Erfahrungsbericht zum Steyr 12M18 – Pistenkuh im Interview

SabineAllgemein, Allrad LKW Basisfahrzeuge, Erfahrungen0 Comments

Steyr 12m18 Expeditionsmobil auf Island

Sabine und Burkhard Koch sind seit nunmehr 14 Jahren on, vor allem aber off the road in der Welt unterwegs. Ihrem Reisefahrzeug, der Pistenkuh, verlangen sie dabei alles ab. Wie sich der Steyr 12M18 dabei schlägt, welche Vorzüge und Nachteile er hat – darüber geben sie uns heute ihren Erfahrungsbericht als Interview.


Wer kennt sie nicht, die Pistenkuh. Der lila Steyr steht für Freiheit und Abenteuer, seine Fahrer Burkhard und Sabine sind Experten für‘s Offroadfahren und haben unzählige Kilometer auf unbefestigten Wegen zurückgelegt. Wir selbst durften viel von den beiden lernen und wir freuen uns, dass wir sie heute zu ihren Erfahrungen mit dem 12M18 löchern dürfen.

Sabine und Burkhard Koch Pistenkuh
Sabine und Burkhard Koch – Besatzung der Pistenkuh

Liebe Sabine, lieber Burkhard – schön, dass wir Euch interviewen dürfen. Wie seid Ihr auf den Steyr 12M18 gekommen und warum habt Ihr Euch letztendlich für diese Basis entschieden?

Das war Zufall. Die Entscheidung fiel innerhalb von drei Minuten.

Ich suchte einen Nachfolger für unseren Magirus 170d12a. Im Internet fand ich einen Iveco Eurotrakker 4×4, der in Bratislava zum Verkauf stand. Ich lieh bei Hertz einen Polo und machte mich mit Sabine auf den Weg.
Auf der Autobahn telefonierte ich mit einem Freund, dem ich sehr viel Sachverstand zutraue und erzählte, dass ich auf dem Weg bin, einen Iveco zu kaufen. „Tue dir das nicht an. Kauf einen 12M18 oder einen 1017 oder einen 110-16 oder einen LE 12.220. Aber mach was du willst, bist ja blöd genug.“

Wir fahren gerade an Nürnberg vorbei. Ein Bekannter in Landsberg handelt mit Militärfahrzeugen, also rufe ich ihn an und frage, ob er einen 12M18 oder einen LE 12.220 oder einen 110-16 auf dem Hof stehen hat. „Ich habe zwei 12M18 hier.“ „Okay, ich komme in zwei Stunden vorbei und nehme einen mit, rote Kennzeichen habe ich dabei und das Handschuhfach ist voll Geld.“

Wo seid ihr mit dem Steyr inzwischen überall gewesen, habt ihr einen Überblick, wie viele Kilometer das bisher sind?

Für den Überblick schaue ich mal auf den Kilometerzähler. 124.815 sind bisher von uns zu den 36.000 bei Übergabe hinzugekommen.

Viel hat er noch nicht von der Welt gesehen. Europa, Marokko, Mauretanien, Algerien, Tunesien, Russland, Iran, VAE, Oman. Das war’s.

*lach* Genau, ist ja fast nichts! *…Ironie aus!*
Ihr seid in der Overlanderszene bekannt dafür, dass ihr bei Euren Reisen am liebsten die Ziele ansteuert, die möglichst schwierig zu erreichen sind – das heißt ihr verlangt dem Steyr alles ab, was er an Geländegängigkeit zu bieten hat. Wird der 12M18 seinem Ruf und seiner Beliebtheit als Offroad-Reisefahrzeug gerecht und was kann er vielleicht besonders gut oder besonders schlecht?

Es kommt immer darauf an, was man aus einem Basisfahrzeug macht. Schwere Aufbauten, schlechte Gewichtsverteilung, lange Heck-Überhänge, schränken die Geländegängigkeit ein. Dies sollte man aber generell nicht dem Basisfahrzeug anlasten.

Der 12M18 ist so gut, dass er mich in 98% der Fälle dort hin bringt, wo ich hin will. Die Grenzen werden durch die Breite, Höhe und das Gewicht gesetzt. So sind z.B. alte Militärstraßen in den Westalpen mit dem Steyr nicht zu befahren, aber auch mit jedem anderen Fahrzeug in dieser Größenklasse nicht.

