106 Tage Angst um Luke – Als in Indien unser Hund entführt wurde

SabineCommunitygeschichten

Syncro Travels - Janin, Steffen und Luke im T3 Syncro

Janin und Steffen machen das Leben zu ihrem Abenteuer. In einem T3 Syncro fahren sie dem Wind hinterher. Hier erzählen sie die Geschichte ihrer unglaublichen Suche nach Luke, ihrem treuen Freund und Begleiter. Eine Geschichte, die einen lehrt, nie aufzugeben – egal, wie gering die Hoffnung auch erscheint.

Danke an Syncro Travels für das Aufmerksam machen auf das Thema Hundediebstahl, Euren unermüdlichen Einsatz für Luke und für das Weitergeben von Mut, Entschlossenheit und Hoffnung im Erzählen Eurer Geschichte.

Allen Hundebesitzern: Gute Nerven beim Lesen und ein Leckerli an Eure geliebten Fellnäschen.

Steffen, Janin und Hund Luke
Janin, Steffen und Luke

„Eigentlich wollten wir nie einen Hund.“

Diese Aussage ist im Nachhinein vielleicht etwas traurig, aber wahr. Weder Steffen, noch ich, Janin, sind mit Hunden groß geworden und irgendwie konnten wir die Aussage ″Hund, der beste Freund des Menschen″ einfach nicht nachvollziehen.

Anfang Juni 2016 – Unverhofft zu dritt

Wir waren in Griechenland, auf Lefkada. Von dort aus wollten wir uns langsam auf den Weg nach Athen machen und dann mit der Fähre weiter auf die griechischen Inseln. Wir beide lieben das Kitesurfen und so fahren wir immer dem Wind hinterher.

Eigentlich war nicht genug Wind zum Kiten auf Lefkada, das wussten wir auch. Aber der Spot sah so großartig aus, dass wir unseren Bus an einem abgelegenen Platz geparkt haben und dann ging es mit Kitematerial zum Strand. Wie erwartet, hatte der Wind gerade so nicht gereicht und so sind wir eine Stunde später wieder zurück zu unserem kleinen Zuhause, einem VW T3 Syncro.

Dort war plötzlich auch ein kleiner Hundewelpe. Schwarz, mit weißem Bauch und weißen Pfoten. Er hat gequiekt und ist uns hinterhergelaufen. Unser Kitematerial fand er besonders interessant. Wir haben ihm eine Schüssel mit Wasser hingestellt, die er sofort ausgetrunken hat. Dann sind wir mit ihm spazieren gegangen. In Griechenland gibt es viele Straßenhunde und wir dachten, dass die Mutter sich vielleicht noch irgendwo im Gebüsch versteckt.

Wir waren die einzigen auf dem abgelegenen Parkplatz.
Am nächsten Morgen sind wir zum einzigen Tierarzt der Insel gegangen. Man sagte uns, dass der Welpe wahrscheinlich ausgesetzt wurde.
Wir haben ihn impfen lassen und ein Mittel gegen Zecken und Würmer mitbekommen. Ein paar Tage haben wir uns um den Kleinen gekümmert.

Eine Woche später sind wir wieder zum Tierarzt. Die Tierärztin meinte, dass es das Beste für den Welpen wäre, wenn wir ihn mitnehmen würden.
Wir hatten den Kleinen in den paar Tagen schon so sehr in unser Herz geschlossen, dass wir irgendwie gehofft hatten, dass wir ihn adoptieren dürfen.

Nun waren wir zu dritt. Und es hätte nicht besser sein können. Ein Name hat sich auch schnell gefunden. Luke. Plötzlich haben wir uns über jeden Hund unterwegs gefreut und Luke ist auch Zuhause ein fester Teil unserer Familie geworden.

Irgendwie haben wir gehofft, ihn adoptieren zu dürfen

Auf nach Indien!

Ein paar Wochen später haben wir uns entschieden: Nach unserem kleinen Europatrip würden wir wieder losfahren. Diesmal Richtung Indien. Und Luke kommt natürlich mit. Nachdem wir Hundepass, Mikrochip, Impfungen und Titer-Test für Luke fertig hatten, konnte es auch schon losgehen.

