Plage Blanche und Fort Bou-Jerif

SabineMarokko, Offroad, Reisen10 Comments

 
 

Der Plage Blanche. Schon häufig haben wir die Bilder bewundert, auf denen die Sanddünen der Wüste direkt bis ans Meer heranreichen. Jetzt werden wir das endlich mal mit eigenen Augen sehen!

Los geht es an der heißen Quelle in der Nähe von Guelmim. Satte 40 Grad hat das Wasser, das hier aus dem Boden sprudelt, wie aus einem „Pilz“ im Schwimmbad. Hier füllen wir nochmal unsere Vorräte für die nächsten Tage auf Pisten.


Heiße Quellen und Kamele

Die letzten Tage haben wir in der steppenartigen Landschaft, nahe der Quelle verbracht. Ein beruhigender Einfluss geht von der großen Ebene aus. Hier passiert nichts. Lediglich große Herden Dromedare ziehen ab und zu beim Beweiden der dornigen Büsche an unserem geparkten Zuhause vorbei. Wir lieben den Anblick dieser Herden. Der völlig relaxte Eindruck, den die flauschigen Tiere machen, färbt irgendwie ab und selbst nach fünf Monaten in Marokkos Süden haben wir uns noch nicht an diesen ungewöhnlichen Anblick gewöhnt … da stehst Du in der Küche und schmierst Dir ein Brot, und plötzlich stehen vor Deinem Fenster ein paar Kamele! Wir lieben es! So ein bisschen sind diese Augenblicke immer unsere persönliche 1001 Nacht.


Märchenhafte Begegnung

Aber wie das mit Märchen so ist: Sie sind zum träumen und nicht zum anfassen da! Immer? Nein, manchmal passiert auch ein kleines Wunder. So wie heute:

Dromedar in Guelmim Fort Bou Jerif

Der Dromedar-Kuschelfaktor. Bei erwachsenen Exemplaren ja schon in schwindelerregenden Höhen, finden wir die Herden jetzt, wo sie Fohlen dabei haben, fast unwiederstehlich. Das Problem: Sie vermeiden den direkten Kontakt zu Menschen wie uns, denen sie zufällig begegnen. Nicht, dass sie besonders scheu wären und abhauen würden … aber sie interessieren sich auch nicht die Bohne! Macht man einen Schritt auf sie zu, gehen sie in aller Seelenruhe diesen Schritt von einem weg. Wir haben also recht schnell gelernt, die Herden verträumt aus der Ferne zu bewundern – wenn man ein paar Armlängen mal als „Ferne“ bezeichnen darf. Doch ein Dromedarmädchen scheint sich diesmal besonders für uns zu interessieren. Sie kommt auf uns zu, beobachtet uns minutenlang. So stehen wir uns direkt gegenüber, und jeder scheint gespannt zu warten, was der andere gleich macht. Wahrscheinlich kannst Du Dir denken, dass wir dem Versuch einer Kontaktaufnahme nicht all zu lang wiederstehen konnten. Das Eis, das es zwischen uns zu brechen galt, war so dünn wie ein Blatt Papier und ehe man mit der Wimper zucken kann, ist eine ausgiebige Schmuseeinheit im Gange. Die Herde unserer neuen Herzdame ist bereits weiter und an uns vorbeigezogen, als wir denken, dass sie den anderen jetzt eigentlich mal folgen sollte, um den Anschluss nicht zu verpassen. Wir müssen sie ernsthaft zum Gehen auffordern, bevor sie sich in Bewegung setzt. Nach wenigen Metern bleibt sie stehen und dreht sich noch einmal zu uns um … es war wirklich eine Begegnung wie aus dem Bilderbuch! Keine Frage: Wir sind verliebt!


Weiter mit Freunden

Am liebsten würden wir nun hier bleiben um abzuwarten, ob die Herde des süßen Kamelmädchens noch einmal an dieser Stelle vorbeizieht. Würde sie uns vielleicht tatsächlich ein zweites mal besuchen?

Doch ein Märchen wird vermutlich nicht zwei mal direkt hintereinander wahr und außerdem – wir müssten einen Kamelanhänger für Herman bauen, wenn dem so wäre!

Also machen wir uns auf den Weg, wir sind verabredet. Ein weiteres mal wollen wir mit Edith und Ulrich Dolde auf Pistentour gehen.

