Grotta di Nettuno – 650 Stufen zu Neptun und zurück

SabineReisen, Sardinien1 Comment

Sie ist „eine der schönsten Tropfsteinhölen des Mittelmeers“, darüber sind sich die Quellen einig, als wir bei unseren Reiserecherchen für Sardinien auf die Grotta di Nettuno stoßen. Wir können das weder bestätigen noch dementieren, doch eines steht fest: Der Ausflug zur Grotte lohnt – selbst wenn man sie gar nicht wirklich betritt!


Unser Reisebericht:
Anfahrt
Treppe Escala del Capriol
Der Weg besser als das Ziel?
In nächster Nähe

Kurz zusammengefasst:
Infos, Preise, Wissenswertes


Grotta di Nettuno und warum der Weg zum Ziel wurde

Anfahrt zum Capo Caccia

Aus Richtung Argentiera kommend, fahren wir mit unseren kleinen Dachzelt-Urlaubsflitzer, dem Offroad Sharan aufs Capo Caccia zu. Die Fahrt verwöhnt uns dabei mit Ausblicken auf eine Küste und Landschaft, die ihres Gleichen suchen. Wir sind im Frühling unterwegs. Wildblumen säumen so zahlreich unseren Weg, als wollten sie mit ihren prächtigen Farben und Formen ein wahres Wunderland schaffen. Und so fühlen wir uns auch. Beim Blick auf das Blütenmeer tankt man gute Laune auf Vorrat.

Die Küste mit ihren weißen Kalksteinfelsen, verwöhnt Auge und Seele nicht weniger. Das Wasser ist so kristallklar, wie wir es selten zuvor irgendwo anders erlebt haben. Außerdem haben wir auf ganz Sardinien noch nirgends herumliegenden Müll gesehen. In diesem Punkt grenzt sich die Insel ganz klar vom Italienischen Festland ab. Im Laufe unseres fünfwöchigen Aufenthalts werden wir auch noch lernen, wie viel Wert die Menschen hier darauf legen, keine Italiener, sondern Sarden zu sein. Die Achtsamkeit im Umgang mit Müll ist ein Punkt, auf den man auf der Insel mehr wert legt, das stellen wir immer wieder fest. Ein weiterer Grund, Sardinien zu lieben und zu besuchen.

Unser Navi führt uns zum Parkplatz, von dem aus man den Fußweg zur Grotta di Nettuno (zu Deutsch: Neptungrotte) nehmen kann. Auch eine kleine Snakbar findet sich dort, die den Namen der Tropfsteinhöhle trägt. Allerdings ist die kleine Straße schon auf der Anfahrt mit parkenden Autos gesäumt. Mit einem freien Plätzchen rechnen wir nicht, dafür mit sehr vielen Leuten. Doch halb so schlimm. Der Parkplatz ist nicht gerade groß, deswegen ist die Gesamtzahl der Besucher nicht so hoch wie erwartet.

Nur ein kleines Stück vom Parkplatz entfernt, finden wir eine Lücke und können uns zu Fuß auf den Weg zur Tropfsteinhöhle machen.

Schau Dir hier bei google maps an, wo die Grotta di Nettuno liegt.

Treppe Escala del Capriol

Der Eingang zur Grotta di Nettuno liegt einen Meter über dem Meeresspiegel in einem Steilhang aus Kalkstein. Heute gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten, ihn zu erreichen.

Erstens, per Boot. Zum Beispiel vom nicht weit entfernt gelegenen Alghero aus. Früher war dies die einzige Möglichkeit, die Höhle zu erreichen. Zweitens, über die Escala del Capriol – eine Treppe, die größtenteils in die steilen Felshänge hinheingeschlagen wurde. Seit 1959 kann man über sie die Grotte zu Fuß erreichen. Die Escala del Capriol beginnt am Parkplatz in 110 Metern Höhe und windet sich in 654 Stufen bis hinunter an die Wasseroberfläche.

Vor allem der Rückweg ist dabei nichts für Fußlahme oder Leute mit Kreislaufbeschwerden – gerade wenn man ihn im Sommer ab dem Mittag antritt. Die Treppe liegt dann fast vollständig in der Sonne.

Escala del Capriol
Die Escala del Capriol verläuft in der Steilklippe nahe des Capo Caccia.
Treppe zur Grotta di Nettuno
Die letzten Stufen vor dem Eingang zur Neptungrotte.

Ob man sich das mit der Treppe denn antun sollte?

