Campe nicht im Wadi!

SabineAllgemein, Marokko, Offroad, Reisen, VLOG12 Comments

Regen im Wadi


Offroad durch Marokko zu reisen und Wüstenlandschaften mit dem Wohnmobil, abseits des Massentourismus zu erleben – diese Anblicke bleiben ewig im Gedächtnis! Es gibt allerdings Sachen, die man dabei unbedingt beachten sollte!

Die Begeisterung hält sich in Grenzen, als wir an diesem Morgen im Wohnmobil die Augen aufschlagen. Wir haben das Gefühl, uns auf einem Segelschiff zu befinden, denn der Wind schaukelt unseren Aufbau in starken Böen von rechts nach links. Der Blick aus dem Fenster zeigt einen Himmel voller Wolken. Nicht gerade optimales Wetter für unseren derzeitigen Standort, in den Bergen des Anti Atlas. Ein gemeinsames Frühstück bei einsetzendem Regen mit unseren derzeitigen Begleitern, Annika und Flo, und es ist beschlossene Sache: Für uns geht es gemeinsam runter ins Tal.

AUF, INS
WADI TAMANART!


Die Route ist vielversprechend. Wir nehmen die Serpentinenstraße bergab und fahren dann über Pisten bis zu einem Palmenhain. Hier befindet sich unser Einstieg ins Wadi Tamanart. 25 Kilometer weit soll es durch das ausgetrocknete Flussbett gehen, dass zu beiden Seiten von sich malerisch erhebenden Bergen eingeschlossen wird.

Wir kommen nur langsam voran. Die Piste, sowie das gesamte Wadi bestehen aus Steinen – mal kleinere, mal richtig dicke Brocken. Unser LKW schiebt sich Meter für Meter voran, unter den Reifen knarzt die lose Schicht aus Kies und Geröll. Einige Steine halten der tonnenschweren Belastung durch den LKW nicht Stand und zerbersten mit einem lauten Knall. Das ausgetrocknete Flussbett schüttelt uns im Inneren ganz schön durch.

Unter diesen Bedingungen zieht sich die Strecke länger als sie ist. Doch das macht nichts – wir haben sowieso geplant, zwischendurch eine Nacht auf der Piste im Tamanart zu verbringen. Etwa eine Stunde vor Einbruch der Dunkelheit beschließen wir, dass es für heute reicht. Als wir den Motor abstellen, vernehmen wir durch die Stille des unbewohnten Wadi ein leises Zischen … ein Reifen hat wohl den Kürzeren im Kampf mit den dicken Kieselsteinen gezogen. Langsam aber sicher wird der Abstand der Felge zum Boden kleiner und kleiner. Ein Schlauchwechsel steht auf dem Programm. Das haben wir wohl schon ganz schön lange nicht mehr gemacht und wie viel ein ebener, betonierter Boden zum schnellen Gelingen beitragen kann, wussten wir vorher auch noch nie zu schätzen! Gerade noch rechtzeitig zum Einsetzen neuer Regenfälle und dem Einbrechen der Dunkelheit, öffnen wir die Hydraulik des Wagenhebers. Herman steht wieder sicher auf vier Rädern. Als Lohn winkt ein kleines Lagerfeuer, das uns trotz einiger Regentropfen einen schönen Abend beschert.


ÜBERRASCHUNG
AM MORGEN


Auch am nächsten Morgen werden wir von Windgeräuschen geweckt – doch irgendwas stimmt nicht. Obwohl wir ein lautes Rauschen vernehmen, wackelt Herman nicht im Geringsten. Annika und Flo sind schon draußen unterwegs, es sieht aus, als wehe kein Lüftchen. Komisch. „Hört ihr das auch?“ Ja, keine Frage irgendwas ist zu hören aber wir machen uns weiter keine Gedanken, wir wollen los. Die Strecke, die wir nun zurücklegen sollten, misst nach allgemeiner Schätzung der Beteiligten nicht mehr als 500 Meter: Wasser schneidet uns den Weg in dem gerade noch furztrockenen Flussbett ab!
Annikas riesengroße Augen spiegeln ihr Erstaunen, als sie uns erzählt, wie sie grade noch mit ihrem Hund Nico beim Spaziergang an genau dieser Stelle stand. Und zwar trockenen Fußes, da wo ein neu entstandener Fluss jetzt Schlamm und sogar ausgerissene Büsche an uns vorbei spült. Die Situation macht uns einigermaßen sprachlos, vor allem, wenn wir bedenken, dass wir uns eigentlich zum Schlafen am Vorabend noch ein kleines Stückchen weiter an diese schöne Felswand, genau hier stellen wollten!