Edith und Ulrich Dolde

Fort Bou-Jerif

Gemeinsam erreichen wir das Fort Bou-Jerif, dass sich innerhalb von kürzester Zeit zu einem unserer Lieblingsorte mausert. Die umliegende Landschaft wird von Kakteen bevölkert, die von weitem aussehen, als hätte man lauter Sitzsäcke in die Landschaft plumpsen lassen. Echt stachelige Sitzkissen aber scheinbar genau richtig für die großen, farbenprächtigen Echsen hier. In der Mittagshitze machen sie es sich darauf gemütlich und tanken Sonne. Im Flüsschen, dass sich durch sein felsiges Bett windet, fischen große Reiher und wo man nur hinsieht, tummeln sich Schildkröten im und am Wasser. Die Flora und Fauna gleicht einem kleinen Paradies! Einige der tierischen Bewohner mahnen uns aber auch zu Wachsamkeit und besonderer Vorsicht. Das kleine Gebiet um das Fort Bou-Jerif zählt zu den schlangenreichsten Gebieten der Erde. Die wunderschöne aber auch tödliche schwarze Kobra nennt dies unter anderem ihr Zuhause. Micha ist wohl eine schlangenverwandte Seele – keiner seiner Spaziergänge am Fort Bou-Jerif verläuft ohne eine neue Begegnung. Ich habe dagegen weniger Glück, obwohl ausgerechnet ich mir vorgenommen hatte, das Gebiet nicht zu verlassen, ohne eine Kobra gesehen zu haben. Naja … man kann wohl nicht alles haben.

Fort Bou Jerif

Morgens mit einem solchen Blick aus dem Fenster aufzuwachen – absolut unbezahlbar!

LESETIPP

Du möchtest alle Tipps, um Bisse von Schlangen oder Stiche von Skorpionen zu vermeiden? Dann schau unbedingt in diesen Artikel!

Schlangen am Fort Bou Jerif
Vorbeugung und erste Hilfe

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Plage Blanche Nord

Ohne meine Kobrasichtung geht es weiter. Der Plage Blanche erwartet uns. Bis wir das nördliche Ende erreichen, fahren wir, ihr werdet es kaum glauben … Teerstraße! Ja, tatsächlich richtig gehört. Und dass, obwohl eine Traumpiste das Fort Bou-Jerif und den Plage Blance verbinden soll. Für die Temperaturen der letzten Tage gibt es allerdings einen passenden Begriff: Bullenhitze! Das Thermometer klettert auf 36 Grad und unserer alten Hundedame wollen wir es nicht antun, bei diesem Wetter im Kriechgang durch die Landschaft zu gurken. Der Fahrtwind auf einer echten Straße und ein nasses Handtuch machen die Sache für Fenja doch wesentlich erträglicher. Hier treffen wir wieder auf Edith und Ulrich und unter der kühlenden Wirkung des Atlantikwindes, geht es für uns wieder gemeinsam voran. An den südlichen Teil des Plage Blanche zieht es uns.



Horrorpiste zum Plage Blanche Süd

So toll die Piste, die wir nun verpasst haben laut Edith und Ulrich gewesen sein soll – so besch…eiden ist die, bis zum südlichen Wendepunkt unserer diesjährigen Marokkoreise. Mit weniger als Schritttempo kämpfen wir uns über die Holperpiste. Die Bodenbeschaffenheit in Kombination mit der Nullfederung unseres 680 Fahrerhauses, lockert die Schrauben am LKW und die Plomben in den Zähnen! Irgendwann ist da nur noch ein lautes Dröhnen, das sich zusammensetzt aus dem Lärm im LKW und den Kopfschmerzen, die das Ganze macht. Und dann sind wir da – kaum zu glauben, nach dieser Fahrerei aber es hat sich tatsächlich gelohnt!


Naturschönheit mit menschlichem Fingerabdruck

Der Anblick der Sanddünen, die zum Strand und den Wellen des Atlantiks hin auslaufen ist einfach umwerfend. Wir parken die Wohnmobile auf einer Klippe und überblicken dieses atemberaubende Naturschauspiel von oben. Kaum zu glauben, welche Schönheit sich hier vor unseren Augen ausbreitet.

