Straßenbereifung auf Offroad-LKW – HORROR! Oder doch nicht?

SabineAllgemein, Werkstatt6 Comments

Reifenlager Corint Reifen und Felgen

Was sich durch eine russische Baustelle wühlt, kann auch für einen Reise-LKW nicht schlecht sein. So der Gedanke, als wir unsere ersten Reifen zum Reisen kauften. Warum wir uns damit keinen großen Gefallen getan und was wir jetzt anders gemacht haben. *


Grundsätzlich lagen wir mit dem Vertrauen auf ein Baustellenprofil gar nicht mal so falsch. Was wir im Nachhinein nicht mehr machen würden: Ausgerechnet an den Reifen Geld sparen wollen.

Lieber ein bisschen mehr ausgeben und dann hat man was, das auch taugt, das ist aber auch leicht gesagt, bei dem Preis, den ein anständiger LKW Reifen zum Reisen so mit sich bringt. Beim Bau von Herman haben wir mal eben gut 45.000 Euro ausgegeben, da fehlt noch so eine Kleinigkeit – bzw. VIER Kleinigkeiten, für die man gerne mal ein paar Hundert Euro pro Stück hinlegt.

UNSER „SCHNÄPPCHEN“

Was für ein Unterschied soll das schon groß sein. Der russische Hersteller KAMA bietet neue Schlappen mit einem Profil das uns gefällt, für 265,- Euro das Stück – ein Schnäppchen! Wir brauchen 5 Stück und schlagen zu.

Sabine im Reifenstapel
Unsere ersten, neuen Reifen – noch gefallen sie uns

Eine Reise und ca 20.000 km später:

In der Zwischenzeit haben wir gefühlt 100 mal die Reifen auf der Felge gedreht, die Felgen gesäubert, Reifen von Felge zu Felge getauscht… Und das Fahrwerk überträgt noch immer das Fahrverhalten einer alten Waschmaschine.

Die Reifen sind für die paar Kilometer außerdem bereits extrem abgefahren und weisen eine starke Sägezahnbildung auf. Einige Stollen haben tiefe Risse, bevor wir wieder auf Tour gehen, kommen wir also um neue Schlappen nicht herum.

Vor der Entscheidung für einen neuen Reifen haben wir uns diesmal mehr Zeit genommen. Durften bereits unterwegs von den Erfahrungen anderer Reisender lernen und bekamen dann noch einen super Tipp von unserem lieben Freund Ulrich Dolde:

„Fragt mal den Ramin“, riet er uns. Und da wir Ulis Tipps vertrauen, haben wir das auch getan und Ramin besucht.

Unseren Besuch haben wir übrigens im Video-Tagebuch festgehalten.

Anzeige

SKEPSIS VERSUS REALITÄT

Ramins Empfehlung Nummer 1 kam bei der Auswahl unserer letzten Reifen mal wirklich so gar nicht zum Zuge:
„Lieber einen guten Gebrauchtreifen von einem Premiumhersteller, als einen neuen No-Name!“ … naja. Wenigstens waren wir mal in dem Glauben, ein Schnäppchen gemacht zu haben.

Von dieser Empfehlung haben wir uns ja noch recht schnell überzeugen lassen. Mit dem Profil, das wir jetzt letztendlich auch fahren, sieht das anders aus. Es gab für uns zwei gute Gründe, die Reifen, die Ramin uns ans Herz legte, absolut nicht zu mögen:

  1. Wir wollen Offroad fahren und es handelt sich um ein Straßenprofil
  2. Ein Straßenprofil sieht einfach mega Scheiße aus!

Für eine solche Bereifung sprechen dennoch viele gute Gründe, das mussten wir schon zugeben. Nicht zuletzt erinnerten wir uns an den wirklich extrem guten und sehr empfehlenswerten Artikel, den der liebe Thomas von Abseitsreisen zu diesem Thema geschrieben hat. Nach 5 Jahren Weltreiseerfahrung auf 5 Kontinenten, kommt er bei der Gegenüberstellung „Stollen- oder Straßenreifen“ zu einem klaren Ergebnis und (wenn wir seinem Fazit hier einfach einmal vorgreifen dürfen) es bleiben nach der geilen Offroadoptik nicht viele Argumente für die Stollenreifen übrig. Lies den Artikel von Thomas unbedingt einmal durch, wenn Du Dich für dieses Thema interessierst!
(Aufgrund der DSGVO dürfen wir diesen Artikel im Moment nicht mehr direkt verlinken. Du findest ihn hier: http://www.abseitsreisen[punkt]de/blog/reise-informationen/stollenreifen-vs-strassenreifen/)

