Plage Blanche und Fort Bou-Jerif

SabineMarokko, Offroad, Reisen

Plage Blanche mit dem Expeditionsmobil

Vom Plage Blanche haben wir schon häufig die Bilder bewundert, auf denen die Sanddünen der Wüste direkt bis ans Meer heran reichen. Jetzt werden wir das endlich mal mit eigenen Augen sehen!


Los geht es an der heißen Quelle in der Nähe von Guelmim. Satte 40 Grad hat das Wasser, das hier aus dem Boden sprudelt, wie aus einem „Pilz“ im Schwimmbad. Hier füllen wir nochmal unsere Vorräte für die nächsten Tage auf Pisten.

Heiße Quellen und Kamele

Die letzten Tage haben wir in der steppenartigen Landschaft, nahe der Quelle verbracht. Ein beruhigender Einfluss geht von der großen Ebene aus. Hier passiert nichts. Lediglich große Herden Dromedare ziehen ab und zu beim Beweiden der dornigen Büsche an unserem geparkten Zuhause vorbei. Wir lieben den Anblick dieser Herden.

Der völlig relaxte Eindruck, den die flauschigen Tiere machen, färbt irgendwie ab und selbst nach fünf Monaten in Marokkos Süden haben wir uns noch nicht an diesen ungewöhnlichen Anblick gewöhnt … da stehst Du in der Küche und schmierst Dir ein Brot, und plötzlich stehen vor Deinem Fenster ein paar Kamele! Wir lieben es! So ein bisschen sind diese Augenblicke immer unsere persönliche 1001 Nacht.
Märchenhafte Begegnung

Aber wie das mit Märchen so ist: Sie sind zum träumen und nicht zum anfassen da! Immer? Nein, manchmal passiert auch ein kleines Wunder. So wie heute.

Dromedar lässt sich streicheln
Ein Dromedarmädchen aus einer Herde möchte gerne kuscheln

Der Dromedar-Kuschelfaktor. Bei erwachsenen Exemplaren ja schon in schwindelerregenden Höhen, finden wir die Herden jetzt, wo sie Fohlen dabei haben, fast unwiederstehlich. Das Problem: Sie vermeiden den direkten Kontakt zu Menschen wie uns, denen sie zufällig begegnen. Nicht, dass sie besonders scheu wären und abhauen würden … aber sie interessieren sich auch nicht die Bohne! Macht man einen Schritt auf sie zu, gehen sie in aller Seelenruhe diesen Schritt von einem weg.

Wir haben also recht schnell gelernt, die Herden verträumt aus der Ferne zu bewundern – wenn man ein paar Armlängen mal als „Ferne“ bezeichnen darf. Doch ein Dromedarmädchen scheint sich diesmal besonders für uns zu interessieren.

Sie kommt auf uns zu, beobachtet uns minutenlang. So stehen wir uns direkt gegenüber, und jeder scheint gespannt zu warten, was der andere gleich macht. Wahrscheinlich kannst Du Dir denken, dass wir dem Versuch einer Kontaktaufnahme nicht all zu lang wiederstehen konnten. Das Eis, das es zwischen uns zu brechen galt, war so dünn wie ein Blatt Papier und ehe man mit der Wimper zucken kann, ist eine ausgiebige Schmuseeinheit im Gange.

Die Herde unserer neuen Herzdame ist bereits weiter und an uns vorbeigezogen, als wir denken, dass sie den anderen jetzt eigentlich mal folgen sollte, um den Anschluss nicht zu verpassen. Wir müssen sie ernsthaft zum Gehen auffordern, bevor sie sich in Bewegung setzt. Nach wenigen Metern bleibt sie stehen und dreht sich noch einmal zu uns um … es war wirklich eine Begegnung wie aus dem Bilderbuch! Keine Frage: Wir sind verliebt!

Weiter mit Freunden

Am liebsten würden wir nun hier bleiben um abzuwarten, ob die Herde des süßen Kamelmädchens noch einmal an dieser Stelle vorbeizieht. Würde sie uns vielleicht tatsächlich ein zweites mal besuchen?

Doch ein Märchen wird vermutlich nicht zwei mal direkt hintereinander wahr und außerdem – wir müssten einen Kamelanhänger für Herman bauen, wenn dem so wäre!

Also machen wir uns auf den Weg, wir sind verabredet. Ein weiteres mal wollen wir mit Edith und Ulrich Dolde auf Pistentour gehen.

Fort Bou-Jerif, Lagerfeuer am Expeditionsmobil in der Nacht
Expeditionsmobil unserer Freunde Uli und Edith: Hier Besichtigen!

Gemeinsam erreichen wir das Fort Bou-Jerif, dass sich innerhalb von kürzester Zeit zu einem unserer Lieblingsorte mausert. Die umliegende Landschaft wird von Kakteen bevölkert, die von weitem aussehen, als hätte man lauter Sitzsäcke in die Landschaft plumpsen lassen. Echt stachelige Sitzkissen aber scheinbar genau richtig für die großen, farbenprächtigen Echsen hier. In der Mittagshitze machen sie es sich darauf gemütlich und tanken Sonne.

Im Flüsschen, dass sich durch sein felsiges Bett windet, fischen große Reiher und wo man nur hinsieht, tummeln sich Schildkröten im und am Wasser. Die Flora und Fauna gleicht einem kleinen Paradies! Einige der tierischen Bewohner mahnen uns aber auch zu Wachsamkeit und besonderer Vorsicht. Das kleine Gebiet um das Fort Bou-Jerif zählt zu den schlangenreichsten Gebieten der Erde. Die wunderschöne aber auch tödliche schwarze Kobra nennt dies unter anderem ihr Zuhause. Micha ist wohl eine schlangenverwandte Seele – keiner seiner Spaziergänge am Fort Bou-Jerif verläuft ohne eine neue Begegnung. Ich habe dagegen weniger Glück, obwohl ausgerechnet ich mir vorgenommen hatte, das Gebiet nicht zu verlassen, ohne eine Kobra gesehen zu haben. Naja … man kann wohl nicht alles haben.

