Kleben statt schweißen – Schnelle Metall-Reparatur mit Flüssigmetall

SabineAllgemein, Werkstatt0 Comments

Flüssigmetall Verarbeitung

Fast genau ein Jahr ist es jetzt her, dass wir unsere Erfahrungen zum Thema Kleben, Dichten und Festhalten bei Reparaturen am Wohnmobil zusammengefasst haben. Aber natürlich hört das Sammeln von Erfahrungen nicht auf. Auf unserer Reise durch die Tunesische Sahara, haben wir gelernt, was unbedingt noch mit in die Wundermittelkiste gehört: 2K Flüssigmetall!

Was genau passiert ist, dass wir mitten im Sand eine Metallreparatur im Motorraum eines Discovery vornehmen mussten, das erzählen Dir unser persönliches Reisetagebuch und dieses Video aus Tunesien.



Flüssigmetall – Was das ist, was es kann, was es nicht kann

Flüssigmetall – Was ist das überhaupt?

Der Begriff Flüssigmetall kann etwas in die Irre führen. Das Produkt, von dem wir hier reden ist nicht zu verwechseln mit echten Flüssigmetallen, die unter Umgebungstemperatur flüssig sind. Dabei handelt es sich in der Regel um Quecksilber.

In unserem Fall ist der Begriff eher umgangssprachlich zu sehen, die Hersteller verwenden ihn aber auch als Produktnamen. Genau genommen handelt es sich dabei um eine Dispersion aus Metallpulver (manchmal auch Keramik) und Epoxidharz.

Das Flüssigmetall ist also ein Klebstoff, der nach dem Aushärten metallähnliche Eigenschaften aufweist. Er besteht aus 2 Komponenten, dem Epoxidharz als Grundlage und dem Härter, die in einem genau definierten Verhältnis vor Gebrauch angemischt werden müssen.

Genauso wie richtiges Metall, kann das Flüssigmetall nach Verarbeitung und Reparatur der defekten Stelle weiter bearbeitet werden. Das heißt, Du kannst es bohren, sägen, schleifen usw. Zudem ist es mit vielen Lacksystemen überlackierbar. Damit kann die Reparatur professionell abgeschlossen werden.

Einsatzbereich von Flüssigmetall – Was es kann

Wie man vermuten würde, ist das Flüssigmetall zur Reparatur von Metallteilen wie Eisen, Stahl oder Guss geeignet. Auch auf Aluminium und verschiedenen anderen Legierungen weißt es eine sehr hohe Haftfähigkeit auf. Darüber hinaus kann es bei weiteren Materialien, wie Keramik, Holz, Beton und vielen Kunststoffen angewendet werden.

Mit dem Flüssigmetall werden in der Regel Reparaturen ausgeführt, bei denen abgebrochene Teile angeklebt, Löcher aufgefüllt oder Schrammen gespachtelt werden müssen. Dünne Risse können ebenfalls sehr gut verfüllt werden, da es mit seiner Konsistenz von Honig bis in kleine Ritzen vordringen kann.

Flüssigmetall ist UV-, verwitterungs- und alterungsbeständig. Darüber hinaus selbstverständlich unempfindlich gegen Wasser, aber auch Salzwasser, Kraftstoff, Öl und viele Chemikalien. Im Einzelfall muss natürlich auf die Angaben der verschiedenen Hersteller geachtet werden.

Ebenfalls Herstellerabhängig ist der Temperatureinsatzbereich. Während es bei Loctite* bis zu 100 Grad sind, hält das Flüssigmetall von Petec bis zu 120 Grad stand.

Anzeige

Praktische Beispiele

Zuhause oder unterwegs können zahlreiche Schäden an Deinem Wohnmobil auftreten, die für den Einsatz von Flüssigmetall prädestiniert sind.

Wir selbst haben es schätzen gelernt, als die Unterdruckpumpe des uns begleitenden Discovery mitten in der Wüste ein Teil verloren hat und damit Öl aus einem recht großen Loch tropfte. Obwohl der zu schließende Spalt groß war und das Öl von hinten nachlief, noch während der Klebstoff flüssig war, konnte das Petec Flüssigmetall* das Loch zuverlässig beim ersten Versuch schließen. Die Unterdruckpumpe musste übrigens bis heute nicht ausgetauscht werden.

Weitere Beispiele für den Einsatz von Flüssigmetall wären etwa

  • eine beim Offroaden gerissene Ölwanne, wenn Du damit zum Beispiel die Ecke eines Steines mitgenommen hast.
  • abgebrochene Kühlrippen
  • undichter Kühler
  • undicht gewordene Lötstelle zwischen Tank und Stutzen (eigene Erfahrung)
  • gebrochene Metallscharniere, auch am Aufbau

… und vieles mehr. Es gibt ja nicht gerade wenige Metallteile, die unterwegs brechen können.

Selbst zur Reparatur von Rissen im Motorblock (etwa durch Frostschäden) wird Flüssigmetall gerne mal hergenommen. Nach etlichen Erfahrungsberichten funktioniert das auch tatsächlich.

