Straßenbereifung auf Offroad-LKW – HORROR! Oder doch nicht?

SabineWerkstatt1 Comment

Was sich durch eine russische Baustelle wühlt, kann auch für einen Reise-LKW nicht schlecht sein. So der Gedanke, als wir unsere ersten Reifen zum Reisen kauften. Warum wir uns damit keinen großen Gefallen getan und was wir jetzt anders gemacht haben.

 
 

Grundsätzlich lagen wir mit dem Vertrauen auf ein Baustellenprofil gar nicht mal so falsch. Was wir im Nachhinein nicht mehr machen würden: Ausgerechnet an den Reifen Geld sparen wollen.

Lieber ein bisschen mehr ausgeben und dann hat man was, das auch taugt, das ist aber auch leicht gesagt, bei dem Preis, den ein anständiger LKW Reifen zum Reisen so mit sich bringt. Beim Bau von Herman haben wir mal eben gut 45.000 Euro ausgegeben, da fehlt noch so eine Kleinigkeit – bzw. VIER Kleinigkeiten, für die man gerne mal ein paar Hundert Euro pro Stück hinlegt.


UNSER „SCHNÄPPCHEN“


Was für ein Unterschied soll das schon groß sein. Der russische Hersteller KAMA bietet neue Schlappen mit einem Profil das uns gefällt, für 265,- Euro das Stück – ein Schnäppchen! Wir brauchen 5 Stück und schlagen zu.

Unsere ersten, neuen Reifen – noch gefallen sie uns


Eine Reise und ca 20.000 km später:
In der Zwischenzeit haben wir gefühlt 100 mal die Reifen auf der Felge gedreht, die Felgen gesäubert, Reifen von Felge zu Felge getauscht… Und das Fahrwerk überträgt noch immer das Fahrverhalten einer alten Waschmaschine.

Die Reifen sind für die paar Kilometer außerdem bereits extrem abgefahren und weisen eine starke Sägezahnbildung auf. Einige Stollen haben tiefe Risse, bevor wir wieder auf Tour gehen, kommen wir also um neue Schlappen nicht herum.

Vor der Entscheidung für einen neuen Reifen haben wir uns diesmal mehr Zeit genommen. Durften bereits unterwegs von den Erfahrungen anderer Reisender lernen und bekamen dann noch einen super Tipp von unserem lieben Freund Ulrich Dolde:

„Fragt mal den Ramin“, riet er uns. Und da wir Ulis Tipps vertrauen, haben wir das auch getan und Ramin besucht:


Anzeige

SKEPSIS VERSUS REALITÄT


Ramins Empfehlung Nummer 1 kam bei der Auswahl unserer letzten Reifen mal wirklich so gar nicht zum Zuge:
„Lieber einen guten Gebrauchtreifen von einem Premiumhersteller, als einen neuen No-Name!“ … naja. Wenigstens waren wir mal in dem Glauben, ein Schnäppchen gemacht zu haben.

Von dieser Empfehlung haben wir uns ja noch recht schnell überzeugen lassen. Mit dem Profil, das wir jetzt letztendlich auch fahren, sieht das anders aus. Es gab für uns zwei gute Gründe, die Reifen, die Ramin uns ans Herz legte, absolut nicht zu mögen:

1. Wir wollen Offroad fahren und es handelt sich um ein Straßenprofil

2. Ein Straßenprofil sieht einfach mega Scheiße aus!

Für eine solche Bereifung sprechen dennoch viele gute Gründe, das mussten wir schon zugeben. Nicht zuletzt erinnerten wir uns an den wirklich extrem guten und sehr empfehlenswerten Artikel, den der liebe Thomas von Abseitsreisen zu diesem Thema geschrieben hat. Nach 5 Jahren Weltreiseerfahrung auf 5 Kontinenten kommt er bei der Gegenüberstellung „Stollen- oder Straßenreifen“ zu einem klaren Ergebnis und (wenn wir seinem Fazit hier einfach einmal vorgreifen dürfen) es bleiben nach der geilen Offroadoptik nicht viele Argumente für die Stollenreifen übrig. Lies den Artikel von Thomas unbedingt einmal durch, wenn Du Dich für dieses Thema interessierst!

Probieren geht also über lange drum herum grübeln und nicht zuletzt bekommt man nur so einen eigenen Vergleich, bevor wir in die richtig weit entfernten Länder aufbrechen wollen. Vorher könnten wir dann jetzt immer noch einmal wechseln.

LKW Straßenprofil für Allrad Reisemobil

Unser neues Profil


ERSTE ERFAHRUNGEN MIT DEN
NEUEN REIFEN


LAUFRUHE

Ja, ein kleiner Teil des schon angesprochenen „Waschmaschinen-Feelings“, das vom Fahrwerk kommt, ist tatsächlich auf die Trilex-Felgen zurück zu führen. Diese sehr unübliche Konstruktion ist zwar unglaublich praktisch, wenn Du mal mitten in der Pampa einen Reifen wechseln musst, aber nicht gerade ein Meisterwerk an Prazision und sie können nicht ausgewuchtet werden.

