Beziehung auf kleinstem Raum

SabineAllgemein, Motivation10 Comments

Unsere Beziehung auf kleinstem Raum führen wir nun seit schon bald einem Jahr und gestern feierten wir glücklich unseren vierten Hochzeitstag – so fern der heutige Neubau der Wasserversorgung im rollenden Zuhause (siehe Bild) für einen etwas mit „feiern“ zu tun hat! Für uns hat es das definitiv, denn wir arbeiten gemeinsam an unserem Traum vom unbahängigen Leben. Aber gerade bei solchen Gelegenheiten werden wir oft gefragt, wie das denn nun eigentlich so ist und ob wir uns nicht tierisch gegenseitig auf den Sender gehen!?

Wir sind der Ansicht: Wenn man in einer normalen Wohnung nicht wirklich zueinander passt, dann wird man es auch in einem Wohnmobil nicht tun aber da kann der kleine Raum nix für!

FAKT IST:

Wir verbringen eigentlich 24 Stunden am Tag zusammen. Wir leben dabei auf nur 12qm Wohnfläche und haben nicht mal einen Fernseher. Wir arbeiten an den gleichen Projekten und treffen uns gemeinsam mit den selben Freunden.

Ja, da liegt die Vermutung eigentlich nahe, dass man sein Gegenüber öfter mal ungespitzt in den Boden rammen könnte … Aber zum Glück sind wie so oft Vermutung und Realität zumindest nicht ganz das Gleiche!


Um es kurz zu machen könnten wir sagen, dass wir wohl „einfach Glück“ gehabt haben, jemanden zu finden, der die gleiche Denkweise hat und die gleichen Ansichten teilt – jemand für den man gleichzeitig geliebter Partner und bester Kumpel ist. Aber auch das Glück einer solchen Beziehung hält ganz bestimmt nur an, wenn man darauf achtet, den anderen tatsächlich auch so zu behandeln – als Glücksbringer so zu sagen! Dass uns das einigermaßen gelingt, spielen (für uns) bestimmt viele Dinge eine große Rolle, angefangen mit so Kleinigkeiten wie der, dass es bei uns noch nie einen Fernseher gab.

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WIE? IHR HABT
KEINEN FERNSEHER?

Diesen erstaunten Ausruf bekamen wir sehr, sehr häufig zu hören, als wir noch in unserer festen Wohnung lebten. Einfach weil wir uns nicht zumüllen lassen wollen hatten wir uns dazu entschieden – wir sind überzeugt, es hatte noch einen weitaus positiveren Effekt.

„Aber was macht ihr dann den ganzen Abend?“

…war die Frage, die immer auf die erste Ungläubigkeit folgte.

Klar, früher, in der festen Wohnung, bestand unser Tagesablauf auch darin, dass wir zu unterschiedlichen Zeiten aufgestanden und jeder für sich zur Arbeit gegangen sind. Wie alle haben wir dort dann auch den Großteil des Tages und unserer Energie verbraucht – die Miete und alles muss ja bezahlt werden und dann will man sich auch mal noch „was gönnen können“. Völlig geschafft kamen wir spät am Abend erst nach Hause; noch eine Runde mit dem Hund, schnell viel zu spät irgend etwas essen … boah, bin ich müde!

Zeit mit dem Partner ist knapp, bei so einem Tag. Dann muss aber auch noch das ein oder andere Problem mit der Steuer, mit der Arbeit oder mit sonst etwas, das einem auf der langen Bank schon Bauchschmerzen bereitet angesprochen werden – ok, jetzt aber endlich den Fernseher an und einfach nur ein bisschen berieseln lassen zum runterkommen und entspannen, denn morgen muss man ja wieder früh raus.

Verständliche Reaktion – aber wenn man das tut, dann hat man mit dem Partner wie viel positive Zeit am Tag unter der Woche verbracht? Es tendiert wahrscheinlich so gegen Null. Ob das langfristig einen guten Effekt auf eine Partnerschaft hat sei mal dahin gestellt. Aber lässt man den Fernseher nun einfach mal aus, kann man mit dem bisschen Zeit, was vom Tag noch bleibt, anfangen sich mit anderen Dingen zu beschäftigen und mit dem Partner über schöne und positive Dinge zu reden – Ziele, die man gemeinsam erreichen will, und wie man das anstellen könnte zum Beispiel …

… aber Vorsicht: für uns hat genau dieses Verhalten mit einer Beziehung auf kleinstem Raum und einem Leben im LKW „geendet“! 😉