Steyr 12m18 offroad
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Sind für die gute Geländetauglichkeit auch Dinge an Eurem LKW modifiziert worden oder ist der Steyr „out of the box“ mit den Fähigkeiten einer Pistenkuh ausgestattet?

Der Steyr ist „out oft the box“ für weltweite Expeditionen geeignet. Wir haben ihn dennoch etwas unseren Bedürfnissen und Verrücktheiten angepasst.

Wir haben ihn erst einmal mit der schönsten Farbe gestrichen, violett.
Zudem haben wir die Reifengröße auf 14.00R20 auf Sprengringfelge gewechselt, die Leistung gesteigert, die Beleuchtung modernisiert, das Radio erneuert, das Tankvolumen vergrößert, den Auspuff optimiert, die Luftansaugung auf das Dach verlegt, Dachgepäckträger montiert, Sitze verbessert, Zusätzlichen Dieselfilter montiert und noch ein paar Kleinigkeiten wie Halterungen für Stative und Filmausrüstung im Führerhaus etc.

Was musstet ihr unterwegs schon alles reparieren? Gibt es vielleicht technische Schwachstellen oder ist alles einfach sehr robust?

Das ist schon alles robust. Die Aufnahmen der vorderen Stoßdämpfer sind zu schwach, diese haben wir verstärkt.

Ist die Beschaffung der Ersatzteile ein Problem?

Bisher habe ich noch keine Ersatzteile gebraucht. Die Verschleißteile wie Filter, Bremsbeläge etc. sind problemlos und billig im LKW-Zubehörhandel erhältlich. Sind dann nicht von MAN sondern von Mann&Hummel oder ATE.

Inzwischen sind einige hundert Expeditionsmobile auf 12M18 Basis unterwegs. Das Internet und die Globalisierung machen die Welt klein. Schnell können sich in Foren Fahrzeugeigner zusammenschließen, Wissen austauschen und (notfalls preiswert in China) Kleinserien von nicht mehr erhältlichen Teilen bauen lassen.

Was war die bescheidenste Situation, in der Euch je die Technik im Stich gelassen hat?

Das Überströmventil an der Einspritzpumpe (Bosch-Teil) stellte in der Wüste Lut seinen Dienst ohne Vorankündigung ein. Das erste und einzige Mal bisher, dass der Steyr mir Schach geboten hat. Jedoch konnte ich zur Asphaltstraße laufen und Hilfe organisieren.
Um mich schachmatt zu setzen hat es dann doch nicht gereicht.


Auf den Spuren der Pistenkuh

Burkhard und Sabine arbeiten auf ihren Reisen die tollsten Strecken als GPS Tracks für ihre Offroad Reiseführer aus.

So kann man ohne Stress und blöd rumsuchen zu müssen, das Land gleich von seiner schönsten Seite kennen lernen.

Auch wir sind auf ihren Strecken durch Marokko gedüst und können die Offroad Reiseführer echt empfehlen!

GPS Pistenführer von der Pistenkuh gibt’s außer von Marokko auch noch für Westalpen / Gardasee*, Albanien*, Island* und Russland / Mongolei*


Steyr 12m18 Wüste

Wie würdet ihr den Fahrkomfort im Steyr beschreiben?

Es ist ein Allrad-Lkw der in den 80iger Jahren konstruiert wurde. Der Komfort ist nicht mit modernen LKW, die mit Tempomat, Klima, ABS etc ausgerüstet sind, vergleichbar. Aber für mich akzeptabel.

Gibt es Nachteile am 12M18, die echt nerven?

Der Rückwärtsgang lässt sich oft nur schwer einlegen. Gleiches trifft für den 5. Gang bei kaltem Getriebe zu.

Würdet Ihr Euch immer wieder für einen 12M18 entscheiden oder was wäre eine mögliche Alternative?

Ich bin mit dem 12M18 zufrieden und würde ihn wieder kaufen. Alternativen gibt es viele, ich bin kein Markenfanatiker und da nicht wählerisch. 14.00 Reifen, 200PS, 4×4, stabile Achsen, Untersetzung, Diff-Sperren den Rest mache ich mir dann passend.

Das hört sich pragmatisch an und zeigt mir, dass man sich vielleicht manchmal gar nicht so einen großen Kopf um Kleinigkeiten machen sollte!

Vielen Dank für Deinen Erfahrungsbericht zum Steyr 12M18!

Steyr 12m18 Wasserdurchfahrt
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Steyr 12m18 Expeditionsmobil auf Island

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