Dünen am Plage Blanche

Anders als in Erg Chebbi oder Erg Chegaga, den beiden großen Sandwüsten Marokkos, sind unsere Spuren hier die einzigen im Sand der Dünen. Natürlich lassen wir es uns nicht nehmen, die Klippe hinunter zu steigen und das Sandfeld hin zum Ocean zu überqueren. Ein traumhafter, wenn auch anstrengender Spaziergang, denn die Dünen sind höher, als sie aus der Ferne aussehen! Leider ist mit dem Erklimmen des letzten Dünenkammes und dem Ausblick auf den nun nahen Strand der Zauber dahin. Am Strand sammelt sich der angeschwemmte Plastikmüll der Wegwerfgesellschaft. Wie viel davon wird erst gar nicht hier angekommen, sondern in den Mägen von Meeresbewohnern, die daran sterben gelandet sein? Eine von vielen Fragen, die uns dazu durch den Kopf gehen und uns traurig und wütend zugleich machen. Diese Erfahrung verfestigt mit so vielen anderen unseren immer stärker werdenden Wunsch, uns dem Diktat des Müllproduzierens zu entziehen. Wenn jeder Konsumment für sich selbst den Grundsatz schafft, so wenig wie möglich Müll einzukaufen, dann landet jeden Tag ein bisschen weniger in unseren Meeren, in unserer Umwelt an Land, in unserer Atemluft und in unserem eigenen Körper!

Klippen am Plage Blanche

Am Abend hüllt ein unvergesslicher Sonnenuntergang die kunstvoll geschwungenen Gebilde aus Sand in ein fast schon unnatürlich märchenhaft wirkendes Licht. Auf der Klippe verbringen wir den Abend bei Rotwein mit Edith und Ulrich.


Südlicher Wendepunkt – was werden wir als nächstes entdecken

Und schon heißt es wieder Abschied nehmen vom Plage Blanche.
Auf diesmal besser zu befahrender Piste geht es in die Zivilisation und damit verlassen wir den südlichen Wendepunkt unserer Marokkoreise. Doch so viel mehr Plätze gibt es noch zu entdecken! Wir sind gespannt, was uns noch alles erwartet!

10 Kommentare zu “Plage Blanche und Fort Bou-Jerif”

  1. Moin,
    bei solchen An- und Ausblicken werde ich immer demütig! Was soll man da schreiben? Ich lass es daher! Euch noch viele solche Erlebnisse und weiterhin gute Fahrt!

    Viele Grüße aus dem nass-kalten Tal der Wupper

    Ralf

    1. Hallo Ralf,

      Da sagst Du was! Wir wollen zwar immer sehr gerne darüber berichten, wie es an diesem Plätzen war und welche Eindrücke wir mitgenommen haben … aber das in Worte zu fassen ist immer eine sehr schwierige Angelegenheit und weder die Bilder, die man mit der Kamera einfangen konnte, noch das, was wir beschreiben, wird den Orten gerecht.
      Wir hoffen immer, dass wir trotzdem ein bisschen etwas des Gefühls dort zu stehen, an die, die leider jetzt nicht da sein können weiterzugeben vermögen.

      Schön, dass Du bei unseren Berichten wieder mit dabei bist! :))

      Aller liebste Grüße aus dem Herman,
      Sabine und Micha

  2. Kurz und einfach gesagt – ich beneide euch !
    Ich wünsche euch noch viele schöne Tage ……
    und vielleicht schaff ichs mal in den nächsten Jahren auch dorthin zu kommen
    BG Egon

    1. Hallo Egon!
      Wir würden uns total freuen, wenn Du unsere Reise als Inspirationsquelle nimmst, um auch nach Marokko zu fahren oder auch eine andere lange Reise zu machen! Mimm Dir die Zeit, man hat nicht unendlich viel davon!
      Wir drücken Dir ganz, ganz dolle die Daumen, dass es schon ganz bald los gehen kann und schicken Dir die aller liebsten Grüße aus dem Herman,
      Sabine und Micha

