Herman unterwegs besucht Saint Tropez

SabineFrankreich, Reisen8 Comments

Gassen in Saint Tropez

Herman unterwegs besucht Saint Tropez und das ist für uns eine ziemlich ungewöhnliche Sache! Normalerweise weichen wir Städten so gut es geht aus.


„Wie, IHR fahrt nach Saint Tropez?“

Das werden wir immer gefragt, wenn jemand weis, dass wir eigentlich so gar nicht auf Städte und schon gar nicht auf Schicki-Micky stehen. Doch obwohl dieser Ort so ganz und gar nicht zu uns passt – seinem Charme kann man sich nur schwer entziehen.

Auf der Anfahrt geht es mal wieder vorbei an dieser grandiosen Gärtnerei, bei der wir uns immer wieder über die neuesten, bunten und völlig durchgeknallten Tierskulpturen für den gepflegten Vorgarten amüsieren. Dass in dieser Gegend Geld keine Rolex spielt, merkt man den Preisen dieser lustigen Figuren allerdings an und so wird es wohl keine Gallionsfigur geben, die oben auf dem Aufbau thront.


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Wir sind diesmal früh morgens unterwegs. Die Uhrzeit macht sich bemerkbar, denn ausnahmsweise gibt es noch keinen Stau, auf der Route Departementale 98A, die in Saint Tropez bis zum Hafen führt. Nichts desto trotz empfängt uns der Straßenverkehr, wie wir ihn von hier schon kennen und der neben kleinen Stadtflitzern und Wohnmobilen einfach zum normalen Bild hier gehört: Eine Vespa, noch eine Vespa, ein Strandbuggy, eine Vespakolonne, ein Ferrari, ein Bentley, drei Porsche, ein Hummer…

Aber da sage mal jemand, ein LKW kann nicht auch ein alltagstaugliches Stadtauto sein! Wenige Meter vom Hafen entfernt, passt Herman perfekt in eine Parklücke – allerdings macht sich die Sache mit dem etwas anderen Preisniveau auch hier bemerkbar – für drei Stunden lösen wir ein Parkticket zum Preis von 9 Euro!!!

Wenn man Stau und teure Parkgebühren vermeiden möchte, gibt es gute Anlaufpunkte um das Womo stehen zu lassen und mit dem Fahrrad eine kleine Tour durch Saint Tropez zu machen – für unsere alte Hundedame, die bei großer Hitze nicht mehr so lang laufen kann, war das Luxus-Parkticket allerdings die bessere Lösung!

Ab ins Getümmel


Wir möchten eine ehemalige Arbeitskollegin von Micha treffen, die in Saint Tropez den Wochenmarkt besucht (Hallo Chatherine, liebe Grüße!). Aber zuerst geht es noch zu einem anderen, winzig kleinen Markt, bei dem der ursprüngliche Charakter des kleinen Fischerdorfes tatsächlich noch greifbar wird.

Der täglich stattfindende Fischmarkt variiert je nach Saison und vor allem Fangquote wohl ziemlich in der Größe – wobei „Groß“ relativ ist. 10 Stände mit frischem Fisch sind hier maximal vertreten – dafür wurden die angebotenen Tiere aber auch gerade eben, vom kleinen, etwas heruntergekommenen Fischerboot, dass es hier wirklich noch gibt, direkt aufs Eis der Auslage gepackt – etwa 20 Meter vom Hafen entfernt. Und hier befand sich der Markt für den täglichen Fang wahrscheinlich schon lange, bevor High Society und Künstler in den 50er Jahren den kleinen Ort für sich entdeckt haben. Er ist in einer winzigen, überdachten Gasse zum Hafen untergebracht, die man vom Place aux Herbes aus, durch einen steinernen Torbogen betritt. Die Wände zieren Mosaike von Fischen, Neptun und Meeresfabeltieren. Auf dem Platz werden dazu noch einige Spezialitäten, wie eingelegte Oliven, Obst und Gemüse aus dem Umland angeboten. Nur frische Lebensmittel, nur vom Besten, kein Schnick-Schnack – hier schlägt sich neben dem netten Ambiente vor allem wohl Qualität und Frische im Preis nieder. Als wir heute da sind, liegt der Tagespreis für eine nicht all zu große, halbe Languste bei 14 Euro.

Wir sind begeistert, dass wir uns nur wenige Meter von den Luxusyachten der Schickeria fühlen können, als wenn die Zeit hier stehen geblieben wäre.


