T3 Syncro Camper zum Reisen – Landschaftsfotograf Rene Freitag im Interview

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Rene Freitag und Syncro Camper Horst

Landschaftsfotograf Rene Freitag über seine Erfahrungen mit dem T3 Syncro Camper: Ersatzteilversorgung, Verbrauch, Geländegängigkeit und Tipps, die er Dir mit auf den Weg geben möchte.


Rene und seinen T3 Syncro Camper Namens Horst, haben wir Dir bereits einmal vorgestellt. Damals lernten wir uns in Marokko kennen und haben gemeinsam eine Video-Roomtour im Reisefahrzeug des Landschaftsfotografen gedreht.

In der Zwischenzeit ist viel passiert. Wenn Du Dich regelmäßig in der Vanlife Szene umsiehst, hast Du vielleicht mitbekommen, dass Horst leider einen kleinen Ausflug ohne Rene unternommen hat. Er ist nach einem technischen Defekt in den Bergen Andorras abgestürzt und musste Tage später mit einem Schwerlasthubschrauber geborgen werden. Dies brachte ihm den Namen Flying Horst ein.

Hubschrauberbergung T3 Syncro
Hubschrauberbergung T3
Syncro „Horst“ wird nach einem Unfall in den Bergen per Hubschrauber geborgen.

Natürlich war Horst nach seiner kleinen Eskapade ziemlich mitgenommen. Unter diesen Umständen hätte die Mehrzahl der Besitzer ihrem Fahrzeug vermutlich den Gnadenstoß verpasst. Nicht so Rene. In diesen Wochen und Monaten baut er Horst in einer aufwendigen Aktion von Grund auf neu, um wieder mit ihm auf Reisen gehen zu können.

Wir finden: Das spricht für das Fahrzeug. Wir wollen also wissen, was Rene am T3 Syncro so überzeugt. Welche Erfahrungen hat er mit dieser Basis als Reisefahrzeug gemacht hat. Hier kommen seine Antworten:

Rene Freitag im Interview

Hallo Rene, schön, dass Du uns heute erzählst, warum der T3 Syncro für Dich offensichtlich der beste Camper ist, den Du Dir vorstellen kannst.

Warum hast Du Dich ursprünglich für einen T3 Syncro als Reisefahrzeug entschieden?

Zuerst mal finde ich die Größe des T3 unglaublich praktisch. Er ist klein und wendig genug, um flexibel unterwegs sein zu können. Außerdem ist er damit beim Freistehen relativ unauffällig und man kann sich leicht noch ein bisschen „verstecken“.

Auf der anderen Seite bietet er genügend Platz, um sich gut darin aufhalten zu können. Ich möchte nicht „halb drinnen – halb draußen leben“, die Küche nur bei geöffneten Heckklappe nutzen können oder ähnliches.

Auch Stauraum für mein ganzes Fotoequipment ist in der T3 Größe noch reichlich realisierbar.

Dazu kommt natürlich: Ein T3 ist einfach geil!

Nun bin ich Landschaftsfotograf und brauchte etwas, das auch ein bisschen Geländegängig ist. Der Syncro ist jedoch selten und dementsprechend teuer in der Anschaffung. Deshalb habe ich mich über Foren schlau gemacht, ob es eine sinnvolle Variante sein könnte, einen normalen T3 zu kaufen und den dann höherzulegen. Immerhin kommt man auch ohne Allrad richtig weit, wie zum Beispiel Martin Zech mit Herrn Lehmann bewiesen hat.

Doch letztendlich ist das alles nur ein Kompromiss und die Bauteile sind auf die Modifizierungen und Anforderungen, die das Offroadfahren an sie stellt nicht ausgelegt. Sie gehen also womöglich schneller kaputt und das muss man dann unterwegs auch nicht haben.

Ich habe mich also entschieden, so lange zu suchen, bis ich einen guten und bezahlbaren Syncro gefunden habe. Im Nachhinein kann ich sagen, dass das auch eine sehr gute Entscheidung war, denn ohne Allrad und Sperren wäre ich dann doch zu vielen, tollen Stellen gar nicht hingekommen.

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T3 Syncro Camping
Genug Wohn- und Stauraum und dennoch klein genug, um unauffällig zu campen – egal ob hinter der Hecke (oben) oder mitten in der Stadt (Bild unten)
unauffällig in der Stadt campen im T3 Syncro

Du hast Horst nach dem Kauf selber restauriert und zum Camper ausgebaut. Wie viele Kilometer hast Du mit ihm dann zurückgelegt, bis zum jetzigen Neuaufbau?

Ich habe mit Horst zuerst Norwegen und Schweden bereist. Aufgrund des angenehmeren Klimas, bin ich zum Winter in Richtung Süden aufgebrochen und war viel in Spanien unterwegs. Dann waren wir in Marokko, Portugal und … naja, Andorra. Insgesamt sind es zwischen 35.000 und 40.000 km gewesen.