  3. Immer wieder mitreissend euere Berichte, Videos und Tipps! Ihr macht beneidenswerte Touren und nehmt Hitze und andere Muehen in kauf! Nicht viele Menschen sehen all diese Orte, weil sie, ( wie wir zugegebenerweise ) nicht bereit sind die erforderlichen Unbequemlichkeiten und Risiken auf sich zu nehmen! Dadurch bleibt einem natuerlich vieles vorenthalten! Aus diesem Grunde ist es fuer uns toll, sowas durch Berichte wie eueren zu ‚erleben‘!
    Im besten Falle motiviert ihr so einige Stubenhocker oder Traeumer doch selbst mehr um zusetzen! Unabdingbar ist es allerdings, das beide Partner an einem Strang ziehen, wie es offensichtlich bei euch der Fall ist! Bei uns in Seglerkreisen zumindest, sind einige uns bekannte Paare letztendlich gescheitert, weil die Leidensfaehigkeit des ‚gezwungenen‘ Partners ueberschritten wurde.
    Das ist schade und nicht noetig, da in der Regel ein gesunder Kompromiss gefunden werden kann!
    Macht weiter so!

    1. Hallo ihr Beiden! 🙂

      Ja, das ist bei Reisenden auf Rädern leider nicht anders als auf dem Wasser. Wenn dieser Lebensstil nicht der Wunsch von BEIDEN ist, wird die Beziehung auf Dauer nicht halten oder einer von beiden ist sehr leidensfähig und dauerhaft unglücklich. Das sehen wir zumindest öfter, als gelungene Kompromisse. Wir haben das große Glück, dass sich unsere Wünsche irgendwie immer in die gleiche Richtung entwickeln und das immer sehr gut passt – und dafür sind wir auch sehr, sehr dankbar!

      Die „Unbequemlichkeiten und Risiken“ sind für uns allerdings ehrlich gesagt so ein kleines bisschen das „Salz in der Reisesuppe“, deswegen haben wir dafür ganz und gar keinen Respekt verdient, das auf uns zu nehmen! 😉 So lange es auch für unsere kleine Hundemaus noch gut passt, ist alles in bester Ordnung und JA, wir hoffen, dass sich dadurch der ein oder andere ebenfalls motiviert fühlt, die Bequemzone zu verlassen und seine Träume auszuleben … denn die Situationen, die einen herausgefordert haben, sind doch meist diejenigen, an die man sich hinterher am liebsten und mit dem breitesten Grinsen erinnert, oder!?!
      Ihr kennt das doch bestimmt ebenfalls gut – zum Beispiel aus der Zeit, die ihr vor der Entscheidung standet auf ein Boot zu ziehen, oder!?!

      Alles Lieben aus dem Herman und an Bord,
      Sabine und Micha

  4. Hallo Ihr beiden……oder drei,

    auch wir sind gerade die Plage Blanche gefahren. Allerdings am Strand und dann das Oued Aorora. Herrlich. Allerdings ist der Austieg und die Piste auf die N1 noch deutlich übler. Und wir durften das Equipment testen…Sandbleche, Schaufeln und wadentief Sclamm schaufeln. Das Oued hatte noch einiges an Wasser zu bieten. Also mal den 12M18 in Schräglage ausgebuddelt. Zwei Stunden Spaß.

    Gruß Dirk

    1. Hallo Dirk!

      Wow, wir haben in der Zwischenzeit Eure Bilder der Aktion bei Facebook gesehen! Na da hattet ihr ja alle Hände voll zu tun! 😀 Bei uns war das Oued viel, viel trockener aber nächstes mal möchten wir auch gerne über den Strand hinkommen … haben wir uns nicht getraut, dank nicht vorhandener Ausweichmöglichkeit wenn die Flut zu früh einsetzen sollte – bzw, wenn man halt durch Buddelaktionen zu spät dran ist 😀

      Aller beste Grüße zurück aus dem 680er und lasst es Euch gut gehen,
      Sabine und Micha

  5. Da Ihr gerade bei mir an der Terrasse (Hilden,Nordstr.) vorbeigefahren seid, habe ich Eure web-Adresse gesehen. Die Seite gefällt mir sehr gut. Nächstes Jahr fahren wir auch Mal wieder nach Marokko.
    Schöne Grüße Frank

    1. Hallo Frank, das ist ja sehr cool, dass Du uns direkt einen so netten Kommentar hinterlässt! Und natürlich klasse, dass Du zufällig auch noch selbst gerne nach Marokko fährst! 😀
      Ganz dickes Dankeschön für Dein Lob an den Blog, da freuen wir uns drüber.
      Aller beste Grüße in die Nordstraße aus dem Herman,
      Sabine und Micha

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