Doch keine Sorge: Das Leben und die Partnerschaft sind dadurch nur glücklicher geworden. Wir haben von vorneherein „gelernt Zeit miteinander zu verbringen“. Und natürlich: auch bei uns ist nicht immer alles rosarot! In der Zeit, in der wir dachten, dass wir unseren Motor verschrotten können und kein Ersatz zu bekommen war, da war unsere Laune auch nicht gerade auf einem Hoch – und wir sind BEIDE nicht gut darin, damit umzugehen wenn der andere schlecht drauf ist! Ich selbst beziehe dass dann immer ganz gerne auf mich persönlich und Micha versucht krampfhaft einen Plan auszuarbeiten, der mich ganz schnell aufmuntern soll – was aber etwa die Verfügbarkeit von Ersatzteilen natürlich auch nicht wirklich beeinflussen kann und er dann frustriert ist, dass er mich nicht aufbauen kann … ein kleiner Teufelskreis – aber reden (auch wenn’s unbequem wird) wirkt auch hier wahre Wunder!

Drei Monate bis zur endgültigen Reparatur – auch wir müssen mal Frust verarbeiten und in der Zeit auf kleinstem Raum miteinander klar kommen

Klar: Frust färbt stärker aufeinander ab, wenn man 24 Stunden zusammen auf keinstem Raum verbringt. Aber wisst Ihr was:

FREUDE AUCH!

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Unser Fazit

Nein! Zusammen leben auf engstem Raum ist garantiert kein schlimmes Risiko für eine Partnerschaft und wenig Wohnfläche kein Grund sich „anzukotzen“. Wichtig ist wohl einfach nur, dass man sich tatsächlich vorbehaltlos füreinander entschieden hat.
Ja, leicht gesagt, in unserer Konsumwelt, die uns von kleinst auf darauf konditioniert, immer unzufrieden zu sein. Wir wollen immer das NOCH bessere Teil und den NOCH tolleren Style … Leider wendet man so ein gelerntes Verhalten nur all zu schnell wohl auch auf Partnerschaften an und man denkt „er /sie war wohl doch nicht der Richtige“.

Durch unsere Beziehung auf kleinstem Raum haben wir persönlich ein sehr großes gegenseitiges Vertrauen und Verständnis zueinander aufgebauen können und einen liebevollen, nachsichtigen Blick auf unsere jeweiligen kleinen Schwächen gewonnen.

Unsere nächsten Hochzeitstage:

Keine Ahnung wo auf der Welt – aber wahrscheinlich nicht in einer festen Wohnung!

10 Kommentare zu “Beziehung auf kleinstem Raum”

  1. Hallo ihr zwei,

    schöner Artikel! Mich freut das ihr auch das Thema Partnerschaft und Reisen im Wohnmobil ansprecht. Auch wir leben jetzt seit zwei Jahren im Womo und gerade am Anfang war es nicht immer einfach. Das Wichtigste für uns ist zu reden. Wir haben eine Regel: Alles was wir miteinander reden oder diskutieren bezieht sich niemals auf die Beziehungsebene. Wie ein Vertrag das ein Streit niemals um die Beziehung geht, und deswegen diese Beziehung nicht gefärden kann. So haben wir beide die Gewissheit uns auch streiten zu können. Und mir persönlich ist wichtig einen Streit am selben Abend zu beenden. Also ich will nicht im Streit neben meinem Partner einschlafen. Hat bis jetzt eigentlich zu ca 95% geklappt. Aber ich denke auch wer schon in einer Wohnung nicht klar kommt, der kann seine Beziehung im Womo vergessen. In diesem Sinne bleibt euch treu und weiterhin alles Gute.

    1. Jamal, ich finde es einfach wundervoll, was Du über Eure eiserne Regel erzählt hast!!! Das ist wirklich ein Grundsatz, den man sich in jeder Partnerschaft immer ins Gedächtnis rufen sollte!

      Wahrscheinlich ist das nicht Einhalten dieser Regel das Aus für viele Beziehungen. Im Streit den anderen keinen Respekt und keine Wertschätzung für die Beziehung mehr spüren zu lassen, stellt ja automatisch alles in Frage und wenn es auch „nur erst mal“ so ein dumpfes Gefühl im Unterbewusstsein ist …

      Danke für diese wirklich suuuper tolle Ergänzung zu unserem Artikel!

      Aller liebste Grüße an Euch beide und macht weiter so – es ist so schön, wenn Menschen wirklich liebevoll und wertschätzend miteinander umgehen!!!

