Eine Lektion in Gelassenheit? Bitte sehr! Brigitte erzählt …

SabineMotivation11 Comments

Ratz-Fatz, die Küche steht! Das erste Teekränzchen in unserem Aufbau 😀

 

Brigitte zu Besuch bei Herman

Brigitte zu Besuch in der Schrauberhalle

Wir haben Besuch von Brigitte

Sie ist für uns ein richtiges Vorbild, wenn es darum geht gelassener zu werden. Das fällt uns gerade beim LKW-Hausbau schwer, aber Brigitte weiß, wovon sie spricht – sie ist selber für ein Jahr in ihrem Mercedes Benz 710 LKW namens Krümel nach Griechenland gefahren und hat ihren persönlichen Traum von Freiheit gelebt. Auch nach ihrer Rückkehr nach Deutschland wohnte sie noch einige Jahre weiter in ihrem geliebten Benz.

Wir finden es toll, wenn Brigitte von ihren Erlebnissen erzählt und so wollen wir Euch einfach mal einladen, unserer kleinen Runde beizuwohnen.

 

Brigitte, Du hast für mehrere Jahre in Deinem LKW „Krümel“ gewohnt. Wie bist Du darauf gekommen, dich einfach von allem auszuklinken und los zu fahren?

Ich steckte zu dieser Zeit in einer Lebenskriese und wusste, ich muss etwas ändern! Ich hatte einen guten Freund, Markus, der sich damals einen Hanomag gekauft hatte um darin zu leben und zu reisen. Durchgequatschte Nächte entfachten in mir das Feuer für ein Leben im LKW und mich reizte dieses Gefühl von Freiheit, das da so mitschwingt.

Von der Idee in einen LKW zu ziehen und einfach weg zu fahren, habe ich Zuhause gar niemandem erzählt. Markus Mutter fragte mich dann aber plötzlich irgendwann, was denn nun mit dem LKW sei, den ich kaufen wolle. Und in dem Moment war mir klar, das machst Du jetzt, jetzt ziehst Du’s durch! Somit war nun auch klar, dass ich meinen Job kündigen musste, aber meine Chefin sah das anders. Sie stellte mich für ein Jahr frei, das war natürlich perfekt!

In München habe ich dann mit Markus einen super Hanomag gefunden, der aber leider aber schon in der Eifel mit einem dicken Getriebeschaden liegen geblieben ist. Ich habe dadurch Jörg und Kirsten mit dem „blauen Hanomag“ kennen gelernt, die mir sehr geholfen haben. Jörg war es auch, der den Kontakt zum Verkäufer eines tollen, schon fertig ausgebauten Mercedes 710er hergestellt hat. Ich sah ihn und war sofort verliebt. Das war mein Krümel. Alles war schon fertig zum Einzug. Ich stand drinnen und dachte nur: Toll! So viel Platz, und alles alleine meins!

 

So viel Platz??? Ist Dir das nicht ein wenig klein vorgekommen, wo Du doch zuvor in einem Haus gelebt hast?

Ach was! Beim Einräumen in den LKW habe ich festgestellt… WAS BRAUCHE ICH EIGENTLICH? Ich brauche nicht 10 Pfannen! Ich brauch auch keine 3 Ballkleider, denn wenn ich auf ein Bankett eingeladen werde, soll man mich so nehmen wie ich bin – man hat mich doch eingeladen!

Brigitte-in-der-Küche-vom-LKW

Brigitte in ihrer damaligen Küche

Ich habe meine Sachen erst ganz stark reduziert, weil ich dachte, im Krümel hab ich nicht soviel Platz, und es war total toll, wie die Leute sich alle gefreut haben, über die ganzen Sachen, die ich weg gegeben habe. Aber beim Einräumen in den LKW habe ich mich noch einmal reduziert. Nicht, weil der Platz fehlte, sondern weil ich gemerkt habe, dass ich noch viel mehr Dinge einfach gar nicht brauche!

Woran ich nicht gespart habe, waren Kerzen, Kerzen, Kerzen! Wir brauchten Abends keinen Strom, wir haben die Abende bei Kerzenlicht verbracht! … und an Lavendel sollte man nicht sparen, denn das verscheucht einem alle Mücken.

 

Lavendel???

Ja, oder halt vier Wochen vor dem Sommer anfangen, Vitamin B zu nehmen, dann sticht Dich keine Mücke mehr!

 

Grandios, den Tip werden wir uns auf jeden Fall merken und ausprobieren!