Probieren geht also über lange drum herum grübeln und nicht zuletzt bekommt man nur so einen eigenen Vergleich, bevor wir in die richtig weit entfernten Länder aufbrechen wollen. Vorher könnten wir dann jetzt immer noch einmal wechseln.

Baustellenprofil auf LKW Reifen
Das neue Baustellenprofil der Straßenbereifung

STRASSENREIFEN – DIE ERSTEN ERFAHRUNGEN DAMIT

Laufruhe

Ja, ein kleiner Teil des schon angesprochenen „Waschmaschinen-Feelings“, das vom Fahrwerk kommt, ist tatsächlich auf die Trilex-Felgen zurück zu führen. Diese sehr unübliche Konstruktion ist zwar unglaublich praktisch, wenn Du mal mitten in der Pampa einen Reifen wechseln musst, aber nicht gerade ein Meisterwerk an Prazision und sie können nicht ausgewuchtet werden.

Reifen wecheln im Flussbett
Reifenwechsel in einem marokkanischen Wadi
Anzeige

Der andere (größere) Teil unserer Laufunruhe kam aber ganz offensichtlich von einer Unwucht der Reifen. Wir erinnern uns hiermit an Ramins Empfehlung Nummer 1.

Herman macht nun einen wesentlich ruhigeren Eindruck und man hat das Gefühl, dass er sicherer auf der Straße liegt. Gerade bei höheren Geschwindigkeiten. Ein sehr angenehmes Gefühl, das mit Sicherheit auch alle Gelenke und Lager im Fahrwerk mit uns teilen!


Spritverbrauch

Mit dem neuen Profil haben wir eine merkliche Spritersparnis von schätzungsweise einem guten Liter auf 100 km. Bei Hermans Gesamtverbrauch, unserem eigentlich viel zu klein bemessenen Tank und den Dieselpreisen, die wir gerade in Portugal bezahlen (bis zu 1,36 Euro), versöhnt uns das mit der Reifenoptik ein weiteres mal.


Geländetauglichkeit

Die ersten Pisten in Portugal liegen hinter uns und wir haben folgendes, schwierige Terrain unter die Räder genommen:

  • Nasse Felsplatten bei steiler Bergauffahrt
  • Nassen, unbefestigten Waldweg bei steiler Bergauffahrt
  • Losen Schotter bei steiler Bergauffahrt
  • Sehr tiefen Schlamm
  • Ein paar Kilometer über Wege, die komplett mit sehr groben, scharfkantigen Steinen verfüllt wurden

Wir müssen es gestehen: Wir haben dem neuen Profil bei unserer Abfahrt nicht viel zugetraut.

Die erste Überraschung erlebten wir jedoch, als wir uns im Gelände in der Richtung geirrt hatten. Es gab keinen anderen Weg, als einen steilen, nassen Waldweg, den wir gerade hinunter gekrochen waren, wieder hoch zu fahren. Unsere Erwartung durchdrehender Reifen und eines rutschenden Herman wurden jedoch GÄNZLICH enttäuscht. Ehrlich gesagt fragen wir uns, ob unsere alten Stollenreifen das genau so gut hingekriegt hätten.

Dieser Gedanke kam uns auch bei dem tiefen, lehmigen Schlamm, den wir am folgenden Tag durchfuhren. Nachdem der LKW erst bis knapp zur Achse eingesunken ist und quer auf dem Feldweg stand, hätten wir keinerlei Erwartung, ohne die Hilfe des zweiten Fahrzeugs, das uns begleitete wieder aus dem Loch heraus zu kommen. Aber natürlich startet man ja wenigstens einen Versuch. Leider haben wir die Szene nicht gefilmt, weil wir nicht dachten, dass es etwas zu filmen geben würde – doch Herman fuhr mit den Reifen, für die wir zuerst nichts übrig hatten wie auf Schienen auf dem Dreck!