Wie zufrieden warst Du dabei mit der Geländegängigkeit des Syncros?

Also da ich zuvor noch keinerlei Offroaderfahrung mit anderen Fahrzeugen sammeln konnte, fehlt mir ein bisschen der Vergleich. Ich habe jedoch vor meiner Reise an einem Offroad Fahrtraining teilgenommen und da war ich schwer beeindruckt, was so ein Bus alles kann. Auch der Trainer meinte, dass der Syncro eine unheimlich gute Geländerperformance zu bieten hat. Während meiner Reise bin ich an keiner Stelle im Gelände gescheitert und der Bus hat mich überall hingebracht. Ich persönlich würde sagen, dass ich 100% zufrieden bin.

Offroad mit T3 Syncro
Fühlt sich offorad pudelwohl – Rene’s T3 Syncro Camper in der marokkanischen Wüste

Und wie sieht das auf den Transitstrecken aus, wenn man viele Kilometer Autobahn abspulen muss. Hat der Syncro auch einen gewissen Fahrkomfort für diesen Fall zu bieten?

Also von der Akustik geht das sehr gut, denn ich habe Horst mit Alubutyl entdröhnt.

Natürlich kann man Dank der höheren Endgeschwindigkeit eines neueren Vans, große Strecken schneller hinter sich bringen. Meine normale Reisegeschwindigkeit auf der Autobahn liegt bei 85 bis 90 km/h, das reicht auf der anderen Seite aber auch völlig aus.

Ansonsten ist der Syncro ziemlich angenehm zu fahren. Man munkelt ja, dass die Sitzposition über der Achse durch das leichte Schaukeln ein bisschen einschlummernd wirkt – ob das jetzt so stimmt weiß ich nicht, aber der Wagen strahlt beim Fahren schon eine ziemliche Gemütlichkeit aus.


So bringst Du Ruhe in Dein Fahrerhaus: Camper dämmen mit Alubutyl – So geht’s!


Du reist in Horst (bisher) alleine durch die Welt. Dabei machst Du nicht nur Urlaub, sondern längere Reisen von jetzt einem Jahr und in Zukunft wahrscheinlich auch länger. Denkst Du der Platz, den der Wohnraum hergibt, würde Dir auf diese Zeit gesehen auch noch ausreichen, wenn eine abenteuerlustige Partnerin dazukommt oder wenn man gar zusätzlich mit Kind unterwegs ist?

Für zwei Personen sehe ich da überhaupt kein Problem. Ich kenne sogar eine Familie, die sind im Bulli mit einem Kind die Panamerikana gefahren und dann mit dem zweiten Kind, also zu viert, bis runter nach Thailand. Gehen tut das alles, ich persönlich würde ab drei Personen über eine Vergrößerung nachdenken.

Hat Dich Dein Syncro Camper auf dieser Reise einmal im Stich gelassen? Was ist kaputt gegangen und gibt es beim Syncro neuralgische Punkte, die immer wieder Schwierigkeiten machen?

Ich hatte das Glück, dass Horst‘s Vorbesitzer das Fahrzeug gut gepflegt und proaktiv in Schuss gehalten hat. Somit hatte ich vor der Abreise nur kaputte Radlager zu tauschen aber das fällt ja eher in die Kategorie Verschleißteil nach 30 Jahren. Nichts dramatisches also.

Auf der Reise selbst hat sich in Spanien zuerst das Umlenkgetriebe durch Geräusche bemerkbar gemacht, das habe ich dort auch austauschen lassen. Das Gleiche passiere in Marokko mit dem Lenkgetriebe. Natürlich war die Beschaffung des Ersatzteils durch den Zoll ein bisschen nervig aber es konnte alles problemlos repariert werden.

Typische Schäden für einen Syncro sind das beides nicht. Bekannte Schwachstelle aber ist leider das Schaltgetriebe, das gerne kaputt geht.

Ein Vorteil beim T3 gegenüber moderneren Vans: Hier kann noch selbst Hand angelegt werden – Rene beim Schrauben.
Bis die Ersatzteile eintreffen hat man die Chance, Freunde im Land zu finden. Rene’s all abendlicher Besuch mit leckerer Verpflegung und Tee.
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Wie sieht die Versorgung mit Ersatzteilen für den Syncro aus. Sind die meisten davon problemlos verfügbar oder kann das schon mal in Sucherei ausarten.

Die Ersatzteilversorgung für den Syncro ist gut, die Teile gibt es noch. Leider ist der T3 jedoch nicht weltweit so stark vertreten. Wenn an einem Toyota das Getriebe streikt, findet man das wahrscheinlich an jeder Straßenecke, während man es bei einem T3 zwar erwerben kann, aber erst einmal in das Land importieren lassen muss, in dem man sich befindet.

Innerhalb Europas ist das natürlich kein großes Problem und auch in Nord Amerika gibt es eine große T3 Fangemeinde mit vielen Shops.