Genau so grandios hören sich die gemeinsamen Abende bei Kerzenschein an. Aber abgesehen von Freunden, die mitreisen – isoliert man sich ein Stück weit von anderen Menschen, wenn man plötzlich einen so radikal anderen Weg geht? Hat sich Dein Freundeskreis verändert?

Isolieren? NEIN! Du triffst unterwegs so viele interessante Leute und es sind immer Leute bei denen es passt! Du triffst viel mehr Menschen als vorher. Du bekommst eine ganz neue und stärkere Menschenkenntnis! Oder wenn man unterwegs mal Hilfe braucht – da sind IMMER Leute, die Dir helfen, es ist einfach wunderbar!
Mein Freundeskreis hat es mir etwas übel genommen, weil ich mich von keinem verabschiedet habe und einfach los gefahren bin, aber wirklich verloren habe ich dadurch letztendlich keinen.
Wer einem bleibt, sind halt die echten Freunde, die die so etwas nicht mitmachen, brauche ich eh nicht!

Gemuetliches-Leben-im-Oldtimer-LKW

Gemütliches Beisammensein im Krümel

 

Und wie war das für Dich im LKW, wenn es mal echt ungemütlich draußen wird? Hättest Du Dich bei einem starken Gewitter oder tierischer Kälte in einer echten Wohnung nicht manchmal sicherer oder zumindest behaglicher gefühlt?

NEIN, weisst Du wie geil das ist, wenn Du im LKW liegst, es prasselt der Regen aufs Dach und es ist drinnen warm und gemütlich? Wenn es dann noch blitzt und donnert – das ist richtig toll! Im LKW musst Du Dir auch nie Gedanken machen, ob Du im oberen Stock vielleicht vergessen hast, ein Fenster zu zu machen – da drehst Du dich einmal um dich selbst und weisst bescheid 😀

Selbst der eine Winter, der so heftig war, dass man morgens vor lauter Schnee die Treppe am LKW nicht mehr gesehen hat, war schön! Bei so einem Wetter hat das echt Vorteile in einem Allrad-LKW zu wohnen, Du kannst z.B. auch einfach mal im Schnee ne Fahrspur für die anderen machen und normale Autos aus dem Graben ziehen 😀

Ich liebe das, nicht zwischen vier gemauerten Wänden zu stecken!

 

Gab es für Dich dann andere Situationen, in denen Du Dich gefragt hast, was Du jetzt wohl machen sollst oder die Dich an persönliche Grenzen gebracht haben? Sabine hat ja z.B. immer Bammel, dass was mit dem Wagen sein könnte, oder es irgendwie nicht weiter geht…

Die Angst verlierst Du ganz schnell, Du bist ja sicher, du hast dein zuhause immer dabei, es kann doch gar nichts passieren – du wirst mit der Zeit gelassener!
Ich habe mir, wenn ich gefahren bin, oft die Leute so angeschaut und habe gedacht, Ihr müsst gucken, dass ihr alles zuhause zusammenhaltet – ich habe alles was ich brauche dabei!

Allrad-LKW-am-Strand-in-Griechenland

Brigittes Krümel am griechischen Strand

Ist mal was mit dem Auto – Du findest IMMER jemanden, der Dir hilft! Ich habe zum Beispiel schon in Athen am Flughafen gestanden, da lag ich unter meinem LKW und habe die Druckluftanlage repariert. Am Telefon hatte ich Markus, der mir sagte, nach welchen Teilen ich mal schauen sollte – das geht alles immer irgendwie!

Und wenn etwas passieren soll, dann passierts! Es gibt keine Zufälle.

Als ich z.B. mit Krümel und meinem derzeitigen Begleiter Felix einen Pass hoch gefahren bin, bei dem die Straße kaum breiter war, als mein LKW … auf der einen Seite steile Felswände, auf der anderen ging es senkrecht nach unten … und dann war plötzlich die Straße zu Ende! Einfach zu Ende, keine Wendemöglichkeit, nichts! Es blieb uns nichts übrig, ich musste gut zwei Kilometer rückwärts wieder runter fahren. Ich habe Blut und Wasser geschwitzt, aber dann einfach nur noch gedacht, wenn das jetzt sein soll, dass ich da runter stürze … dann soll es so sein! Aber ich mach das jetzt – und es geht! Dann hat man es gemeistert und man geht aus solchen Situationen immer gestärkt raus. Wenn etwas passieren soll, dann passiert es, dann sollte es so sein. Aber man muss einfach gelassen sein!