Jawohl!!!
Wenn Du ganz normal gut zu Fuß bist, ist die Treppe für Dich kein Problem und Du solltest es Dir auf keinen Fall entgehen lassen, sie zu erklimmen. Die Ausblicke sind einfach grandios und schon der Weg zur Grotte mit faszinierenden Stalagmiten und Stalagtigengebilden gesäumt.

Auch die Bootsfahrten zur Grotte sollen wunderschöne Blicke auf die Felsküste bieten. Doch die Fahrten werden stark beworben und gerne gebucht. Dazu sagen einige Erfahrungsberichte im Netz, dass die Treppe viel zu anstrengend und eine Zumutung sei. Die Folge: Die Boote sind voll bis zum Anschlag, die Treppe dagegen (zumindest als wir dort waren) kein bisschen gefüllt und der wunderschöne Weg kann in vollen Zügen genossen werden. Wir würden allerdings keine Hand dafür ins Feuer legen, dass es in der Hochsaison nicht auch auf der Escala del Capriol gedrängt zugeht.

Ausblick auf der Treppe zur Neptungrotte
Fast für uns allein haben wir die Treppe Escala del Capriol, die Rehtreppe, an diesem Tag. Die Ausblicke sind einfach atemberaubend schön.

TIPP:

In den frühen Morgenstunden schlägst Du während der Hochsaison zwei Fliegen mit einer Klappe: Du vermeidest Gedränge und die Mittagshitze beim Hochsteigen der über 650 Stufen.

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Der Weg besser als das Ziel?

Die tolle, kleine Wanderung entlang der Steilklippen hat unsere Reiseherzen höher schlagen lassen.

An der Grotta di Nettuno angekommen, öffnet sich dann auch sogleich der Blick auf einen wunderschönen Höhlenteil. Die bizarren Felsgebilde werden mit warmem Licht in passende Stimmung getaucht.

Früher hat man die Höhle übrigens nicht mit Scheinwerfern ausgeleuchtet, sondern ganz romantisch mit hunderten von Herzen. Das muss toll ausgesehen haben. Leider hat man wohl ziemlich bald festgestellt, dass der ganze Ruß von den Kerzen es nicht gerade gut mit den Tropfsteingebilden meint. Wohl oder übel musste man bald auf elektrische Beleuchtung wechseln.

Eingang zur Tropfsteinhöhle
Grotta die Nettuno Eingang
Faszinierende Tropfsteingebilde in der Höhle, nur einen Meter über der Wasseroberfläche

Geführte Tour in der Neptungrotte

In der kleinen Höhle am Eingang der Grotta di Nettuno, startet nun die kostenpflichtige, geführte Tour. Sie dauert etwa 25 Minuten. Die Stimme des mehrsprachigen Tourguides ertönt dabei aus Lautsprechern, die auf dem Weg verteilt sind.

Die Gänge der Grotta di Nettuno werden auf eine Gesamtlänge von etwa 4 Kilometern geschätzt. Als Tourist mit der geführten Tour erkunden, kann man allerdings nur die ersten 120 Meter.

Wir fanden den Preis von 13 Euro pro Person (7 Euro für Kinder) ehrlich gesagt ein bisschen happig. Klar, die Gänge und auch die Escala del Capriol müssen gepflegt werden und grundsätzlich geben wir für den Erhalt von Natursehenswürdigkeiten auch gerne das Geld, um sie entsprechend zu erhalten.

Dazu kam allerdings noch eines: Auf der Treppe zur Grotte hinunter wurden wir verwöhnt – fast hatten wir sie für uns alleine und konnten in den grandiosen Eindrücken schwelgen. Mit der Ankunft der Boote, die die Besucher von Alghero auf dem Seeweg zur Neptungrotte bringen, war es mit der genussvollen Stille dann allerdings vorbei.

Der Übergang zur nächsten Kammer der Tropfsteinhöhle erfolgt über eine schmale, steile Stiege. Die Besucher drängten sich dort dicht an dicht. Nach dieser unfreiwilligen Nähe stand uns übereinstimmend nicht der Sinn und wir nahmen uns vor, lieber die Umgebung noch etwas zu erkunden.

In nächster Nähe

Via Ferrata del Cabriol

Beim Rückweg von der Grotte zum Auto fielen uns Kletterer auf. Neugierig wie wir sind, wollten wir sehen, wo sie sich durch die Steilklippen hangeln – und wurden mit dem großartigen Blig auf die kleine Insel Isola di Foradada belohnt.

Hier findest Du den großartigen Ausblick auf die Isola di Foradada.

