Beziehung auf kleinstem Raum

SabineMotivation

Seit einem Jahr führen wir nun eine Beziehung auf kleinstem Raum. Ganz 9qm Wohnfläche stehen uns für zwei Personen und einen Hund zur Verfügung. Gestern feierten wir unseren vierten Hochzeitstag – immer noch ohne uns die Köpfe einzuschlagen. Feiern ist allerdings etwas hoch gegriffen, es sei den man kann dem Umbau des Frischwassersystems im Wohnmobil etwas feierliches abgewinnen. Für uns hat es das definitiv, denn wir arbeiten gemeinsam an unserem Traum vom unbahängigen Leben.

Gerade bei solchen Gelegenheiten werden wir aber oft gefragt, wie das denn nun eigentlich so ist und ob wir uns nicht tierisch gegenseitig auf den Sender gehen!?

Wir feiern unseren Hochzeitstag mit einem Einkauf im Baumarkt und dem Umbau des Wassersystems in unserem rollenden Zuhause.

Was ist die Voraussetzung

Naja. Wenn man in einer normalen Wohnung schon froh ist, wenn man mal die Tür hinter sich zumachen kann, dann wird’s im Wohnmobil wohl schwierig. Aber der kleine Raum ist dann nicht schuld daran, wenn es nicht funktioniert. Die besseren „Ausweichmöglichkeiten“ lassen es nur nicht so auffallen, dass man es eigentlich nicht wirklich gut miteinander aushält. Mit solch einer Augenwischerei räumen 9 qm Wohnfläche ganz schnell auf.

Kurzes Update:

Inzwischen haben wir 5 gemeinsame Jahre im Wohnmobil voll. Wie es überhaupt dazu gekommen ist und wie wir heute auf diesen „Werdegang“ zurückblicken? Wir erzählen Dir in diesem Video davon:

Wie ist das bei uns

Wir verbringen 24 Stunden am Tag zusammen. Wir arbeiten an den gleichen Projekten und treffen uns gemeinsam mit den selben Freunden.

Die Vermutung liegt da schon nahe, dass man sein Gegenüber öfter mal ungespitzt in den Boden rammen könnte.

Wir können allerdings sagen, dass wir wohl einfach Glück gehabt haben, jemanden zu finden, der die gleiche Denkweise hat und die gleichen Ansichten teilt. Und noch mehr Glück, dass man sich irgendwie immer in die gleiche Richtung entwickelt.

Zum Beispiel beschließt der eine Vegetarier zu werden und akzeptiert, dass der andere da gerade nicht bereit zu ist … kurz danach kommt der allerdings von ganz alleine auf den Trichter, dass das die beste Idee für ihn ist. So ziehen sich Entscheidungen bei uns durch, wie ein roter Faden. Und das ist glaube ich einfach immer wieder Glück.

Aber auch das Glück einer solchen Beziehung hält ganz bestimmt nur an, wenn man darauf achtet, den anderen tatsächlich auch dementsprechend zu behandeln. Als Glücksbringer im wörtlichen Sinne.

Dass uns das einigermaßen gelingt, spielen (für uns) bestimmt viele Dinge eine große Rolle, angefangen mit so Kleinigkeiten wie der, dass es bei uns noch nie einen Fernseher gab.

Wie? Ihr habt keinen Fernseher?

Diesen erstaunten Ausruf bekamen wir sehr häufig zu hören, als wir noch in unserer festen Wohnung lebten. Wir hatten uns schon vor unserer gemeinsamen Zeit dazu entschieden, weil wir uns nicht zumüllen lassen wollten. Ich bin allerdings überzeugt, dass es auch einen sehr positiven Effekt auf unsere Beziehung hatte.

„Aber was macht ihr dann den ganzen Abend?“

…war die Frage, die immer auf die erste Ungläubigkeit folgte.

Klar, früher, in der festen Wohnung, bestand unser Tagesablauf auch darin, dass wir zu unterschiedlichen Zeiten aufgestanden und jeder für sich zur Arbeit gegangen sind. Dort haben wir den Großteil des Tages und unserer Energie verbraucht – die Miete und alles muss ja bezahlt werden und dann will man sich auch mal noch „was gönnen können“. Völlig geschafft kamen wir spät am Abend erst nach Hause. Noch eine Runde mit dem Hund, schnell viel zu spät irgend etwas essen … boah, bin ich müde!

