Campervan Check-Up – Sicher in den Roadtrip

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Selber einen Campervan Check-Up vor der Tour machen, auch ohne großes Fachwissen? Christian von Road & Board ist nicht nur leidenschaftlich auf eigenen Reifen unterwegs, sondern auch gelernter KFZ-Mechaniker. Er erklärt hier, wie Du die Wartung Deines Campers ganz einfach im Griff behältst!

Wir Vanlifer haben es geschafft, ein kleines Wohnhaus auf Rädern zu erschaffen. Eine Möglichkeit zu finden auf der Welt umher zu reisen, ohne auf die eigenen vier Wände verzichten zu müssen. Die einen bauen lieber alles selber aus, ein und um, andere kaufen kleine, bewohnbare Vans von der „Stange“.

Eines verbindet uns aber alle: Die Liebe zum Fahrzeug, die Liebe zu dem Ding, das uns mobil macht. Und genau da ist der Knackpunkt: Wir sehen das große Ganze, konzentrieren uns auf den Innenraum, die Wohnung sozusagen. Alles ist auf seinem Platz, der gut durchdacht ist. Alles ist so praktisch wie möglich, alles ist mit viel Liebe entworfen, gebaut, eingerichtet und dekoriert. Doch was ist mit dem wichtigstem Bereich in unseren Vans? Was ist mit dem Herzen unseres Reisemobils? Hört das auf zu schlagen, endet auch unsere Freiheit.

Ich bin Christian von ROAD & BOARD, KFZ-Mechaniker und leidenschaftlicher Vanlifer. Ich möchte hiermit Aufklärungsarbeit leisten und das Verständnis für die Maschine im Van wecken. Wovor viele Respekt, wenn nicht sogar Angst haben. Doch eigentlich ist alles ganz einfach: Mit ein bisschen kontinuierlicher Pflege, Zuwendung und Liebe kann unser Reisemobil ewig leben und uns weiterhin an die Orte unserer Träume bringen.

Christian und Maren von Road and Board

DO IT YOURSELF


Täglich sehe ich durch meine Arbeit, dass die meisten Mängel an Kraftfahrzeugen auf schlechte Wartung und Pflege zurückzuführen sind. Ein anderer großer Teil ist der Bereich, den wir nicht beeinflussen können. Materialermüdung, Fehler in der Produktion, schlechte Qualität von Anbauteilen, egoistische Fahrzeughersteller.

Ich möchte euch die Dinge näher zu bringen, die wir beeinflussen können. Und das alles so, dass auch ein Laie die wichtigsten Überprüfungen selbst erledigen kann.

BEGINNEN WIR MIT DER BASIS:

Ihr habt euren Van gekauft, ob vom Händler oder von privat. Nun steht er vor eurer Tür. Jetzt möchte man natürlich mit dem Ausbau beginnen oder direkt los reisen. Doch die Vernunft muss siegen! Es macht kein Sinn viel Geld in den Ausbau zu investieren, wenn die Fahrzeugtechnik noch nicht fit ist, denn hier verstecken sich oft große Kostenfallen. Egal wie viele Kilometer er auf dem Buckel hat oder wie alt euer Wagen ist. Als Erstes wird er gründlich durchgecheckt.

Was könnt ihr über die Historie des Fahrzeuges herausfinden? Gibt es ein Serviceheft? Liegen Rechnungen über eventuelle Reparaturen aus den letzten Jahren vor?
Ein Blick in solche Unterlagen genügt oft schon, um euch auf den neuesten Stand und Zustand eures Vans zu bringen.

Dies wäre der beste Fall, doch leider ist das eher selten. Also folgt hier nun eine Anleitung für den Campervan Check-Up, um eurer Fahrzeug zu überprüfen und gegebenenfalls nachzubessern. Habt ihr folgende Punkte abgehakt, seid ihr startklar für die nächsten Reisen.


DIESE DINGE GEHÖREN ZUM
CAMPERVAN CHECK-UP:


RÄDER UND REIFEN

Dieser Punkt steht bei mir immer an erster Stelle! Viele vergessen, dass die Reifen der einzige Kontakt zur Straße sind. Sind diese schlecht, alt oder haben kein Profil, könnt ihr das beste Auto haben, dass sich aber verdammt schlecht und unsicher fährt.

Das Alter:

Reifen sollten nicht älter als 6 Jahre sein. Das Gummi kann im Laufe der Jahre aushärten und porös werden, dadurch verschlechtert sich die Bodenhaftung, welche zum Beispiel bei einer Notbremsung zu einem erheblich längeren Bremsweg führen kann. Die Fahreigenschaften sind im Vergleich zu einem neueren Reifen ebenfalls sehr bescheiden. Und am schlimmsten wird es dann bei Regen: Sollte es mit schlechten Reifen zu einer Notsituation kommen, hilft auch die beste Fahrpraxis nichts.