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Der große Markt, der jeden Dienstag und Samstag in Saint Tropez Besucher in Strömen anzieht, beeindruckt uns bei weitem weniger. Um ehrlich zu sein, wir sind enttäuscht. Während beim Fischmarkt nur wenige Menschen anzutreffen sind, tobt hier richtiggehend der Bär. Leute in teuren Klamotten und riesigen Sonnenbrillen flanieren durch die bunten Reihen, haben aber selten ein Lächeln auf den Lippen. Bis auf eine Hand voll kleinere Stände mit (angeblich) regionalen Produkten, finden wir uns zwischen Pavillons mit Modeschmuck, Tischdecken und Kleidung – ein teurerer Flohmarkt eben. Sogar ein quietschbuntes Fahrgeschäft ist aufgebaut, dass sich so gar nicht in die eigentlich wunderschöne Umgebung der sonnenbeschienenen, großen Bäume, die der Platz beherbergt und der gemütlich aussehenden Straßencafes integrieren will.

Bereits nach einer kleinen Runde verlassen wir den Markt wieder und streunern lieber durch die kleinen Gassen, in denen Saint Tropez, vor allem zu morgendlichen Stunden, noch aussieht, wie das kleine Fischerdorf, das es einmal war. Einfach nur wunderbar, den Blick über die liebevollen Details der Häuser, die üppig blühenden Stauden und kleinen Geschäfte schweifen zu lassen.
Ja, auch das ist immer noch Saint Tropez.

Hier könnten wir stundenlang bummeln und all die tollen Details auf uns wirken lassen.

In anderen Gassen und Straßen, die eigentlich noch immer viel von ihrem Charme erhalten konnten, wird die Stadt aber natürlich ihrem Ruf gerecht und man findet vor, was man erwarten würde. Die teuersten Designerlabels reihen sich aneinander wie an einer Perlenschnur und geht man morgens am Hafen entlang, dann weiß man: Hier gibt es genügend Menschen, die für Namen und schönen Schein liebend gerne wahnsinnig viel Geld in die Hand nehmen. Der Anblick der Luxusyachten und des zur Schau gestellten Lifestyles lässt uns ein bisschen nachdenklich werden.


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Ein Pflaster
voller Gegensätze


Gegen Mittag sind viele der schwimmenden Paläste aus dem Hafen ausgelaufen um sich zahlreich in der Bucht von Pampelonne, dem längsten Sandstrand der Cote d’Azur, vor Anker wieder zu finden. Hier durften wir schon Zeuge werden, dass es tatsächlich sieben Männer mit Anzügen und Walki Talkies, dazu ein Boot, zwei Jet-Skies und eine gepanzerte Limusine braucht, damit sich zwei Jungen ein Eis kaufen können – aber Geld macht ja bekanntlich glücklich … oder nicht?

Am Abend wird es dann wieder voll im Hafen von Saint Tropez. Die paar ringsum liegenden Straßen verwandeln sich in eine Art Kirmes der Eitelkeiten. Die Stimmung auf der Straße ist cocktaillastig, jeder glänzt so gut er kann und Straßenkünstler machen das Bild perfekt.

Irgendwie lustig, dieses Spektakel mal gesehen zu haben. Unsere Bewunderung und unsere Reiseempfehlung gilt allerdings den kleinen Gassen, die am selben Abend, nur wenige Meter vom Hafen entfernt, immer noch menschenleer sind und an das verschlafene, kleine Nest erinnern, das mit seinem Charme zur Wiege des internationalen Jet-Sets geworden ist.

SAINT TROPEZ ERLEBEN

In den Gassen dieses tollen Städtchens könnte es Dir auch gefallen? Dann haben wir hier das Richtige um Dein Reisefieber noch mehr zu entfachen!

Reiseführer:
St. Tropez und Umgebung

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Louis de Funés:
Der Gandarm von St. Tropez

Der Dorfpolizist Ludovic Cruchot wird befördert und nach St. Tropez versetzt. In seinem Drang, Recht und Ordnung Geltung zu verschaffen, sind ihm vor allem die Nudisten ein Dorn im Auge.

In 10 Lektionen:
Überleben unter Franzosen

Schon mal im »perfekten« Landhaus in der Provence gewesen, wo es weder Strom noch fließendes Wasser gab? Und will Eure zauberhafte französische Geliebte bei jeder Gelegenheit »Je t’aime« von Euch hören? Wie ihr all das überlebt, beschreibt der Wahlfranzose Stephen Clarke!

8 Kommentare zu “Herman unterwegs besucht Saint Tropez”

  1. aaaaaalso: Ich kenne euch nicht und ich weiß nicht wirklich, wie ihr tickt, aber was ihr da macht, mit eurem Mut und dem zweifelsohne vorhandenem Know-how, oder ist es natürliche Begabung?? kann nicht sein! – wie ihr die Texte verfasst, wie ihr die Videos angeht und umsetzt und wie man eure Mitteilungen liest – wahnsinnig gut, schwer zu toppen!!! – also grüße ich euch und sage mal: RESPEKT!