Zeit mit dem Partner ist knapp bei so einem Tagesablauf. Dann muss aber auch noch das ein oder andere Problem mit der Steuer, mit der Arbeit oder mit sonst etwas, das einem auf der langen Bank schon Bauchschmerzen bereitet angesprochen werden. Ok, danach jetzt aber endlich den Fernseher an und einfach nur ein bisschen berieseln lassen zum runterzukommen und zu entspannen, denn morgen muss man ja wieder früh raus.

Verständliches Verhalten. Aber wenn man das tut, dann hat man mit dem Partner wie viel positive Zeit am Tag unter der Woche verbracht? Es tendiert wahrscheinlich so gegen Null. Ob das langfristig einen guten Effekt auf eine Partnerschaft hat sei mal dahin gestellt. Aber lässt man den Fernseher nun einfach mal aus, kann man mit dem bisschen Zeit, was vom Tag noch bleibt, anfangen sich mit anderen Dingen zu beschäftigen und mit dem Partner über schöne und positive Dinge zu reden. Zum Beispiel über Ziele, die man gemeinsam erreichen will, und wie man das anstellen könnte.

Aber Vorsicht: für uns hat genau dieses Verhalten mit einer Beziehung auf kleinstem Raum und einem Leben im LKW „geendet“!

Doch wir haben von vorne herein „gelernt Zeit miteinander zu verbringen“.

Natürlich: Auch bei uns ist nicht immer alles rosarot! Wenn der LKW einem z.B. eine Serie von Problemen entgegenschleudert, für die man erst mal keine Lösung sieht, dann ist unsere Laune auch nicht gerade auf einem Hoch und reagieren auch mal gereizt. Wir sind BEIDE nicht gut darin, damit umzugehen wenn der andere schlecht drauf ist. Ich selbst beziehe dass dann immer ganz gerne auf mich persönlich und Micha versucht krampfhaft einen Plan auszuarbeiten, der mich ganz schnell aufmuntern soll – was bei mir aber nicht fruchtet, weil es das Grundproblem nicht löst und er ist dann frustriert, dass er mich nicht aufbauen kann … ein Teufelskreis, den wir irgendwie nicht durchbrechen können, obwohl wir uns dessen bewusst sind. Aber reden (auch wenn’s unbequem wird) wirkt auch in diesem Fall und schafft liebevolles Verständnis für die Sichtweise des anderen.

Klar: Frust färbt stärker aufeinander ab, wenn man 24 Stunden zusammen auf keinstem Raum verbringt. Aber FREUDE AUCH!

Unser Fazit

Zusammen leben auf engstem Raum ist garantiert kein schlimmes Risiko für eine Partnerschaft und wenig Wohnfläche kein Grund sich „anzukotzen“. Wichtig ist aber, dass man bereit ist, miteinander auch in stressigen Situationen wirklich zu reden und liebevoll auf die Befindlichkeiten des anderen zu sehen.

Ich glaube in unserer Konsumwelt werden wir von Kindesbeinen an darauf trainiert, immer unzufrieden zu sein. Wir wollen immer das NOCH bessere Teil und den NOCH tolleren Style … immerhin wird sogar die Wertigkeit einer Person nur allzu oft (bewusst oder unbewusst) an ihren Besitztümern festgemacht. Leider wendet man so ein gelerntes Verhalten wahrscheinlich nur all zu schnell auch auf Partnerschaften an und man denkt „er /sie war wohl doch nicht der Richtige“. Es könnte ja noch was Besseres geben…

Durch unsere Beziehung auf kleinstem Raum haben wir persönlich ein sehr großes gegenseitiges Vertrauen und Verständnis zueinander aufbauen können und einen liebevollen, nachsichtigen Blick auf unsere jeweiligen kleinen Schwächen gewonnen.


Inzwischen haben wir Hochzeitstag Nummer 7 gefeiert – immer noch im LKW, immer an unterschiedlichen Plätzen. Unsere nächsten Hochzeitstage? Keine Ahnung wo auf der Welt, aber gewiss nicht wohnhaft auf vielen Quadratmetern.

Motivation

Mit welchen Fragen haben wir uns motiviert, unser Leben zu verändern, und was man tun kann, um sein Leben ganz schnell von Müll zu entlasten

Reiseinspiration

In unseren Reiseberichten vermischen wir persönliche Eindrücke mit handfesten Tipps für Deine Wohnmobilreisen. Folge uns zum Beispiel nach Marokko, Tunesien, Korsika, Sardinien …