Reifenwechsel am Offroad LKW in einem marokkanischen Flussbett

Reifenwechsel in einem marokkanischen Wadi

Anzeige

Der andere (größere) Teil unserer Laufunruhe kam aber ganz offensichtlich von einer Unwucht der Reifen. Wir erinnern uns hiermit an Ramins Empfehlung Nummer 1.

Herman macht nun einen wesentlich ruhigeren Eindruck und man hat das Gefühl, dass er sicherer auf der Straße liegt. Gerade bei höheren Geschwindigkeiten. Ein sehr angenehmes Gefühl, das mit Sicherheit auch alle Gelenke und Lager im Fahrwerk mit uns teilen!


SPRITVERBRAUCH

Mit dem neuen Profil haben wir eine merkliche Spritersparnis von schätzungsweise einem guten Liter auf 100 km. Bei Hermans Gesamtverbrauch, unserem eigentlich viel zu klein bemessenen Tank und den Dieselpreisen, die wir gerade in Portugal bezahlen (bis zu 1,36 Euro), versöhnt uns das mit der Reifenoptik ein weiteres mal.


GELÄNDETAUGLICHKEITt

Die ersten Pisten in Portugal liegen hinter uns und wir haben folgendes, schwierige Terrain unter die Räder genommen:

• Nasse Felsplatten bei steiler Bergauffahrt
• Nassen, unbefestigten Waldweg bei steiler Bergauffahrt
• Losen Schotter bei steiler Bergauffahrt
• Sehr tiefen Schlamm
• Ein paar Kilometer über Wege, die komplett mit sehr groben, scharfkantigen Steinen verfüllt wurden

Wir müssen es gestehen: Wir haben dem neuen Profil bei unserer Abfahrt nicht viel zugetraut. Die erste Überraschung erlebten wir jedoch, als wir uns im Gelände in der Richtung geirrt hatten. Es gab keinen anderen Weg, als einen steilen, nassen Waldweg, den wir gerade hinuntergekrochen waren, wieder hoch zu fahren. Unsere Erwartung durchdrehender Reifen und eines rutschenden Herman wurden jedoch GÄNZLICH enttäuscht. Ehrlich gesagt fragen wir uns, ob unsere alten Stollenreifen das genau so gut hingekriegt hätten.

Dieser Gedanke kam uns auch bei dem tiefen, lehmigen Schlamm, den wir am folgenden Tag durchfuhren. Nachdem der LKW erst bis knapp zur Achse eingesunken ist und quer auf dem Feldweg stand, hätten wir keinerlei Erwartung, ohne die Hilfe des zweiten Fahrzeugs, das uns begleitete wieder aus dem Loch heraus zu kommen. Aber natürlich startet man ja wenigstens einen Versuch. Leider haben wir die Szene nicht gefilmt, weil wir nicht dachten, dass es etwas zu filmen geben würde – doch Herman fuhr mit den Reifen, für die wir zuerst nichts übrig hatten wie auf Schienen auf dem Dreck!

Straßenbereifung auf Allrad LKW - unser Reisefahrzeug gräbt sich damit auch durch Schlamm
Anzeige

WIR SIND ERSTAUNT

Nasse Wiese, Schlamm und Matsch. Eigentlich genau das, was man das Spezial-Einsatzgebiet von Stollenreifen nennt. Wir haben nun bisher überraschend gute Erfahrungen, sogar auf diesem Gelände mit der „glatten“ Bereifung gemacht und sind froh, dass wir es ausprobiert haben.

Für ein aussagekräftiges Gesamturteil werden wir aber nach höherer Laufleistung und Passagen mit noch anderen Untergründen, wie etwa Tiefsand, einen detaillierteren Erfahrungsbericht verfassen.


DU BRAUCHST AUCH NEUE REIFEN?

Wir können Dir empfehlen Dich auch mal mit Ramin in Verbindung zu setzen. Das das Thema LKW Reifen für Offroader nicht nur sein Fachgebiet, sondern auch sein Hobby und Herzblut sind, das hat er uns zwar erzählt – aber das haben wir vor allem auch gemerkt. *lach* … und er möchte auch ganz und gar nicht jedem einen Straßenreifen verpassen! Du kannst Dich bei ihm also gut aufgehoben fühlen. Falls Du ihn telefonisch erreichen willst: Bitte nicht ungeduldig werden, es kann sein, dass er mal nicht ans Telefon gehen kann – einfach nochmal probieren!

Corint Reifen
Grenzstraße 2,
63128 Dietzenbach


Anzeige

Ein Kommentar zu “Straßenbereifung auf Offroad-LKW – HORROR! Oder doch nicht?”

  1. Sehr schöner Text.
    Mich freut es besonders, dass ihr Corint-Reifen bzw. Ramin hier erwähnt, mir hat er mal mit einem 14.00R20 ganz schon aus der Patsche geholfen, den er unkompliziert und schnell zu einem Freund schickte, der ihn mir dann nach Mauretanien mitbrachte.
    Wenn ihr Ramin mal seht, oder ihm schreibt, überbringt ihm bitte liebe Grüße von Sabine, Burkhard und der violetten Pistenkuh.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.