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Zuerst nach Istanbul, West und Südküste der Türkei. Nach Georgien, Armenien, Azerbaijan, weiter in den Iran und über Pakistan schließlich nach Indien.

Luke wurde im Bus groß und ihm hat der lange Roadtrip mindestens genauso gut gefallen wie uns. Ob Wüste, Schnee, Strand oder Stadt, alles war für ihn ein Abenteuer. Wir haben uns oft gefragt, ob er überhaupt vor irgendetwas Angst hat. Und ja, tatsächlich: Er mag keine quietschenden Hundekuscheltiere. Einmal hatte er sich eines geschnappt. Als er dann darauf rumkaute und es plötzlich quietschte, hat er es fallen lassen und ist mehrere Meter weggelaufen. Es wurde dann aus der Ferne weiter streng beobachtet, aber nie wieder angerührt.

Indien war dann ein Schock für Steffen und mich. Wir hatten ja mit vielen Menschen gerechnet. Aber dass davon die meisten vor unserem Bus anhalten, dort mehrere Stunden bleiben und uns beobachten, damit hatten wir nicht gerechnet. Keine Privatsphäre zu haben war für uns sehr anstrengend. Und Luke? Der ist immer offen auf alles und jeden zugegangen. Stolz und mit Freude.

Anfang Juli 2017 – Wo ist Luke

Wir waren in Chennai, Indien. Ich saß im Auto und habe an unseren Videos gearbeitet, Steffen war in der Stadt um etwas für unser Auto zu organisieren.

Da das Auto in der prallen Sonne stand, war es für Luke drinnen zu heiß. Er hat in solchen Situationen immer einfach unterm Auto geschlafen. Plötzlich stand jemand vor unserem Auto und sage mir, dass ein Rickshawfahrer meinen Hund mitgenommen hat. Ich bin aus dem Auto rausgesprungen, aber nur noch die Leine hing dort. Von Luke oder einem davonfahrenden Rickshaw weit und breit keine Spur.

In meinem ganzen Leben habe ich mich noch nie so schlecht gefühlt, wie in diesem Moment. Meine Beine waren kurz davor nachzugeben. Ich hatte Schuldgefühle, Panik und vor allem Angst. Schnell stand eine ganze Schar von Indern um mich herum, von denen irgendjemand die Polizei gerufen hat. Ich wollte losrennen. Luke hinterher. Aber ich wusste nicht wohin. Indien ist laut und unübersichtlich. Chennai eine Stadt mit über 7 Millionen Einwohnern. Irgendwie habe ich es dann geschafft Steffen anzurufen.

In meinem ganzen Leben habe ich mich noch nie so schlecht gefühlt, wie in diesem Moment.

Die Suche beginnt

Von hier an wird es sehr schwierig, die ganze Geschichte so zusammenzufassen, dass dieser Beitrag kein ganzes Buch wird.

Luke war weg. Trotz Namenstag mit Telefonnummer und Email hat sich niemand gemeldelt. Auch nicht trotz hohem Finderlohn, mehreren 1000 Flyern, News Auftritt, Zeitungsartikeln, 250 Briefen an alle Tierarztpraxen in Chennai, Zeitungs-Advertisments, Teilen von Infos in allen möglichen Social Media Gruppen, und noch viel mehr, kam einfach nicht der richtige Anruf. Und es gab viele Anrufe. Es gibt viele Straßenhunde in Indien und wir bekamen viele Anrufe, dass Luke angeblich gefunden wurde. Aber es war nie Luke.

Hund entführt in Indien. Mit Tausenden Flyern auf der Suche nach Luke.

Unser indisches Handy hat in den ersten Tagen ununterbrochen geklingelt. Das Schlimmste war jedoch, dass die meisten Anrufer kein Englisch sprechen konnten. Wir konnten nicht mit ihnen kommunizieren und wir wussten nicht, ob sie vielleicht wichtige Hinweise oder sogar Luke hatten.

