Schlangenbisse – vorbeugen und erste Hilfe

MichaelKnow-How4 Comments

 
 

Durch richtiges Verhalten, kann man Schlangenbissen oder dem Stich durch Skorpione vorbeugen. Wie Du Dich schützen kannst und was es zu tun gibt, wenn doch etwas passiert ist, erfährst Du hier!

Auf unserer Tour durch Marokko erkundeten wir die wunderschöne Umgebung der Fort Bou-Jerif. Dieses kleine Gebiet ist ein wahrhaftiges Paradies für Tierbeobachtungen und gilt unter anderem als eines der schlangenreichsten der Erde. Auch die hoch giftige schwarze Kobra nennt dies ihr Zuhause. Wir haben uns mal damit befasst, was man tun kann, um Bissen vorzubeugen – und was man unternehmen muss, wenn es passiert ist!

Vorsichtsmaßnahmen
und umsichtiges Verhalten

  • Schlangen sind sehr erschütterungsempfindlich, wenn Du beim Laufen fest auftritts, ziehen sie sich meist schon zurück.
  • Liegt in einem schlangenreichen Gebiet ein stark bewachsenes Stück Weg vor Dir, so dass Du nicht ausschließen kannst, eine Schlange zu übersehen, kannst Du vor Deinen Tritten den Boden mit einem Stock abklopfen.
  • Menschen gehören nicht ins Beuteschema von Schlangen. Sie beißen nur, wenn sie sich bedroht oder in die Enge getrieben fühlen. Deswegen versuche nie eine Schlange anzufassen (auch nicht mit einem Stock!) und niemals ihr den Fluchtweg abzuschneiden!
  • Trage feste, über den Knöchel reichende Schuhe und lange Hosen! Wenn Du eine Schlange übersehen haben solltest, sie sich bedroht fühlt und beißt, schützt Dich die entsprechende Kleidung am besten.
  • Skorpione verstecken sich sehr gerne in abgelegten Kleidungsstücken oder Schuhen! Deshalb immer ausschütteln und kontrollieren!
  • Die Tiere bewohnen Spalten und kleine Höhlen. In solchen Gegenden daher niemals in Zwischenräume oder Ecken, auch Obstkörbe oder ähnliches greifen, wenn Du nicht wirklich sehen kannst, was sich dort alles befindet!
  • Vorsicht deswegen auch, wenn Steine umgedreht oder verwendet werden um zum Beispiel eine Einfriedung für’s Lagerfeuer zu bauen. Der giftige Feldskorpion, den wir angetroffen haben, war zum Beispiel unter einem Stein versteckt, den wir als Wegrollsicherung hinter Hermans Reifen packen wollten!
  • Die Tiere sind vor allem dämmerrungsaktiv. Bei Spaziergängen eine gute Taschenlampe dabei haben, um auszuleuchten, wo Du hintrittst!
  • Auf unserem Stellplatz am Fort Bou-Jerif parkten wir an einem kleinen Hang. Beim Runterlaufen zum Fluss trat man über zahlreiche, kleine Vorsprünge hinweg. Dies sind beliebte Ruheplätze für Schlangen, die wir beim darüber hinwegsteigen von oben nicht sehen können. Gleichzeitig wird unser Fuß so nah an dem Versteck aufkommen, dass dies für das Tier einen direkten Angriff darstellt. Also auch hier wieder: Wege nehmen, bei denen man sehen kann, wohin man tritt
  • Halte den Hund bei Dir! Wir können aus eigener Beobachtung sagen: Ein Hund erkennt die Gefahr NICHT und hält auch nicht von sich aus einen Sicherheitsabstand, wie es manchmal heißt!!
  • Wenn Du plötzlich nahe an einer Schlange bist: Vermeide plötzliche, schnelle Bewegungen und entferne Dich ohne Hast!
  • Bleibe auf dem Weg und trete nur dahin, wo Du den Boden einsehen kannst – NICHT durch Gebüsch oder Sträucher gehen!
  • Wenn Du mit dem Zelt unterwegs bist, halte IMMER den Reißverschluss geschlossen!
  • Wenn Du unter freiem Himmel schläfst, verwende auf jeden Fall ein solches Moskitonetz, dass Du am Boden eingraben kannst!

Erste Hilfe nach einem Biss

  • Wenn Du oder jemand aus Deiner Gruppe von einer Schlange gebissen worden ist: Das Gift NICHT versuchen auszusaugen, auszubrennen, auszubluten oder die Gliedmaße abbinden! Der Grund dafür ist, dass das Gift nicht an der Oberfläche der Wunde sitzt, sondern recht tief im Gewebe deponiert wird. Alle Maßnahmen, die man ergreift, um an der Wunde herum zu manipulieren, bewirken nur, dass sich die gebissene Person noch mehr aufregt und durch den beschleunigten Puls das Gift noch schneller im Körper verteilt wird. Zum Aufstechen und ausbluten müsste man mit dem Messer so tief ins Gewebe, dass der Betroffene leicht verbluten könnte. Dem Abbinden konnte keine Wirkung nachgewiesen werden!
  • Stelle das Körperteil strickt ruhig. Arm in eine Schlinge oder Bein schienen!
  • Die verletzte Person möglichst im Liegen zu einem Arzt bringen.
  • Wenn möglich ein Foto der Schlange machen. Je genauer sie identifiziert werden kann, desto besser kann die Behandlung und ggf das Gegengift ausgesucht werden.
  • Wenn die Schlange in aller Panik getötet wurde: Achtung! Die Reflexe können selbst bei einem toten Tier zu einem weiteren Biss führen und in aller Regel ist noch genug Gift für diesen vorhanden!

