Die Qual der Wahl oder „Wo geht’s als nächstes hin?“

SabineAllgemein, Reisetagebuch0 Comments

Inzwischen ist es Ende Juli. Schon wieder so viel Zeit vergangen und ich befinde mich beim Schreiben dieser Zeilen nicht an einem tollen Reiseziel sondern noch immer auf dem Hof von 4wheel24.

Vielleicht hätte ich in meinem letzten Tagebucheintrag das Schicksal nicht mit dummen Sprüchen herausfordern sollen. Zwischen dem erwarteten „entspannten Endspurt“ beim Ausbau und heute, liegen auf jeden Fall viel Arbeit und ein Krankenhausaufenthalt mit Erblindung eines Auges bei Micha. Dem sofortigen Einsatz von viel Kortison sei Dank, leistet der Sehnerv wieder seinen Dienst.

Zur schnellen Fertigstellung unseres neuen Exmos hat die Geschichte nicht beigetragen, aber letztendlich nähern wir uns doch dem Ziel.

Ist-Zustand

Beim Schreiben dieser Zeilen sitze ich gemütlich auf dem Bett im Heck des LKW und schaue ab und zu über den Rand des Laptops. Zufrieden genieße ich den Anblick des Raums vor mir, denn aus der Baustelle ist schon ein richtig schönes Zuhause geworden. Und obwohl so vieles noch nicht richtig funktioniert, sind wir vor ca 4 Wochen bereits eingezogen und fühlen uns auch schon sehr wohl hier drin.

Der LKW in dem wir die letzten vier Jahre gewohnt haben, hat sich indes bestimmt ebenfalls an seine neuen Besitzer gewöhnt – und sie sich hoffentlich an ihn. Ich stelle es mir gar nicht so einfach vor, wenn man vom Smartfahrer, ohne Erfahrung mit Campern oder alten Fahrzeugen, plötzlich zum Bewohner und Fahrer eines bald 50 Jahre alten Oldtimer LKW wird. Aber das junge Paar ist unumstößlich gut gelaunt und wird das genauso schaffen wie wir damals, als wir vom Citroen Jumper umgestiegen sind und noch keine Ahnung von den lustigen Episoden hatten, die mit so einem alten LKW auf einen erwarten.

Mein Blick vom Bett in unsere neue, fahrende Wohnung. Noch eine Baustelle, aber wir fühlen uns bereits jetzt sehr wohl.
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Durch den ganzen Hype, der in letzter Zeit um das Thema „Vanlife“ entstanden ist, habe ich jedoch durchaus manchmal den Eindruck, dass der ein oder andere vor dem Kauf eines Fahrzeugs nicht recht zwischen der Welt bei Instagram und dem realen Leben im Wohnmobil zu unterscheiden vermochte. Klar ist es geil, sonst würden wir jetzt nicht schon in unser drittes Fahrzeug ziehen. Aber Achsöl stinkt nach Katzenpisse, die meisten Stellplätze sind nicht Instagram-verdächtig und so günstig wie man sich erhofft hatte, ist der Lebensstil nun doch wieder nicht.

Aber ich schweife ab. Um nach 1,5 Jahren Bauzeit endlich mal wieder tatsächlich instagramreife Plätze statt Werkstattgelände zu sehen, machen wir uns derzeit an die Reiseplanung. In gut vier Wochen wollen wir auf der Straße sein.

Die Qual der Wahl

Es ist die Frage, die wir derzeit am häufigsten gestellt bekommen. Davon abgesehen ist es auch die, die wir uns selber gerade am häufigsten stellen: Wo geht‘s als Nächstes hin???

Gute Frage. Eigentlich würden wir es gerne so machen, dass wir jeden Morgen mit einem Kaffee und einem Blick auf Google Maps entscheiden, ob wir heute nach Links oder nach Rechts den Übernachtungsplatz verlassen. Warum auch nicht. Wir sind völlig unabhängig. Keine Termine, keine Verpflichtungen, die uns irgendwann an einem bestimmten Ort erwarten lassen. Trotzdem kann es nicht schaden, sich auf eine gewisse Grundrichtung festzulegen. Zum Beispiel um all zu viel schlechtes Wetter zu vermeiden … Dauerregen im Winter kann man sonst auch in Deutschland haben.

Schon eher unser Winterwetter. Hier auf der Durchreise in Spanien.