Also achtet bei Eurem Campervan Check-Up auf das Alter des Reifens. Dieses steht in 4 Ziffern mit Umrahmung auf der Seite. 4712 bedeutet zum Beispiel, dass der Reifen in der 47. Woche 2012 hergestellt worden ist. Ein kleinen Überblick über alle Bezeichnungen auf euren Reifen findet ihr im folgenden Bild.

Profil:

Die Mindestprofiltiefe in Deutschland beträgt 1,6mm. Um diese schnell messen zu können, ist die 1-Euro-Münzen-Methode sehr beliebt. Der Messingrand der Münze entspricht genau 3mm. Steckt man diese ins Profil, und der Messingrand verschwindet, so hat man für die meisten europäischen Länder die ausreichende Profiltiefe.

BESCHÄDIGUNGEN:

Achtet auch auf Beschädigungen an Felgen und Außenrand des Reifens, hier lassen sich schnell Bordsteinkantenschäden entdecken. Sollte der Reifen stark eingerissen sein und/oder Beulen aufweisen, empfiehlt sich ein sofortiger Wechsel oder ein Check durch einen Fachmann eures Vertrauens. Auch die Felge sollte keine so großen Beulen oder Beschädigungen aufweisen.

Sommer-, WINTER oder Allwetter-Reifen

Kommen wir noch kurz zu Sommer-, Winter- und Ganzjahresreifen. Ich persönlich empfehle meinen Kunden immer, Sommer- und Winterreifen in der jeweiligen Saison zu fahren.

Von Ganzjahresreifen kann ich nur abraten. Viele Tests großer Autozeitschriften oder Versicherer haben ergeben, dass ein Ganzjahresreifen vor allem im Sommer einen viel zu langen Bremsweg aufweist und im Winter nur mittelmäßige Haftung garantiert.

Solltet ihr also auch im Winter auf Reisen sein, so lohnt sich auf jeden Fall das Fahren mit Winterreifen, da vor allem in und um die Alpenregionen Winterreifen Pflicht sind. Ein guter Sommerreifen hingegen spart nicht nur Sprit, sondern sorgt auch für die richtige Sicherheit beim Bremsen und wechselnden Wetterbedingungen.

Ihr merkt schon, dass mir das Thema Reifen beim Campervan Check-Up sehr wichtig ist. Wie schon eingangs beschrieben, steht und fällt eurer fahrerisches Können mit den Reifen.


DER MOTOR

MOTORÖL:

Natürlich darf das Wichtigste im Motor, nie, aber auch wirklich niemals fehlen. Das Öl.
Dieses hat zwei wichtige Aufgaben zu erfüllen. Es dient der Schmierung des Motors, insbesondere der Ventile, und verhindert damit einen schnellen Verschleiß. Zudem trägt das Öl zur Kühlung des Motors bei. Da sich die Hitze bei Betrieb auf wenige Bereiche in der Maschine beschränkt, hilft das Öl bei der Umverteilung dieser Hitze. Beide Aufgaben können nur bewerkstelligt werden, wenn das Motoröl und seine Zusatzstoffe, sogenannte Additive, die die Leistungsfähigkeit verbessern, nicht abgenutzt sind. Im Laufe des Betriebs kommt es jedoch zu einem Verbrauch dieser Zusatzstoffe und zu einer Anreicherung von Metallpartikeln im Öl. Dadurch verschlechtern sich die Schmiereigenschaften, und der Verschleiß wird verstärkt.

Eurer Motor wird euch deshalb mit langer Haltbarkeit für die regelmäßige Kontrolle des Ölstandes und Ölwechsel danken.

Ein Messtab mit Minimal- und Maximal-Markierung zeigt euch den Ölstand eures Motors an. Wo ihr ihn genau findet, wie man diesen kontrolliert und welche Ölsorte sowie Ölmenge in euren Van gehört, entnehmt ihr der Bedienungsanleitung. Denn dies ist bei jedem Fahrzeug anders. Fehlt diese Anleitung oder ihr könnt den Messtab nicht finden, der meist gelb oder orangefarben ist, dann einfach mal googeln oder zum Fachmann eures Vertrauens fahren. Öl solltet ihr spätestens alle 1.000 bis 2.000 Kilometer kontrollieren, denn es ist nicht ungewöhnlich, dass ein Fahrzeug in dieser Zeit 300 bis 500 Milliliter Öl verbraucht.