  2. Hallo Ihr 🙂
    Ich sehe da viele Gemeinsamkeiten!
    Neben der Liebe sind eine gleiche Lebenseinstellung, Toleranz (die Zahnpastatube), Respekt, keine Besitzansprüche, Freiräume (auch das geht bei 12 qm) die Grundlagen für ein glückliches Miteinander.
    Jamals Post hat mich auf etwas gebracht, worüber ich noch nie nachgedacht habe, in der Tat, auch ohne Absprache haben wir in den nun 23 Jahren noch nie auf Beziehungsebene diskutiert.
    Ja, wir haben uns noch nie gestritten! Es wurden Dinge diskutiert, das wars. Streit kann nur entstehen, wenn man den Respekt voreinander verloren hat, IMHO.
    In diesem Sinne, weiterhin viel Glück in eurem Leben und liebe Grüße vom Michael

    1. Hallo Michael!

      WOW! Ihr macht da echt was richtig!!!
      Nach 23 Jahren sagen zu können, dass man noch nie einen „bösen“ Streit mit dem Partner hatte, ist einfach wundervoll! Das Leben hat Euch das schönste Geschenk gemacht, das man sich wünschen kann – einen Menschen zu haben, der „einfach passt“ – und indem ihr euch ganz selbstverständlich mit Respekt, Toleranz und Liebe behandelt, habt ihr es geschafft dieses wundervolle Geschenk, zu erhalten und Euch daran zu erfreuen, statt es wegen Kleinigkeiten kaputt zu streiten!

      Danke für Deinen schönen Kommentar, der zeigt, was man mit Verständnis und Respekt füreinander erreichen kann!!! 🙂
      Liebe Grüße an Euch beide,
      Sabine und Micha

  3. Ich suche noch den, der mich aushælt, aber ihr gebt mir Hoffnung dass es møglich ist 😉
    Alles gute euch 🙂

    1. Ach Lina, ich glaube auch wenn man sich selber vielleicht als „schwierig auszuhalten“ empfindet – es gibt da ganz bestimmt jemanden, der das nicht anstrengend findet, sondern genau die Art von Verrücktheit liebt!!! 🙂

      Alles, alles Liebe für Dich und Grüße in den Norden!
      Sabine und Micha

  4. Hallo Sabine,
    ein toller Artikel und schöne „Innenansicht“ von eurer gemeinsamen Zeit auf engem Raum. Eure Einstellung zum Fernseher finde ich löblich; leider habe ich mich in dem ein oder anderen beschriebenen Muster doch viel zu häufig selbst erkannt! Erschreckend! Aber nehme ich mal mit, als Anregung. Danke dafür! Weiterhin alles Gute für euch beide. Und Hund!
    Viele Grüße,
    Mario

    1. Hallo Mario!

      Auch wenn meine Antwort diesmal leider ziemlich spät kommt: Ich freu mich sehr, dass Dir der Artikel gefällt und Du etwas als positive Anregung daraus mitnehmen möchtest! … aber keine Sorge, ich glaube keiner von uns ist davor gefeit, sich in dem ein oder anderen negativen Muster wieder zu finden – doch wenn wir erst einmal erkannt haben, welches Verhalten es ist, dass uns und unserer Beziehung nicht gut tut, dann lässt sich ja schließlich auch was dagegen unternehmen! 🙂

      Wir schicken Dir ganz, ganz liebe Grüße in den Bulli!
      Sabine und Micha

  5. Hallo, habe heute euren youtube-Kanal und Blog entdeckt, da ich seit meiner Kindheit einen Drang nach dem Nomadenleben in mir spüre und er zur Zeit wieder stärker wird. Um so härter ist es zu lesen, dass eine Voraussetzung ist, eine gut funktionierende Beziehung zu haben. Und wer hat die schon? Ich nicht. Überhaupt ist es schwer, in unserer verrückt gewordenen Welt noch normale oder nicht an ihr zerbrochene Menschen zu finden, normale, bodenständige Leute, aber auch mit gesundem Menschenverstand so wie ihr. Ab und zu findet man solche Menschen in Vlogs, aber im realen Leben finde ich keine, alle sind überdreht oder egozentrisch oder sonst wie kaputt. Und, wie gesagt, ohne passende Partnerin gibt’s auch keine schöne Reise… 🙁

    1. Hallo Phillip!
      Natürlich sollte man sich als Paar einig sein über das, was man da tut, denn diese Art zu leben oder auch nur zu reisen ist einfach nicht jedermanns Sache. Aber wenn Du entweder keine, oder aber eine Beziehung hast, die Dich nicht glücklich macht: Hast Du schon mal überlegt alleine los zu ziehen. Manchmal heißt es vielleicht einfach, sich mehr den Dingen zuzuwenden, von denen man spürt, dass sie einen glücklich machen werden und auf Abstand zu denen zu gehen, die einen unglücklich machen.
      Viele Menschen, die wir kennen, sind alleine unterwegs. Sie haben entweder einen Partner, der nicht reisen möchte, die Bedürfnisse des anderen aber versteht und ihn lässt oder sie gehen ihren Weg alleine und tun einfach das, was ihnen Spaß macht, ohne jemanden fragen zu müssen. Es gibt viele Möglichkeiten, solche Wünsche umzusetzen!

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