Wenn kein Arzt erreichbar ist

An Plätzen wie dem Fort Bou-Jerif zum Beispeil ist kein Arzt weit und breit. Und selbst falls da einer wäre: Es ist bekannt, dass der nächte Ort, an dem Du ein Gegengift nach einem Biss der schwarzen Kobra bekommt, Casablanca ist – eine Fahrzeit von über 8 Stunden. Die Zeitspanne, die Dir im Fall eines solchen Bisses, bei dem Gift in die Wunde injiziert wurde zum Handeln bleibt, beträgt allerdings maximal eine halbe Stunde. Hier würden wir nach eingehender Recherche der Möglichkeiten tatsächlich dazu raten, ein Skalpell dabei zu haben, eine Spritze zum Aussaugen der Wunde und die Dinge für einen Druckverband, die sich eigentlich eh im Erste Hilfe Kasten befinden sollten! So eine kleine Vakuumpumpe zum Aussaugen des Giftes bekommst Du zum Beispiel in solchen Sets zur Behandlung nach Schlangenbissen. Aber wie gesagt: Die Argumentation in mehreren Fachartikeln, die wir gelesen haben, sind schlüssig, dass man dies erst versuchen sollte, wenn sonst KEINE ANDERE MÖGLICHKEIT MEHR besteht!

Auch noch gut zu wissen

In etwa 50% der Fälle beißt eine Giftschlange „trocken“. Sie nutzt ihre Zähne um sich zu verteidigen, wenn sie sich bedroht fühlt – etwa wenn wir sie übersehen haben und ihr aus Versehen zu nah auf den Leib rücken. In ihr Beuteschema gehören wir allerdings nicht und sie wäre uns lieber ausgewichen, wenn sie die Chance gehabt hätte. Das Gift spart sie sich lieber auf, um was essbares zu erlegen. Selbstverständlich sollte man aber dennoch immer davon ausgehen, dass Gift in die Wunde injiziert wurde, bis das Gegenteil bewiesen ist! Alle Maßnahmen sind zu treffen um hierauf richtig und schnell zu reagieren. Nutze diese Information aber, um der verletzten Person möglichst Ruhe zu vermitteln – sprich ihr beruhigend zu! Je weniger der Verletzte in Panik gerät und je ruhiger sein Puls bleibt, um so langsamer wird sich das potenziell eingedrungene Gift im Körper verteilen!


Haben wir was vergessen?

Viele von Euch sind ja selbst Reisende und haben vielleicht schon Erfahrungen mit Schlangen und Skorpionen gemacht.
Wenn Du noch einen guten Tipp zur ersten Hilfe hast oder weißt, wie man sich richtig verhalten sollte … hier sind die Mitleser bestimmt um alle Informationen dankbar und wir freuen wir uns somit sehr über jeden Kommentar!

4 Kommentare zu “Schlangenbisse – vorbeugen und erste Hilfe”

  1. Hallo zusammen, mit dem Thema hatte ich mich für meinen Erste-Hilfe-Artikel auch schon auseinandergesetzt. Wichtig wäre noch, Ringe und sowas auszuziehen, da die Finger anschwellen können. Im Winter fallen Schlangen und Skorpione in eine Winterstarre, da ist die Gefahr auf diese Tiere zu treffen sehr gering. Liebe Grüße, nik

    1. Hallo Nik! 🙂

      Das ist echt ein sehr, sehr guter Hinweis an den wir nicht gedacht haben, die Ringe und sowas auszuziehen! Danke dafür! :))

      Hat es Temperaturen um den Gefrierpunkt ist es aufgrund der von Dir angesprochenen Kältestarre wirklich extrem unwahrscheinlich, auf eine Schlange zu treffen. Doch zum Beispiel hier, am Fort Bou-Jerif, wird es dafür einfach nie kalt genug und die Schlangen sind das ganze Jahr über aktiv! Das sollte man bei einem Winter in warmen Gefilden unbedingt bedenken!

      Wir schicken Dir ganz liebe Grüße aus dem Herman,
      Sabine und Micha

  2. Kleidungsstücke umgedreht im Koffer Rucksack oder Schrank lagen. So muss man sie vor dem Anziehen immer umdrehen, was dass Risiko eines Skorpionbisses reduziert. Insbesondere findet man häufig die Jungtiere in den Sachen.

    1. Danke für Deinen Tipp, Friedie!
      Da spricht scheinbar Erfahrung mit den interessanten Tierchen!?! 🙂
      Super, wenn die Liste mit Tipps hier immer wieder ergänzt wird, so dass andere ohne Angst in Gebiete reisen können, in denen man solche tierischen Begegnungen haben kann!
      Aller beste Grüße und weiter unheimlich tolle Reisen,
      Sabine und Micha

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