Cala Dragunara

In der Hochsaison legen hier Boote zur Grotta di Nettuno und Alghero ab. Jetzt, im Frühling bei schönstem Wetter, teilten wir uns den kleinen Strand der Korallenküste Sardiniens nur mit drei Tauchern, die sich über das glasklare Wasser freuten. Ein Traum.

Tauchen lernen steht ganz oben auf meiner Agenda, wenn ich solche Plätze sehe. In den Gewässern vor Sardinien leben zum Beispiel auch Octopoden, die zu meinen Lieblingstieren gehören. Sardinien hat viele Quadratkilometer Meeresfläche als Schutzgebiete deklariert und achtet auf Mitlebewesen und Natur. So darf Seegras selbst trotz des „störenden“ Anblickes für Touristen am weißen Sandstrand nicht mehr weggeräumt werden, um das ökologische Gleichgewicht so gut es geht zu wahren.

Den kleinen aber feinen Strand mit gemauertem Anlegesteg findest Du hier.


Sardinien Reiseführer Michael Müller Verlag: Individuell reisen mit vielen praktischen Tipps.*
Empfehlung: Ein Reiseführer, der ALLES hat. Ganze 672 Seiten mit Karten, Tipps und Infos bis hin zu Buslinien, um auch ohne Auto auf der Insel mobil zu sein. 5 Sterne von den Rezensoren und im Preis-Leistungsverhältnis wohl unschlagbar.*

Grotta di Nettuno – unser Fazit

Ohne überhaupt die Grotte wirklich besichtigt zu haben, können wir sagen, dass sich ein Abstecher zu ihr und dem Capo Caccia wirklich lohnt. Du wirst mit unvergesslichen Ausblicken und einem Spaziergang über eine nicht alltägliche Treppe belohnt.

Ausflugsboot an der Grotta di Nettuno
Treppe und Ausflugsboote treffen am Eingang der Höhle aufeinander. Das Boot wartet, bis die Gäste von der geführten Tour zurückkommen..
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Grotta di Nettuno – Infos kurz zusammengefasst

Preis / Eintritt

13,- Euro für Erwachsene, 8,- Euro für Kinder (Stand 2018)

Parken

Koordinate: 40°33’49.1″N 8°09’48.0″E. Der Parkplatz liegt direkt am Eingang zur Escala del Capriol, dem Fußweg zur Grotte

Adresse

Strada Provinciale 55, 07041 Alghero SS

Treppe

Escala del Capriol (zu Deutsch: Rehtreppe).

654 Stufen vom Parkplatz hinunter zum Eingang. Absolut empfehlenswert aber nicht für Menschen mit Kreislaufproblemen oder die nicht gut zu Fuß sind, denn man muss auch wieder hinauf. Im Hochsommer am besten am frühen Morgen, da die Treppe fast vollständig in der Sonne liegt.

Bootstour

Von Alghero aus in ca 30 Minuten. Preis 15 bis 20 Euro je nach Anbieter. Der Eintritt zur Höhle ist nicht inbegriffen!

Temperatur

In der Höhle herrscht eine konstante Temperatur. Sie beträgt Sommer wie Winter 10 Grad. Ein warmer Pullover kann für die Besichtigung also nicht schaden.

Außerdem wichtig:

Die Grotta di Nettuno kann nicht bei stürmischer See besichtigt werden, da sie nur einen Meter über dem Meeresspiegel liegt. Der Eingang wird bei rauer See von den Wellen überspült.

Mit dem Wohnmobil auf die Insel

Fähre nach Sardinien

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– Verpflegung an Bord
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Letzte Aktualisierung am 22.11.2019 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

Ein Kommentar zu “Grotta di Nettuno – 650 Stufen zu Neptun und zurück”

  1. Hi Ihr2!

    Mal wieder ein toller Bericht von Euch! Er hat mich besonders gefreut da wir ja seit Anfang Juli permanent auf dieser wunderschönen Insel leben dürfen. Zur Zeit leben wir hier im WoMo auf unserem Grundstück und beginnen Anfang September mit dem Ausbau des Rohbaus.
    Und in der Wintersaison wird wieder getourt hier auf der Insel, auch wieder zur so schön beschriebenen Grotte.

    Das mit den Sarden und ihrem Verhältnis zu Italien stimmt wirklich. Sie betrachten ihre Insel eher als eigenen Kontinent.
    So viele nette Gespräche und ein tolerantes, interessiertes und offenes Umgehen miteinander haben wir noch erleben dürfen, und wir sind auch schon gut rumgekommen.

    Ganz liebe Grüße von unserer Baustelle in den hoffentlich bald reisebereiten H3!

    Cari saluti,

    Michael

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