Es gibt also ein paar Entscheidungskriterien.

Das Wetter

Klar, so richtig knackig kalt und tolle Schneelandschaft, das hat auch mal was. Kälte ist aber nicht gerade unser erklärtes Ziel und wir bevorzugen es, ihr leicht davon fahren zu können. Eine Bergpassage mit schneebedeckten Gipfeln ist also eher was für uns, als die Grundrichtung „Norden“ einzuschlagen. Aus diesem Grund werden wir zum Ende des Sommers wohl nicht gerade Richtung Norwegen und Schweden aufbrechen.

Natürlich versuchen wir auch andere Wetterphänomene in die zeitliche Planung der Reiseroute einfließen zu lassen. Mitten in der tropischen Regenzeit oder der Hurrikan Saison an der südlichen Ostküste der USA muss man nicht unbedingt die Durchreise planen. Ein bisschen Timing schadet hier nicht, wobei sich aufgrund anderer Umstände natürlich nicht nur ums Wetter herum planen lässt.

Die Kosten

Zu Berücksichtigen bei der Reiseplanung sind vor allem die Preise für Diesel, Visa, eventuelle Verschiffungen, Versicherungen … Wir haben uns schon öfter über einen gewissen Zeitraum von Reis und ein bisschen reingeschnibbeltem Gemüse ernährt, insofern können wir solche Kosten in teuren Ländern gut mal drücken.

Mit Norwegen auf Platz 4 und Schweden auf Platz 7 der höchsten Dieselpreise der Welt (Global Petrol Prices), spricht jedoch ein weiteres Argument gegen die Fahrt Richtung Norden.

Richtung Nodkap wird es also erst einmal nicht gehen. Dafür tun dies an dieser Stelle unsere aller liebsten und herzlichsten Grüße: Und zwar an unseren treuen Begleiter Markus aus Schweden, der uns nach jedem Video auf unserem Youtube-Kanal ein paar total nette Zeilen in die Kommentare schreibt. Lieber Markus, wir hoffen und denken, dass wir uns dennoch irgendwann mal persönlich treffen werden. Wir würden uns echt freuen.

Der Naturfaktor

Wir suchen tolle Landschaften mit möglichst viel unbebautem Gebiet. Gibt es die Chance Wildtiere zu sehen: Optimal. Von daher wäre Norwegen zwar kein schlechtes Pflaster, aber nicht das einzige.

Junge Gänsegeier üben Flugmanöver – einfach herrlich zu beobachten. Gorge du Verdon, Frankreich
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Osten, Süden oder Westen

Der Osten

Die Mongolei, Kasachstan und Georgien stehen auf der Liste unserer Reisewünsche ziemlich hoch im Kurs. Dabei noch das Kaspische Meer umrunden – großartig! Leider haben wir in der letzten Zeit von einigen Reisenden gehört, dass es schwierig geworden ist, in den Iran zu kommen. Im April sind zuerst Motorräder verboten worden, jetzt wird auch von LKW‘s berichtet, die umkehren mussten.

Außerdem braucht man für den Iran ein Carnet de Passage. Man bekommt das Geld zwar nach der Ausreise aus den Carnet-pflichtigen Ländern irgendwann wieder – aber trotzdem muss man die Kohle ja erst mal haben! Die Tour Richtung Osten ohne den Iran zu machen, wäre allerdings mehr als schade.

Insgesamt ist die Lauferei für Einreisegenehmigungen usw in Zentralasien ein bisschen nervig.

Der „unbebaute Flächen Faktor“ wäre bei dieser Richtung aber wohl am höchsten. Die Mongolei ist viermal so groß wie Deutschland und hat grade mal ganze 3 Millionen Einwohner. Es ist somit der am dünnsten besiedelte Staat der Erde. Krass ist auch: Von den 3 Millionen Einwohnern, leben 40% in der Hauptstadt Ulaanbaatar.

Was Kosten und Wetter angeht, ist die Tour „so lala“. Preise für Visa, Sprit usw. sind in vielen Ländern Richtung Osten nicht gerade billig. Eine Top Überwinterungs-Wetterlage sieht übrigens auch anders aus. In der Mongolei liegen die durchschnittlichen Tagestemperaturen im Winter bei -25 Grad!

Auch Kasachstan macht nur im Sommer Spaß. Mit bis zu – 40 Grad im Winter kann man die Badehose getrost im Keller lassen.