Bei niedrigem Wasserstand kann der Mini-Fluss am Fort Bou-Jerif gequert werden.
Blick aus dem Schlafzimmerfenster unseres Wohnmobil am Fort Bou-Jerif
Morgens mit einem solchen Blick aus dem Schlafzimmerfenster aufzuwachen – absolut unbezahlbar!
Tipp:

Möchtest Du an Orte fahren, die mit einer solchen Artenvielfalt gesegnet sind, solltest Du dafür sorgen, sie ohne Schaden genießen zu können. Was Du tun kannst um Schlangenbisse zu vermeiden – und was zu tun ist, wenn es trotzdem passiert ist? Lies hier:

Weiter zum Plage Blanche

Ohne meine Kobrasichtung geht es weiter. Der Plage Blanche erwartet uns. Bis wir das nördliche Ende erreichen, fahren wir, ihr werdet es kaum glauben … Teerstraße! Ja, tatsächlich richtig gehört. Und dass, obwohl eine Traumpiste das Fort Bou-Jerif und den Plage Blance verbinden soll. Für die Temperaturen der letzten Tage gibt es allerdings einen passenden Begriff: Bullenhitze!

Das Thermometer klettert auf 36 Grad und unserer alten Hundedame wollen wir es nicht antun, bei diesem Wetter im Kriechgang durch die Landschaft zu gurken. Der Fahrtwind auf einer echten Straße und ein nasses Handtuch machen die Sache für Fenja doch wesentlich erträglicher.

Hier treffen wir wieder auf Edith und Ulrich und unter der kühlenden Wirkung des Atlantikwindes, geht es für uns wieder gemeinsam voran. An den südlichen Teil des Plage Blanche zieht es uns.

Horrorpiste zum Plage Blanche Sud

So toll die Piste, die wir nun verpasst haben laut Edith und Ulrich gewesen sein soll – so besch…eiden ist die, bis zum südlichen Wendepunkt unserer diesjährigen Marokkoreise. Mit weniger als Schritttempo kämpfen wir uns über die Holperpiste.

Die Bodenbeschaffenheit in Kombination mit der Nullfederung unseres 680 Fahrerhauses, lockert die Schrauben am LKW und die Plomben in den Zähnen! Irgendwann ist da nur noch ein lautes Dröhnen, das sich zusammensetzt aus dem Lärm im LKW und den Kopfschmerzen, die das Ganze macht. Und dann sind wir da – kaum zu glauben, nach dieser Fahrerei aber es hat sich tatsächlich gelohnt!

Naturschönheit mit menschlichem Fingerabdruck

Der Anblick der Sanddünen, die zum Strand und den Wellen des Atlantiks hin auslaufen ist einfach umwerfend. Wir parken die Wohnmobile auf einer Klippe und überblicken dieses atemberaubende Naturschauspiel von oben. Kaum zu glauben, welche Schönheit sich hier vor unseren Augen ausbreitet.

Plage Blanche mit dem Expeditionsmobil
Wir gehen auf den Dünen am Plage Blanche spazieren

Anders als in Erg Chebbi oder Erg Chegaga, den beiden großen Sandwüsten Marokkos, sind unsere Spuren hier die einzigen im Sand der Dünen.

Natürlich lassen wir es uns nicht nehmen, die Klippe hinunter zu steigen und das Sandfeld hin zum Ocean zu überqueren. Ein traumhafter, wenn auch anstrengender Spaziergang, denn die Dünen sind höher, als sie aus der Ferne aussehen!

Leider ist mit dem Erklimmen des letzten Dünenkammes und dem Ausblick auf den nun nahen Strand der Zauber dahin. Am Strand sammelt sich der angeschwemmte Plastikmüll der Wegwerfgesellschaft. Wie viel davon wird erst gar nicht hier angekommen, sondern in den Mägen von Meeresbewohnern, die daran sterben gelandet sein?

Eine von vielen Fragen, die uns dazu durch den Kopf gehen und uns traurig und wütend zugleich machen. Diese Erfahrung verfestigt mit so vielen anderen unseren immer stärker werdenden Wunsch, uns dem Diktat des Müllproduzierens zu entziehen. Wenn jeder Konsumment für sich selbst den Grundsatz schafft, so wenig wie möglich Müll einzukaufen, dann landet jeden Tag ein bisschen weniger in unseren Meeren, in unserer Umwelt an Land, in unserer Atemluft und in unserem eigenen Körper!

Am Abend hüllt ein unvergesslicher Sonnenuntergang die kunstvoll geschwungenen Gebilde aus Sand in ein fast schon unnatürlich märchenhaft wirkendes Licht. Auf der Klippe verbringen wir den Abend bei Rotwein mit Edith und Ulrich.

Und schon heißt es wieder Abschied nehmen vom Plage Blanche.
Auf diesmal besser zu befahrender Piste geht es in die Zivilisation und damit verlassen wir den südlichen Wendepunkt unserer Marokkoreise. Doch so viel mehr Plätze gibt es noch zu entdecken! Wir sind gespannt, was uns noch alles erwartet!

Du möchtest die GPS Tracks zum Fort Bou-Jerif und dem Plage Blanche zum selber fahren?

Hier gibt’s den GPS Reiseführer*!

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