Pistenfahren in Portugal
Anzeige

BAUSTELLENPROFIL – PERSÖNLICHES FAZIT

Nasse Wiese, Schlamm und Matsch. Eigentlich genau das, was man das Spezial-Einsatzgebiet von Stollenreifen nennt. Wir haben überraschend gute Erfahrungen, sogar auf diesem Gelände mit der „glatten“ Bereifung gemacht und sind froh, dass wir es ausprobiert haben!

Werden wir dabei bleiben? Nein, denn in der Zwischenzeit hat sich einiges geändert:

AB JETZT GIBT’S NOCH MEHR OFFROAD

Dafür haben wir nicht nur die Reifen, sondern das komplette Fahrzeug gewechselt. Die Stollenbereifung hat (nur) zwei entscheidende Punkte, die sie notwendig machen:

  • Die geilere Optik
  • Die letzten paar Prozent, die im Gelände dann doch fehlen, wenn es „etwas mehr sein darf“, beim Offroad fahren.

Genau auf diese letzten Prozent legen wir aber in Zukunft besonders viel Wert. Und auf die Optik ebenso. Ein Baustellenprofil würde zu DIESEM Fahrzeug, was wir jetzt aufbauen, nicht mehr passen. Wenn Du den Aufbau unseres neuen Herman 3 mitverfolgen möchtest:

Hier geht’s zur Umbau-Doku: Von der Feuerwehr zum Expeditionsmobil


Für welche Offroadreifen wir uns nach eingehender Beratung bei Ramin entscheiden und wie er uns direkt beibringt, Sprengringfelgen zu montieren, das siehst Du hier:

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: https://youtu.be/l9fmBQYgW4I

DU BRAUCHST OFFROADREIFEN?

Wir können Dir empfehlen Dich auch mal mit Ramin in Verbindung zu setzen. Das das Thema LKW Reifen für Offroader nicht nur sein Fachgebiet, sondern auch sein Hobby und Herzblut sind, das hat er uns erzählt – aber das haben wir vor allem auch gemerkt. lach … und er möchte auch ganz und gar nicht jedem einen Straßenreifen verpassen! Du kannst Dich bei ihm also gut aufgehoben fühlen. Falls Du ihn telefonisch erreichen willst: Bitte nicht ungeduldig werden, es kann öfter passieren, dass er mal nicht ans Telefon gehen kann – einfach nochmal probieren!

Corint Reifen und Felgen
Grenzstraße 2,
63128 Dietzenbach

0174-6801156
info@corint-reifen.de

DAS KÖNNTE DICH AUCH INTERESSIEREN

Anzeige

6 Kommentare zu “Straßenbereifung auf Offroad-LKW – HORROR! Oder doch nicht?”

  1. Sehr schöner Text.
    Mich freut es besonders, dass ihr Corint-Reifen bzw. Ramin hier erwähnt, mir hat er mal mit einem 14.00R20 ganz schon aus der Patsche geholfen, den er unkompliziert und schnell zu einem Freund schickte, der ihn mir dann nach Mauretanien mitbrachte.
    Wenn ihr Ramin mal seht, oder ihm schreibt, überbringt ihm bitte liebe Grüße von Sabine, Burkhard und der violetten Pistenkuh.

  2. Das hat uns unser Aufbauer Woelcke auch gesagt: das die meisten die grobstolligen Reifen aus optischen Gründen aufziehen. Wir werden an unserem Mercedes Vario 4×4 deshalb Michelin XZY aufziehen, also Reifen, die zu je 50% für die Strasse und die Baustelle gemacht sind und haben uns dabei auch von den Erfahrungen anderer Langzeitreisenden leiten lassen (zB Mankei Travel). Die Reifen sehen nicht brachial aus, haben aber eine Topqualität.