    Auch mitunter die durchscheinende Naivität -ich fühle mich zurückversetzt in meine Jugend, als ich als 18jähriger mit einer damals hochkomplizierten 750er Honda in einer Woche 1000 km im Süden Frankreichs unterwegs war, in den Haute Alpes und in den Pyrenäen und der Cote d’Azur – alles ohne Netzt, doppelten Boden und durchgehenden Autobahnen – ohne Werkzeug und zum Schluss ohne Batterie(defekt gekocht), das war ein Erlebnis, welches ich nicht beschreiben kann, ihr könntet es!

    Weiter so, macht Spass alles zu inhalieren und mitzufühlen!

    Gruß der Pedda (selber immer mit dem Womo zuhause und unterwegs)

    1. WOW Peter, Du machst uns da grade irgendwie total sprachlos! Ein ganz dickes DANKESCHÖN für dieses riesengroße Kompliment!!!

      Es ist so schön, wenn jemand wie Du sich mitgenommen fühlt, auf unserer Reise. Wir selbst fühlen uns in diesem Moment nämlich ein bisschen so, wie Du Deine Erinnerungen beschreibst, als Du mit 18 Jahren auf Deiner Honda durch Süd-Frankreich unterwegs warst. Wir haben uns halt einfach ins Abenteuer gestürzt und werden jetzt sehen, was da so auf uns zukommt. Netz und doppelter Boden beschränken sich auf freies Internet bei McDonalds für die Suche nach Ersatzteilen und dem Vertrauen, dass wenn wir es bis zu diesem Punkt geschafft haben, dann schaffen wir es auch noch weiter! 😀 Aber das macht ja auch nichts – Trotz kaputt gekochter Batterien kommst Du ja auch immer noch ins Schwärmen. Das sind einfach Erfahrungen, die bereichern das Leben und die behält man auch ein Leben lang! 🙂

      Wir freuen uns, wenn Du uns auf unserem Weg begleitest und schicken Dir ganz, ganz liebe Grüße!
      Sabine und Micha

  2. Danke, seufz

    ich hoffe, man sieht sich, nah genug wart ihr schon mal dran, als ihr im Bereich Mettmann gewesen seid.

    Also weiterhin gute Reise und viel Gesundheit und tolle Begegnungen!

    Pedda

    1. 😀 Peter, Mettmann ist der Bereich, in den wir ganz sicher wieder kommen! 😉
      Also demnächst sind wir nochmal da, um noch einige Umbauarbeiten und Reparaturen an Herman in Angriff zu nehmen, bevor es auf die erste richtig lange Reise gehen soll. Schreib doch mal einfach privat ne mail, wenn Du magst! 😉

  3. Hallo,

    gibts ihn da noch, den Gendarm von St. Tropez? Die Filme mit diesem hibbeligen Louis de Funés habe ich geliebt. Vielleicht ist wenigstens an der Gendarmerie ein Gedenktäfelchen oder sowas?

    Gruß
    Henning

    1. Hallo Henning!
      Gerade heute haben wir uns noch Teile seiner lustigen, außerirdischen Kohlköpfe angeschaut! Dieser hibbelige Chaot ist einfach sowas von klasse!!! 😀 Leider haben wir in St Tropez nichts erkennen können, was auf den außergewöhnlichen Schauspieler hindeutet, aber dennoch … ich glaube, die Leute werden ihn irgendwie immer lieben und im Gedächtnis behalten! Kann da nur sagen: Nein! … Doch! … ohhhhhh! 😀
      Liebe Grüße aus dem Herman,
      Sabine

  4. Stimmt tatsächlich, hier gibt es alles !…allerdings muss man kein Millionär sein um auf einer Yacht zu leben, wie WIR hier. Im Gegenteil, bei uns leben viele arbeitenden Menschen auf eigenen Booten, weil es ganz einfach günstiger als ein Haus oder Appartement ist! Ältere
    Yachten sind hier teilweise fast umsonst zu kriegen, wenn man sie selbst herrichtet.
    Und: die meisten Reichen zeigen es nicht, ausgenommen solche wie ‚Die Geissens‘ !
    Wenn man sieht, wieviel Arbeiter die Reichen hier beschäftigen, ohne überhaupt hier zu sein, wundert man sich!
    Da viele Freunde damit ihr gutes Auskommen haben und mehr als die Besitzer selbst hier im Süden sind, haben wir nichts gegen Reiche ansich…solange sie ihr Geld unter die Leute bringen!
    SY Naima
    Jürgen & Ellen

    1. Hallo ihr Beiden! Also das hört sich ja interessant an. Wir wussten ja gar nicht, dass es in der Region günstiger sein kann, auf dem eigenen Boot zu leben und dass man eine renovierungsbedürftige Yacht für einen sehr günstigen Preis bekommen kann. Das ist ein sehr spannendes Thema! Ihr habt Euch auf jeden Fall eine total tolle Basis ausgesucht, wir lieben die Gegend um Saint Tropez wirklich sehr!

      Wir schicken Euch ganz liebe Grüße aus Süd-Marokko und lasst es Euch gut gehen,
      Sabine und Micha 🙂

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