Es haben sich viele Inder gemeldet, um uns zu helfen. Darunter war auch Vijaya. Vijaya hat das indische Telefon und damit alle Anrufe übernommen. Sie hat mit uns zusammen Flyer verteilt, aufgehängt und vor allem mit Rickshawfahrern gesprochen. Sie hat uns Hoffnung gemacht. Alleine hätten wir nicht gewusst, wo wir hätten anfangen sollen.

Dann mussten wir auch noch das Land verlassen. Zuerst sind unsere Visa abgelaufen, die konnten wir in Sri Lanka erneuern. Doch dann ist langsam das Visum für unser Auto abgelaufen. Wir mussten Chennai verlassen und nach Nepal fahren.

Zeitungsanzeige in Indien. Gestohlener Hund Luke soll mit Finderlohn wiedergefunden werden.
Suchanzeige nach Hundediebstahl in Indien in den Sozialen Medien
Ob Annoncen in Zeitungen, tausende Flyer oder Social Media: Janin und Steffen setzen jeden Hebel in Bewegung, um Luke zu finden.

Wir haben weiter online alles versucht und Lukes Story regelmäßig geteilt, tausende von Leuten privat angeschrieben, in der Hoffnung, dass eine Nachricht irgendwann die richtigen erreicht.

In Chennai hat Vijaya weiter Anrufe beantwortet und regelmäßig die Flyer bei dem Strandparkplatz erneuert.

Hundediebstahl – Ein unterschätztes Problem

Durch die Suche hatten wir gelernt, dass in Chennai leider oft Hunde geklaut werden. Teilweise sogar von der Leine gerissen, beim Spazierengehen!

Meistens kommen diese Hunde dann zu illegalen Hundezüchtern. Dort werden sie festgehalten, bis die Welpen geboren sind. Die Hunde werden anschließend oft einfach auf die Straße gesetzt.

Es ist grausam, dass so etwas getan wird. Trotzdem hat es uns damals Hoffnung gemacht, Luke hoffentlich mit einem Finderlohn wieder zurückbekommen zu können. Außerdem war er kein reinrassiger Hund. Und damit wertlos. Wahrscheinlich wusste der Dieb dies aber nicht.

Hundediebstahl gibt es leider auch bei uns in Deutschland. Das war etwas, was uns gar nicht bewusst war. Was uns auch erschrocken hat: Ein Hund ist rechtlich gesehen nur eine Sache, ein Wertgegenstand. Nicht mehr. So wird es auch in Indien gesehen. Deswegen hat die Polizei zunächst auch wenig Interesse an Lukes Fall gehabt.

Ende Oktober 2017 – Ist es LUKE?

Nach über 100 Tagen ohne Luke, muss ein Flyer von Vijaya die richtige Person erreicht haben. Sie bekam einen Anruf und danach ein Foto, dass sie mir weitergeleitet hat. Zum ersten Mal sah es aus wie Luke. Wir hatten zu dem Zeitpunkt schon so viele Enttäuschungen hinnehmen müssen. Trotzdem waren wir das erste Mal voller Hoffnung.

Drei Stunden nachdem das Foto gesendet wurde, hat Vijaya sich mit dem Herren beim Tierarzt getroffen. Ich habe in den drei Stunden pausenlos das gesendete Foto angeschaut.

Mit dem Microchipscanner vom Tierarzt haben sie in voller Aufregung den Nacken des Hundes gescannt. Dann hat das Gerät eine Nummer angezeigt. Die Microchipnummer des Hundes. Es war Luke.

Mikrochip scannen beim Tierarzt in Indien
Beim Auslesen der Mikrochip Nummer stellt sich endlich Klarheit ein: Es ist tatsächlich Luke

Ein Wiedersehen nach 106 Tagen Albtraum

Für uns waren diese 106 Tage der reinste Albtraum. Schuldgefühle und immer das Gefühl, dass man mehr machen muss, mehr suchen muss. Ohne zu wissen, ob man jemals damit Erfolg haben kann. Es war grauenhaft nicht zu wissen was passiert ist, wie es Luke geht, ob er überhaupt noch am Leben ist oder ob man ihm vielleicht sogar Gewalt antut. Ständig diese Bilder im Kopf zu haben, war schrecklich. All unsere Sorgen und Wünsche, die wir vorher hatten, waren plötzlich egal. Es gab nur noch eine Sorge und nur noch einen Wunsch.