Wir fangen an eine Furt zu suchen, durch die wir das Wasser queren können, doch die Piste ist nicht mehr erkennbar und die richtig dicken Steine können mit Leichtigkeit einen großen Schaden am Womo verursachen, wenn man sie nicht sieht! Während Micha durch das Wasser watet und nach dem besten Durchkommen sucht, steigt das Wasser weiter an. Bis er den Rückweg vom anderen Ufer antritt, umspült das Wasser nicht nur die Waden sondern seine Knie und kommt langsam an den Oberschenkeln an. Keine Chance! Bei einem Blick auf die vor uns liegende Strecke stellen wir zudem fest, dass wir den Fluss noch 10 mal kreuzen müssten, bevor wir wieder aus dem Wadi kommen. Wer weiß, ob die Durchfahrten dort nicht noch viel tiefer und die Steine noch viel dicker sind? Mit einem Wasserschlag im Motor wäre die Reise sowas von zu Ende, und nicht nur diese! Es gibt also kein Vorwärtskommen …. und wie wir feststellen, auch kein Zurück! Wir sitzen auf unserer kleinen Anhöhe fest!


WENNS MAL WIEDER
LÄNGER DAUERT …


Doch wir haben natürlich Glück, überhaupt auf einer Anhöhe zu stehen. Um das Steigen oder Fallen des Wasserpegels besser verfolgen zu können, stecken wir ein Stahlrohr in den Boden des Uferbereichs und versehen es mit einer Klemme als Markierung. Ein weiteres mal Glück gehabt! Schon nach kurzer Zeit lässt unsere ausgeklügelte Konstruktion erkennen, dass das Wasser wieder fällt. Wir brauchen also nicht zu befürchten im Laufe der Stunden zu versinken, sondern haben nichts weiter zu tun, als es uns gemütlich zu machen und abzuwarten. An Bord unserer Fahrzeuge befindet sich alles, was wir uns wünschen könnten – erst Tags zuvor waren wir noch in einem Städtchen einkaufen. Von Obst und Gemüse bis hin zu frischer Minze für den in Marokko geliebten, unfassbar süßen „Berber Whiskey“ (also grünem Tee mit Pfefferminz) ist alles dabei. Warten fällt also nicht schwer und es wird beschlossen, die Zeit sinnvoll zu nutzen. Wir drehen eine kleine Videovorstellung von Annika und Flos tollem Reisefahrzeug … ok, über den den Satz „dann fahren wir mal weiter“, mit dem wir das Video abschließen, mussten wir angesichts der Situation selber lachen!

HOL DIE INSPIRATION
FÜR DEIN FAHRZEUG!

Kennst Du schon das Reisefahrzeug ‚Monty‘ von Annika und Flo? Hier zeigen wir dir, wie die beiden aus wenig Geld ganz viel Reisefahrzeug machen!

 
 

WO IST DAS
WASSER HIN?


Am nächsten Morgen ist der Fluss, der uns gestern noch den Weg nach allen Seiten abgeschnitten hat, einfach wie vom Erdboden verschluckt! Gut, vermutlich ist er das auch wirklich, aber die Geschwindigkeit, mit der Wassermassen hier kommen und gehen ist beeindruckend. Keiner von uns hat sich eine solche Situation vorher ausmalen können – und das obwohl man von solchen Phänomenen naütlich schon gehört hat. Aber wie wir jetzt sehen, ist „mal gehört haben“ etwas gänzlich anderes als „mal erlebt haben“!

MACH NICHT DIE
GLEICHEN FEHLER WIE WIR


Die Sache ist für uns sehr glimpflich ausgegangen, doch es ist uns bewusst geworden, dass es auch ganz schnell anders hätte enden können. Wäre in den Bergen, aus denen wir kamen, noch ein weiterer Tag Regen gefallen oder wäre das Wadi ein paar Meter schmaler gewesen, hätten wir uns dank unserer Dummheit in eine hochgradig gefährliche Lage gebracht!

Das Erlebnis ließ uns auch anschließend so schnell nicht los und Recherchen im Internet förderten zu Tage, dass immer wieder Menschen in der Wüste ertrinken … mehr als verdursten!