Mit der Fangemeinde sprichst Du einen wichtigen Punkt an. Wir erleben selbst ständig, wie wichtig es ist, sich mit Leuten zu vernetzen, die sich mit genau diesem Fahrzeug auskennen. Hat man unterwegs ein Problem, sind sie mit ihren Tipps die beste Hilfe zur Selbsthilfe. Kannst Du Anlaufstellen empfehlen, bei denen man auf nette Gleichgesinnte trifft?

Es gibt ein spezielles Forum für den Syncro, das ig Syncro 16. Leider hatte dies irgendwann einmal schwere technische Probleme und war längerfristig nicht erreichbar. Es ist wieder online, jedoch hat sich viel von den Aktivitäten dort auf diverse Facebookgruppen verlagert.

Was ich so in noch keiner anderen Szene erlebt habe, ist der fachliche Umgangston in diesen Gruppen miteinander. Da gibt es keinen Shitstorm, auch wenn die gestellte Frage noch so blöd sein mag. Da könnte man posten: „Soll ich den Schlüssel zum Starten rechts oder links herum drehen?“ und man wird innerhalb von Minuten sinnvolle Antworten bekommen. Das einzige, was man machen sollte, ist zuvor die Suchfunktion nutzen, damit eine Frage nicht zum tausendsten mal gestellt wird.

In 3,5 Jahren, die ich in der Szene aktiv bin, ist die Hilfsbereitschaft unter den T3 Syncro Besitzern immer wieder beeindruckend. Kurz nach einem Post über ein defektes Teil, wurde bereits Hilfe und Ersatz organisiert. In diese Gruppen einzutreten ist wirklich empfehlenswert, wenn man sich für so ein Auto interessiert.

T3 Syncro unterm Sternenhimmel
Man kann mit einem Syncro zwar alleine stehen – aber allein dastehen, wird man mit der hilfsbereiten Fangemeinde nie!

Hast Du je darüber nachgedacht, den Syncro nach dem Unfall nicht mehr aufzubauen, sondern Dir eine andere Basis als einen T3 zuzulegen?

Ganz kurz hatte ich die Idee, mich vom Wohnraum her zu vergrößern. So eine Innendusche zum Beispiel wär ja doch eine ganz coole Sache. Die Gelegenheit ergab sich und ich saß tatsächlich schon mal in einem reisefertigen Unimog, der auch schon erprobt war und viel von der Welt gesehen hatte. Ich hätte ihn zu einem echten Freundschaftspreis bekommen können. Doch als ich so darin saß, dachte ich an all die engen Stellen, an denen ich zum Beispiel in Portugal schon mit meinem kleinen Bus Schwierigkeiten hatte. Außerdem ist mir das beim Freistehen zu auffällig.

Bestimmt hätte die Diskussion um „mehr Platz“ noch mal einen größeren Stellenwert, wenn man zu zweit unterwegs wäre, doch Status Quo bin ich alleine und da überwiegt für mich die Flexibilität und die Unauffälligkeit gegenüber einem höheren Platzangebot.

Wie viel Kraftstoff verbraucht der Syncro durchschnittlich auf 100 km?

Auf Landstraßen und Autobahn, fahre ich den T3 mit ungefähr 7,5 bis 8 Litern Diesel. Wenn‘s dann hügelig wird, geht es schnell Richtung 10 – 12 Liter. Im Sand brauchen wir über Verbrauch natürlich nicht reden … da gingen so 19 Liter durch.

Hat das Fahrzeug einen gravierenden Nachteil oder etwas, dass Dich immer wieder wirklich nervt?

Nö!

Das ist doch mal eine klare Aussage zum Abschluss. Danke für Deine Infos und persönlichen Eindrücke zum Fahren eines T3 Syncro Campers als Reisemobil für Langzeit- und Offroadreisen.

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FOLGE RENE UND SEINEM T3 SYNCRO „HORST“

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2 Kommentare zu “T3 Syncro Camper zum Reisen – Landschaftsfotograf Rene Freitag im Interview”

  1. Tolles Interview Sabine!
    Was fürne Hammeraktion mit der Bergung!….für die Eigenbergung reicht da ne Drohne wohl nicht;-)
    Chice Fotos! Ist die „goldene Stadt“Sète?
    Cooler „Horst“…sauber, dass René die Karre nach der kleinen „Unpässlichkeit“wieder aufgebaut hat! Ein T3 is einfach Kult!
    LG
    Petrec

    1. Hallo Petrec,
      Danke für Dein Lob ans Interview, freut mich, dass es Dir gefallen hat! 🙂
      Ich weiß ehrlich gesagt auch nicht, welche Stadt Rene da im Hintergrund fotografiert hat – aber da er auf der Tour dort war, könnte es Séte schon sein 😀
      Aller beste Grüße an Dich und lass es Dir gut gehen,
      Sabine

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