Ichkeul Nationalpark – Wanderung zur heißen Quelle

SabineAllgemein, Reisetagebuch0 Comments

Ichkeul See Wanderweg

Dienstag, 18.12.2018

Laufen statt fahren ist das Motto des Tages. Als wir noch im Süden des Landes nach tollen Zielen im Norden suchten, fiel uns bei google maps ein See ins Auge. Nationalpark – das hört sich doch schon mal nach etwas Schönem an. Beim Heranzoomen zeigte die südliche Seite dieses Ichkeul Sees ein bewaldetes Gebiet und einen Weg, der irgendwo im Nichts zu enden schien. Dazu sah man an seinem Verlauf eine Grotte und mindestens eine heiße Quelle verzeichnet. Heiße Quelle? Phil und Micha hatten in Gedanken die Badehose bereits an.

Nationalpark Ichkeul, wir kommen!

Noch nicht angezogen aber im Wandergepäck verstaut, finden sich die Badehosen der Männer heute Morgen, als wir uns aufmachen, die Thermalquelle zu finden. Auf Karos und meiner Hitliste steht eher das Sehen von Flamingos.

Drei Kilometer sind es, von dem Tor, an dem wir übernachtet hatten, bis zu einem Wanderparkplatz. Auch ein Reisebus hat diesen Weg gerade genommen, deswegen nehmen wir ebenfalls die Fahrzeuge, um zum Ausgangspunkt der Wanderwege zu kommen. Hoffentlich sind die Wege nicht so überlaufen, wenn sogar Busse den Parkplatz ansteuern!

Der unasphaltierte Weg macht Lust auf mehr. Die Natur ist üppig, als wir auf den gleichnamigen Berg des Ichkeul Nationalparks zu fahren. Zu unserer Rechten liegt der Ichkeul See mit einem breiten Sumpfufergürtel. Zu unserer Linken stehen mediterrane Bäume und Büsche im ansteigenden Gelände, dazwischen wenige, einzelne Höfe. Kleine, aus Sandstein gemauerte Häuschen mit niederen Zäunen aus Palmenblättern davor, die dafür sorgen, dass die Kuh der Familie dort bleibt, wo sie hingehört. Frauen schneiden in kleinen Gruppen zwischen den Höfen Kräuter, Hirten hüten Schafherden. Es macht einen friedlichen Eindruck, ohne die Hektik unseres europäischen Arbeitsalltags, mit dem wir die Annehmlichkeiten unseres Wohlstandslebens erkaufen.
Das Optimum liegt wohl irgendwo dazwischen – doch würden man die optimale Mitte erkennen, wenn man sie gefunden hätte?

Ichkeul See Sumpfufer
Sumpfufer des Ichkeul See
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An der Parkmöglichkeit treffen wir wieder auf den Reisebus. Zwei weitere Autos warten abgestellt auf die Rückkehr ihrer Besitzer. Außer dem Busfahrer, der es sich in der Sonne gemütlich gemacht hat, ist niemand mehr da.

Los geht’s über eine Treppe den Berg hinauf und zu einer wundervollen Aussicht über den See. Ich muss sofort eine Instagram Story machen, um das den Leuten zu zeigen. Ein Rind mit einem ganz jungem Kälbchen folgt dem ausgeschilderten, schmalen Pfad Richtung Picknick Platz. Wir nehmen den „Natur Wanderweg“.

Die Aussicht über den See ist immer wieder wunderschön, wobei der Weg langsam von „kinderwagengeeignet“ zu „nichts für Fußlahme“ übergeht.

Es macht Spaß hier unterwegs zu sein und wir rätseln über die Pflanzen, denen wir begegnen – sieht ein bisschen aus, wie Rhabarber, was da wächst. Als der Weg kaum noch zu erkennen ist, übernimmt Phil die Navigation. Mit dem Handy voraus findet er alle paar Meter etwas, das der Weg sein soll. Außer ihm kann das niemand erkennen, doch irgendwie wird es schon weitergehen. Laut Galileo App sind wir auf jeden Fall genau auf der Strecke. Ob die ganzen Leute aus dem Reisebus hier auch lang gegangen sind? Wir haben schon länger niemanden mehr gesehen.