Wagenburg-am-griechischen-Strand

Wagenburg am Mittelmeer

 

Hat diese Lebenseinstellung vielleicht auch etwas mit dem Glücksbringer zu tun, den Du uns für unsere Reise mit Herman geschenkt hast? Du uns ja einen kleinen Buddha mitgebracht …

Ja, wir sind von Griechenland aus zweimal für 6 Wochen mit dem Rucksack nach Thailand. Ich bin dort auf ein Kloster gestoßen und habe mich mit einem Mönch unterhalten. Er hat mir viel über den Buddhismus erzählt und ich konnte mich damit einfach identifizieren. Die Menschen leben dort so gelassen; wenn etwas passiert, ja dann ist das halt Buddhas Wille! Man nimmt es so, wie es halt geschehen ist…
Oder wenn Du mal müde wirst und nicht mehr kannst – auch wenn Du auf der Arbeit bist, dann legst Du dich hin, bis es Dir wieder besser geht! Egal, ob Du gerade auf der Arbeit bist. In Thailand kennt man keinen Herzinfarkt.

Für mich ist das keine Religion, es ist eine Lebenseinstellung, eine innere Ruhe und Gelassenheit.
Ich rege mich hier einfach immer über zu viel auf, das macht einen doch kaputt!!! Da werde ich lieber bald wieder in den LKW ziehen und gelassener Leben!

 

Aber jetzt im Moment lebst Du ja wieder ganz normal in einer Wohnung mit einer festen, geregelten Arbeit … einfach, wie man das halt so erwarten würde. Ist das unter manchen Gesichtspunkten denn doch das „bessere Leben“?

Nein, des bessere Leben ist es nicht! Ich wohne jetzt im Moment wieder so, weil eine meiner Töchter gerne wieder zu mir ziehen wollte und das ist auch gut so. Aber ich habe schon immer gesagt, ich will wieder im LKW leben. Es lässt einen einfach nicht los! Arbeiten kannst Du auch, wenn Du im LKW lebst, auch wenn Du unterwegs bist. Man kriegt so viel Arbeit, wenn man nur will, und es findet sich immer ein Weg. Und was brauchst Du schon, wenn Du im LKW wohnst? Du lebst ja dann so billig! Klar, Du brauchst Diesel, aber das wars. lach irgendwann, als wir unterwegs waren und der Diesel 62 Pfennig gekostet hat, haben wir schon gesagt, wenn er 70 kostet, geben wir die LKW’s ab 😀

Oldtimer-LKW-am-Strand

Ich will jetzt noch so lange warten und Geld ansparen, bis ich mir den LKW kaufen kann, der mir gefällt und genau so ist, wie ich den haben möchte. Ich kaufe keinen LKW auf Pump – ALLES andere kommt dann von alleine. Das tut es wirklich, wenn man mal wieder lernt, auf sein Bauchgefühl zu hören! Es ist schade, das Leben könnte so viel einfacher sein, wenn jeder ein bisschen mehr auf sein Bauchgefühl hören würde!

Bei mir kommt auf jeden Fall dann wieder alles weg, was ich habe und dann komme ich nicht mehr zurück, in meine vier Steinwände!

Liebe Brigitte, wenn wir Dir so zuhören, können wir es erst recht kaum erwarten, in unseren Herman einzuziehen! Wir sind gespannt, wann Du wieder einen Krümel hast und freuen uns auf neue Geschichten über Reisen und Gelassenheit von Dir!

11 Kommentare zu “Eine Lektion in Gelassenheit? Bitte sehr! Brigitte erzählt …”

  1. Hallo!

    Coole Küche!

    Provisorien funktionieren und halten ja meist am Besten und Längsten! 🙂 🙂

    Brigitte hat recht, wenn sie sagt, wahre Freunde erkennt man erst dann, wenn man nicht mehr im Hamsterrad läuft, sondern wenn man aus der vermeintlichen „Normalität“ ausbricht, seine eigenen Wege geht. Und man von ihnen trotzdem nicht schief angeguckt wird oder sie sich von einem abkanzeln.

    Schönen Restsonntag noch!

    BULLIZEIliche Grüße

    Marcus

  2. Brigitte würde ich auch gerne kennenlernen 🙂

    Sie spricht mir aus dem Herzen.

    Es findet sich immer ein Weg, genau. Und Fremde sind Freunde, die man noch nicht kennengelernt hat – gerade als Wagenbewohner treffen wir sie unterwegs an jeder Ecke. Zu Hause eher selten. Man hat immer gleich Gemeinsamkeiten, Gesprächsthemen und verbringt die kurze Zeit in der man sich trifft sehr intenstiv zusammen. Das mag für andere oberflächlich aussehen, weil man sich ja oft nur kurz trifft, aber durch den gemeinsamen Lifesyle, die oft ähnlichen Ansichten, Sorgen und Freuden versteht man sich so gut, dass tiefe Freundschaften entstehen – über große Distanzen hinweg. Denn da sind Menschen, die einen verstehen.

