Pfade zu den Blauen Steinen. Hier gibt es auch einen Brunnen um Wasserreserven für diese lange Tour aufzufüllen.

Wie Du völlig unbedenklich aus jedem Brunnen Wasser trinken kannst, das zeigen wir Dir übrigens hier: Tipps für Trinkflaschen mit Filter

Blaue Felsen mit Weitblick

12,7 km – 76 Höhenmeter

Du möchtest einen Weitblick auf die Blauen Steine und umliegenden Täler genießen? Dann ist diese Route genau richtig für dich!

Fototour um die Blauen Felsen

10,1 km – 89 Höhenmeter

Hier geht es einmal vorbei an allen tollen Fotospots, die wir hier erkundet haben. Wir sind die Strecke direkt mehrmals gegangen, da die Umgebung je nach Tageszeit völlig anders erscheint!

Tafraoute – Die Stadt an den blauen Felsen

Tafraoute ist eine kleine Stadt mit ca 6000 bis 9000 Einwohnern, die Quellen sind sich dabei nicht so sicher. Ziemlich sicher ist allerdings, dass man sie gut und gerne als das touristische Zentrum des Antiatlas bezeichnen kann.

Es gibt zahlreiche, kleine Hotels und Übernachtungsmöglichkeiten. Für Wohnmobile sind massenhaft Stell- und Campingplätze am Stadtrand vorhanden. Das Zentrum des Städtchens ist mit einem kleinen Spaziergang von dort sehr gut erreichbar. Wessen Fahrzeug ein kleines Wewehchen hat, findet hier auch zahlreiche Werkstätten, die sich auf die Camper spezialisiert haben.

In den Gassen gibt es alles, was das Einkaufsherz begehrt. Vor allem die bekannten „Babouches“, eine für Marokko typische Art Schlappen, die vorne spitz zulaufen. Traditioneller Weise in weichem Ziegenleder gefertigt und in allen Farben zu haben. Es herrscht geschäftiges Treiben in den Einkaufssträßchen von Tafraoute.

Uns persönlich ist das ein bisschen viel. In kleinen Städten im Süden des Landes geht es etwas ruhiger zu, die Läden sind noch urprünglicher und der Meister, der die Babouches anfertigt sitzt noch selbst inmitten seiner Ware. Dementsprechend muss man sich dort als Besucher oft auf weniger Campingluxus einstellen. Es kommt eben darauf an, was Du suchst. Für viele unserer Freunde ist Tafraout eine der tollsten Städte überhaupt.

Dessen ungeachtet begegnen einem aber doch auch, mitten in Tafraoute, noch Einwohner mit der Ruhe und Gelassenheit, die wir in Marokko zu schätzen gelernt haben. Wir müssen grinsen, als wir inmitten des Trubels einen kleinen Trupp alter Männer sehen, die am Eingang einer kleinen Seitengasse auf dem Gehsteig am Boden sitzen. Zwischen ihnen liegt ein kleiner Teppich mit einigen Schuhen, die aussehen als wären sie schon 100 Jahre alt, dazu ein bisschen museumsreifes Werkzeug um sie wahrscheinlich schon zum 20sten mal zu reparieren. Gelassen beobachten sie das neumodische Spektakel, das um sie herum stattfindet. Der Schumacher und seine Freunde bemerken uns und erwidern unser Grinsen mit einem netten Lachen und grüßend erhobener Hand.

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Tafraoute Mandelblütenfest

Ende Februar ist Tafraoute in Feierlaune. Beim Mandelblütenfest zieht es Touristen wie Marokkaner gleichermaßen in die Stadt. Ein Wochenende lang gibt jede Menge Musik. Des Weiteren einen großen Markt mit regionalen Produkten wie Honig aus den umliegenden Hügeln und Arganöl.

Tafraoute Wetter

Die Lage von Tafraoute in den Bergen des Antiatlas bringt ein nicht ganz so heißes Reiseklima mit sich. Auch im Sommer. Der wärmste Monat ist August mit durchschnittlich 24 – 25 Grad in einem sehr angenehmen Temperaturbereich. Regen fällt jetzt so gut wie keiner.

Der regenreichste Monat ist der November. Bei unseren Besuchen im Januar (was mit durchschnittlich 9 Grad meist auch der kälteste Monat im Jahresverlauf ist) und im März, hatten wir jeweils an einem Tag ein paar Tröpfchen. Es handelte sich jedoch jeweils nur um einen kurzen, sehr leichten Schauer.

Wanderung um die blauen Felsen bei Tafraoute im Anti Atlas, Marokko

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