Alle Sorgen und Wünsche, die wir vorher hatten, waren plötzlich egal. Es gab nur noch eine Sorge und nur noch einen Wunsch.

Als dann die Nachricht kam, dass Luke in Sicherheit ist und dass es ihm soweit gut geht, sind wir zusammengebrochen. Alle Ängste und Sorgen der letzten Wochen und Monate haben sich zu einem großen Gefühl der Erleichterung zusammengeschlossen. Ich war für mehrere Stunden nicht ansprechbar. Ich war nur am Weinen. Als Vijaya mich anrief, konnte ich nichts sagen, außer : “Danke! Danke! Danke!“

Wir sind dann von Kathmandu nach Chennai geflogen, um Luke abzuholen. Luke wiederzusehen war sehr emotional, aber verglichen mit der Nacht, in der wir die Nachricht bekommen hatten, dass er lebt und dass es ihm gut geht, war es etwas ganz anderes. Luke hat gequiekt als er uns wiedergesehen hat und ist immer wieder dicht um uns rumgelaufen. In dieser Nacht haben wir alle drei fast 12 Stunden durchgeschlafen.

In Chennai wurde Luke dann von all den Helfern abwechselnd besucht und ordentlich verwöhnt. Eine Woche später sind wir mit der Bahn nach Nepal gefahren. Luke ging es soweit gut. Er hatte Skabies (eine Hautkrankheit aufgrund von Parasiten), aber das sind wir schnell wieder losgeworden. Er war nicht abgemagert, aber seine Haut und Fell ließen auf schlechte Nahrung schließen. Zeichen von Gewalt gab es zum Glück nicht.

November 2018

Nach zwei Tagen Bahnfahrt und einem Tag Busfahrt sind wir an einem der schönsten Wandergebiete Nepals angekommen, der Annapurna Region.

Wir sind zusammen Wandern gegangen und konnten uns in der wunderschönen Natur Nepals erholen. Luke hat es geliebt, jeden Tag an der frischen Luft zu sein und ist schnell wieder zu unserem alten Spinner geworden. Nepal ist unglaublich vielseitig und ganz anders als Indien. Oft hat man nicht mal Internetempfang. Wenn man in einem einfachen Hotel schläft, gibt es oft keine Steckdose um Handys zu laden, es war toll!

Janin, Steffen und Luke von Syncro Travels
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Dezember 2018

Es ging für uns nach Sri Lanka. Dort haben wir für die nächsten 1,5 Jahre als Kitesurflehrer gearbeitet. Wir konnten Luke oft mit zum Strand nehmen und alle mochten ihn. Er hatte sogar einen eigenen Job: Esel und Raben von unserer Beachhut fernzuhalten. Den Job hat er auch sehr ernst genommen.

Mai 2019 – Neue Pläne

Seit Frühling sind wir zurück in Hamburg. Hier haben wir gearbeitet und uns überlegt, wie es weitergehen soll. Ab Januar geht es nun für uns aufs Land, in die Nähe der Nordsee. Dort haben wir genug Platz, um unsere Projekte verwirklichen zu können.

Noch heute bin ich dankbar für die vielen Helfer und besonders für die Hilfe Vijayas. Sie hat so viel Zeit und Kraft in diese Suche gesteckt, obwohl wir uns vorher nicht kannten und sie Luke nie vorher gesehen hatte. Alleine hätten wir das nicht geschafft. Sie hat Luke gefunden. Bis heute haben wir regelmäßigen Kontakt und wir hoffen sehr, sie nochmal wiederzusehen.

Helferin in Indien - Entführter Hund Luke widergefunden
Janin, Steffen und Luke mit Vijaya, ihrer unermüdlichen Helferin in Indien.
Janin, Steffen und Luke bei Youtube

Wenn Du Janin, Steffen und Luke genauer kennenlernen möchtest: Du findest ihre Videos zu dieser Geschichte, aber auch natürlich die anderen Abenteuer der Drei hier bei Youtube!

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