Ichkeul See Wanderweg
Wanderweg über dem Ichkeul See
Ichkeul Nationalpark
Ichkeul Nationalpark Tunesien
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Phils Bauchgefühl hat die Galileo App abgelöst. „Ich sag Euch, wenn wir jetzt hier runter, zum Wasser gehen, ist da die heiße Quelle.“

Den See erreichen wir durch ein von Wildschweinen aufgewühltes Dickicht. Und wieder ist der Platz einfach genial. Das Sumpfufer ist von Millionen von kleinen Muscheln überzogen, sie bilden ganze Muschelbänke, wo das Wasser endgültig die Herrschaft über den Sumpf übernimmt. Über allem ragt der Ichkeul Berg majestätisch in die Höhe. Eine heiße Quelle gibt es an dieser Stelle allerdings eher nicht.

Jetzt erst mal einen Schokokeks. Danach ein Blick auf Google maps. Das gibt’s ja nicht – wir sind an der heißen Quelle vor ungefähr drei Kilometern vorbeigelaufen!

Soll es tatsächlich da gewesen sein, wo wir vom Wanderweg aus eine Müllhalde, unten am Seeufer vermutet hatten? Bestimmt war es das. Wir treten den Rückweg an.

Tatsächlich. Als wir den Platz finden, der von weitem schon nicht einladend wirkt, befindet sich die heiße Quelle inmitten eines aus Steinen aufgetürmten Mäuerchens. Abgedeckt wird das quadratische Gebilde mit Teppichen, Plastiktüten und alten Klamotten auf einer Träger“konstruktion“ aus Ästen. Der Eingang zu diesem Hammam liegt auf der Rückseite. Neugierig schauen wir hinein und stellen fest, dass ein Trupp alter Männer im warmen Wasser auf ein paar Steinen Platz genommen hat.

Als Frauen wären Karo und ich jetzt eh raus gewesen, doch auch unseren Männern ist nicht mehr unbedingt nach baden zumute. Die Umgebung der Quelle gleicht einer Müllhalde. Allerhand Verpackungen von Getränken und Speisen, die man beim Baden zu sich nimmt, werden einfach rings um die Quelle in der Natur verteilt. Sehr schade.

Wenigstens können wir uns jetzt nicht mehr vorwerfen, dass wir zu blöd waren, die Attraktion des Nationalparks zu finden. Auch Flamingos blieben uns leider verwehrt, jedoch war die Wanderung selbst so schön, dass wir sie jederzeit wieder machen und auch empfehlen würden.

Kinoabend in aller Kürze

Weil es am Eingang zum Park so unproblematisch und ungestört zu campen war, beschließen wir, noch eine Nacht zu bleiben. Bis 8 läuft der Generator, wird das nächste Video für Herman unterwegs und The Sunnyside auf Youtube geschnitten. Ab 8, so haben wir uns vorgenommen, stehen Kochen und Kino auf dem Programm. Nachdem wir vor kurzem ja den Planeten Tatooine besucht hatten, muss man jetzt schließlich auch mal die Star Wars Kulissen im Einsatz sehen.

Kochen hat noch geklappt, wenn auch mit einer Stunde Verspätung. Star Wars Episode I konnte allerdings niemanden an diesem Abend vom Sockel reißen. Die gemütliche Matratze, die das Gemeinschaftssofa bildete und die warmen Kuscheldecken, haben auch nicht unbedingt dazu beigetragen, der einsetzenden Müdigkeit vom Wandern entgegenzuwirken. Das Podrennen, auf das wir uns zuvor gefreut haben, wurde vor schlafenden Zuschauern ausgetragen. Schön war’s.

Diese Wanderung im Video miterleben:

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