Wir erreichen die Oase Ksar Ghilane

SabineAllgemein, Reisetagebuch0 Comments

Ksar Ghilane, heiße Quelle

Montag, 10.12.2018

Die ca 60 km lange Strecke kostet uns heute den dritten Fahrtag. In der Regel nenne ich das einen angenehmen Schnitt zum Reisen. Je langsamer man unterwegs ist, an um so weniger erlebenswerten Dingen rauscht man einfach vorbei. Doch trotz der wenigen gefahrenen Kilometer, ist das unterwegs sein hier sehr anstrengend. Durch die ständigen, fahrerischen Herausforderungen, steht man den ganzen Tag unter einer gewissen Dosis Adrenalin. Und auch dieser Fahrtag beginnt wieder vielversprechend. Ausgerechnet Tobi fährt sich beim Verlassen des Nachtlagers nach ziemlich genau einem Meter fest.

Über eine kaum erkennbare Piste bewegen wir uns mit unseren Fahrzeugen dann durch traumhafte Landschaft. Man kommt sich so klein vor, wenn man eine solche Weite bereist…
Die Wüste verändert sich kaum und doch ist sie an jeder Ecke auf‘s neue faszinierend. In Marokko haben wir gelernt, dass ausgerechnet die großen Sanddünen als Wasserspeicher dienen. Dabei würde man denken, dass es hier am wenigsten Wasser geben muss. Das unerwartete Naturgesetz greift aber natürlich auch in Tunesien und so finden wir mitten im Nichts, am Rande eines hohen Dünenkammes einen Brunnen. Etwa zwei Meter lang und 60 cm breit ist das davor betonierte Bassin, das vorbeiziehenden Kamelherden als Tränke dient.

Expeditionsmobile im Nationalpark Jbil
Beim Duchfahren des Parc National de Jbil fühlt man sich manchmal ganz schön klein
Offroad Sahara Tunesien
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Ksar Ghilane

Nach einer letzten, schwierigen Überquerung eines Dünengürtels, erreichen wir am Nachmittag die Oase Ksar Ghilan. Sie wird von Touristen ganz besonders wegen ihrer heißen Quellen geschätzt. Das heißt: So fern es Touristen gibt.

Als wir dort nach einem Platz zum Parken der Fahrzeuge suchen, tun mir die Menschen leid. Terrorismus zerstört einfach alles – auch das, was die gewalttätigen Extremisten eigentlich „schützen“ wollen. Weil schon so lange kein Besucher mehr da war, der sich auch nur im entferntesten für eine Quad-Tour in die nahegelegenen Dünen interessieren könnte, sind die Steuerteile, Griffe und Sitze der Fahrzeuge in Folie eingepackt. Die tunesische Familie, die diese Investition gewagt hat um sich ein kleines Unternehmen aufzubauen, sitzt unter einem einfachen Sonnendach aus Palmblättern beisammen. Die Hoffnung ein paar Dinar Umsatz machen zu können, ist Resignation gewichen.

Alle Stände, Angebote und Restaurants sind leer. Trotzdem bedrängen uns die Leute nicht, etwas zu kaufen oder eine Tour zu buchen. Man grüßt uns höflich und fragt ob es uns gut geht, ohne dabei aufdringlich zu sein. Zeigen wir kein Interesse, sollen wir nichts aufgedrängt bekommen. Es ist beeindruckend, wie die Menschen mit dieser schwierigen Lage umgehen.

Symbolcharakter. Zum Glück ist nicht alles so gescheitert und verlassen – doch rosig sind die Zeiten für die Betreiber der Läden hier nicht
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Wir beziehen einen mit Palmen bestandenen Campground. Da wir die einzigen Gäste sind, können wir eine großzügige Wagenburg bauen, die den ganzen Platz in Anspruch nimmt. Außer Karo und mir, machen sich alle fertig, um in der heißen Quelle baden zu gehen. Während Edith vorgesorgt und sich einen Burkini besorgt hat, sind wir nicht so gut ausgestattet. Schlecht benehmen möchten wir uns natürlich dennoch nicht und uns in einem arabischen Land leicht bekleidet ins Wasser begeben.

Dabei bin ich einmal mehr völlig erstaunt. Bereits auf dem Weg zur Oase haben wir einen kleinen Trupp junger Leute kennen gelernt, die Urlaub im eigenen Land machen. Sie besichtigen ebenfalls das Fort Ksar Ghilan, die Überreste der südlichsten Wehranlage der Römer, als wir sie treffen. Die kontaktfreudigen, jungen Leute sprechen fließend Englisch. Sie kommen aus der Stadt und sind zum ersten mal in der Wüste, erzählen sie uns.

An der heißen Quelle treffen wir sie wieder. Anders als Edith, trägt die einheimische Mittzwanzigerin mit langen, wallenden Haaren einen knappen, rückenfreien Badeanzug. Sie albern herum. Am Abend werden wir noch kurz mit ihnen am Feuer beisammen sitzen, bevor unsere kleine Reisegruppe sich todmüde in die Betten verabschiedet.

Ksar Ghilane, heiße Quelle
Die heiße Quelle von Ksar Ghilane. Ringsum wurden kleine Cafes und Restaurants erbaut, denen leider die Besucher fehlen
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