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Ein Ölwechsel finde in der Regel alle ein bis zwei Jahre und/oder alle 15.000 bis 30.000 Kilometer je nach Fahrzeugtyp und Fahrweise statt. Bei älteren Fahrzeugen wie Oldtimern empfiehlt es sich den Ölwechsel schon früher durchzuführen, etwa alle 8.000 Kilometer. Aber auch hier ist es von Fahrzeug zu Fahrzeug verschieden. Ist an eurem Van noch kein Ölwechsel gemacht worden oder nicht ersichtlich, dann geht einfach auf „Nummer sicher“, und lasst das Öl in der Werkstatt eures Vertrauens wechseln. Hier sollte alles vorschriftsmäßig von statten gehen, vom Wechseln des Ölfilters bis zum Entsorgen des Altöls. Auch in Zukunft solltet ihr regelmäßige Wechselintervalle einhalten.

ÖL-, LUFT- UND KRAFTSTOFFFILTER:

In der Regel halten Öl- und Kraftstofffilter recht lang und müssen nicht so oft ersetzt werden wie das Öl. Ist auch hier wieder nicht ersichtlich, wann ein letzter Wechsel stattgefunden hat, dann raus damit.

Bei uns Vanlifern sind die Filter nicht selten höherem Verschleiß ausgesetzt als bei Fahrzeugen, die nur in der Stadt fahren. Wir fahren oft abseits normaler Straßen, was mehr Staub und Dreck verursacht als üblich, oder tanken im Ausland auch mal Sprit, der nicht immer unbedingt der Sauberste ist. Von daher gilt es für den Campervan Check-Up öfter mal einen Blick in den Luftfilter zu werfen und spätestens alle 60.000 Kilometer den Kraftstoffilter wechseln zu lassen. Bei normaler Fahrweise liegt der Wechsel bei 120.000 Kilometer und/oder sechs Jahre. Also einfach mal darauf achten, wie und wo ihr euren Van in Zukunft bewegt.

NOCH EIN KLEINER TIPP:

Vertraut eurem Gehör! Je länger ihr unterwegs seid, umso mehr entwickelt ihr ein Gefühl für die Leistung und die Geräusche, die euer Motor im Normalzustand macht. Sollten sich diese eurer Meinung nach ändern oder sollte Leistungsverlust auftreten, dann einfach mal Öl kontrollieren und einen prüfenden Blick unter die Motorhaube werfen. Seid ihr euch nicht sicher, ab in die Werkstatt.

Flüssigkeiten

Neben dem Öl gibt es noch einige andere Flüssigkeiten im Auge zu behalten, wie etwa Bremsflüssigkeit, Kühlflüssigkeit, Servoöl, Klimaanlagenkältemittel und Scheibenfrostschutz. Keine Angst, manche Dinge müssen nicht akribisch ständig kontrolliert werden, da die meisten Fahrzeuge Anzeigen für diese Füllstände haben. Ich mag nur einen kurzen Überblick über die einzelnen Flüssigkeiten geben.

BREMSFLÜSSIGKEIT:

Bremsflüssigkeit muss alle zwei Jahre gewechselt werden und wird von einer Fachwerkstatt relativ fix und ohne großen Aufwand erledigt.

KÜHLFLÜSSIGKEIT:

Kühlflüssigkeit ist für das Kühlen des Motors zuständig und heizt euren Innneraum, sie sorgt aber auch dafür, dass die inneren Wasserkanäle rostfrei bleiben. Kühlflüssigkeit sollte alle sechs Jahre erneuert werden.

Der Flüssigkeitsstand darf nur im kalten Motorzustand kontrolliert werden. Wenn der Motor noch zu heiß ist, herrscht Druck auf dem Kühlsystem. Die Gefahr von Verbrennungen ist dann sehr hoch. Zudem dehnt sich warme Flüssigkeit aus und beeinträchtigt das richtige Ablesen des Kühlflüssigkeitsstandes.

SERVOÖL:

Servoöl bei Fahrzeugen mit Servolenkung am besten auch in der Werkstatt checken lassen. Einige Hersteller verwenden verschiedene Öle, und das Kontrollieren funktioniert bei manchen Fahrzeugen nur bei laufendem Motor. Ein intervallmäßiger Wechsel ist hierbei nicht nötig.

KÄLTEMITTEL:

Eure Klimaanlage solltet ihr spätestens alle zwei Jahre checken lassen. In einer Werkstatt wird hierbei mit besonderen Geräten die Füllmenge kontrolliert und gegebenfalls aufgefüllt.