Im Vergleich verschmerzbar ist das Wetter an Georgiens Schwarzmeerküste mit ca. 3-5 Grad im Januar. In dem Land darf man sich sogar visumfrei bis zu 360 Tage im Jahr aufhalten.

Der Süden

Es gibt eine Abwandlung der Frage „Wo geht‘s als nächstes hin“, die wir auch immer wieder hören. Sie lautet: „Wann geht‘s wieder los, nach Nordafrika?“

Ehrlich gesagt konnten wir uns bis vor ein paar Tagen überhaupt nicht vorstellen, wieder nach Marokko oder Tunesien zu fahren. Tunesien war absolut bezaubernd und wundervoll aber für einen langen Aufenthalt ist uns das zu bereisende Gebiet viel zu klein. Algerien und Libyen als Nachbarn, laden nun auch nicht gerade zu einem lustigen Ausflug ein.

Ein halbes Jahr in Marokko hat uns eigentlich auch gereicht um jetzt etwas anderes sehen zu wollen. Was wir aufgrund einer verschluderten Gelbfieberimpfung (für Senegaleinreise vorgeschrieben) nicht gemacht hatten, war Marokko Richtung Mauretanien und Senegal zu verlassen. Afrika verändert sich ab hier gegenüber Marokko oder Tunesien aber erst zum „richtigen“ Afrika, wie es immer wieder so schön heißt.

In der Wüste mit dem Wohnmobil Sonnenuntergang
Sonnenuntergang im Erg Lihoudi, Marokko

Mauretanien ist drei mal so groß wie Deutschland und besteht, bis auf eine Dornbuschsavannenzone aus Wüste. Hat man die Sahara durchquert, gelangt man ab dem südlichen Teil des Landes ins so genannte Sub Sahara-Afrika – umgangssprachlich immer noch Schwarzafrika genannt. Hier sind die Europäischen Einflüsse dann vorbei und es wird erst richtig spannend. So ein bisschen Lust, Afrika ein Stück weiter zu erkunden, hätten wir ja schon.

Der Westen

Das Nummer Eins Ziel unserer Bucket List: Die Amerikas. Mittel- und Südamerika reizen uns dabei besonders. Belize, Costa Rica, Mexiko … Da lachen unsere Reiseherzen. Wusstest Du, dass 27% der Landesfläche Costa Ricas unter Naturschutz stehen und seine pazifischen Gebirgshänge die größte Artenvielfalt der Erde aufweisen? Und wusstest Du, dass das Land seine Armee einfach komplett abgeschafft hat, um mit dem Geld lieber Bildung und Gesundheit zu fördern? Wir können es kaum erwarten, Costa Rica in jedem Winkel zu erkunden.

Gerade haben wir ein (bis jetzt) rein informatives Angebot für die Verschiffung des LKW, sowie Infos und Preise für Versicherung eingeholt. Man muss ja wissen, womit man rechnen muss.

Rechnen, das wissen wir bereits, muss man mit tränenden Augen beim Zusammenrechnen der Kosten. 10.000 Euro für Verschiffung, Transportversicherung, Flüge, KFZ-Versicherung für die ersten 6 Monate in den USA und Kanada usw. sind locker ad acta zu schreiben. Nicht schlecht.

Es gibt noch etwas, das gegen das direkte Buchen eines RoRo Schiffes spricht: Der Kanadische Winter, der uns erst einmal in Empfang nehmen würde. Dabei wollten wir die -40 Grad ja eigentlich umgehen. Direkt 5000 km nach Mexiko durchzuknallen, wäre allerdings pure Geldverschwendung und auch nicht besonders entspannt.

Bei einer Verschiffung im Frühjahr hätte ich dagegen das Glück zur Walsaison in Kanada anzukommen und die Wale im Winter in Mexiko wieder zu sehen. Für mich: Ein echtes Argument.

Wo geht‘s also als nächstes hin?

Immer noch eine gute Frage. In vier Wochen soll unser neues Zuhause fahrbereit sein und wir verlassen Deutschland für unbestimmte Zeit. In welche Richtung wir dabei zuerst fahren, dass entscheidet sich in den vier Wochen vermutlich noch einige male neu.

Fest steht: Dieses Reisetagebuch wird bald endlich mit Berichten von unterwegs gefüllt.

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