Also falls Du Dir bei Deinen Offroadtouren auch noch nie Gedanken um die Gefahr von „Flash Floods“ gemacht hast – mach unsere Dummheiten nicht nach! Checke den Wetterbericht und überlege gut, ob überhaupt und wo Du im Wadi Dein Lager aufschlägst! Auf immer nur wundervolle Reiseerlebnisse … !

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HAST DU AUCH SCHON MAL
SO EINE REISEDUMMHEIT
BEGANGEN?


Lass uns nicht alleine in den Fluten des Regens stehen und erzähl‘ uns, wenn Du auch schon mal eine Gefahr auf Reisen unterschätzt haben solltest – andere werden um Deine Erfahrung möglicherweise sehr dankbar sein!

Natürlich freuen wir uns aber auch wieder über alles, was Du sonst zu unserer Tour mit Annika und Flo sagen oder vielleicht wissen willst! Immer raus damit, das anschließende Gespräch macht das Berichten für uns ja erst schön!

12 Kommentare zu “Campe nicht im Wadi!”

  1. Ich bin so ein Schisser, ich stelle mich noch nicht einmal auf einem CP direkt an einen Bachlauf. Immer etwas erhöht. 🙂

    1. 😀 Lieber Peter, da haben wir jetzt wohl nicht gerade dazu beigetragen, dass Du Dich am Wasser demnächst besser fühlst! Sorry dafür aber wie wir sehen vielleicht auch irgendwie besser so 😉

      Wir schicken Dir aller beste Grüße aus dem zum Glück ja trocken gebliebenen Herman,
      Sabine und Micha

  2. Zwar habe ich noch nicht in einem solchen Wadi übernachtet, aber ich habe es schon live mit erlebt, wie aus einem trockenen Flussbett ein reißender Strom wurde.
    Als ich in der Sonora-Wüste in Arizona war, habe ich mich anfangs noch über die Schilder an der Straße gewundert, die darauf hinwiesen, dass man hier nicht durchfahren soll, wenn Wasser fließt. Die Straßen waren U-Förmig und in ein Flussbett integriert. Wie schnell das dann geht und welche Wassermassen dann von jetzt auf gleich da durch schießen können habe ich bei einem heftigen Gewitterregen gesehen. Dann habe ich die Schilder nicht mehr auf die leichte Schulter genommen.
    Also glaube ich, dass ich auch dort bei dem Wetter nicht übernachtet hätte.

    1. Hi Christa! Ja, wenn man so etwas mal selbst erlebt hat, ist es schon etwas anderes als aus Erzählungen davon zu hören, oder!?!
      Wir werden diese Gefahr jetzt auch nicht mehr auf die leichte Schulter nehmen, das ist nach der letzten Woche sicher!
      Danke fürs Berichten von Deinen Erfahrungen! 🙂
      Ganz, ganz liebe Grüße aus der Steppe vor Guelmim,
      Sabine und Micha

  3. Ich schau selbst mit meinem “ normalen Womo“ in Frankreich oder Spanien immer nach möglichen Fluchtwegen, und Übernachten direckt am Fluss, selbst trockene wird vermieden. Das hat nichts mit Schiss zu tun, sondern mit vernunft, Euer Beitrag hats ja gezeigt wie schnell man in eine missliche lage kommen kann wenn man am falschen Ort steht. Euch einen weiterhin trockenen Motor und schöne Reisen. Walter

    1. Hallo Walter!
      Da hast Du Recht, es kann schon ganz schön schnell gehen, wenn man solche Gefahren unterschätzt. Dennoch werden wir bei schönem Wetter wahrscheinlich gerne weiter an Flüssen campen. Man ist ja nicht an jedem Fluss rechts und links auf 25 Kilometern von einer Bergkette eingeschlossen.
      Ganz liebe Grüße aus der Steppe vor Guelmim,
      Sabine und Micha

  4. … aber schön ist sie halt schon, die Piste durchs Oued Tamanart.
    Diesmal hats bei mir dafür aber leider nicht gereicht.

    euch weiterhin viel Spass und
    liebe Grüsse vom Muger

    1. 😀 Genau so ist es! Wenn es nicht grade regnet, werden wir es auch sehr gerne nochmal durchfahren und noch ein paar schöne Fotos machen!