Flüssigmetall für Reparatur unterwegs
Schnelle Reparatur in der tunesischen Wüste – Flüssigmetall hat die Pumpe gerettet
Anzeige

Was Flüssigmetall nicht kann

Hin und wieder wird versucht, das Flüssigmetall für die Reparatur von Gewinden zu verwenden. Allerdings muss hier ganz klar gesagt werden, dass der Klebstoff der extremen Zugbelastung einer festen Verschraubung nicht stand hält.

Hier gehört auf jeden Fall ein Gewindereparatur Set mit Gewindeeinsätzen in den gängigen Größen und passendem Montagewerkzeug* in die Reparaturausstattung.

Verarbeitung von 2K Flüssigmetall

Vorbereitung der zu reparierenden Teile

Für eine erfolgreiche Reparatur brauchst Du etwas um die Stellen entsprechend auf den Klebstoff vorzubereiten. Da Du sowieso eine Dose Bremsenreiniger* im Gepäck haben wirst, kannst Du diesen gut dafür verwenden, die zu verklebenden Bereiche zu entfetten. Die Bauteile schon vorher von grobem Schmutz zu befreien und mit einem Lappen trocken zu reiben kann selbstverständlich nicht schaden.

Je nach Schadstelle und Material erweist sich das Aufrauen mit einem Schleifpad* ebenfalls als hilfreich, da dies den Klebstoff besser haften lässt. Nach dem Anpadden die Teile noch einmal mit Bremsenreieniger übersprühen, um Schleifstaub zu entfernen.

Verwendung des 2K Klebstoffes

Zum Anmischen des Flüssigmetalls brauchst Du eine saubere, stabile Unterlage. Bei einigen Anbietern liegt der Packung ein kleines Plastikschälchen mit Spatelchen zum Vermischen und Auftragen bei. Sollte dies nicht der Fall sein, kannst Du einfach ein Stück Pappe und einen Schraubenzieher verwenden. Denk aber daran, den Schraubenzieher schnell wieder mit dem Lappen sauber wischen, das Zeug ist daran natürlich genauso schnell bombenfest, wie an Deinem Werkstück.

Zur genauen Verarbeitungs-, Aushärtzeit usw., ließ auf jeden Fall die Angaben zu dem jeweiligen Produkt, das Du Dir kaufst.

TIPP:

Kaufe Dir ein Produkt in einer Dosiertube, das beide Komponenten in einer Art Spritze enthält. Hierdurch werden die Anteile von Basis und Härter automatisch immer im perfekten Verhältnis entnommen. Bei Produkten die eine „Dosierung von Hand“ erfordern, kann es schwierig sein, das Mischungsverhältnis genau einzuhalten. Dies beeinträchtigt Eigenschaften und Festigkeit des Ergebnisses.

Um sehr einfach zu erkennen, ob die beiden Komponenten auch ausreichend miteinander vermischt wurden, sind etwa bei Petec Basis und Härter unterschiedlich eingefärbt. Erst wenn aus der weißen und anthrazitfarbenen Masse eine homogen Graue geworden ist, ist das Produkt fertig zum Verarbeiten.

Wichtig:

Zur Verarbeitung von allen Klebstoffen die Epoxidharz als Grundlage enthalten, solltest Du Handschuhe tragen. Die Harze können Allergien auslösen und sind teilweise als krebserregend eingestuft.

BITTE BEACHTE: Normale Einweghandschuhe werden von den allergenen Stoffen innerhalb kürzester Zeit durchdrungen und kommen mit Deiner Haut in Berührung. Ganz ohne Beschädigung des Handschuhs. In Deine Ausrüstung gehören deswegen mindestens ein paar dicke
Handschuhe aus Nitril*, Butyl, Butyl / Viton oder PE-Laminat.

Anzeige

Unsere Empfehlungen

Petec Flüssigmetall*. Unsere eigenen Erfahrungen mit Flüssigmetall haben wir mit diesem Produkt gesammelt und können es wirklich nur weiterempfehlen.

Für jeden, der auf Loctite* schwört, hat auch diese Firma ein 2K Flüssigmetall in der Dosierspritze im Angebot.

Wenn man sich Kundenmeinungen ansieht, erhält allerdings JB Weld* mit die beeindruckendsten Bewertungen. Unglaublich, was die Leute damit alles erfolgreich verkleben! Das Motto Kleben statt Schweißen ist da Programm. Kleiner Nachteil: JB Weld muss von Hand angemischt werden und kommt nicht in der Dosierspritze.

Ein hochwertiger Chemikalien Schutzhandschuh*, den man nicht nur für Arbeiten mit Epoxidharz-Produkten brauchen kann. Er schützt auch vor dem Kontakt mit giftiger Bremsflüssigkeit oder scharfen Reinigungsmitteln.

Das könnte Dich auch interessieren

Mehr aus der Werkstatt

Coole Tipps zu Cockpitaufbereitung bis Dach abdichten

Umbau zum Exmo

Video-Doku

Begleite den Umbau eines IVECO 90-16. Vom Feuerwehr Löschfahrzeug zum Expeditionsmobil. Videos nach Bauabschnitten zu Kabinen-Selbstbau, Fahrgestell, Innenausbau und Spezials

Anzeige

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.