SCHEIBENWISCHWASSER:

Bei Scheibenwasser empfiehlt sich immer ein Konzentrat mit einzufüllen, da dieses nicht nur Frostschutz ist sondern auch schnell und effizient die Scheibe reinigt.

BREMSEN UND ACHSEN

Man bemerkt zum Glück schnell, wenn irgendetwas mit Bremsen oder Achsteilen nicht stimmt.

Bremsen machen nahe der Verschleißgrenze gern mal Geräusche, oder man hat das Gefühl, das Bremspedal ist schwammig und lässt sich weit durchtreten.

Genauso verhält es sich mit der Vorderachse. Klappert es bei jedem Schlagloch, oder das Lenkrad vibriert, sollte man immer eine Werkstatt aufsuchen. Bitte Finger weg von Brems- und Achsteilen. Ich habe in meiner Laufbahn als Mechaniker schon die schlimmsten Dinge gesehen. Wenn ihr jemanden kennt, der Mechaniker ist und euch hilft, so kann man auch mal Bremsbeläge in der heimischen Garage wechseln. Seid ihr euch aber unsicher oder habt gar keine Ahnung, dann definitiv Finger weg. Hier riskiert ihr nicht nur euer Leben, sondern auch das der anderen Verkehrsteilnehmer.

LICHT UND LAMPEN

Diese zu kontrollieren ist bekanntlich recht einfach. Alles durchschalten, während ein Zweiter draußen steht und schaut, ob alle Lampen funktionieren. Es wäre doch Ärgerlich, wenn ihr im Ausland von der Polizei angehalten werdet, nur weil ihr ein defektes Bremslicht habt.

Solltet ihr keinen zweite Person parat haben, kommt hier der ultimative Tipp: Stellt das Auto vor ein Schaufenster oder eine große Scheibe. So könnt ihr vorn jede Lampe checken. Hinten genau dasselbe, nur dass ihr dann in den Rückspiegel schaut, während das Schaufenster das Licht reflektiert.

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WAS GEHÖRT INS AUTO


Im Laufe der Jahre habe ich mir ein paar Dinge zusammengesammelt, die auf meinen Reisen definitiv nicht fehlen dürfen. Dazu gehört natürlich alles, was gesetzlich vorgeschrieben ist, sowie ein paar kleine Helferlein, die uns so manches Mal den Arsch gerettet haben.

DIE GRUNDAUSSTATTUNG:

FÜR DAS FAHRZEUG:

1 Liter Motoröl
2 Liter Wasser
Decke
Arbeitshandschuhe
Wagenheber
Starterkabel
Abschleppseil
Grundausstattung an Werkzeug (Hammer, Schraubendreher)

MEINE PERSÖNLICHEN TIPPS:

Panzertape* (damit kann man sogar nen Auspuff reparieren),
Kabelbinder (Allzweckwaffen, haben uns in Norwegen das Weiterfahren ermöglicht),
WD40* oder Balistolöl* (beides verhindert quietschen, gammeln, knarzen und reinigt so ziemlich alles)

AUF EINEN BLICK


Habt ihr alle diese Punkte in Ordnung, so besitzt ihr ein perfekt gewartetes Fahrzeug. Jetzt heißt es nur noch auf die jährlichen Ölwechsel zu achten, und öfter mal einen Blick unter die Motorhaube zu wagen. Solltet ihr größere Touren starten, folgt hier nochmal eine kurze Checkliste, die es euch einfacher machen soll, die technischen Dinge im Blick zu halten:

URLAUBS-CHECKLISTE

> Flüssigkeiten kontrollieren (Öl, Scheibenwasser, Kühlflüssigkeit, Bremsflüssigkeit)

> Lichtanlage kontrollieren (Blinker, Frontscheinwerfer, Fernlicht, Bremslichter)

> Frontscheibe und andere Scheiben putzen

> Reifenprofil und Luftdruck kontrollieren

> Über Regeln im Ausland informieren

> Navi aktualisieren und einstellen

> Auslandsversicherung, Fahrzeugschein und wichtige Rufnummern bereit halten

Dies war ein Einblick in die Technik und die Wartung eures Gefährts. Wenn ihr diese Punkte beachtet, so seid ihr nicht nur sicher unterwegs, sondern auch auf jede Situation vorbereitet. Jetzt bleibt mir nur zu sagen:
Habt Spaß und genießt jede Fahrt. Lernt euer Reisemobil kennen und behandelt es gut, so wird es euch lange begleiten und immer ein treuer Freund sein.


CHRISTIAN FOLGEN


Christian ist sehr aktiv in der Vanlife Szene, viel unterwegs und auch oft auf Treffen zu finden. Wenn Du wissen möchtest, was er so treibt, dann folge ihm doch einfach:

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