  3. Tja, das Problem mit Stollenreifen gibt es auch bei kleineren Allradlern.
    Auf meinem Wrangler JKU hatte ich bis vor kurzem auch Stollenreifen (Cooper STT und danach Hangkook MTRT) und ich hatte die Nase langsam voll weil :
    – nach kurzer Zeit „Schuppen“-Bildung und somit wie auf Ziegeln zu fahren
    – auf nasser Strasse oder Winter zum wegschmeissen
    Nach Rücksprache mit Leuten mit etwas mehr Erfahrung und meinem Jeep-Händler Garage Weimerskirch in Junglinster (L) habe ich jetzt A/T drauf (BF Goodrich All Terrain) und ich kann nur sagen „warum habe ich solange gewartet“.
    Sind einige Kollegen die den Reifen auf mittleren bis schweren 4×4-Fahrzeugen drauf haben, inklusive auf US-Pick ups, Sprinter 4×4 und Iveco Daily 4×4.
    Auf LKW habe ich keine Erfahrung aber ein Kumpel der ein Bauunternehmen hat der hat auf all seinen LKW’s Michelin aus der Reihe X-Works drauf, kommt einem AT gleich.

    1. Hallo Tuggi! 🙂

      Danke für Deine Erfahrungen!
      Ja, es ist echt ein unglaublicher Unterschied, welche Reifen man wählt. Wir haben die neuen jetzt auch schon ein paar Tausend Kilometer gefahren und können nur sagen, SO wenig Diesel haben wir vorher noch NIE verbraucht! Wahnsinn, das hat sich echt gelohnt!

      Wir schicken Dir die aller besten Grüße aus Portugal, lass es Dir gut gehen,
      Sabine und Micha

  4. Hallo ihr beiden, wieder ein toller Erfahrungsbericht von euch.

    Auf meinen Steyr 12S21 fahre ich Baustellenreifen von BRIDGESTONE M748 M+S in der Größe 365/80 R 20 oder auch 14,5R20. Als ich das Fahrzeug von der Feuerwehr gekauft habe war er mit 10R22.5 Zwillig bereift. Diese Asphaltschlitzer waren schon sehr alt und fahren wollte ich die auch nicht. Reifen mit Trailerzulassung haben besonders starke Flanken um die Scheerkräfte des Trailers beim rangieren aufzunehmen. Mit 164K Traglastindex ( 5000 Tonnen je Reifen) habe ich bei meinem Fahrzeuggewicht von Reisefertig rund 8,8 Tonnen viel Reserve. Der M748 hat eine Zulassung für alle Achsen. Für die Reifen mit Original Steyrfelgen habe ich mich damals aus Kostengründen entschieden, fünf Reifen mit Felgen haben genau so viel gekostet wie ein 14.00R20 MICHELIN XZL ohne Felge. Der Vorbesitzer hat nach ca. 10.000 Km auf 14er Reifen mit Stollen umgestellt, vermutlich wegen der Optik. Die Reifen haben nun rund 25.000 Km drauf und bis zum Nachschneiden werde es nochmal ca. 20.000 Km. Die geringe Laufleistung liegt vermutlich an den Geschwindigkeiten, die ich bei den langen Autobahnanreisen so fahre. Aber von Sägezahn ist keine Spur zu sehen
    Stollen bin ich noch nie gefahren, darum kann ich dazu nichts berichten. Bis 110 Km/h habe ich ein sehr sicheres Fahrgefühl, darüber wird es etwas schwammig. Ich vermute das der Steyr nicht für diese Geschwindigkeiten gebaut wurde. Das Abrollgeräusch empfinde ich als leise. Auf Eis und Schnee habe ich durch die M+S Zulassung ein gutes Gefühl. Die Bremseigenschaften bei Regen empfinde ich als Sicher und Gut. Auf der ruppigen Piste lasse ich von den 7,5 Bar etwas ab und finde das recht komfortabel. Krassen Matsch und Schlamm bin ich noch nicht gefahren. Für Notfälle…habe ich 4 Ketten dabei, musste diese jedoch noch nie aufziehen. In die Wüste fahre ich erst nächstes Monat, werde dann aber erneut berichten wie sich das Profil im Sand geschlagen hat.
    Mein Fazit: Die nächsten Reifen haben wieder Baustellenprofil.

    Liebe Grüße

    Anton

    1. Wow, vielen lieben Dank für Deinen tollen, ausführlichen Erfahrungsbericht, Anton!
      Solche Infos sind echt wertvolle Entscheidungshilfen, wenn man sich bei der Suche noch nicht ganz so sicher ist.
      Aller beste Grüße an Dich zurück,
      Sabine und Micha

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.