    Unterwegs lernt man auch, dass es immer irgendwie weitergeht. Und wenn nicht, dann hat das einen Grund und soll so sein. Gelassenheit ist das einzige Gepäckstück, was man auf Reisen wirklich braucht. Den ganzen Rest kann man ruhig zu Hause lassen.

    Und die Thais, genau. Das ist es, was ich an ihnen am meisten bewundere und was ich mir abgeschaut habe: Den Thai Way of Life. Gelassenheit. Und überall zu schlafen, wenn man müde ist. Auf dem Marktstand, dem Motorroller, egal. Bloß kein Stress.

    Danke euch

    🙂

  3. Hey ihr Lieben, ein super Interview!
    Das mit dem Lavendel merke ich mir sofort. Als absolutes Lieblingsziel jeglicher Mückenarten gebe ich die Hoffnung nicht auf, doch noch mal ein Gegenmittel zu finden…;-)
    Liebe Grüße
    Nima

  4. *Schmunzel* zu dem Lavendel ist auch Teebaumöl und Citronellaöl (aus der Apotheke) sehr gut gegen Mücken ect. Einfach 20 Tropfen Teebaumöl und 10 Trpf Citronella in 200 ml Sonnenlotion oder Körpermilch 🙂 und gut schütteln. Das können die Viecher absolut nicht ab, hat selbst imThailandischen Dschungel super funktioniert.

    Was das Leben im „Auto“ angeht, so kann ich nur jedem , der darüber nachdenkt, empfehlen PROBIERT ES AUS !!! Aber gewöhnt euch daran im Hier und Jetzt zu leben – nicht im Gestern oder Morgen. Und achtet auf eure Gedanken — denn erst kommt der Gedanke, dann das Wort und dann die Tat … eine der wichtigsten Erkenntnisse während meiner Reise !!

    Lieben Gruss
    Brigitte

      1. Hi Steffi, im Herbst könntet ihr die Eifel streifen? Das wäre super, vielleicht treffen wir uns dann einfach mal alle zusammen. 🙂 Wir würden uns riesig freuen! Wie sieht es eigentlich bei euch mit dem Willy-Treffen im September aus? Da ist Brigitte doch bestimmt auch wieder dabei, oder Brigitte?

  5. Hi :-),
    das hat so richtig Spaß gemacht zu lesen. Ich wünsche mir auch, mal ein paar von euch anderen „Verrückten“ zu treffen. Und es gibt wirklich kaum was Schöneres, als bei schlechtem Wetter im Womo zu sitzen – ich liebe es einfach. Außerdem merke ich immer wieder, wer sein Womo liebt, gibt ihm einen Namen – meiner heißt Eddy und ist mein liebstes Teil gleich nach Kindern, Mann und Hunden 😉 .
    Liebe Grüße
    Ute

    1. Hi Ute,
      Entschuldige bitte, wenn wir uns erst sooo spät melden, aber bei uns ging es ziemlich drunter und drüber.
      Vielen lieben Dank für die Blumen, das treibt uns an. 🙂 Und Du hast sooo recht, letztes Wochenende hat es in der Nacht so richtig geschüttet und wir lagen gemütlich und kuschelig im Herman-Bett. Vielleicht treffen sich ja mal Herman und Eddy, wir würden uns riesig freuen!

      Liebe Grüße,
      Sabine und Micha

  6. Super schönes Interview, auch nach einem Jahr noch gut lesbar, interessant und um es mit unserer Sprache zu schreiben-mitreißend.
    Zu oft wird nachher „interessant“ geschrieben, wo vorher Zeilen überflogen wurden. Wenn man, animiert durch die Überschrift oder des Themas mal etwas relaxter und ruhiger liest, merkt man „wie schön das Lesen ist“.

    Genial, dass Ihr Leser und Interessierte durch solche Geschichten „bei Laune“ haltet.

    Im LKW leben oder sonstwie mobil ist die Freiheit schlechthin. Ich blicke von Gertruds superschicken Dachgeschosswohnung, mit allem Modernem, was es gibt, hinunter in Vorgärten mit allem, was man in diesem Zusammenhang so kennt. Selbst zu Besuch fühle ich mich nur begrenzt wohl. So fährt Sie morgen in die Arbeit und ich zu unserem MAN, da kann man leben.
    Gerrico grüßt Euch und alle Gleichgesinnten, nehmt Euch für alles mehr Zeit, denn es ist Lebenszeit.

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