      Dir ebenfalls viel Spaß! Lass es Dir gut gehen und beste Grüße aus dem Herman,
      Sabine und Micha

  5. Hallo Ihr Lieben,
    über plötzliche Wassermassen wurde hier ja schon genug geschrieben und auch ich bin auf diesem Gebiet sehr vorsichtig.
    Schon bei dem Wort Wadi hatte ich Angst um Euch, noch bevor ich das – wieder voll gelungene – Video sah.
    Was ich aber ganz genau so mache wie Ihr, ein „Problem“ wird erst mal großflächig ausgebaut um dann fest zu stellen,
    dass (in meinem Fall) nur eine Schlauchschelle erneuert werden mußte. /übermotiviert hatte ich die ganze Duschecke ausgebaut ;-(

    Weiterhin viel Spaß in der Schule des Lebens und der globalen Erforschung
    wünscht Euch von ganzen Herzen Astrid und die Fellnasen

    1. Hallo liebe Astrid!
      Mensch, das ist immer total klasse, wenn Du schreibst – über Deinen Elan staunen wir immer wieder, da verwundert es nicht, dass Du mal schnell die komplette Duschecke auseinander nimmst! 😀 Grandios!!! 🙂

      Danke für Dein Lob ans unerwartet wassernahe Video!
      Wir schicken Dir die aller, aller liebsten Grüße aus dem Herman – lass es Dir gut gehen und weiter jederzeit gute Fahrt und tolle Erlebnisse,
      Sabine und Micha …. Schmuseheinheit an die Fellnasen natürlich nicht zu vergessen!!! 🙂

  6. Hallo ihr netten Menschen,

    ich verfolge euren Marokko-Blog ja nun von Anfang an, nicht zuletzt deshalb, weil ich in jungen Jahren auch 3 längere Reisen in dieses Land unternommen habe.
    Mich interessiert eigentlich mal etwas, was hier noch niemand gewagt hat zu fragen und ihr selbst schreibt auch nie davon. Gibt es eigentlich etwas, was ihr ihr in Deutschland ständig zur Verfügung habt und auf dieser Reise schmerzlich vermisst?

    Ich habe bei längeren Auslandsreisen nach einer gewissen Zeit z.B. deutsches Brot extrem vermisst! So ein schönes Sauerteigbrot bekommt man heutzutage vielleicht auch in Melbourne oder New York, aber bestimmt nirgendwo in Marokko!

    Das geht natürlich ganz Vielen so und ist deshalb nichts besonderes! Am Meisten habe ich damals aber bei fast allen Reisen ins Ausland ein Glas Nutella vermisst! (Grins) Heute käme ich sicherlich gut ohne aus!

    Und wie ist das nun bei euch?

    Liebe Grüße aus dem arg ungemütlich nass-kalten Tal der Wupper

    Ralf

    1. Hallo Ralf!

      😀 Das ist eine sehr gute Frage! Also als wir hier her gekommen sind, waren wir auf eine Sache NULL vorbereitet: Nämlich dass es hier keinen richtigen Käse gibt. Alles was man hier bekommt (zumindest halt auf dem Land), sind diese dreieckigen Schmierkäsestückchen in den runden Packungen, die es auch bei uns gibt – Du kennst sie ja dann von Deinen Marokkoreisen! 😀 Und wir sind zwar Vegetarier aber ohne Käse leben geht GAR nicht! 😀 Wieee sehr haben wir uns nach echtem Käse gesehnt, bis wir unser Visum im spanischen Ceuta verlängert haben. Und wieeee viel Käse haben wir von da dann mit runter in den Süden genommen! Das Erstaunliche daran ist nur: Ohne es zu merken, hatten wir uns in der Zwischenzeit so sehr an den „Deieckskäse“ gewöhnt, dass die richtigen Käsescheiben jetzt im Kühlschrank rumliegen und man aufs Ablaufdatum achten muss! 😀

      Ansonsten finden wir’s hier total super von der Versorgungslage her. Wir futtern ja ziemlich viel Gemüse und wenn Du so ne große Einkaufstasche für 2 Euro voll machen kannst … die Gemüsehändler würden wir am liebsten mit nach Deutschland nehmen! 😀

      Lieber Ralf, wir versuchen Dir ein paar Grad unserer Temperatur hier mit unseren Grüßen mitzuschicken … es ist jetzt morgens schon über 30 Grad warm, das ist echt schon fast ein bisschen zu viel des Guten! 😉

      Alles Liebe vom Fort Bou Jerif,
      Sabine und Micha

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